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BLKÖ:Habsburg, Maria Theresia (deutsche Kaiserin)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 60. (Quelle)
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251. Maria Theresia, deutsche Kaiserin (geb. 13. Mai 1717, gest. 29. November 1780). Tochter des Kaisers Karl VI. aus dessen Ehe mit Elisabeth Christine von Braunschweig. Maria Theresia war seit seit 12. Februar 1736 mit Franz I. Stephan, Herzog von Lothringen [Bd. VI, Nr. 94], vermält; sie gebar ihrem Gemale 16 Kinder, u. z. 5 Söhne und 11 Töchter; sie sind in chronologischer Folge: Elisabeth (geb. 5. Februar 1737, gest. 2. Juni 1740); Maria Anna (geb. 6. October 1738, gest. zu Klagenfurt 19. October 1789) [s. d. Nr. 212]; Charlotte Ernestine Antonie[WS 1] (geb. 12. Jänner 1739, gest. 25. Jänner 1741); Joseph II., Thronfolger [Bd. VI, Nr. 123]; Christina Maria (geb. 13. Mai 1742, gest. 24. Juni 1798) [Bd. VI, Nr. 44]; Maria Elisabeth Josepha (geb. 13. August 1743, gest. 23. September 1808) [s. d. Nr. 233]; Karl Joseph (geb. 1. Februar 1745, gest. 18. Jänner 1761); Maria Amalia (geb. 26. Februar 1746, gest. zu Prag 18. Juni 1804) [s. d. Nr. 204]; Leopold Peter, Nachfolger Joseph’s II. [Bd. VI, Nr. 172]; Karoline (geb. und gest. 18. Sept. 1748); Johanna Gabriele (geb. 4. Febr. 1750, gest. 23. Dec. 1762); Maria Josepha Gabriela (geb. 19. März 1751, gest. 15. Oct. 1767); Karolina (geb. 13. August 1752, gest. 8. September 1814) [Bd. VI, Nr. 151]; Ferdinand (geb. 1. Juni 1754, gest. 24. December 1806) [Bd. VI, Nr. 91]; Maria Antoinette (geb. 2. November 1755, gest. 21. Jänner 1793) [s. d. Nr. 222]; und Maximilian (geb. 8. December 1756, gest. 27. Juli 1801), Bischof und Churfürst von Cöln. Wahlspruch. Um den böhmischen Löwen, der mit der linken Tatze sich auf Oesterreichs Wappen lehnt, in der andern das ungarische Doppelkreuz hält, die Worte: „Justitia et Clementia“. Hervorragende Lebensmomente. Am 20. October 1740 hatte Karl VI. die Augen geschlossen, und Maria Theresia bestieg als Alleinherrscherin den Thron ihrer Väter. Die pragmatische Sanction sollte ihr Recht auf den Thron garantiren. Die pragmatische Sanction war ein Stück Papier; „Hunderttausend Mann und ein gefüllter Schatz sind die besten Garantien der pragmatischen Sanction,“ hatte der große Eugen kurz vor seinem Tode gesagt; aber man hatte seine Worte leider nicht beachtet. Die ersten, welche diesen Tractat angriffen, waren Bayern, Spanien und Preußen. Karl Albrecht, Churfürst von Bayern, erhob aus mehreren Gründen Ansprüche; der bayerische Gesandte in Wien, Graf Törring, erkühnte sich unmittelbar nach Karl’s VI. Beisetzung in der Gruft seiner Väter, die Chefs der Hofstellen durch Decrete zu sich zu berufen, um sie von den Vollmachten seines Herrn als nunmehrigen Landesfürsten in Kenntniß zu setzen. Diese Zuschriften kamen ihm versiegelt zurück und der Unwille des Volkes gegen diesen Uebermuth war so groß, daß der Graf in seinem Gesandtschaftshotel nicht mehr Sicherheit fand und bei Nacht und Nebel Wien verlassen mußte. Aber Karl Albrecht zog eine Truppenmacht von 30.000 Mann geübter Truppen, wie er sie von seinem heroischen Vater Max Emanuel ererbt hatte, im November 1840 in den Lagern von [61] Rosenheim, München und Neukirch zusammen, Tirol, Böhmen und Oberösterreich zugleich bedrohend. Spanien, als Repräsentant der erloschenen spanisch-österreichischen Linie, machte gleichfalls Ansprüche, u. z. sollte der zweitgeborne Infant Don Philipp (Carlos der Erstgeborne war bereits König beider Sicilien) die übrigen spanisch-österreichischen Erbländer in Italien, Mailand, Mantua, Parma und Piacenza erhalten. In Frankreich wollte der ehrwürdige Greis Fleury den Frieden, aber die thatendurstigen Brüder, der Marschall und Chevalier de Bellisle, wiegelten den noch unschlüssigen Churfürsten von Bayern vollends auf, während der König von Polen und Churfürst von Sachsen, und der junge preußische König Friedrich, der erst vor wenigen Monaten, am 31. Mai 1740, den Thron bestiegen hatte, in sich Kriegsgelüste genug verspürten, um im Trüben zu fischen. Der Gesandte Oesterreichs, Feldmarschall Seckendorf, hatte im Namen seines Kaisers (Karl VI.) dem Kronprinzen Friedrich das Leben erbeten, als er auf der Flucht nach Holland eingeholt und auf seines Vaters Befehl enthauptet werden sollte. Zornig schnaubte Friedrich Wilhelm – wie das seine feinste Art war – Seckendorf an: „Oesterreich wird schon erfahren, welche Schlange es in seinem Busen erwärmt hat.“ Friedrich’s erste That des Dankes war, in den Archiven die alten Rechte des Hauses Brandenburg auf die schlesischen Fürstenthümer Liegnitz, Wohlau, Brieg und Jägerndorf aufsuchen zu lassen, zugleich aber seiner antiquarischen Forschung durch den Einbruch mit einer Armee in Schlesien, Anfangs December 1740, den gehörigen Nachdruck zu geben, nachdem er unter Einem seinen Gesandten Gotter nach Wien entsendet hatte, der Königin von Ungarn und Böhmen Allianz wider alle ihre Feinde anzubieten, dagegen sollte sie beide Schlesien, das eine, weil Preußen darauf Recht habe, das andere als Kriegsentschädigung, dem Könige abtreten. Die Lage Maria Theresia’s war eine verzweifelte; aber ihre Antwort war eine kaiserliche: binnen 24 Stunde erhielt Graf Gotter Befehl, Wien zu verlassen. Ende Jänner 1741 war ganz Schlesien in preußischer Gewalt. Die Schlacht von Molwitz (10. April) fiel zu Gunsten der Preußen aus, der König drang nach Mähren vor, Frankreichs Heer setzte über den Rhein, die Bayern rückten auf Passau los und Maria Theresia schrieb in ihrer Herzensangst an ihre Schwiegermutter, die Herzogin von Lothringen: „daß sie keinen Ort wisse, wo sie ihre Entbindung ruhig abwarten könne.“ Am 31. Juli besetzte der Churfürst von Bayern Passau, am 14. August 1741 bereits Linz, wo er sich als Erzherzog von Oesterreich huldigen ließ. Unaufhaltsam rückten die Bayern bis nach St. Pölten vor und ließen den Grafen Khevenhüller auffordern, Wien zu übergeben. In dieser Lage stellte sich Maria Theresia unter den Schutz der Ungarn und am 11. September 1741 war es, daß sie zu Preßburg in die Versammlung der Magnaten trat, worauf diese von der kurzen, aber beredten Ansprache der jungen, schönen Fürstin, des bedrängten Weibes und der bittenden Mutter begeistert, die Säbel zogen und riefen: „Moriamur pro rege nostro.“ Die Ungarn hielten Wort, sie stellten in kürzester Zeit ein Heer auf, und diese Rüstungen schon waren hinreichend, Schrecken unter den Feinden hervorzurufen. Karl Albrecht wendete sich nun nach Böhmen, wo er am 26. November 1741 in Prag eindrang und am [62] 7. December sich zum Könige krönen ließ, nun begab er sich nach Frankfurt, ließ sich dort zum Kaiser wählen (24. Jänner 1742) und von seinem Bruder, dem Churfürsten von Cöln (am 12. Februar) krönen. England, welches bisher nur den Zuschauer gemacht, fühlte sich auch von der Größe und dem Heldenmuthe Maria Theresia’s gehoben. Die Londoner Damen allein zeichneten die Summe von 1,500.000 fl. zur Unterstützung der Königin, aber Maria Theresia schlug diese Summe mit fürstlichem Stolze aus, erklärend, keine Gelder anzunehmen, als jene, welche ihr der König und das Parlament bewilligen würden. Tatsächlich erklärte nun Georg II. die übernommene Garantie der pragmatischen Sanction mit den Waffen in der Hand vertheidigen zu wollen. Die Generalstaaten gaben im nämlichen Jahre ansehnliche Geldbeträge, und im folgenden Jahre schickten sie Truppen. Nun wurden die Bayern und Franzosen unter Segur aus Oesterreich getrieben und die Oesterreicher fielen in Bayern ein, nahmen Schärding, Straubing, Landshut, Ingolstadt und München; die Tiroler brachen aus ihren Bergen; Karl VII., aus seinem Erblande verjagt, floh nach Frankfurt, wo er kümmerlich von den Subsidien Frankreichs und der Großmuth seines Reichs-Erbpostmeisters, des Fürsten von Thurn und Taxis, lebte. Nur Preußen setzte den Krieg in Mähren fort. Karl von Lothringen nahm dem Feinde Olmütz ab und drückte ihn nach Böhmen. Am 17. Mai 1742 fand die Schlacht zwischen Czaslau und Chotusitz Statt, wo, ungeachtet die Oesterreicher bereits 16 Fahnen erobert und 2000 Gefangene gemacht, der Sieg auf preußische Seite fiel, weil die österreichische Cavallerie sich beim Plündern des preußischen Lagers zu lange aufgehalten hatte und in Unordnung gerathen war, welche der Feind seinerseits benützte. Es kamen nun die Präliminarien zu Breslau (11. Juni 1742) und der Definitiv-Tractat zu Berlin (28. Juli) zu Stande, durch welchen Friedrich II. Ober- und Niederschlesien und die Grafschaft Glatz ohne Teschen, Troppau und Jägerndorf erhielt; bald folgte auch durch Englands Vermittlung die Turiner Convention vom 1. Februar 1742, und durch den Tractat von Worms (13. September 1743) erhielt Sardinien ein Stück des Mailändischen. Nun konnte Maria Theresia in Bayern ihre Streitkräfte entwickeln. Khevenhüller und Nádasdy drangen neuerdings in’s Land, wo eine förmliche österreichische Regierung niedergesetzt wurde und Maria Theresia die Huldigung von den Unterthanen des Kaisers, ihres Vetters, denn das war Karl VII., entgegennahm. Auch die Engländer mit ihren Hilfstruppen waren mittlerweile angerückt und hatten den Franzosen die Schlacht bei Detlingen[WS 2] (27. Juni 1743) geliefert, worin diese geschlagen wurden. Die Oesterreicher aber drangen durch Bayern und Schwaben an den Rhein vor, den sie Angesichts der französischen Armee unter Karl von Lothringen überschritten. Preußen, welches sich durch einen geheimen Artikel des am 13. Mai 1744 zwischen ihm, Frankreich, Churpfalz und Schweden zu Frankfurt geschlossenen Bundes anheischig gemacht hatte, Böhmen für Karl VII. zu erobern, wofür es sich den Königgrätzer, Leitmeritzer und Bunzlauer Kreis ausbedungen hatte, brach, wie früher in Schlesien, diesesmal ebenso unerwartet in Böhmen ein und bemächtigte sich Prags, das nun Karl VII. zum andern Male huldigte. Die Oesterreicher räumten nun Bayern, wo durch den Tod Karl [63] Albrecht’s (20. Jänner 1745) eine Aenderung der Politik eintrat, da sein Sohn Maximilian Joseph, nachdem die Oesterreicher unter Trenk, Menzel und Bärnklau zum dritten Male in’s Land eingefallen waren, mit Maria Theresia den Frieden zu Füßen schloß (22. April 1745), zufolge welchem Max Joseph allen von seinem Vater usurpirten Titeln und Ansprüchen auf Karl’s VI. Verlassenschaft entsagte und Maria Theresia’s Gemal bei der bevorstehenden Kaiserwahl die Stimme zu geben versprach, während Maria Theresia ihm sein Erbland zurückgab, bloß Ingolstadt und die südöstliche Spitze zwischen dem Inn und der Salza als Unterpfand bis nach vollbrachter Wahl behaltend. Der Kampf mit Friedrich beschränkte sich anfänglich auf einige treffliche Bewegungen Traun’s, der den König von Preußen aus Böhmen heraus manoeuvrirte; als aber Karl von Lothringen den Oberbefehl übernahm, folgten mehrere Schlachten und Treffen, in denen Friedrich siegte, u. z. bei Habelschwerdt (13. Februar 1745), bei Hohenfriedberg oder Striegau (4. Juni), bei Trautenau oder Sorr (30. September), bei Hennersdorf (27. November) und bei Kesselsdorf (15. December). Der Friede von Dresden (25. Dec.), auf Grundlagen des Breslauischen, machte allen diesen Kämpfen ein Ende. Indessen hatte auch Franz I. Stephan’s Kaiserwahl und Krönung zu Frankfurt (14. September und 4. October) stattgefunden. Der Krieg in Italien war auch nicht glücklich; wohl führte der Fürst von Lobkowitz den meisterhaften Ueberfall gegen Veletri (13. August 1744) aus, aber die Niederlage, die er bei Rimini erlitt, war um so größer, und zu Ende 1745 gehorchten Mailand, Parma und Piacenza, Montferrat und ein großer Theil Piemonts den Höfen von Madrid und Versailles. Im Feldzuge des Jahres 1746 war Oesterreich in Italien glücklicher, Feldzeugmeister Browne siegte bei Guastalla (27. März 1746), Liechtenstein in der Hauptschlacht bei Piacenza (16. Jänner) und die Feldzeugmeister Botta und Bärnklau bei Rottofreddo; die Franzosen und Spanier, schon Herren von ganz Italien, mußten nunmehr ganz Italien räumen, nur aus Genua wurden die Oesterreicher (am 5. December) durch einen Volksaufstand vertrieben und konnten es nicht wieder einnehmen. Als dann bald der König Spaniens, Philipp V. (12. Juli 1746) starb und Ferdinand VI. den Thron bestieg, gestalteten sich bei dessen entschiedenem Hasse gegen Frankreich die Angelegenheiten für Oesterreich günstiger. Noch dauerten die Kämpfe zwischen Frankreich und England zu Land und Wasser fort; erst der Friede von Aachen (30. April die Präliminarien, 23. October 1748 der Definitivfriede) machte den Kämpfen ein Ende. Theresia behielt Alles außer einem großen Theile Schlesiens, der Grafschaft Glatz und den an Sardinien abgetretenen Gebieten von Mailand, Parma, Piacenza und Guastalla, auch wurde die pragmatische Sanction neuerdings garantirt. Der Aachener Friede, welcher im Grunde nichts Anderes war, als eine Saat zu neuen Kämpfen, hatte für Oesterreich eine dem Anscheine nach günstige, aber immerhin sehr bedenkliche und wie es sich später zeigte, traurige Folge, nämlich Kaunitz war auf die Idee gerathen, die Cabinete von Paris und Wien enge an einander zu knüpfen, um durch diese Allianz England und Holland in Schach zu halten. Es war ihm gelungen, im [64] Staatsrathe mit seinem Plane gegen die entgegengesetzten Ansichten der anderen Minister Königseck, Harrach, Uhlefeld und Bartenstein durchzudringen. Am 1. Mai 1756 schloß Fürst Starhemberg das Bündniß mit Frankreich, welches wirklich auch bis zum Jahre 1792 dauerte, wofür aber die unglückliche Maria Antoinette der zu hohe und traurige Preis werden sollte. König Friedrich hatte in der Zwischenzeit neue Ursache zum Kampfe mit Oesterreich gefunden; der Cabinetskanzlist Menzel am chursächsischen Hofe setzte nämlich den König von Zeit zu Zeit in Kenntniß von allen Plänen, die der wider ihn gerichtete Bund der Höfe von Wien, St. Petersburg und Dresden vorhatte. Dieser Verrath, der übrigens jeder reellen Grundlage entbehrte, genügte dem Könige zum Anlasse, mit seinem Heere in Sachsen einzubrechen (29. August 1756). Dresden öffnete ihm sofort die Thore, und Friedrich hatte nichts Eiligeres zu thun, als der Archive sich zu bemächtigen, in welchen er aber nichts fand. Der König August hatte sich mit seinem Heere im Lager bei Pirna verschanzt. Friedrich schloß es ein und drang zugleich in Böhmen ein, wo zwei Heere unter Browne und Piccolomini ihm entgegen rückten. Am 1. October 1756 fand das Treffen bei Lobositz Statt, in dem beide Theile sich den Sieg zuschrieben. Die ferneren Versuche Browne’s, die Sachsen aus ihrer bedenklichen Lage bei Pirna zu befreien, scheiterten. Oesterreich beschloß im weiteren Verlaufe des Feldzuges sich defensiv zu verhalten, und so den Rüstungen der Bundesgenossen, welche Kaunitz gegen Friedrich bewaffnet hatte, der Franzosen, Russen, Schweden, Sachsen, Bayern, Pfalzer, Württemberger und der mächtigeren geistlichen Reichsfürsten Zeit zu lassen. Der König seinerseits begann den Feldzug frühzeitig, um den Kampf, wo möglich, mit Oesterreich zunächst allein auszufechten. Am 10. April drang er in Böhmen ein, am 21. April schlug der Prinz von Braunschweig-Bevern bei Reichenberg das Chor des Grafen von Königseck; am 4. Mai standen sich beide Heere unter den Mauern Prags gegenüber; am 6. Mai 1757 fand die entscheidende Schlacht bei Prag Statt, in welcher feindlicher Seits der 73jährige Feldmarschall, Graf Schwerin, mit der Fahne in der Hand den Heldentod fand. Der Kampf war mörderisch; österreichischerseits zählte man 19.000, preußischer Seits 18.000 Todte und Verwundete; der Sieg gehörte den Preußen, welche überdies 5000 Gefangene gemacht und Prag, wo sich der auf den Tod verwundete Browne befand, mit 40.000 Mann eingeschlossen hielten. Das österreichische Heer war vernichtet und die Lage Maria Theresia’s eine trostlose. Daun befehligte noch ein Corps von 24.000 Mann in Mähren, durch Werbung und Recrutirung wurde in vier Wochen ein neues Heer von 70.000 Mann ungeübter Truppen aufgestellt. Die Preußen hielten Prag eingeschlossen, bombardirten es und wollten es durch Hunger zur Uebergabe zwingen. Daun erhielt Befehl, es zu entsetzen. Am 18 Juni 1757 fand dieser in der Kriegsgeschichte merkwürdige Tag Statt. Zwischen Planian, Collin und Chotzemitz erwartete der König den bevorstehenden Angriff, der mit der gänzlichen Niederlage des preußischen Heeres endete, das an diesen Tage 5000 Todte und 12.000 Gefangene und Ueberläufer verloren hatte und mit welchem der bisherige Wahn seiner Unüberwindlichkeit zerstört wurde. Die Erfolge der Verbündeten [65] waren nicht weniger günstig, bis zur Schlacht bei Roßbach (5. November 1757), in welcher die Preußen die Franzosen in anderthalb Stunden so schlugen, daß diese die schändlichste und unordentlichste Flucht ergriffen und mit 800 Todten, 6000 Gefangenen, darunter 11 Generale, vierthalbhundert Officiere und dem Verluste von 72 Kanonen und den meisten Fahnen diesen Tag bezahlten. Das Waffenglück in den weitern Kämpfen in Schlesien war noch immer auf Oesterreichs Seite, am 12. November ergab sich Schweidnitz, am 25. November nach siegreicher Schlacht Breslau; bis die unglückliche Schlacht bei Leuthen (5. December 1757) stattfand, durch welche das ganze wiedereroberte Schlesien neuerdings verloren wurde. Der Feldzug des Jahres 1758 war minder entscheidend. Friedrich belagerte Olmütz, bis Daun dem Könige mit seinem Heere gegenüber stand, bei Domstadtl den Mund- und Kriegsvorrath des preußischen Heeres (30. Juni) wegnahm und den König in seinem Lager bei Hochkirchen (in der Nacht vom 13. auf den 14. October) überfiel und schlug. Die Erfolge gegen die Verbündeten machten diese Niederlage fruchtlos. Der Feldzug des Jahres 1759 war thatenreich, es fand die mörderische Schlacht bei Kunersdorf (12. August) Statt, in welcher Friedrich eine furchtbare Niederlage durch die vereinten Oesterreicher und Russen erlitt; und nach einigen glücklichen Operationen der Preußen in Sachsen nöthigte Daun das Corps des Generals Fink, 12.000 Mann stark, bei Maxen zur Uebergabe (21. November). Auch die Erfolge der Verbündeten kamen Oesterreich zu Statten. Hingegen neigte sich im Feldzuge des Jahres 1760 das Glück auf die preußische Seite, der König nahm bei Landshut die Verschanzungen des Generals Fouquet; in der Schlacht bei Torgau (3. November) war der Sieg bis sieben Uhr Abends auf Seite der Oesterreicher; um diese Stunde gelang es Friedrich, die entscheidenden Höhen von Siptitz zu nehmen, und der Sieg war sein. Der Feldzug des Jahres 1761 wurde vornehmlich von den Verbündeten ausgefochten. Die Versuche der europäischen Mächte, den Gräueln des Krieges ein Ende zu machen, scheiterten an den unberechtigten und übermüthigen Bedingungen Preußens. Erst die Thronveränderungen in Rußland hatten wesentlich den Frieden gefördert. Dort war die Kaiserin Elisabeth (5. Jänner 1762) gestorben, Czar Peter ihr gefolgt, aber schon am 9. Juli d. J. von den Garden entsetzt worden; und als dieser am 17. Juli sein Leben endete, bestieg Katharina den Thron, jedoch die Erwartung, Rußland werde gegen Preußen rüsten, wozu Katharina’s Thronbesteigungsmanifest, welches Friedrichen den Erbfeind des russischen Namens nannte, die nächste Veranlassung gab, ging nicht in Erfüllung. Erst am 15. Jänner 1763 wurde auf dem sächsischen Jagdschlosse Hubertsburg zwischen Theresien, Friedrich und dem Polenkönige August der Friede unterzeichnet. Endlich konnte die Kaiserin ihre Aufmerksamkeit der innern Organisation des Reiches ganz zuwenden; daß jedoch selbst unter den Gräueln des Krieges die große Monarchin ihr Auge für die Wohlfahrt des Ganzen offen behalten hatte, werden die weiter unten folgenden Regesten der geistigen Eroberungen Oesterreichs unter seiner großen Kaiserin beweisen. Am 27. März 1764 erfolgte die einstimmige Wahl Joseph’s zum römischen Könige und am 3. April dessen Krönung, im [66] folgenden Jahre verlor aber Theresia ihren zärtlich geliebten Gatten, Kaiser Franz, zu Innsbruck, wo er plötzlich (18. August 1765) in den Armen seines Sohnes verschied. Das Zimmer, wo er geendet, ließ Maria Theresia in eine Capelle umgestalten und, damit sein Andenken in feierlicher Weise ununterbrochen erhalten werde, gründete sie das dortige adelige Fräuleinstift. Maria Theresia’s erster Entschluß war, die Regierung niederzulegen und als Aebtissin zu sterben. Endlich wurde sie überredet, diesen Gedanken aufzugeben und sie erklärte Joseph zum Mitregenten und unumschränkten militärischen Chef, wie zum Großmeister aller Orden. Das Jahr 1767 erfüllte die Völker Oesterreichs mit banger Besorgniß um die vielgeliebte Herrscherin, welche, 49 Jahre alt, lebensgefährlich an den Pocken darniederlag, aber durch die Kunst van Swieten’s und Störk’s gerettet und den jubelnden Völkern erhalten wurde. Die Feindseligkeiten Rußlands mit der Türkei und die Unruhen in Polen drohten wieder den europäischen Frieden zu stören. Die letzteren wurden durch ein, zwischen Preußen und Rußland im Geheimen verabredetes Uebereinkommen beschwichtiget. Es war die Theilung Polens, an der theilzunehmen Maria Theresia gezwungen wurde [vergl. das Schreiben Maria Theresia’s in den Quellen]. Den 5. August 1772 erfolgte der Theilungstractat, am 1. September fand die gemeinschaftliche Besitzergreifung Statt. Die Vermittlung zwischen Rußland und der Pforte (7. Mai 1775) hatte zur Folge, daß die Bukowina an Oesterreich kam, während Rußland früher schon mit der Türkei den Frieden von Kutschuk Kainardgi (21. Juli 1774) geschlossen hatte, wodurch der Kampf zwischen Rußland und der Türkei sein Ende nahm. Als Maria Theresia ihre Regierung antrat, hatte sie den österreichischen Erbfolgekrieg mit Preußen auszukämpfen, das Ende ihrer Tage sollte nicht weniger kriegerisch werden; die bayerische Erbfolge, durch den Tod Maximilian Joseph’s angeregt, bewaffnete neuerdings ihren alten Gegner, den Preußenkönig, der nun einmal sein kleines Reich um jeden Preis auf Kosten Oesterreichs zu vergrößern entschlossen war. Max Joseph III. war der Letzte der bayerischen Linie aus dem Hause Wittelsbach und hatte mit Oesterreich wegen der Erbfolge ein Uebereinkommen getroffen. Das gab Preußen nicht zu; wenn dieses kampf- und beutelustig war, ließ es das Recht, wenn es noch so evident dalag, nicht gelten und der Berlinerhof verlangte, daß in Bayern Alles wieder in den vorigen Stand gesetzt werde. Oesterreich ging darauf nicht ein. Der Krieg begann wieder. In diesem Feldzuge hatte Preußen ganz weitaussehende Pläne gefaßt, und weil die Oesterreicher in den früheren die preußische Hauptstadt heimgesucht, wollte Preußen dießmal Wien einen Besuch abstatten. Kaiser Joseph hatte bei Königgrätz eine treffliche Stellung inne und aus dieser ihn zu verdrängen, wollte dem Preußenkönige nicht gelingen. Zu einem entscheidenden Kampfe wollte es aber nicht kommen, es fanden nur kleinere Gefechte Statt, das bedeutendste bei Habelschwerdt (18. Jänner 1779) fiel zu unsern Gunsten aus. Da knüpfte – ohne Joseph’s Wissen – Maria Theresia mit dem Könige die abgebrochenen Unterhandlungen wieder an und es kam am 13. Mai 1779 der Friede zu Teschen zu Stande, in welchem Oesterreich für alle seine Ansprüche den [67] Theil Bayerns zwischen der Donau, dem Inn und der Salza (das Innviertel), Max Joseph’s Nachfolger, Karl Theodor von der Churpfalz, aber die böhmischen Lehen und Mindelheim erhielt. Das war das letzte größere politische Ereigniß nach Außen unter Maria Theresia’s Regierung, welche wir nun nach den Begebnissen im Innern des Reiches überblicken wollen.

Die Erbfolgegesetze, die Verträge mit den fremden Staaten, die Titel der Machtvollkommenheit im Innern waren vor Maria Theresia wenig gewürdiget worden, sie moderten in den Archiven. Als Maria Theresia den Thron bestieg, hatte sie erfahren, daß alle diese Besitztitel von Wichtigkeit und daß sie als Gegenstände der öffentlichen Meinung einer sorgfältigen Ueberwachung und Ordnung bedürftig seien. So gründete sie denn das geheime Haus-, Hof- und Staatsarchiv und übergab es der Leitung des Ministeriums des Aeußern. Rosenthal bereiste die Provinzstädte und trug (1748–1752) die merkwürdigsten Urkunden und Denkmäler in dasselbe zusammen. Theresia ließ Titel und Wappen neu und systematisch ordnen, die Privilegien, Kleinodien und sonstige Prärogative ihres Hauses emsig aufsuchen. Auch legte sie (am 19. April 1755) ihren Prinzen und Prinzessinen, bis dahin Durchlauchten genannt, den Titel königliche Hoheit bei. Die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten war bis zu Sinzendorf’s Tode (1742 mit der Verwaltung des Innern fast völlig vereint gewesen. Maria Theresia trennte sie. Graf Uhlefeld, vordem Internuntius in Constantinopel, wurde Minister des Aeußern und 1752 genehmigte sie den Plan ihres neuen Ministers, Grafen Kaunitz, zur völligen Sonderung und organischen Einrichtung der geheimen Hof- und Staatskanzlei, zu welcher Zeit auch die Akademie der orientalischen Sprachen begründet wurde. Wie die Staatskanzlei allen ihren Landen einen Vereinigungspunct gegen das Ausland gab, so schuf sie analog zur Centralisirung der Provinzialverwaltungen oder sogenannten Statthaltereien (1773) den Staatsrath, welcher in collegialer Form, weder mittel-, noch unmittelbar executiv, nicht mit dem Detail, sondern mit der Uebersicht und Obhut beschäftiget, die genaue Beobachtung der vorgezeichneten Principien und Gesetze überwachte. Große Wirksamkeit entwickelte die Kaiserin in Kirchensachen. 1747 untersagte sie die kostspieligen und den landesherrlichen Rechten nachtheiligen Visitationen der apostolischen Nuntien in ihren Staaten; 1749 verbot sie strenge die Kundmachung irgend welcher päpstlicher Bulle ohne königliches Placetum. Am 23. Juni 1752 war es das letzte Mal, daß der römische Hof ein Indult ertheilte zur Besteuerung der erbländischen Geistlichkeit (auf nahezu 2 Millionen als Türkensteuer); die Patente wegen Verminderung der überflüssigen, den Ackerbau und Handel so nachtheiligen Feiertage waren am 1. September 1753 und am 22. Juni 1771 erschienen; ebenso 1758 die strenge Verordnung wegen des Mißbrauches der Exorcismen. Am 31. December 1763 wurde die Summe festgesetzt, welche in die Klöster mitzubringen gestattet wurde; eine Verordnung vom 13. October 1770 schrieb im Fache des geistlichen Rechtes und der Gottesgelehrtheit allenthalben und auch in den Klöstern gleiche Lehrsätze und Schulbücher vor; eine andere vom 7. November d. J. setzte fest, daß vor dem 24. Jahre keine feierlichen Ordensgelübde mehr abgelegt werden dürfen. [68] Die schon 1340 von dem Herzoge Albrecht dem Lahmen, 1526 von Ferdinand I., 1654 von Ferdinand III. gegebenen Amortisationsgesetze für geistliche Gemeinheiten wurden durch das Gesetz vom 26. August 1771 erneuert, ein Gesetz vom 31. August 1771 beschränkte die Vorsteher der Klöster im Gebrauche und Mißbrauche der Kerkerstrafen; mit dem 25. Juli 1772 erschien eine Vorschrift über den Einfluß der Geistlichkeit auf letztwillige Anordnungen und Vermächtnisse; mit dem 16. September 1775 wurden die Asyle aufgehoben und früher schon (1773) wurde das ältere Gebot, allen Verkehr mit dem römischen Hofe nur durch das Ministerium des Aeußern zu pflegen, erneuert. Die alten landesherrlichen Rechte, die Grenzen der Diöcesen zu bestimmen, zu große Sprengel abzutheilen, zu kleine zu vereinigen, die Gerichtsbarkeit auswärtiger Bischöfe aus ihren Staaten auszuschließen, wurden von Maria Theresia mit Standhaftigkeit behauptet. Am 30. September 1748 erneuerte die Kaiserin-Königin mit Zustimmung des römischen Hofes den alten Titel Apostolische Majestät, dessen eigentliche Bedeutung der gelehrte Kollar in zwei Abhandlungen über das Patronatsrecht und über die gesetzgebende Gewalt der ungarischen Könige in Kirchensachen dargestellt hat. Um den Unterthan aus seiner Abhängigkeit vom Gutsbesitzer zu befreien und letzteren den Gesetzen mehr zu unterordnen, als bisher der Fall war, schuf die Kaisern die Kreisämter; ferner als Mittelbehörde zwischen den Statthaltereien und dem Monarchen die Hofstellen; trennte Administration in engster Bedeutung, Finanzen und Justiz strenge von einander. Die aus den Zeiten des Faustrechts stammende Carolina ließ sie durch einen eigenen viel milderen Strafcodex, die sogenannte Theresiana[WS 3] ersetzen; hob auf den durchgreifenden Vorschlag des unvergeßlichen Sonnenfels mit Gesetz vom 1. Jänner 1776 die Tortur ganz auf und beschränkte die Todesstrafe auf die größten und gefährlichsten Verbrechen. Nicht minder bedeutend waren ihre Vornahmen für die innere Verbindung des Reiches. So wurden 1772 die 16 Zipserstädte Ungarn einverleibt; 1770 Temesvár mit dem Banat verbunden; die Privilegien der serbischen Colonisten gleich bei ihrem Regierungsantritte bestätigt; 1772 eine illyrische Hofdeputation aufgestellt, mit 20. Juli 1771 und 2. Jänner 1777 besondere illyrische Reglements gegeben und eine eigene Hofbuchdruckerei für dieselbe gestattet. Siebenbürgen wurde 1764 ein eigenes Großfürstenthum und die Grenze erhielt eine eigene Verfassung, welche noch heute durch keine bessere ersetzt werden kann. Für die Hebung des Handels und der Gewerbe waren die vielen Kriegsjahre ihrer Regierung sehr hinderlich, übrigens unterstützte der Hof sehr alle entsprechenden Unternehmungen und zur Förderung des Handels errichtete die Kaiserin 1766 einen eigenen Hofcommerzienrath. Was die Geschichte der Staatswirthschaft, der Industrie und des Handels anbelangt, so sind Männer, wie Horneck[WS 4], Justi[WS 5], Sonnenfels, ferner unter dem hohen Adel die Grafen von Haugwitz, Hatzfeld, Karl und Ludwig Zinzendorf und Pottendorf, Freiherr Friedrich von Eger, Alle unter Maria Theresia thätig, Namen von gutem Klang. Der Hafen von Livorno, der große Leuchtthurm zu Ostende wurden erbaut; zahlreiche Canäle in Belgien und der Lombardie, die kühnen Straßen in Tirol und in den Niederlanden gezogen; das [69] große Lazareth in Triest, die herrlichen Maschinen in Schemnitz errichtet; der Bergbau und mit ihm das Münzwesen verbessert, die Schmelz-, Scheide- und Markscheidekunst vervollkommnet, die Agricultur, Seide-, Flachs- und Wollenmanufactur gehoben; mehrere neue Städte und viele Dörfer angelegt und Tausende von Ansiedelungen nach Ungarn, Galizien, in das Temesvárer Banat und die Militärgrenze bewerkstelliget. Was die Hebung und Ausbildung der Armee betrifft, so war die Kaiserin von der Ansicht durchdrungen, daß, um den Grenzen ihres, von allen Seiten angreifbaren Reiches Unverletzbarkeit zu sichern, ihrem Fürstenwort im großen Rathe der anderen Machthaber und in den Welthändeln Gewicht, dem Unterhan Schutz, den Künsten des Friedens Sicherheit zu verschaffen, ein wohlgeübtes Heer die Hauptsache sei, oft hielt sie selbst Musterung ihrer Truppen und das Heer in seiner Dankbarkeit für die große Fürstin ließ schon 1743 Münzen auf sie schlagen, deren Aufschrift sie seine Mutter – mater Castrorum – nannte; für die Cavallerie legte sie große Gestüte an, errichtete das Sappeur-, Mineur-, Pontonier-, Czaikisten- und Ingenieurcorps. Fürst Wenzel Liechtenstein, Rouvroy und Alfson hoben die österreichische Artillerie zur ersten in der Welt, und das Heer, welches 1740 nicht volle 50.000 Mann zählte, war im November 1780 300.000 Mann stark. Im Zusammenhange mit der Hebung und gesteigerten Beweglichkeit der Truppenkörper, insbesondere zur Berechnung des Fuhrwesens und Transites, befahl sie am 15. December 1777 die genaue Zählung und Aufzeichnung des Viehstandes; für die verdienten, im Kampfe unfähigen Krieger baute sie Invalidenhäuser, das erste zu Wien (1750), die größten zu Mecheln und Antwerpen, auch für die Witwen und Waisen verdienter Militärs; ferner gab sie die Reglements über Completirung der Armee, das Vorspanns- und Bequartierungswesen (1748, 1771 und 1777); stiftete zur Belohnung heldenmütiger Handlungen am Jahrestage der Schlacht von Kollin den Theresien-Orden; erneuerte 1747 den von ihrer Mutter für altgediente Generale und Officiere gestifteten Elisabeth-Orden und fügte diesen beiden militärischen Auszeichnungen in der Gründung des St. Stephan-Ordens eine ähnliche für Civilverdienste zu. Um aber dieses übersichtliche Bild der Thätigkeit der unvergeßlichen Fürstin zur eigentlichen Bedeutung zu erheben, und in seiner ganzen Größe hinzustellen, lassen wir hier noch, dem vorherrschend culturhistorischen Zwecke dieses Lexikons gemäß, die Regesten der Culturfortschritte im Kaiserstaate unter der 40jährigen Regierungsepoche Maria Theresia’s folgen. – 1744. Gründung der ersten adeligen Ritterakademie in den k. k. Staaten, u. z. im Benedictinerstifte zu Kremsmünster. Alexander Fixlmillner war damals Abt. – 1745. Erste Vorlesungen über Experimentalphysik in Wien und Prag, zu Wien von P. Franz S. J., zu Prag von J. A. Scrinci; van Swieten wird in diesem Jahre Hofbibliothekar, und der Hofbibliothek werden einverleibt: die Handbibliothek des Kaisers Karl VI., Garellis, die gräfl. Starhemberg’sche Bibliothek zu Gratz in Steiermark, die wienerische Universitätsbibliothek, die Handbibliothek Kaiser Ferdinand’s I. und die Bibliothek aus der erzherzoglichen Burg von Gratz in Steiermark. – 1746. Errichtung der gelehrten Gesellschaft zu Olmütz unter dem Namen: [70] Societas eruditorum incognitorum in terris austriacis; Stifter Freiherr Joseph von Petrasch; Mitglieder waren Muratori, Hofarchivar von Rosenthal, Schwandtner, Magnoald Ziegelbauer, Gottsched, Duellius[WS 6], Adalbert Berghauer u. m. A. Von dieser Gesellschaft erschien auch die erste gelehrte Monatschrift in den k. k. Staaten, unter dem Titel: „Monatliche Auszüge alt- und neuer gelehrt. Sachen.“ 1747 bis 1748. – 1747. Gründung der theresianischen adeligen Ritterakademie, Gründerin die Kaiserin selbst. – 1748. Gründung der garellischen Bibliothek am k. k. Theresianum zu Wien, erster Bibliothekar Erasmus Fröhlich; Erbauung der Sternwarte in Kremsmünster, welche noch heute besteht und einen der ausgezeichnetesten Astronomen, den gegenwärtigen Prälaten Augustin Reslhuber, zum Director hat; Gründung der savoyischen adeligen Ritterakademie in Wien, Stifterin Therese Anna Felicitas Fürstin von Liechtenstein; Gründung des löwenburgischen adeligen Convicts in der Josephstadt in Wien, Stifter Johann Jacob Graf von Löwenburg, Johann Thomas Edler von Trattnern wird in diesem Jahre Universitätsbuchhändler in Wien. – 1752 errichtet Trattnern die erste Schriftgießerei in Wien und im folgenden Jahre erscheint die erste Schriftprobe, bis dahin kamen die Lettern aus Prag und aus der Fremde; Gründung der Militärakademie zu Wiener Neustadt, Stifterin die Kaiserin selbst; Errichtung der Akademie zu Roveredo, Stifter Freiherr von Sperges. – 1753. Erbauung der Universität in Wien; P. Franz S. J. wird Director in der orientalischen Akademie. – 1754. Grundlegung der k. k. Militär-Pflanzschule auf der Laimgrube in Wien, Stifterin die Kaiserin; Stiftung der k. k. Ingenieurakademie zu Gumpendorf in Wien. – 1755 erscheint in Wien die erste gelehrte Zeitung, unter dem Titel: „Wienerische gelehrte Nachrichten“; Max. Hell übernimmt die Direction der Wiener Sternwarte; Khauz veröffentlicht seine Geschichte österreich. Gelehrten. – 1756. Studienreform in sämmtlichen k. k. Staaten, Reformator van Swieten ; Eröffnung der neuen Universität in Wien. – 1757. Errichtung eines Lehrstuhles der Mechanik an der Wiener Hochschule, erster Lehrer Maximilian Hell. – 1759 wird Simon Edler von Stock[WS 7], Propst und Domherr an der Wiener Domkirche, Director des theologischen Studiums in den sämmtlichen k. k. Staaten. – 1760. Versuch, eine gelehrte Gesellschaft in Wien zu stiften; Urheber Freiherr von Riegger, unter den Mitgliedern sind Bob, Khauz, Sonnenfels, Spielmann, Thugut. – 1762 wird vom Budweiser Magistrate in Budweis ein Gymnasium errichtet; die Piaristen eröffnen in diesem Jahre in der Schulerstraße zu Wien öffentliche Vorlesungen über die Verrechnungskunde und Cameralistik. – 1763. Errichtung des politischen Studiums an der Universität in Wien, Urheber Freiherr von Borie, Professor Jos. von Sonnenfels; Eröffnung der Lehrkanzeln der Mineralogie und Bergwerkswissenschaft an der Universität in Prag. – 1764 erscheint die erste Wochenschrift in Wien, betitelt „Die Welt“, von Klemm; Gründung der akademischen Gesellschaft in Wien. – 1765 Sonnenfels gibt die Wochenschrift „Der Mann ohne Vorurtheil“ heraus, der Einfluß derselben ist sehr groß. – 1766. Errichtung einer politischen Lehrkanzel in Prag; deßgleichen zu Klagenfurt, welche aber 1772 nach Olmütz übersetzt wird, in Prag [71] wird eine Agricultur-Gesellschaft errichtet. – 1767. Gründung der Graveur- und Poussirschule in Wien, Gründerin die Kaiserin. – 1768. Gründung der k. k. Zeichnungs- und Kupferstecher-Akademie in Wien, Gründerin die Kaiserin; erster Director: Schmutzer, beständiger Secretär: Sonnenfels. – 1769. Uebertragung der Kriegs-Pflanzschule von Wien nach Wiener Neustadt und Vereinigung mit der dortigen Militärakademie; Errichtung einer öffentlichen Bienenzuchtschule in Wien. – 1770. Einführung der Theatercensur in Wien; Urheber Staatsrath Gebler, erster Theatercensor Sonnenfels; Hell überreicht in diesem Jahre den Plan zur Errichtung einer k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien, die k. k. privilegirte Wiener Realzeitung, herausgegeben von Bianchi, erscheint. – 1771. Gründung der Real-Handlungsakademie in Wien, Urheber Wolf; die „k. k. privilegirten Anzeigen aus den sämmtlichen k. k. Erblanden“, begründet von Terstyansky, erscheinen. – 1772. Van Swieten stirbt, Kollar wird Director der Hofbibliothek, in Prag erscheinen die „Prager gelehrten Nachrichten“, herausgegeben von Löpper; die k. k. Normalschule in Wien wird begründet; Denis übernimmt die Aufsicht der garellischen Bibliothek. – 1773. Aufhebung des Ordens der Gesellschaft Jesu; neue Studienreform in sämmtlichen k. k. Staaten, Reformator Hofrath Martini; die verschiedenen Kunstakademien werden in Eine unter dem Titel: „k. k. Akademie der bildenden Künste“ vereint, Protector Fürst Kaunitz; Errichtung der Lehrkanzel für Oekonomie am Theresianum zu Wien; das Rescript vom 19. October d. J. regelt die Gehalte jener Professoren, welche die früher von den Jesuiten besorgten Lehrkanzeln einnahmen. – 1775 erscheinen von Freiherrn von Störck „Facultatis medicae vindobonensis statuta“; an der Wiener Universität werden Lehrkanzeln der böhmischen, spanischen, französischen und italienischen Sprache und Literatur errichtet; die 1769 gegründete Bienenzuchtschule wird zur Hauptschule erklärt und werden in Wiener Neustadt, wie in Mähren subalterne Bienenzuchtschulen eröffnet; Reform des deutschen Schulwesens in den k. k. Staaten, Abt Felbiger kommt nach Wien; für die Gymnasien wird von Professor Heß ein neuer Plan verfaßt, die Convicte des Ferdinandeums und Josephinums zu Gratz werden in Eine Stiftung, betitelt„Collegium caesareum Alumnorum“, vereint; Hofrath von Kollar wird Director der Humanitätsstudien; in diesem Jahre erschienen Mieg’s freimüthige Briefe über den gegenwärtigen Zustand der Gelehrsamkeit, der Universität und Schulen in Wien; Hofrath Schrötter veröffentlicht seine Schrift. „Ratio studii juridici in universitate viennensi“; Fürst von Fürstenberg, General Kinsky und Bergrath Born gründen ein Naturaliencabinet in Prag. – 1776. Aufstellung der Studien-Hofcommission; Errichtung eines Lesecabinets in Wien; Urheber Bianchi; in demselben Jahre wird in Lemberg eine Universität gegründet, in den deutschen Erblanden werden die Normal- und deutschen Schulen mit den lateinischen verbunden, in Böhmen wird nach dem Beispiele Mährens eine Bienenzuchtschule eingeführt; die Bildergallerie aus der Hofburg in’s Belvedere übertragen; eine neue Universitätsbibliothek in Wien begründet; Piarist Gratian Marx vollendet den Studienplan für die Humanitätsclassen; zu Mantua wird eine Akademie der Künste und Wissenschaften [72] von Freiherrn von Sperges gegründet; an der Hochschule zu Prag eine Lehrkanzel der Oekonomie eröffnet; zu Lemberg eine adelige Ritterakademie errichtet, Piarist Khautz ist Rector derselben; Kaiser Joseph stiftet in diesem Jahre das Nationaltheater in Wien; Born erhält den Auftrag, das Naturaliencabinet in Wien zu beschreiben. – 1777. Vereinigung der Universitätsbibliothek im Karolinum, der böhmischen Jesuitenbibliotheken, der gräflich Kinsky’schen Majoratsbibliothek und der Bibliothek bei St. Clemens zur Universitätsbibliothek in Prag, welche unter Einem zum öffentlichen Gebrauche bestimmt ist; die Universität Tyrnau wird nach Ofen übersetzt; die Studienreform in Ungarn findet Statt, Hofarchivar Terstyansky wird mit Ausführung derselben beauftragt; erscheint in Wien die erste national-wissenschaftliche Zeitung, betitelt: „Oesterreichische gelehrte Anzeigen“ von de Luca; Entwurf zur Begründung eines vollständigen theoretisch-praktischen Unterrichtes in der Landwirthschaft; neue Studienreform in den Niederlanden; Vorschrift für das Studium der Polemik und Pastoraltheologie; Rescript vom 8. November, welches die Führung ordentlicher Protokolle auf den Universitäten und Lyceen anordnet. – 1778. Aufstellung einer neuen Studiencommission in Linz; Rescript vom 16. Jänner, welches die neue Studien-Hofcommission der böhmischen und österreichischen Hofkanzlei einverleibt und die künftige Behandlung der Studiengeschäfte bekannt macht; Begründung der akademischen Bibliothek in Linz. Eine der denkwürdigsten Anordnungen der großen Kaiserin ist, daß ihre Gesandten an fremden Höfen halbjährig umständlich über den Fortschritt der Wissenschaften in anderen Ländern, über die Gelehrten, vorzüglichen Entdeckungen, Zeitschriften und wichtigen literarischen Erscheinungen berichten mußten. Die Regierungsepoche Maria Theresia’s hat Gelehrte in allen Fächern aufzuweisen, deren Namen in einer Geschichte der Wissenschaften überhaupt, und Oesterreichs insbesondere, immer einen guten Klang haben werden; wir lassen hier nur die Namen der hervorragenderen folgen; in den Staatswissenschaften: Beck, Martini, Schrötter, Sonnenfels; in den geschichtlichen Fächern: Babai, Benczur, Coronini, Dobner, Frölich, Kaprinai, Kercselich, Katona, Khautz, Kollar, Lambacher, Pelzel, Rauch, Schwandtner, Steyrer, Windisch; im Kirchenrechte und den geistlichen Fächern: Caspari, Eybl, Gazzaniga, Kerens, Klüpfel, Pehem, Rauttenstrauch, Riegger, Storchenau, Wurz; in der Physik und den Naturwissenschaften: Biwald, Born, Boscowich, Cranz, Delius, Fixlmillner, Hacquet, Hell, Jacquin, Ingenhouß, Izzo, Mako, Metzburg, Mitterbacher, Peithner, Poda, Scopoli, van Swieten, Walcher; in den schönen Wissenschaften: Ayrenhof, Denis, Gebler, Locella, Mastalier, Metastasio, Sperges; in den Künsten: der Natursohn Peter Anich, Bayer, Becker, Donner, Fischer, Gluck, Hasse, Knoller, Kempelen, Oeser, Schega, Schmutzer, Strudel, Troyer, Wagenseil; übrigens ließe sich diese Namenliste leicht um das Doppelte, ja Dreifache vermehren. Diese übersichtliche biographische Skizze läßt sich aber kaum besser, als mit den Worten einer jener Männer schließen, welche in der Theresianischen Zeit gewirkt haben. Sonnenfels schreibt: „Das Andenken der [73] Theresianischen Verwaltung wird sich der fernen Nachwelt mit den großen Anstalten überliefern, deren Aussicht nicht allein auf die Glückseligkeit Ihrer Zeitgenossen beschränkt war. Wenn jede Spur von den einzelnen Ursachen einst erloschen, aber die zusammenstimmende Wirkung derselben in ein Ganzes verflossen und sich befestiget haben wird, dann wird die Geschichte erzählen: „Als Theresia den Thron bestieg, war die Monarchie von Außen ohne Einfluß, ohne Achtung; von Innen ohne Nerven, ohne Bestand; die Talente ohne Ermunterung, ohne Wetteifer; der Feldbau in Händen. welche Unterdrückung und Elend schlaff machten; die Emsigkeit ohne Kräfte, ohne Muth; Handlung wenige, und diese auf die nachtheiligste Art für die Nation geleitet, und um die Schilderung zu vollenden, die Finanzverwaltung ohne Plan, ohne Ueberschlag, ohne Credit. – Bei Ihrem Tode übergab sie dem Nachfolger den Staat, in wesentlichen Theilen der inneren Verfassung verbessert, zu den übrigen Verbesserungen vorbereitet und in dem Systeme Europens wieder eingesetzt in den entscheidenden Rang, der ihm seine Größe, die allgemeine Fruchtbarkeit seiner Länder, die glücklichen Nationalfähigkeiten unter den Mächten desselben stets hatte versichern sollen. Wenn Sie nicht mehr noch, wenn Sie nicht Alles geleistet, so war es darum, weil für Eine Regierung zu viel zu leisten war. Bei Vergleichung der zwei Epochen aber werden die künftigen Jahrhunderte wie das laufende Sie billig die Wiederherstellerin der österreichischen Monarchie nennen“.

I. Zur Geschichte und Biographie der Kaiserin Maria Theresia; Leichenreden, Nekrologe u. dgl. m. a) Selbstständige Schriften. Barbieri (Gaetano), Elogio storico di Maria Teresa (Milano 1836, 8°., mit Portr.). – Beaurepaire (N.... N....), Lofrede van Maria Theresia (Bruss. 1781, 8°.). – Beughem (Charles Antoine Franc. Paul van de), Oratio in funere Mariae Theresiae (Gandav. 1781, 4°), in’s Französische übersetzt von Philippe Lesbroussart (ebenda 1781, 4°.). – Biró (István), Maria Theresia laudatione funebri celebrata (Cibin 1781, Fol.). – Caleppi (Lorenzo), Razione per le solenni esequie di Maria Teresa etc. (Vienna 1781, Fol.). – Castillon (Jean), Précis historique de la vie de Marie Thérèse (Paris 1781, 12°.). – Chiolich (Maximil.), Oratio funebris piis manibus Mariae Theresiae Augustae (Zagrabiae 1781, 4°.). – Couturier (N. N.), Éloge de Marie Therese (Paris 1781, 8°.). – Della Torre (Bernardo), Orazione in morte dell’ imperatrice Maria Teresa d’Austria (Napoli 1781, Fol.). – Dorbeck (Théodore), Oraison funebre de Marie Therese etc. (Liege 1781, 8°.). – Dupuis (Charles Franc.), Laudatio funebris augustae Mariae Theresiae Austriacae (Paris 1781, 4°.). – Duller (Eduard), Maria Theresia und ihre Zeit. 2 Bde. (Wiesbaden 1843 und 1844, 8°). In’s Italienische übersetzt von Felice Griffini. 2 Bde. (Mailand 1845 und 1846, 8°, mit Portr.). – Frisi (Paolo), Elogio di Maria Teresia imperatrice (Pisa 1783, 8°). – Fromageot (N. N.), Annales du règne de Marie Thérèse etc. (Paris 1775, 12°.), vermehrt unter folgendem Titel: Histoire du règne etc. (von Aug. Theod. Mann) (Bruxell. 1781, 8°., mit Portr.; ebenda 1786, 12°., mit Portr.); deutsch übersetzt (Wien u. Leipzig 1776, 8°.); italienisch übersetzt (Florenz 1780, 12°.) 2 Bde. – Geschichte und Thaten der Kaiserin Maria Theresia. 4 Thle. (s. I. 1745, 8°.). – Gryse (Jacque François de), Elogium funebre in exequiis immortalis memoriae Mariae Theresiae, imperatricis (Brugis s. d. 1781, 4°.). – Hinterholzer (Franz Xaver), In obitum Mariae Theresiae (Epicedion) (Viennae 1781, 4°.) . – Hoerschelmann (Friedrich Ludwig Anton), Staats- und Lebensgeschichte Maria Theresiens, der großen römischen Kaiserin. 2 Thle. (Frankfurt und Leipzig 1762, 8°.). – Jumel (Jean Charles), Eloge de Marie Therese, imperatrice, reine de Hongrie etc. (Paris 1781, 8°). – Karajan (Th. v.), Maria Theresia und Graf Sylva Tarouca (Wien 1859, 8°.) [auch abgedruckt im Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften für 1859. Eine [74] instructive ausführliche Anzeige dieser höchst interessanten Schrift enthält die Wiener Zeitung 1859, Nr. 143 und 146: „Maria Theresia und Sylva Tarouca“. Die Kaiserin, die eben nur immer als solche geschildert wird, wird hier in dem liebenswürdigen Verhältniß treuen gegenseitigen Aneinanderhaltens in trüber und heiterer Zeit dargestellt; es liefert dieser historische Aufsatz ganz neue Gesichtspuncte zur Beurtheilung der großen Fürstin selbst und der ihr zunächst stehenden Rathgeber, wie Tarouca, Bartenstein, Daun u. A. Tarouca (geb. 1696, gest. 8. Marz 1771) war Präsident des obersten italienischen Rathes und erfreute sich so großen Vertrauens seiner Fürstin, daß er Alles, wie er es dachte, sagen konnte]. – Kluepfel (Joh. Andr. Engelb.), Oratio in obitum Mariae Theresiae Romanorum imperatricis (Frib. Brisgov. 1781, Fol.). – Lambinet (Pierre), Eloge de l’impératrice-reine Marie Thérèse (Bruxelles s. d. [1776], 8°.). – Lauzières-Themines (N. N. de), Oraison funèbre de Marie Thérèse (Mons 1781, 8°.). – Marant (P. J.), Oratio in funere Mariae Theresiae (Lovan 1781, 8°.). – Mitscherling (Augustin), Rede bei dem Tode der Kayserin Königin Maria Theresia (Agram 1781, 4°.). – Molnár (Janos Bapt.), Oratio funebris ad solennes exequias Mariae Theresiae (Budae 1781, 4°). – M(urray), Essai d’un éloge historique de Marie Thérèse (Brux. 1781, 4°.). – Nélis (Corneille François de), Oraison funèbre de Marie Thérèse (Bruxell. 1781, 4°.); in’s Holländische übers. (Bruxell. 1781, 8°.). – Neustädter (Joh. Karl), Die bei dem Grabe der großen Theresia gehegten christlichen Gesinnungen treuer Unterthanen in einer Trauerrede vorgetragen (Eperies 1781, 4°.). – Oratio funebris in laudem Mariae Theresiae, Romanae imperatricis etc. (Vindobon. 1781, Fol.). – Pállya (István), Oratio parentalis in justis funeris Magnae Augustae Mariae Theresiae (Viennae 1782, 4°.). – Puget (de Saint-Pierre), Éloge de Marie Thérèse, impératrice reine de Hongrie (Vienne et Paris 1782, 8°.). – Raditschnig v. Lerchenfeld (Jos.), Rede auf Marien Theresien ... (Hermannstadt 1781, 8°.). – Rautenstrauch (Johann), Biographie der Kaiserin Maria Theresia (Wien und Preßburg 1780, 8° mit Portr.) [siehe unten: Riedel]. – Recueil des pièces qui ont paru concernant la mort de Marie Thérèse (Mons 1781, 8°). – Renner (Carl), Maria Theresia von Oesterreich und Friedrich der Große von Preußen u. s. w. (Glogau 1831, 8°.). – Ribinyi (Janos), Klagerede über den.... Hintritt Mariae Theresiä (Preßburg 1780, 8°.). – Richter (Christian Gottlieb), Lebens- und Staatsgeschichte Mariae Theresiae, Königin in Ungarn. 3 Bde. (s. I. [Nürnberg] 1743–1745, 8°.). – Riedel (Friedrich Justus), Nöthige Beilage zu der Rautenstrauchischen Biographie Maria Theresiens (Wien 1780, 8°.) [siehe oben: Rautenstrauch]. – Rugilo (Giuseppe Maria), Orazione funebre nella morte di Maria Teresa imperatrice (Napoli 1780, Fol.). – Ruckelingen (L. van), Belgie onder Maria Theresia, door – – (Antwerpen 1858, 8°.); deutsch übersetzt unter dem Titel: Belgien unter Maria Theresia. Aus dem Vlämischen des L. van Ruckelingen übersetzt von Dr. Moriz von Stubenrauch (Wien 1859, Friedrich Manz, 8°.). [Der wahre Name des Verfassers, der sich nur nach seinem Geburtsorte van Ruckelingen nennt, ist Ludwig Mathot. Belgien genoß unter Maria Theresia’s Scepter so glückliche Tage, daß bei ihrem Tode, wie Conscience in seiner Geschichte Belgiens erzählt, „die Trauer um diese Fürstin so groß war, daß der Fußboden der St. Gudulakirche in Brüssel gegen den Schein des Tageslichtes von den Thränen der Dankbarkeit und des Schmerzes schimmerte, die um die „Mutter des Landes“ vergossen worden.“] – Sabatier de Castres (Antoine), Abrégé historique de la vie de Marie Thérèse (Paris 1773, 8°.). – Sauvigny (Edme Louis Billardon de), Oraison funèbre de Marie Thérèse d’Autriche, impératrice (Paris 1781, 8°.). – Schimmer (Carl August), Die große Maria Theresia. Das Leben und Wirken dieser unvergeßlichen Monarchin in Verbindung mit der Zeit- und Kriegsgeschichte während ihrer ruhmvollen Regierung. Zweite Ausgabe. Mit den Bildnissen der Kaiserin und ihrer Mutter (Wien 1854, Dirnböck, br. kl. 8°.). – Schneller (Joseph), Trauerrede auf Maria Theresia u. s. w. (Wien 1781, Fol.). – Scotti (Marcello Eusebio), Orazione funebre di Maria Teresa d’Austria (Napoli 1781, Fol.). – Sebastianovich (Ferencz), Epicedion gloriosae memoriae Mariae Theresiae augustae dicatum (s. l. 1781, 4°.). – Serrao (Giovanni Andrea), Commentarius de rebus gestis Mariae Theresiae Austriacae (Rom 1781, 8°.). – Seyffart (Joh. Friedrich), [75] kurzgefaßte Lebens- und Regierungsgeschichte der Kaiserin Maria Theresia (Leipzig 1781, 8°.). – Torcia (Michele), Orazione funebre di Maria Teresa d’Austria (Napoli 1781, 8°.). – Trenck (Friedrich v. d.), Trauerrede bei dem Grabe unserer großen Monarchin Maria Theresia (Wien 1780, 8°.). – Uhlich (Gottfried), Leben Maria Theresiens u. s. w., nebst einer genealogischen Tabelle ihrer durchlauchtigsten Abkömmlinge (Prag 1782, 8°.). – Vivenzio (Giovanni), Elogio dell’ imperatrice Maria Teresa d’Austria (Napoli 1781, 4°.). – Vizi (Ferencz Xavier), Halotti Prédikátzio Mariae Theresiae (Nagy-Szebeny 1781, Fol). – Waldau (Georg Ernst), Gedächtnißpredigt auf die Kaiserin Königin Maria Theresia (Nürnberg 1781, 8°.). – Walwein (Ant. Pet.), Oratio funebris Mariae Theresiae imperatricis (s. d. [1781], 4°.). – Witry d’Éverlange de, Extrait d’un éloge de Marie Therese d’Autriche (Paris 1784, 12°.). – Wolf (Adam), Oesterreich unter Maria Theresia (Wien 1855, 8°. [Auf Grund tüchtiger Quellenforschung mit frischem Geiste und würdevoller, für den großen Gegenstand begeisterter Sprache verfaßt; hätte dieses Buch Einer in Deutschland herausgegeben, so würde die Kritik in ein Halloh des Beifalles ausgebrochen sein; weil es ein Oesterreicher geschrieben, so wird es höchstens nebenbei einmal erwähnt, im Uebrigen todtgeschwiegen.] – Derselbe, Aus dem Hofleben Maria Theresia’s. Nach den Memoiren des Fürsten Joseph Khevenhüller (Wien 1858, Gerold, 8°.). [Episoden, Auszüge aus diesem Werke, dem die fast naive Unumwundenheit und Treue in der Berichterstattung oft ganz geringfügiger Begebenheiten historisches Interesse verleihen, standen in vielen Blättern des In- und Auslandes abgedruckt. Die Memoiren Khevenhüller’s, welche sich im Besitze des ungarischen Nationalmusemus in Pesth befinden, umfassen die Jahre 1752–1755, 1758 und 1759, 1764–1767. Es sind also offenbar noch Lücken auszufüllen; aber bisher sind nicht mehr Jahrgänge der Memoiren dieses gewissenhaften Cavaliers bekannt geworden.] – Wurz (Ignaz), Trauerrede auf Marien Theresien, verwitweten Römischen Kaiserin etc. (Wien 1781, 8°.). – Zachár (András), Oratio funebris ad solennes exequias Mariae Theresiae (Poson. 1781, Fol.).
I. b) In Zeitschriften, Sammel- und anderen Werken Zerstreutes. Augsburger Postzeitung 1857, Beilage Nr. 155; Der österreichische Volksfreund 1857, Nr. 156: „Aus dem Leben der Kaiserin Maria Theresia. Ein merkwürdiger Brief“. [Der von einer hochgestellten Person geschriebene, vom 1. April 1756 datirte Brief stellt die große Anhänglichkeit der Zeitgenossen an die erhabene Fürstin dar.] – Deutsches Volksblatt 1855, Nr. 239 und 240: „Maria Theresia“ [eine der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ entnommene Charakteristik der Kaiserin]. – Geschichts- und Erinnerungs-Kalender, herausg. von Schimmer (Wien, 4°.) 1850, S. 160: „Das Leichenbegängniß der Kaiserin Maria Theresia. Aus dem Wiener Diarium vom 6. December 1780“. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, 8°.) Bd. III, S. 47: „Maria Theresia und die Gruft“ [über ihre häufigen Besuche der Gruft nach ihres Gatten Tode]. – Dieselben, Bd. III, S. 95: „Theresia und Joseph“. [Als Maria Theresia im Begriffe stand entbunden zu werden, u. z. von Maria Antoinette, arbeitete sie bis zum letzten Momente und erwiderte dem Doctor Van Swieten, als er ihr Vorstellungen machte: „Meine Unterthanen sind meine ersten Kinder, ihnen bin ich meine nächste Sorge schuldig; mit den übrigen hat es Zeit.“] – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke (Wien 1852). 2. Ausgabe, 1. Theil, S. 71: „Zwei eigenhändige Briefe der großen Theresia“ [der eine vom Jahre 1765 an die Witwe des Grafen Haugwitz; der zweite ddo. 10. Mai 1768 an den Grafen Cassian Ignaz Bonav. von Enzenberg]. – Derselbe, Josephinische Curiosa (Wien, 1848). Bdchn. II. S. 316–332: „Maria Theresia’s letzte Lebenstage“, von Joseph von Sonnenfels; S. 348: „Joseph in Windeln beim Preßburger Reichstage“. [Denis in seinen „Lesefrüchten“, Theil II. S. 216 im Artikel „Theresia“, erzählt, daß die Kaiserin auf dem Preßburger Reichstage des Jahres 1741 mit dem kleinen Joseph in Windeln am Arme vor den ungarischen Magnaten erschienen sei. Diese Thatsache, eine von der Volkspoesie sinnig ausgeschmückte Variante des wirklichen Vorfalles, wird im obigen Artikel berichtigt. Ein höchst interessantes Curiosum und das Obige ergänzend, enthält das III. Bdchn. S. 198. „Eigenhändiges Schreiben Maria Theresia’s an den Feldmarschall Grafen v. Neipperg“. Schlosser in seiner „Geschichte des 18. Jahrhunderts“, erste Ausgabe, I. Bd. [76] S. 147, gibt den Beweis für obige Berichtigung.] – Hormayr’s Taschenbuch für vaterländische Geschichte. Neue Folge, 2. Jahrgang, S. 55: „Maria Theresia und die Theilung Polens“. [In ihrem Briefe an Kaunitz schreibt sie über diese Angelegenheit wie folgt: „Als alle meine Länder angefochten wurden, und gar nit mehr wußte, wo ruhig niederkommen sollte, steiffete ich mich auf mein gutes Recht und den Beistand Gottes. Aber in dieser Sach, wo nit allein das offenbare Recht himmelschreyent wider uns, sondern auch alle Billigkeit und gesunde Vernunft wider uns ist, mueß bekennen, daß zeitlebens nit so beängstigt mich befunden und mich sehen zu lassen schäme. Bedenkh der Fürst, was wir aller Welt vor ein Exempel geben, wenn wir um ein ellendes stuck von Pollen der der Moldau und Wallachei unser Ehr und Reputation in die schanz schlagen. Ich merkh woll, daß ich allein bin und nit mehr en vigueur, darum lasse ich die Sachen, jedoch nit ohne meinen größten Gram, ihren Weg gehen.“] – Hormayr, Oesterreichischer Plutarch (Wien 1807–1814). XI. Bd. S. 1–124: „Maria Theresia“; wiedergedruckt in der „Austria. Oesterr. Univ. Kalender“ für 1856, S. 1–34. – Das Linzer Wochen-Bulletin, herausgegeben von J. A. Rossi, 1856, Nr. 14: „Der denkwürdige Landtag in Preßburg und die Huldigung für die Kaiserin Maria Theresia in Linz“. [Am 25. Juni 1743 ließ sich die Kaiserin in Linz huldigen; am 3. Juli reiste sie wieder ab.] – Lugoser Anzeiger (Zeitschrift für Belletristik, Industrie und Handel) 1860, III. Jahrg. Nr. 24: „Ein Tag der großen Kaiserin“. [Es ist der 14. Februar 1768, als die Kaiserin im einfachen Nachtgewande in die kaiserl. Loge des Burgtheaters trat, und im Uebermaß ihrer Freude die eben erbrochene Depesche dem Publikum zeigend, ausruft: „Seht’s, der Leopold hat ein’ Bueb’n“.] – Mailáth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°.) Bd. IV, S. 521, 613, 618, 637; Bd. V, S. 2–120. – Neues Archiv für Geschichte, herausg. von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler, 1829, Nr. 58: „Maria Theresia’s Gesinnung gegen Lascy“. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte von J. Ridler und Carl Veith, 1831, Nr. 73: „Einige Beschlüsse Maria Theresia’s“ [betreffend das Kloster Gleink und das Kloster Mehrerau]. – Dasselbe 1833, Nr. 132: „Miscelle, Maria Theresia betreffend“, im 2. Hefte von Maltens Weltkunde von 1832, Berichtigung des vorigen Nr. 98 und 99. – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichte und Staatskunde von Johann Paul Kaltenbäck, 1835, Nr. 10: „Der Landtag 1741“, von Johann Grafen Mailáth [widerlegt die sehr verbreitete Ansicht, daß Maria Theresia mit dem Prinzen Joseph auf dem Arme den Landtag eröffnet und so die Ungarn begeistert habe]. – Dieselbe, Nr. 28–33: „Erinnerungen an Maria Theresia“. Rede, gehalten am 13. Mai 1834, von Carl Veith. – Dieselbe, Nr. 48, S. 190: Handbillet der Kaiserin Maria Theresia vom 17. Juni 1779, an den Statthalter der Lombardie, Erzherzog Ferdinand, worin sie für ein von der Kirche S. Maria presso S. Celso in Mailand abgetretenes Gemälde von Raphael, 2 Ausstattungen, jede von 50 Dukaten, für arme Mädchen stiftet. – Dieselbe, Nr. 69. „Johann Rautenstrauch, Riedel und die Resolution Maria Theresia’s 1779“. – Dieselbe, Blätter für Literatur, S. 415: „Berichtigung einer Stelle in den neuen Mémoires der Herzogin von Abrantes (sur la restauration), I. Theil, S. 34“. [Ueber eine Wette Maria Theresia’s angeblich mit Metastasio.] – Rheinische Blätter (Unterhaltungsblätter des Mainzer Journals) 1855, Nr. 118: „Vom Kirchlein am Josephsberge“ [aus dem Leben der Kaiserin, als dieselbe mit ihrer „Fuxin“ – so schrieb die Kaiserin den Namen ihrer treuen Obersthofmeisterin Gräfin Fuchs – nach dem Siege bei Kollin (18. Juni 1757) wieder, wie so oft, eine Wallfahrt nach Maria Zell unternommen hatte]. – Dieselben, Nr. 238 und 239: „Zur Erinnerung an eine deutsche Kaiserin“. [Eine Charakteristik der Kaiserin, auf Grund einzelner Züge aus ihrem Leben.] – Schimmer (Carl August), Bilder aus der Heimath (Wien 1854, gr. 8°.) S. 241: „Die erste Vorlesung des Hofrathes von Sonnenfels, nach dem Tode Maria Theresia’s“. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, 8°.) Dritte Auflage, Bd. I, S. 372: ihre Stellung zur pragmatischen Sanction; S. 407 zum Belgrader Frieden; – Bd. II, S. 8: ihre Eigenschaften; S. 10 ihr Regierungsantritt, 26 ihre bedenkliche Lage; 28 gewinnt die Ungarn; 31 Erhebung des Volkes für sie; 38 schließt den Breslauer [77] Frieden; 77 von England unterstützt; 84 in Prag gekrönt; 92 und 103 schließt Bündnisse mit Sachsen und Sardinien; 108 mit Friedrich II. den Dresdener Frieden; 111 mit Bayern den Frieden zu Füßen; 135 Bündniß mit Rußland; 140 Friede von Aachen; 227–230 ihre Reformen; 295 schreibt an Farinelli und die Pompadour; 313 beginnt den siebenjährigen Krieg; 432 schließt den Hubertsburger Frieden; – Bd. III, S. 50: verwendet sich für die deutschen Jesuiten in Portugal; 213 begünstigt heimlich die Conföderation von Bar; 237, 242, IV, 547: mißbilligt die Theilung Polens; – Bd. III, S. 265: ihre Haltung gegen die Geistlichkeit; 271 gegen die Jesuiten; 344 ihr Benehmen gegen Joseph II; 361, 364, 368, ihr Verhalten beim bayerischen Erbfolgekriege. – Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Historisch-philosoph. Section, Jahrg. 1859, 30. Bd. S. 307–379: „Kaiserin Maria Theresia und Hofrath Greiner“. – Sonntagsblätter, herausg. von L. A. Frankl, 1842 (I. Jahrg.) S. 271: „Maria Theresia’s schöne Resolution“ [auf das von Feldmarschall Graf Lascy ihr vorgelegte Pensionssystem für Officiere, ihre Witwen und Waisen]. – Dieselben, S. 531: „Brief der Kaiserin Maria Theresia an Loudon“ [datirt Wien 25. August 1760]. – Dieselben, III. Jahrg. (1844), Nr. 13: „Meine Mutter am Hofe Maria Theresia’s, von Karoline Pichler“. – Dieselben, S. 619: „Maria Theresia in Ungarn“. – Tagespost (Gratzer polit. Blatt, Fol.) 1858, Nr. 152–158: „Maria Theresia in Schönbrunn und Laxenburg“. [Episode aus Adam Wolf’s Werk: „Aus dem Hofleben Maria Theresia’s“. In vielen Journalen des Auslandes und des Kaiserstaates nachgedruckt, u. A. „Satellit“, Kronstädter Unterhaltungsblatt 1858, Nr. 87–90; Ostdeutsche Post d. J., Nr. 145; Rheinische Blätter 1858, Nr. 157 u. f.; Didaskalia 1858, Nr. 170 u. f.] – Triester Zeitung 1856, Nr. 214 u. f.: „Triest unter Maria Theresia“ [aus J. Löwenthal’s Werke: Geschichte der Stadt Triest und des Freihafens von Triest bis zur neuesten Zeit]. – Unser Planet (Unterhaltungsblatt) VIII. Jahrg. (1837), Nr. 52: „Ein Brief der Kaiserin Maria Theresia“ [anläßlich der Trennung ihrer – nachmals so überaus unglücklichen – Tochter Maria Antoinette, an den Dauphin gerichtet]. – Vehse (Ed.), Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation (Hamburg, Hoffmann und Campe, kl. 8°.). – Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1856, Nr. 73 und 74: „Maria Theresia“ [eine aus Adam Wolf’s Werke über Maria Theresia geschöpfte sehr lebendige Charakteristik der Kaiserin]. – Der Wiener Courier 1855, Nr. 17 und 18: „Maria Theresia, ein Regentenspiegel“ [eine im volksthümlichen Tone durchgeführte Zusammenfassung solcher Züge der großen Kaiserin, welche ihr Wesen zunächst und treffend charakterisiren]. – Derselbe 1856, Nr. 137: „Merkwürdiges Bild des heil. Franz von Sales, gezeichnet von der Kaiserin Maria Theresia“. [Dieses Bild befindet sich im Lesezimmer der Stadtbibliothek zu Trier; die Kaiserin hat es im Jahre 1729, als sie damals 12 Jahre alt war, im Monat September vollendet. Wie es nach Trier kam, wird im „Wiener Courier“ erzählt.] – Derselbe, S. 239: „Die letzten Worte Maria Theresia’s“ [von ihrem Sitze sich erhebend, rief sie „Ich komme zu dir, mein Gott!“ dann sank sie zurück und war nicht mehr]. – Wiener Vorstadt-Zeitung 1858, Nr. 329: „Maria Theresia“ [wird der Abdruck der interessanten „Berichtzettel“ über die letzte Krankheit der Kaiserin aus dem Wiener Diarium vom Jahre 1780 mitgetheilt]. – Wiener Zeitung 1859, August, S. 3511, 3529, 3564, 3576, 3594, 3608, 3620: „Lebensbilder aus den Anfängen der Kaiserin Königin Maria Theresia und Friedrich’s II. von Preußen“. [Als Verfasser dieser, die Zeit unmittelbar nach Kaiser Karl’s VI. Tode umfassenden „Lebensbilder“ wird der Historiker Gfrörer (womit die Chiffer (G, welche den einzelnen Aufsätzen voransteht, übereinstimmt) bezeichnet; sie sind reich an vielen höchst interessanten Einzelheiten, welche die Treulosigkeit der Garanten der pragmatischen Sanction in’s wahre Licht stellen.]
II. Anekdotisches und Poetisches. Frankfurter Konversationsblatt 1837, Nr. 343, auch im Herloßsohn’schen „Komet“ 1838, Nr. 6 und in der Augsburger Postzeitung 1837, Beilage zu Nr. 360: „Maria Theresia und der kleine Soldat“. [Episode aus dem Leben der Kaiserin; zwanzig Jahre später in dem Wiener Notizenblatt „Der Bahnhof“ 1857, Nr. 13, wieder abgedruckt.] – Dasselbe 1842, Nr. 182: „Maria Theresia in Brügge“ von C..y. [Die Kaiserin war nie in Belgien. Am 3. Mai findet zu Brügge alljährlich [78] die Procession des heiligen Blutes Statt; ein junger Mann, welcher ein wichtiges Anliegen an die Kaiserin hatte, wurde mystificirt, daß die Kaiserin der Prozession (1749) beiwohnen werde. Er begab sich nun nach Brügge und übergab einem ihm als Maria Theresia bezeichneten Mädchen des Maskenzuges, welcher nach der Procession des heiligen Blutes stattfand, seine Bittschrift. Diese gerieth glücklicher Weise in die Hände des Herzogs Karl von Lothringen, des Schwagers der Kaiserin Maria Theresia, welchem der Vorfall erzählt wurde und der mit den Worten: „Er könne Maria Theresien nichts abschlagen,“ die Bitte bewilligte. Dieser Vorfall steht auch abgedruckt im „Telegraph für Deutschland“ 1842, Nr. 98.] – Gräffer (Franz), kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, 8°.) Bd. II, S. 51–65: „Audienz bei Maria Theresia“. [Van Swieten, Sonnenfels und Trattnern werden in der bekannten lebendigen Weise Gräffer’s vorgeführt und die große Monarchin in treffender Weise charakterisirt.] – Wiener allgemeine Musik-Zeitung 1848, Nr. 15, S. 59 [Maria Theresia als Sängerin]. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte ... von J. Ridler und Karl Veith, 1832 Nr. 98, 99: „Eine Novelle im Geiste der Mährchen aus Tausend und Einer Nacht. Ueber eine Stelle aus der „Geschichte der Souveränen Europa’s“. Von Mistreß Jameson. Eine historisch-moralische Scene aus der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia“. – Oesterreichischer Volksfreund (Wien, Fol.) 1857, Nr. 174: „Edler Zug der Kaiserin Maria Theresia“ [aus dem Leben der Kaiserin]. – Oesterreichische Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1855, Nr. 504: „Ein Genrebild aus Maria Theresia’s Leben“. [Ein Zug aus dem Leben der Kaiserin, der ebenso ihre Ehrfurcht vor dem Gesetze, als ihr hohes Gefühl für Recht und Billigkeit darthut. Vielfach nachgedruckt, als: Linzer Zeitung d. J., Nr. 294 u. f.; Theater-Zeitung d. J., Nr. vom 12. Dec.] – Il Poligrafo austriaco (polit. Blatt, ein Curiosum aus dem J. 1848), herausg. von Rosenthal, 1848, S. 7: „Ein liebevoller Zug Maria Theresia’s“ [vom Herausgeber selbst in italienischer Sprache und nebenstehender deutscher Uebersetzung]. – Sonntagsblätter, von Dr. L. A. Frankl (Wien, gr. 8°.) 1844, S. 846: „Theresia, Voltaire und Gottsched“. [Voltaire, obgleich er wußte, daß Maria Theresia seine und seiner Schriften Gegnerin war, richtete an sie gelegentlich folgendes Epigramm:

Marc Auréle autrefois des Princes le modèle
Sur les devoirs des Rois écrivoit en ces lieux;[1]
Et Terese fait à nos yeux
Tout ce qu’écrivoit Marc Auréle]. –

Wanderer (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1856, Nr. 91: „In wie weit selbst die Macht der Kaiserin Maria Theresia ihre Grenzen hatte“ [ein die Kaiserin in ihrer ganzen Musterhaftigkeit charakterisirender Zug. Auf eine Beschwerde des großen Sonnenfels gegen die Willkür der Wiener Censur, vergibt sie ihm Angriffe gegen sie, falls er sich deren schuldig gemacht hätte; Angriffe gegen die Religion und die guten Sitten, solcher hält sie ihn nicht für fähig; nun bleiben noch Angriffe gegen die Minister übrig und diese waren es; „Ja, mein lieber Sonnenfels,“ ruft die Kaiserin, „da muß er sich selbst heraushauen, da kann ich ihm nicht helfen“]. – Wiener Elegante (Musterblatt, 4°.) 1856, Nr. 9: „Die große Kaiserin Maria Theresia mit Joseph und Leopold im Atelier des Malers Meytens“. [Meytens arbeitete in Wien, und wurde viel vom kaiserl. Hofe beschäftigt.] – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle, 1859, Nr. 137, S. 550: „Maria Theresia als musikalische Künstlerin“. Dasselbe in Diezmann’s (Leipziger) Moden-Zeitung 1859, Nr. 24, S. 191. – Poesien. Die Kaiserin Maria Theresia ist im Leben wie im Tode viel besungen worden. Man wird uns nicht zumuthen, das endlose Verzeichniß aller der schlechten Verse anzufertigen, welche schon Blumauer seiner Zeit in einem köstlichen Spottgedichte lächerlich gemacht. Jedoch einiger, bleibender Erinnerung würdiger Dichtungen sei hier gedacht, u. z.: „Maria Theresia“, von Michael Denis; „Maria Theresia’s Tod“, von Klopstock; „Maria Theresia auf dem Landtage zu Preßburg“, von Ludwig August Frankl; „Maria Theresia“, von Anastasius Grün, in den Wiener Spaziergängen. Das oben erwähnte Spottgedicht Blumauer’s, betitelt: „Beitrag zu den Leichengedichten auf den Tod Maria Theresia’s“, und noch heute auf alle Namenstags- und Festgesänge passend, [79] theilt Schimmer in seinem Werke: „Die große Maria Theresia“, 2. Ausg. (Wien 1854, 8°.) S. 98 u. f., mit.
III. Porträte. 1) Nach dem Bilde von du Greux J. Balzer sc. (8°.), Maria Theresia in Witwentracht; – 2) Meytens pinx. 1743, Berkowetz sc. (8°.) – 3) G. Retwin p., G. Bodenehr sc. (Fol.), Schwarzk., Kniestück in ungarischer Tracht; – 4) Haßlwander p., A. Bogner sc. (4°.), Halbfigur; – 5) P. Caronni sc. (Fol.), mit Nadelschrift, schönes Blatt; – 6) L. J. Cathelin sc. (8°.); – 7. F Chereau sc. (8°); – 8) M. Meytens p. 1743, J. Daullé sc. (4°.), Halbfigur; – 9) Fielding und Walker exc. (8°.), zusammen mit Maria Antoinette; – 10) G. Fiessinger sc. (8°.); – 11) J. G. Haid sc. (8°.), Schwarzk.; – 12) A. Maulbertsch p., V. Kauperz sc. (Fol.), im Profil mit Beiwerk – 13) Sauvage p., P. A. Kilian sc. (4°.), Halbfigur; – 14) J. Klauber sc. (8°.); – 15) Meytens p., G. A. Müller sc. 1742 (Fol.); – 16) J. E. Nilson fec. (4°.); – 17) J. A. Pfeffel exc. (gr. Fol.), Schwarzk., Halbfigur; – 18) J. C. Philips sc. 1743 (4°.); – 19) Meytens p., Pinssio sc. (8°.); – 20) J. E. Liotard p., J. C. Reinsperger sc. 1744 (gr. Fol.); – 21) J. E. Ridinger fec. (Fol.), radirt, zu Pferde; – 22) C. N. Cochin del. 1780, J. F. Rousseau sc. (4°.), radirt, mit allegor., auf Maria Antoinette bezüglichem Beiwerk; – 23) M. Meytens p. 1743, F. L. Schmitner sc. (4°.), Halbfigur; – 24) J. Schmuzer sc. 1770 (Fol.), kostbares Blatt; – 25) J. B. Vanini p., R. Smitscher sc. (Fol.), Schwarzk., seltenes Blatt; – 26) J. Schell del., P. Tanje exc. (Fol.); – 27) (M. Tyroff sc.) (4°.), im römischen Costume; – 28) J. J. Preisler del., M. Tyroff (4°.).
IV. Medaillen. 1) Vermälungsmedaille. Jeton, 1736. – 2) Auf die pragmatische Sanction; in holländ. Sprache. Spottmedaille, 1742. – 3) Maria Theresia als römische Kaiserin. Bronzemedaille. – 4) Prämienmedaille mit Maria Theresiens Portrait. Von Donner. – 5) Besuch der Bergwerke. Medaille. – 6) Medaille auf den Sieg bei Kollin, 1757 (2 verschiedene). – 7) Stiftung des Maria Theresien-Ordens, 1757. – 8) Medaille auf den Entsatz von Prag, 1757. – Auf den Entsatz von Olmütz, 1758. – 10) Auf den Sieg bei Hochkirch, 1758. – 11) Auf den Entsatz von Dresden, 1759. – 12) Gefangennahme Fink’s[WS 8], 1759. – 13) Sieg bei Landshut, 1760. – 14) Einnahme von Glatz, 1760. – 15) Einnahme von Schweidnitz, 1761. – 16) Hubertsburger Friede, 1763. – 17) Auf das adelige Fräuleinstift zu Innsbruck, 1765. – 18) Auf Maria Theresiens Genesung von den Pocken, 1767. – 19) Medaille auf die Vertheilung neuer Schulbücher, 1774. – 20) Auf die Verbesserung der lateinischen Schulen, 1776. – 21) Auf den Teschner Frieden, 1779. – 22) Auf Maria Theresia’s Tod. Aeternitas Augustae. – Böhmische Medaillen: 23) Krönungsmedaille, 1743 (4 verschiedene und ein Krönungs-Jeton). – 24) Adeliges Damenstift, 1744. Bronzemedaille. – Ungarische Medaillen: 25) Krönungsmedaille, 1741. – 26) Geburt Joseph’s, 1741. – 27) Bronzene Spottmedaille, 1742. Bayerische Hose. – 28) Messingmedaille, die Kaiserin und Joseph, stehend. – 29) Bronzene Spottmedaille, 1743. Ungarisch Wasser. – 30) Erneuerung des St. Stephan-Ordens, 1764. – 31) Grundsteinlegung zur Stephanskirche in Gran, 1768. – 32) Uebertragung der Hand des h. Stephan, 1771. Jeton. – 33) Verbesserung des Schulwesens, 1780 (siehe auch 19). – 34) Uebertragung der Universität von Tyrnau nach Ofen, 1780. – Vergleiche übrigens das „Verzeichniß der von dem k. k. Feldmarschall-Lieutenant Ludwig de Traux in Wien hinterlassenen Münz- und Medaillen-Sammlung“ (Wien 1856, 8°.) Nr. 313–365, 803–809, 1798–1801, 2799–2828, 5528 und 5529.
V. Monument. Wiener Zeitung 1860, Nr. 209, S. 3495: „Das Maria Theresien-Monument in Wiener Neustadt“. [Maria Theresia ist die Stifterin der Wiener Neustädter Militärakademie. Seit 1752, ihrem Gründungsjahre, sind 5376 Zöglinge der Akademie in das österreichische Heer eingetreten. Die Zöglinge der Akademie, die jetzt noch im Heere dienen, haben sich vereinigt, der erhabenen Gründerin der Anstalt im Garten der Akademie ein Monument aufzustellen. Den figuralischen Theil übernahm Hanns Gasser , die Ausführung der Figuren in Bronze A. Fernkorn, des Granitsockels Wasserburger. Die Stiftungsurkunde in der Hand, mit dem Hermelinmantel bekleidet, steht die Kaiserin umgeben von den allegorischen Gestalten der Weisheit, der Stärke, der Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Die Aufstellung ist vorderhand auf das Jahr 1861 festgesetzt.]
[80] VI. Charakteristik der Kaiserin. Hormayr entwirft von der Kaiserin folgendes Bild: „Maria Theresia war größer, als die meisten Frauen, aber die vollkommene Proportion ihrer Gestalt zeichnete sie noch mehr aus, als ihre Größe. Ihr Angesicht war ein schönes Oval, belebt durch milde und doch feurige (obwohl nur graue) Augen, geziert durch die herrlichste Farbe, durch die gebogene Nase der Habsburger, durch einen überaus lieblichen Mund, der die aufgeworfene burgundische Lippe nicht mehr hatte. Sie war mehr blond, wie alle Habsburger, glich aber doch mehr ihrer Mutter, als ihrem Vater, obwohl auch von jener in manchen Zügen und im Ausdrucke ganz verschieden. Als sie älter ward, verlor ihre Gestalt das schöne Ebenmaß. Einst so schlank, wurde sie sehr fett, und die Pocken, die sie in ihrem 49. Jahre an den Rand des Grabes gebracht hatten, entstellten vollends dieses Meisterwerk der Schöpfung. Ihr Anstand war majestätisch, ja heroisch, wie ihr Thun. Sie besaß die unschätzbare Herrschergabe, nach Willkür zu erscheinen, wie es jedesmal die Gelegenheit forderte: freundlich oder gebietend, ermunternd oder in Schranken haltend. Ihre Stimme war hell, die Sprache rasch, begleitet mit vieler und lebhafter Geberde, der feurigste Ausdruck in jeder Bewegung. Ihn mäßigte zwar stets die hohe königliche Würde, aber unverkennbar schimmerte ihr Temperament, das rein sanguinische, durch. Ueberaus reizbar, war sie leicht aufgebracht, aber auch leicht wieder besänftigt, wo nur gegen sie gefehlt worden war, und mit überfließender Güte entschädigend, wo sie gefehlt zu haben glaubte; denn sie war gerecht und gewissenhaft bis zur Aengstlichkeit, so daß man sie nur von der Ungerechtigkeit einer noch so vortheilhaften Sache überzeugen durfte, um sie selbe aufgeben zu machen; daher hielt sie aber auch alle Gegner ihres Staates für ihre besonderen ewigen Feinde, denen sie so leicht nicht vergab, als andern, die bloß sie selbst angegriffen hatten; jene hatten eben mit ihrer Person auch ihre Krone, und was ihr das Theuerste war, das Glück ihrer Unterthanen angetastet. Festigkeit in allen ihren Handlungen – Festigkeit in ihrem ganzen Wesen – Entschlossenheit und Consequenz machten den publizistischen Ausdruck der Ungarn: „unser König Theresia“ zur psychologischen Wahrheit. War sie sichtbar fromm und andächtig, so war sie auch im Innersten rein tugendhaft und ohne Tadel – Kunigunde zugleich und Penelopeia. Durch ihre Einrichtungen in Kirchensachen hat sie dargethan, was ihre reine, edle Frömmigkeit sei, und wie weit sie abweiche von dem Verfolgungsgeiste, der unter beiden Ferdinanden und deren Enkel und Sohn Leopold I. so viel Schaden gestiftet hat. Es war zwar bei ihr große Empfehlung, zur herrschenden Religion zu gehören, und sie interessirte sich mit ungemeiner Wärme, ausgezeichnete Protestanten zu Proselyten zu machen; allein sowohl aus innerer Ueberzeugung, als aus Staatsabsichten. An der Monarchin, die zuerst Einheit in den österreichischen Staatenverein gebracht hat, kann das nicht befremden – und wenn der Herrscher verlangen kann, daß seine vorzüglichsten Diener in einzelnen Administrationsgegenständen gerade nach gewissen Principien handeln, so war ihr wohl der Wunsch nicht zu verargen, sie möchten mit ihr in etwas übereinstimmen, was ihr selbst so theuer und ehrwürdig war. Außerordentlich und fast verschwenderisch war ihre Wohlthätigkeit; sie wollte lieber, daß mitunter auch ein Unwürdiger davon zehre, als daß das geringste Verdienst leer ausgehe. Und diese große Königin, geboren zum Walten über Millionen, die unverzagte Retterin der Monarchie, war zugleich die erste, die zärtlichste Gattin, die gütigste, die sorgfältigste Mutter. So hatte die Erbauerin des Mausoleums nicht ihren Gemal betrauert und geehrt, wie Maria Theresia den ihrigen. Von seinem Todestage an legte sie die äußerlichen Zeichen der Trauer nie mehr ab. Am 18. Tage jeden Monats schloß sie sich einsam ein, zur Erinnerung und zu Thränen (denn er war am 18. Monatstage gestorben); stundenlang weilte sie in der tiefen Gruft, die ihn barg – und sie nahm es als Vorbedeutung, als liebenden Ruf, als das Letztemal das Seil des Stuhles, auf dem sie hinuntergelassen wurde, riß! Ihr feines Gefühl für’s Schickliche, für die der Gesetze Gewalt ergänzende, übertreffende Macht der Sitte, und für die Würde der Frauen, der Gedanke vielleicht, daß es ihr, der Ersten ihres Geschlechtes, zieme, die Beschützerin desselben zu sein, haben sie manchmal zu dem Mißgriffe verleitet, die Sitten durch gehäufte Prohibitivsatzungen bessern zu wollen und manche Ehe blos durch Zwang oder durch Convenienz zu knüpfen. Selbst Frau – und nicht ohne Eifersucht liebende Gattin, vergab sie nichts schwerer, als Treulosigkeit der Männer gegen die Frauen, Beleidigungen, die aus dem unedlen Gefühle des [81] Uebergewichtes des Mannes über das Weib entsprangen, und überhaupt jede Herabwürdigung ihres Geschlechtes. Ihre Arbeitsamkeit war unermüdbar – vieles schrieb sie selbst (ihre Schriftzüge waren jenen Ferdinand’s II. und Leopold’s I. sehr ähnlich), immer sehr kurz und deutlich, obschon meistens mit dem unbestimmten Zeitworte. dennoch waren ihre Befehle faßlicher und kräftiger, als die Rescripten und Ordres ihrer meisten Minister und Generale. Sie – was diese nicht immer thaten, drückte gern überall ihre Grundsätze aus und machte davon nur Ausnahmen, wenn diese Grundsätze ihrer Wohlthätigkeit Schranken setzten. Sie vertraute nicht leicht, aber sie schenkte kein halbes Vertrauen. Denuncianten verachtete sie. Es war groß in ihr, daß sie nur entschied, was geschehen sollte, aber nicht wie? Unter ihrer Regierung ist viel Großes geschehen, weit mehr, als zuvor in Jahrhunderten – und doch hatte sie in den Sachen des Staates zwar manche verständige und vaterländisch gesinnte Diener, aber außer Kaunitz und (dem lange nur untergeordneten, durch eigene Bescheidenheit und fremde Scheelsucht allzulange zurückgesetzten) Loudon keinen eigentlich großen Mann im Felde oder Rath. Desto größer – Sie selbst!“ Dieser begeisterten Schilderung des heimischen Historikers schließen wir die ruhige, aber nicht minder gediegene des auswärtigen an; Ranke schreibt über die Kaiserin: „An der 23jährigen Tochter (Kaiser Karl’s VI.) hatte man bis zu ihrem Regierungsantritt besonders jugendlich aufblühende Frauenschönheit und eine ruhig fortschreitende Bildung nach dem Maße des ihr zu Theil gewordenen Unterrichts bewundert. Sie hatte auch Latein gelernt und ihr Lehrer wenigstens versicherte, sie wisse in den Autoren, die er mit ihr lese, deren Eigenthümlichkeit zu unterscheiden; sie zeigte in Allem, was sie trieb, Methodik und feinen Sinn, im Umgange Ruhe und Ernst, nicht ohne Grazie. „„Was ihr aber – sagte ein Venetianer schon 1758 – den höchsten Werth verleiht, ist die Erhebung des Geistes, die sie an den Tag legt, verbunden mit einer gewissen Männlichkeit des Gemüthes; man sieht, daß sie fühlt, wozu sie geboren ist, und darf glauben, daß ihre Rathgeber dereinst keine despotische Gewalt über sie ausüben werden.““ Nachdem Maria Theresia die für sie in ihrem Zustande doppelt schweren Tage der Krankheit und des Todes ihres Vaters überstanden, empfing sie die Huldigung ihrer Minister, die sie als Königin von Ungarn und Böhmen begrüßten; ihre Worte waren von Schluchzen unterbrochen; unverzüglich aber begann sie ihr Amt auszuüben und an den Conferenzen thätigen Antheil zu nehmen. – – Sie liebte ihren Gemal mit vollem Herzen, war um so mehr für seine Beförderung, da sie durch ihn den Glanz des kaiserlichen Namens bei ihrem Hause zu behaupten hoffte; allein ihre ererbte Macht mit ihm zu theilen, ihm wesentlichen Einfluß auf die Regierung zu gestatten, war sie nicht gesonnen. In der Geschichte der Königinen ist es eine seltene Erscheinung, wie sie für ihre häuslich-weiblichen Pflichten und ihre Herrscherbefugnisse ein gleich lebendiges Gefühl hegt, sie aber auseinander hält. Das von Jugend auf in ihr genährte Bewußtsein, daß sie die geborne Herrin sei, empfing in ihr überdieß durch eine gewisse Pietät eine bestimmte Farbe und Richtung: sie wollte selber regieren, wie ihr erlauchter Vater.“

  1. Es ist nämlich von den römischen Alterthümern bei Petronell, wo bekanntlich Marc Aurel sich befand, die Rede. [Dasselbe auch in Franz Gräffer’s „Kleine Wiener Memoiren“ (Wien 1845). Bd. III, S. 243.]

Anmerkungen (Wikisource)