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BLKÖ:Mastalier, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Massinger, Andreas
Band: 17 (1867), ab Seite: 90. (Quelle)
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Mastalier, Karl (Dichter und Schriftsteller, geb. zu Wien 21. November 1731, gest. ebenda 6. October 1795). M. trat im Jahre 1749, damals 18 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er nach abgelegten Ordensgelübden die philosophische Magisterwürde erlangte und dann im Lehramte verwendet wurde. Er lehrte die Dicht- und Redekunst im Profeßhause des Ordens in den letzten zehn Jahren vor Aufhebung der Gesellschaft, wurde dann Titular-Canonicus von Laibach und starb als solcher vom Schlage gerührt im Alter von 64 Jahren. Mastalier gehört, wie Jördens treffend bemerkt, zu der kleinen Anzahl derjenigen merkwürdigen Männer, welche bald nach dem Anfänge der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts sich angelegen sein ließen, den guten Geschmack in den schönen Redekünsten zu Wien und in den österreichischen Ländern zu verbreiten. Durch vertraute Bekanntschaft mit den classischen Werken des Alterthums hatte er sich eigenen, festen und gebildeten Geschmack erworben und documentirte denselben durch eine, wenn auch nur geringere, Anzahl Oden, die, so wie verschiedene Nachbildungen des Horaz von seinen damaligen Zeitgenossen mit einstimmigem Beifalle aufgenommen wurden. Er genoß die Ehre, daß Deutschland ihn, wie den würdigen Denis [Bd. III, S. 238], seinen Landsmann und Freund, dem Chor seiner vorzüglicheren Dichter beigesellte. Mastalier’ s Gedichte wurden anfangs theils einzeln gedruckt, theils in den Anthologien, Musen-Almanachen u. s. w. seiner Zeit bekannt gemacht. Die von ihm herausgegebenen einzelnen Gedichte und Schriften sind in chronologischer Folge: „Lobrede auf den heil. Kilian, Bischof, Apostel und Martyrer der Franken“ (Wien 1764, 4°.); – „Lobrede auf den heil. Ulrich, Bischof zu Augsburg“ (ebd. 1765, 4°.); – „Trauerrede auf Franz’en I. Röm. Kaiser“ (ebd. 1765, Fol.), davon erschien auch eine französische Uebersetzung im nämlichen Jahre; – „Hochzeitgedichte auf die Vermählung Joseph’s des II. mit Josephe’n von Bayern“ (Wien 1765, 8°.); – „Lobrede auf den heil. Beschützer der gefürsteten Grafschaft Tyrol“ (ebd. 1766, 4°.); – „Ode auf den Tod des k. k. Feldmarschalls Leopold Grafen von Daun“ (ebd. 1766, 4°.); – „Lobrede auf den heil. Franz von [91] Sales (ebd. 1767, 4°.); – „Lobrede auf den heiligen Johann von Nepomuk“ (ebd. 1767, 4°.); – „Denkrede auf die Genesung der Kaiserin Königin (ebd. 1767, 4°.); – „Ode auf die Wiederkunft des Kaisers“ (ebd. 1769, 4°.); – „Auf Gellert’s Tod“ (ebd. 1770, 8°.); – „Lied eines österreichischen Kürassiers nach der Musterung in Ungarn“ (ebd. 1770, 8°.); – „Auf den Tod der kais. Prinzessin Theresia“ (ebd. 1770, 8°.); – „Ode auf die Wiederkunft des Kaisers“ (ebd. 1771); – „An Deutschland wegen seines Kaisers“ (ebd. 1771); – „Das Bild Marien Theresiens, der Mutter der schönen Künste und Wissenschaften“ (ebd. 1772); – „Gedichte nebst Oden aus dem Horaz“ (Wien 1774, 8°.), zweite vermehrte und verbesserte Auflage (ebd. 1782, 8°.), es sind darin auch, mit Ausnahme der eben angegebenen Hochzeitsgedichte auf Joseph II. und Josepha von Bayern, die vorerwähnten einzeln erschienenen Gelegenheitsgedichte enthalten. Von den Oden des Horaz befinden sich darin siebenzehn, und zwar aus dem ersten Buche die Ode 3, 24, 31, 35; aus dem zweiten Buche die Ode 2, 3, 10, 13, 14, 16, 17; aus dem dritten Buche die Ode 1, 5, 24, 29, und aus dem vierten Buche die Ode 9 und 15; – „Empfindungen am 23. May, dem Tage der Friedensfeyer“ (Wien 1779, 8°.); – „Lied eines Kürassiers auf den Erzherzog Leopold“ (ebd., Trattnern, 8°.); – „Trauerrede auf Maria Theresia“ (Wien 1781, gr. 8°.). Nach J. N. Stoeger in seinen „Scriptores Provinciae austriacae S. J.“ wären von ihm auch in lateinischer Sprache: „Sermones de Immaculata Conceptione B. V. Mariae, de S. Catharina, de S. Ivone, de SS. Cosma et Damiano, de S. Ladislao, de SS. Ignatio et Francisco Xav. Viennae habitae“ erschienen, jedoch gibt Stoeger weder Druckort noch Jahr an, und ist mit seinen bibliographischen Angaben bei dem Umstande, daß er alle Büchertitel in’s Lateinische übersetzt, höchst unzuverlässig. Nach Meusel soll Mastalier ferner der Verfasser sein der „Briefe aus Berlin über Paradoxa dieses Zeitalters“, 2 Theile (Berlin und Wien [richtiger Breslau] 1784, 8°.), und soll unter dem Namen Wetzel allerlei bis jetzt unbekannt gebliebene Sachen geschrieben haben.

Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1808, G. Fleischer, 8°.) Bd. VIII, S. 523 [nach diesem geb. 21. November 1731]. – Stoeger (Johann Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) S. 220 [nach diesem geb. 26. November 1731]. – Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, L. Ehlermann, 8°.) II. Band. S. 605, Nr. 269 [nach diesem geb. 16. November 1731].– Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 589 [nach dieser geb. 16. November 1731]. – Schütze (Karl Dr.), Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Berlin 1862, Alb. Bach, 8°.) S. 220 [nach diesem geb. 16. September 1731]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.; I. Bandes 1. Stück, S. 314 [nach diesem geb. 16. November 1731]. – Jördens (Karl Heinrich), Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten (Leipzig, Weidemann, gr. 8°.) Bd. III, S. 457 [nach diesem geb. 16. November 1731]; Bd. VI (Supplement). S. 519. – Phantasien- und Prediger-Almanach auf das Jahr 1785. – 'Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 572. – (Gräffer, Franz) Josephinische Curiosa u. s w. (Wien 1848, I. Klang, 8°.) I. Bändchen, S. 165 u. 166 [Mastalier’s Ansicht über den Büchernachdruck. Buchhändler von Trattnern trug sich mit einem großartigen Nachdruckprojecte [92] und entwarf ein Verzeichniß der Schriftsteller, denen er diese Ehre zugedacht; zugleich bat er Born, von Sonnenfels , Denis, Blumauer, Mastalier und [BLKÖ:Haschka, Lorenz Leopold|Haschka]], ihre Ansicht über sein Vorhaben auszusprechen. Mastalier’s Ansicht ist jedenfalls die gründlichste und stimmt im Ausspruch, der gegen den Nachdruck lautet, mit allen überein.] – Porträt. C. Geyser sc. (8. Rad.), auch im Musenalmanach auf das Jahr 1775. – Zu Mastalier’s literarischer Charakteristik. Wie es in Sachen des Geschmackes immer der Fall war und stets bleiben wird, hatte auch M. abfällige Urtheile zu erfahren, und schon de Luca weist einen Kritiker, der in der „K. k priv. Realzeitung“ an M. und seinen Arbeiten kein Gefallen fand, mit den Worten zurück: „Eine Kritik soll belehren, nicht beleidigen, und der Mann, der Verdienste hat, verdient Achtung – nicht Herabsetzung. Wer läugnet Mastalier’s Verdienste?“ – Unbefangen hingegen urtheilen bewährte Fachmänner seiner Zeit über ihn, wie Professor Küttner, Eschenburg, Wachler u. A. Küttner sagt über Mastalier den Dichter: „Große lyrische Züge, glühende Begeisterung und kühnen Sinn haben Mastalier’s Oden nicht; auch nichts von der einfältigen Erhabenheit des Barden Sined. Dennoch steigt er weit über die Kraftlosigkeit des gemeinen Poetenvolkes. Die Natur ist seine Lehrerin; er folgt ihren Eingebungen mit Achtsamkeit und meidet vorsichtig, was seine Geistesgaben übersteigt. Seine Lippen fließen über von Lob und dankbarer Empfindung gegen die großen und guten Herrscher seines Vaterlandes. Ihre Thaten und Tugenden besingt er mit einem Enthusiasmus, der ungezwungen dem Herzen entströmt. Rühmlich ist seinem Genie die edle Sprache, der gewogene bilderreiche Ausdruck in den meisten seiner Oden, rühmlich seinem Fleiße die Treue, Leichtigkeit und Harmonie, mit denen er dem Horaz selbst einige seiner schönsten Lieder nachsang: Sylbenmaß und Reim machen ihm nur selten sichtbare Mühe; die Kunst hilft sie ihm größtentheils besiegen.“ [Küttner, Charaktere deutscher Dichter und Prosaisten, S. 429 u. f.] – „Minder kühn und phantasiereich, aber doch reich an lyrischer Kraft und edler Gesinnung, sind Mastalier’s Oden. Außer mehreren Originalgedichten haben wir auch von ihm eine Anzahl Nachahmungen horazischer Oden, die immer ihren Werth behalten, ungeachtet ihnen Ramler’s Wetteifer den Vorrang abgewonnen hat.“ [Hofrath Eschenburg in der „Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften, Bd. IV, S. 324.] – „Mastalier empfiehlt sich durch Patriotismus, gedankenreichen, wohlklingenden Ausdruck und edle Sprache“, mit diesen wenigen Worten charakterisirt Wachler in seinem „Handbuche der allgemeinen Geschichte der Literatur“, Abthlg. II, S. 712, unsern Mastalier.