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BLKÖ:Habsburg, Joseph II.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Habsburg, Joseph I.
Band: 6 (1860), ab Seite: 296. (Quelle)
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124. Joseph II., deutscher Kaiser (geb. zu Wien am 13. März 1741, gest. ebenda 20. Februar 1790). Erstgeborner Sohn der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Franz I. Stephan. In der Taufe erhielt er den Namen Joseph Benedict Johann Anton Michael Adam. Gemalinen: 1) Maria Isabella von Bourbon, Infantin von Spanien, Tochter Don Philipp’s Herzogs von Parma (geb. 31. December 1742, gest. 27. November 1763), ihm vermält durch Procuration in Parma am 7. September, in Person zu Wien am 6. October 1760; 2) Maria Josepha von Bayern, Tochter Kaiser Karl’s VII. (geb. 20. März 1739, gest. 28. Mai 1767), ihm vermält zu Schönbrunn am 23. Jänner 1765. Kinder erster Ehe: Maria Theresia (geb. 20. März 1762, gest. 23. Jänner 1770), Christine (geboren und gestorben 22. November 1763). Die zweite Ehe blieb kinderlos. Wahlspruch. „Virtute et exemplo“. Wichtigere Lebensmomente. In einer wildbewegten, gährenden Zeit, in welcher im Leben der Völker und in der Ordnung der Staaten Europa’s sich neue Verhältnisse zu gestalten begannen, kam Joseph zur Welt. Seine weise Mutter übergab die Erziehung des Kaisers tüchtigen, gediegenen Männern, Karl Fürst Batthyany wurde des Kronprinzen Obersthofmeister, der Jesuit Pater Franz unterrichtete ihn in Religion, Logik und Experimentalphysik, der geistvolle Brequin in den mathematischen Wissenschaften, Leporini in der Geschichte, Martini in den Rechten, Christoph Freiherr von Bartenstein in [297] der Politik und Geschichte seines Hauses, und Beck in jener Deutschlands. Strenge erzogen, wuchs er zum Jünglinge, zum Manne auf, immer von seiner Mutter in einer Abhängigkeit erhalten, welcher zwar seine selbstständige, der Freiheit bedürftige Natur sehr widerstrebte, die er jedoch in kindlicher Liebe und Ergebenheit niemals zu brechen wagte. Dieses Verhältniß aber war es eben, das ihn frühzeitig zur Beobachtung der Menschen und Ereignisse und zum Nachdenken über den Beruf eines Regenten und den Einfluß seiner Umgebung anregte. Zwei Factoren waren es, welche die Entschließungen seiner großen Mutter vornehmlich beeinflußten: der Adel und die Geistlichkeit, die Vorrechte des Ersteren waren mit dem Kosmopolitismus des philosophischen Kaisers unvereinbar, und die Macht des Letzteren erschien ihm in Sachen des Staates schädlich; so geschah es denn nicht selten, daß die Grundsätze, nach welchen die Mutter regierte, des Sohnes Widerspruch erregten; aber in solchen Fällen gab, so lange die Mutter lebte, der Fürst dem Sohne nach. Dieser aber, in seinem Feuereifer nach Beschäftigung lechzend, warf sich mit aller Energie auf die kriegerischen Uebungen. Als im Jahre 1759 der Krieg ausbrach, sollte der ritterliche Prinz den Feldzug mitmachen, den seine Mutter gegen den großen Preußenkönig eröffnete; aber die Räthe der Kaiserin vereitelten die wiederholten Bitten des Sohnes, den seine Mutter vielmehr häuslich zu fesseln versuchte. Im Alter von 19 Jahren vermälte sie ihn mit der ebenso liebenswürdigen als schönen Maria Elisabeth von Parma, der er auch mit der ganzen Innigkeit seines fühlenden Herzens zugethan war. Aber das Glück dieser Ehe, eben weil es so groß und herrlich war, zerstörte das neidische Schicksal, das diesen Fürsten nun einmal zu Leiden auserkoren hatte. Schon nach zweijähriger Ehe starb Maria Elisabeth im zweiten Wochenbette, nachdem auch das Kind wenige Stunden nach seiner Geburt gestorben war. Auch seine zweite Gemalin, Maria Josepha, der er nach einer solchen Vorgängerin nicht aus Liebe, sondern aus politischen Gründen die Hand gereicht, verlor er nach zweijähriger Ehe, die überdieß kinderlos geblieben ist. So betrat er, zweifach Witwer, ohne männlichen Leibeserben, im Jahre 1764 den historischen Schauplatz; denn in diesem Jahre wurde er zum römischen Könige und, als im folgenden sein Vater starb, von seiner Mutter zum Mitregenten ernannt, die jedoch dem raschen, freisinnigen Sohne alle eigentliche Regierungsthätigkeit und den Einfluß auf die Staatsgeschäfte entzog. Joseph war nur Chef des Militäretats und Großmeister aller Orden. Allenthalben Mängel in der Staatsverwaltung und den Rechtsverhältnissen gewahrend, suchte er, soweit es ihm gelang, die Mutter zu bewegen, dieselben zu beseitigen oder zu bessern. Gleichheit vor dem Gesetze, gleiche Vertheilung der Rechte und Pflichten, der Ehren und Lasten unter alle Stände, überhaupt die möglichste Gleichheit aller Staatsbürger und aller Staatsformen in den verschiedenen Lebenskreisen und den verschiedenen Ländern seines Staates, waren der Hauptgesichtspunct, aus welchem er das Glück der seiner Leitung anvertrauten Völker betrachtete und den er, so viel es ihm möglich, festzuhalten strebte. Die starre Unbeweglichkeit der alten Staatseinrichtungen bei Lebzeiten seiner erlauchten Mutter zu brechen, war ihm aber nicht möglich; und um einerseits das Unerquickliche derselben [298] sich fern zu halten, andererseits um sich für die Aufgabe, die ihm als Alleinherrscher einst bevorstand, ernstlich vorzubereiten, begab er sich auf Reisen. Kein Fürst seiner Zeit war so viel und so weit umhergereist wie Joseph. Zuerst besuchte er alle seine Erbstaaten, sich mit dem Zustande dieser Länder, die er dereinst zu regieren berufen war, genau bekannt machend, deren bäuerliche Verhältnisse, die Wirkung der Steuern, die Verhältnisse des Handels und des Ackerbaues, der Armee und die Vertheidigungsmittel des Staates prüfend und in’s Einzelne studirend. Die Noth fand an ihm den rettenden Engel, wo er ihr in seinen Ländern begegnete, sann er auf Mittel zur Abhilfe und schuf dieselben; wo Mißwachs gewesen, ließ er Getreide hinschaffen; nach Siebenbürgen schickte er tüchtige und opferfähige Aerzte, welche die Pest studirten und dieser fürchterlichen Geißel der Menschheit Einhalt thun sollten, und verbesserte wesentlich die Contumazanstalten; in Gegenden, welche an Mangel der Lebensbedürfnisse und an Theuerung litten, zwang er wucherische Vieh- und Getreidehändler, ihr Vieh und Getreide nach den Städten zu schaffen und es zu entsprechenden Preisen hintanzugeben. Wenn er in seiner glühenden Menschenliebe zum Wohle, ja zur Rettung der Allgemeinheit scheinbar in die Privatrechte des Einzelnen eingriff, so benützten dieß arglistig genug seine Gegner zu Angriffen auf den großen Fürsten, vergessend oder richtiger verschweigend, daß es eine viel größere Verletzung aller Menschenrechte, dieser ursprünglichen Privatrechte ist, die Bürger eines Staates darben und verkümmern zu lassen, weil der Wucher und unerlaubte Gewinnsucht kein Mittel scheuen, verbrecherische Zwecke zu eigenem Vortheil auf Kosten Aller zu erreichen. Dem Kaiser leuchtete unter allen Umständen sein erhabener Sinn, das Rechte unter dem verwahrlosten Recht zu retten, wie ein glänzender Stern vor. Daß ein Fürst solchen Sinnes, wie Kaiser Joseph, für den größten Zeitgenossen, König Friedrich, wenn er gleich sein Gegner auf dem Schlachtfelde war, von Bewunderung hingerissen werden mußte, ist leicht erklärbar; sie waren Beide eben nur Gegner im Felde, aber im Herzen Eins in ihrer Absicht, ihre Völker groß und stark zu machen. Wären Oesterreichs Völker zu Joseph’s Zeit auf einer höheren Stufe der Bildung gestanden, so hätte Kaiser Joseph eben so wenig von ihnen mißverstanden werden können, als Friedrich es von den seinigen ward. Dieselbe Bewunderung aber, welche Joseph für Preußens Friedrich hegte, hegte dieser für Oesterreichs Joseph, in Friedrich’s Arbeitszimmer sah man Joseph’s Büste und in des Kaisers Cabinet Friedrich’s Bildniß. Als die beiden Zusammenkünfte dieser zwei großen und merkwürdigen Fürsten in den Jahren 1768 und 1769, die erste auf preußischem Gebiete im Lager zu Neisse, die zweite auf österreichischem Boden im Lager zu Mährisch-Neustadt, stattfand, geschah sie ohne alles Ceremoniel, da die beiden gekrönten Philosophen sich nur rein menschlich genießen und über die Angelegenheiten der Menschheit berathen wollten. Als er dann Italien, einige Jahre später die Niederlande, welche damals österreichisch waren, und dann Frankreich besuchte, unternahm er diese Reisen nicht, um sich zu erlustigen sondern, wie es die zahlreichen Schilderungen, welche über dieselben vorliegen, beweisen, um sich über die verschiedenen Einrichtungen in diesen Ländern zu unterrichten, [299] das Nützliche und Entsprechende in seinen Ländern einzuführen und seine reiche Kenntniß fremder Völker, ihrer Sitten und Einrichtungen in seinen eigenen Staaten praktisch anzuwenden. Als er nach dem Tode seiner Mutter als Alleinherrscher die Regierung übernahm, waren es neben Einführung der oben erwähnten Gleichheit vornehmlich zwei Angelegenheiten, die ihn vor allen anderen beschäftigten, nämlich die Einschränkung des Einflusses der Geistlichkeit und der päpstlichen Gewalt und die Vertreibung der seine Grenzländer stets beunruhigenden Türken. In letzterer Absicht reiste er nach Moskau, um sich mit der Kaiserin Katherina über einen mit Rußland gemeinschaftlich zu unternehmenden Feldzug gegen die Osmanen zu berathen. Dann in seine Staaten zurückgekehrt, begann er mit rascher Hand die Reformen; wie schon als Mitregent umgab er sich nunmehr als Selbstherrscher mit den ausgezeichnetsten Denkern seines Reiches, ertheilte größere Preßfreiheit;, hob die Verbindung der geistlichen Orden mit Rom mit einem Federzuge auf; erließ das Toleranz-Edict; vermittelte den Juden größere Duldung und Rechte; schaffte die Leibeigenschaft ab; hob eine Menge von Mönch- und Nonnenklöstern auf, welche keine Schulen hielten oder sich der Seelsorge oder Krankenpflege nicht widmeten; verbesserte das Kirchenwesen; reorganisierte die Polizei; schaffte die Todesstrafe ab, und wendete das Entsprechende an, um den Landbau zu heben. Papst Pius, betroffen über die Reformen Joseph’s und die Einziehung der Kirchengüter, begab sich persönlich nach Wien, wo er wohl eine ausgezeichnete, seiner hohen Kirchenwürde angemessene Aufnahme fand, aber den eigentlichen Zweck seiner Reise nicht erreichte. Selbst die im darauf folgenden Jahre vom Kaiser nach Rom unternommene Reise blieb eben so erfolglos. Als nun Joseph an die Staatsformen seine schöpferische Hand anlegte, dieselben in allen ihm unterthänigen Ländern in gleicher Weise eingerichtet werden sollten, da waren es die bevorzugten Classen der einzelnen Nationalitäten, welche ihnen widerstrebten. Während das Volk in Oesterreich seinen Kaiser anbetete, erhoben sich in den Niederlanden der Adel, die Geistlichkeit und die Advocaten und bethörten das Volk, welches die kaiserlichen Besatzungen aus dem Lande vertrieb; Tirol, von seinen eigenthümlichen Rechten und Gewohnheiten nicht lassen wollend, empörte sich; in Ungarn, wo der Versuch, eine gleichmäßige Verfassung in allen Erbstaaten einzuführen, das Nationalgefühl verletzte, entstand eine große und gefährliche Gährung; mit Holland gerieth der Kaiser wegen der freien Schifffahrt auf der Schelde in Händel. Tief im Innersten verletzt, seine großen Absichten überall verkannt zu sehen, in seinem Eifer für das Gute und Große nur auf Hindernisse und Widerstand zu stoßen, wurde er über solchen Undank nicht nur geistig niedergedrückt, sondern auch körperlich krank. Schon tief erkrankt, unternahm er mit Rußland gemeinschaftlich (1787) den Feldzug gegen die Türken. Starke Mittel sollten die Krankheit unterdrücken. Lascy’s falsches System der Kriegsführung machte den Feldzug scheitern und verstimmter und kranker, als der Kaiser in den Feldzug gezogen war, kehrte er aus demselben zurück. Noch erregte sein auf gleichere Vertheilung der Lasten berechnetes Steuergesetz (1789) neue und nicht minder heftige Unzufriedenheit; das Alles warf den an [300] Gemüth und Körper leidenden Cäsar auf das Todtenbett, auf welchem er, veranlaßt von der, sein Hinsterben benützenden Umgebung, seine gleichmachenden Ideen widerrief und das Meiste in dieser Beziehung Angeordnete, besonders für Ungarn und Tirol, wieder aufhob. Wohl hat kein Regent den scheidenden Blick aus seine Handlungen und das, was er nachließ, mit größerem Schmerze und Unmuthe gerichtet, als Joseph. Als Menschenfreund im wahren Sinne des Wortes ging er daran, die große Aufgabe des Regenten zu lösen; vom Gesichtspuncte der Menschenliebe faßte er den schweren und heiligen Beruf: zu herrschen, vorurtheilslos auf, suchte mit Feuereifer die Schwächen und Flecken seiner Zeit zu entdecken und diese zu stärken und zu reinigen von allen hergebrachten Mängeln, an denen die Völker leiden; aber so dem trägen, mit Gewohnheiten sich schleppenden Sinne im raschen Fluge des Geistes voraneilend, wurde er verlassen, mißverstanden, verkannt und erfuhr das Loos der meisten großen Menschen, die eine neue Bahn eröffnen. Er, der die ganze Welt und besonders die ihm anvertrauten Völker mit der reinsten Liebe umfaßte, erntete von diesen, denen er nur Gutes gethan, schnöden Undank und völliges Verkennen seiner besten Absichten. – Dieser allgemeinen Darstellung seiner Regierungsepoche mögen hier die Regesten, welche wir mit seinem 18. Jahre beginnen, folgen, sie werden als geschichtlich festgestellte Thatsachen das eben Vorausgeschickte bestätigen.

1759. Joseph, 18 Jahre alt, soll zur Armee des Feldmarschalls Daun in’s Feld ziehen, erhält aber plötzlich Gegenbefehl von seiner besorgten Mutter.

1760 7. September: Wird durch Procuration vermält mit Maria Isabella, Prinzessin von Parma; – 1. October: hält die Prinzessin in Wien ihren festlichen Einzug. Bei dieser Gelegenheit zog zum ersten Male die neu errichtete adelige ungarische Leibgarde auf, die am 28. September zu Preßburg mit großer Feierlichkeit den Eid der Treue geschworen und welcher Maria Theresia den Fürst Trautsohn’schen Palast am Spittelberg gekauft hatte. Die Garde erregte durch die Pracht ihrer Anzüge allgemeines Erstaunen; – 6. October: wird diese Vermälung in Person vollzogen.

1762. 20. März: Geburt der ersten Tochter Joseph’s: Maria Theresia.

1763. 15. Februar: Hubertsburger Friedensschluß. – 27. November: stirbt Joseph’s erste Gemalin, Maria Isabella.

1764. 27. März: Joseph’s Wahl zum römischen Könige; – 3. April: Krönung zu Frankfurt.

1765. 23. Jänner: Joseph’s zweite Vermälung mit Maria Josepha, Prinzessin von Bayern. – 18. August: Tod von Joseph’s Vater, Kaiser Franz I. Stephan zu Innsbruck. – 23. September: Joseph’s Erklärung zum Mitregenten in allen Erbstaaten, zum Großmeister aller Ritterorden und bald darauf zum Chef des ganzen Kriegswesens. – 1. November: Erhebung Siebenbürgens zu einem für sich bestehenden Großfürstenthume.

1766. 1. Jänner: Kaiser Joseph läßt für 18 Millionen Staatspapiere oder sogenannte Coupons verbrennen, die er von seinem Vater geerbt hatte und schenkt dadurch dem Staate das Capital sammt den Interessen. Auch gibt er die von Kaiser Franz als Familieneigenthum [301] erkauften Domainengüter dem Staate wieder zurück. Er fordert eine Liste aller Besoldungen und Pensionen, schränkt den Aufwand bei Hofe ein; hebt den eigenen Hofstaat, die Tafeln der sechs ältesten Prinzessinen und die übrigen Hofstaaten auf; die Erlangung von Ehrenstellen wird an wirklichem Verdienst geknüpft; die Gallatage werden aufgehoben mit dem ausdrücklichen Zusatze, daß der Neujahrstag (somit 1767 der erste) immer der einzige Gallatag des ganzen Jahres sein sollte. – 1. März: Reise durch Ungarn in das Temesvárer Banat bis an die türkische Grenze.

1767. 28. Mai: Tod von Joseph’s zweiter Gemalin Maria Josepha.

1768. 27. Februar: Erderschütterung und große Ueberschwemmung von Wien. Joseph setzte über die tosende Donau in einem Kahne und kommt den Unglücklichen in der Roßau zu Hilfe.

1769. Joseph’s erste Reise nach Italien; – 15. März: Ankunft zu Rom; – 30. März: zu Portici in Neapel; – 18. April: zu Florenz; – 5. Mai: zu Parma; – 11. Juni: zu Turin. – 1. August: Joseph’s Reise nach Schlesien. – 19. August: Joseph ackert auf der Fürst Lichtenstein’schen Herrschaft Posorzitz in Mähren auf offenem Felde mit dem Pfluge eines gemeinen Bauern einige Furchen. Wenzel Fürst Lichtenstein ließ auf dem nämlichen Acker ein Denkmal setzen [siehe unten in den Quellen: Nr. XIII. Joseph’s Monumente]. – 25. August: Joseph’s Ankunft im Lager Friedrich’s II. bei Neisse und erste Zusammenkunft der beiden Monarchen.

1770. 23. Jänner: Joseph’s Tochter aus erster Ehe, Maria Theresia, stirbt. – 2. März: Reise des Kaisers nach Ungarn. – 1. September: Reise zu den gewöhnlichen Truppenübungen nach Mähren. – 3. September: Besuch des Königs von Preußen im kais. Lager bei Mährisch-Neustadt. – Gegen Ende des Jahres große Hungersnoth in ganz Deutschland, welche bis 1772 dauerte. – Verschiedene Reisen Joseph’s nach Böhmen und Mähren.

1771. 3. November: Die Conföderirten in Polen erklären den Thron für erledigt und versuchen den König aus Warschau zu entführen. Oesterreich, Rußland und Preußen stellen starke Truppencordons an die Grenzen.

1772. Die drei genannten Mächte besetzen Polen, Polens Theilung findet Statt, Oesterreich erhält Galizien und Lodomerien, welche anfänglich zu Ungarn gehörten, 1775 aber als besonderes Königreich erklärt wurden. Maria-Theresia laßt sich in Lemberg huldigen. In allen Erblanden (Ungarn, Tirol, die Niederlande und Lombardie ausgenommen) wird die Conscription eingeführt.

1773. Joseph bereist Ungarn, Siebenbürgen, Galizien und Krakau. In diesem Jahre findet die Aufhebung des Jesuitenordens statt.

1774. Joseph erneuert seine Ansprüche auf die Bukowina, welche der moldauische Fürst Stephan im 15. Jahrhundert Siebenbürgen entrissen hatte. Joseph’s zweite Reise nach Italien. Wahl des Papstes Pius VI.

1775. Handelsvertrag Oesterreichs mit Polen. Bauernaufruhr in Böhmen wegen der Leibeigenschaft und Frohnen; durch Truppen und Milderung der Frohndienste wird der Aufruhr gestillt.

1776. Verwandlung der böhmischen Kronländereien in Bauerngüter. Aufhebung der Leibeigenschaft. Joseph bei den Truppenübungen im Lager bei Prag. Als bei diesen Manoeuvres die Armee [302] eines Tages in die Gegend kam, wo am 6. Mai 1757 Schwerin von fünf österreichischen Kartätschenkugeln durchbohrt, die Fahne seines Regiments in der Hand, den Heldentod gefunden hatte, und man sich dem Baume näherte, der an dieser Stelle steht, sprengte Joseph herbei, commandirte Halt, ließ die Truppen ein Quarré schließen, ritt in die Mitte desselben, befahl eine dreimalige Salve, nahm bei jeder den Hut ab und feierte in solcher Art das Andenken des feindlichen Helden. – Grenzvertrag mit Frankreich wegen der österreichischen Niederlande. Errichtung von sieben neuen Bisthümern in Ungarn und bald darauf eines in Galizien.

1777. Grenzvertrag mit Venedig. Grenzvertrag mit der Pforte und Abtretung der Bukowina an Oesterreich. – 1. April: Reise des Kaisers nach Frankreich; – 18. April: Ankunft in Paris; – 31. Mai: Abreise von Paris [das merkwürdige Tagebuch dieses Aufenthaltes in Paris, von Marie Antoinette geführt, siehe in Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, V. Bdchn. S. 23–32]; – 1. August: Zurückkunft nach Wien. – 30. December: Tod des Churfürsten Maximilian Joseph von Bayern.

1778. 3. Jänner: Vergleichsvertrag zwischen Oesterreich und dem Churfürsten von der Pfalz. – 6. Jänner: Oesterreichs Heerzug nach Bayern. – 6. April: Ankunft des Königs von Preußen bei seiner Armee in Schlesien. – 20. April: Abreise Joseph’s von Wien mit Lascy und Hadik zur Armee in Böhmen bei Königgrätz. – 1. Juni: Vereinigung des Temeser Banates mit Ungarn und Abschluß einer Defensivallianz mit Frankreich. – 5. Juli: Friedrich’s Einrücken mit seiner Armee durch die Grafschaft Glatz in Böhmen. – 11. Juli: Vereinigung des Prinzen Heinrich mit den sächsischen Truppen von etwa 22.000 Mann bei Dresden. – 16. Juli: Ankunft des Freiherrn von Thugut mit Briefen von Maria Theresia und des Fürsten von Gallizin im preußischen Lager.

1779. 1. März: Zusammenkunft der bevollmächtigten Minister zu Teschen. – 13. Mai: Unterzeichnung des Teschner Friedens. – 8. September: Abreise Joseph’s nach Böhmen mit Ingenieurs; Untersuchung der Grenzen von Schlesien, der Lausitz und von Sachsen und Auswahl der Stellen zu den neuen Festungen Pleß und Theresienstadt. – Befestigung der Festungen Königgrätz und Eger. – Ankunft Joseph’s im Innviertel.

1780. 26. April: Joseph’s Reise nach Rußland, – 2. Juni: Ankunft in Mohilew; – 4. Juni: Zusammenkunft Joseph’s mit der Kaiserin Katherina in Mohilew; – 10. Juni: Abreise beider Majestäten nach Smolensk; – 28. Juni: Ankunft in St. Petersburg; – im August: Zurückkunft nach Wien. – Vereinigung der österreichischen Besitzungen in Schwaben mit den Herrschaften Tettnang und Argen. – 7. August: Erzherzog Maximilian von Oesterreich wird Deutschmeister und Coadjutor von Cöln und Münster. – 29. November: Tod Maria Theresien’s und Joseph’s Antritt der Regierung als Alleinherrscher.

1781. Jänner: Gesetz über Anfertigung der Conduitlisten. – Verbot, nach welchem inländische Klosterleute sich mit ausländischen Orden nicht in Verbindung setzen dürften. – Verbot, päpstliche Schreiben ohne Erlaubniß des Kaisers zu veröffentlichen [placetum regium]. – Erlaß eines Pensionsregulativs. – Beitritt Joseph’s zur bewaffneten Neutralität. – Joseph’s Abreise von Wien [303] nach den Niederlanden (22. Mai) und alsdann fünftägiger Aufenthalt zu Paris. – Herausgabe einer neuen Gerichts- und Proceßordnung für die deutschen Provinzen. – Verlegung der Friedhöfe außerhalb der Stadt. – Censur-Edict (eigentlich freie Presse). – Verbot der römischen Bannbullen gegen die Ketzer. – Aufhebung des kirchlichen Verfolgungs-Edicts Ferdinands des Zweiten. – Anfang der Verordnungen zur Verbesserung des bürgerlichen Zustandes der Juden. – Verbot der Bullen in Coena Domini; der römischen Ehedispensationen, der Novizenaufnahme in Klöstern. Erzbischöfe und Bischöfe sollen vor der päpstlichen Bestätigung dem Landesherrn Treue schwören. – 15. August: Rückkunft Joseph’s nach Wien. – September: Huldigung Joseph’s in den österreichischen Niederlanden. – 15. October: Erscheinen des ersten Toleranzedictes für die augsburgische und helvetische Confession und die nicht-unirten Griechen. – 1. November: Manifest an die Stände von Böhmen, Mähren und Schlesien wegen Aufhebung der Leibeigenschaft. – Schleifung der Barrièrestädte und Erklärung Ostende’s zum Freihafen. – Beginn der Klösteraufhebung und Verwandlung aller Brüderschaften in die einzige Versammlung zur thätigen Liebe des Nächsten. – Verbot des Besuchs des deutschen Collegiums in Rom. – Zurückforderung des kaiserlichen Präsentationsrechts im Herzogthume Mailand. – Im December: Ankunft des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg mit seiner Gemalin, der Prinzessin Elisabeth, und dem Prinzen Ferdinand, einige Tage später des Großfürsten und der Großfürstin von Rußland zu Wien.

1782. Februar: Abreise des Papstes Pius VI. von Rom; – 22. März: dessen Ankunft in Wien; – 22. April: dessen Abreise von Wien nach München. – Fortsetzung der Klösteraufhebung ohne Unterschied. – Abstellung des Eides der Universitätslehrer auf die unbefleckte Empfängniß Mariä. – Abschaffung der Todesstrafe. – Angefangener Bau der Festungen Pleß und Theresienstadt.

1783. Fortsetzung der inneren Reformen. Einführung der Civil-Ehe. – Gestattung der Ehescheidung. – Ankunft des marokkanischen Gesandten Muhamed Ben Abdul zu Wien, und Schluß eines Handelstractates mit dessen Kaiser. – Handelsvertrag mit Rußland. – Bürgschaftsvertrag mit der Pforte gegen die Seeräuberstaaten. – Errichtung der General-Seminarien. – Erklärung Joseph’s wider die päpstlichen Nuntien in Oesterreich. – Zusammenziehung einer starken österreichischen Armee im untern Ungarn, um die russische Besitznehmung der Krim zu erleichtern. – Im December: Abreise Joseph’s nach Italien.

1784. Zurückkunft aus Italien (März). – Begräbniß-Ordnung. – Vertrag der Pforte mit Oesterreich, der den Russen die Krim, und Oesterreich die freie Schifffahrt auf der Donau und dem schwarzen Meere einräumte. – Rückzug der österreichischen Armee von der türkischen Grenze. – Abführung der ungarischen Krone von Preßburg nach Wien (den 13. April). – Ungarische Conscription; Einführung der deutschen Sprache, Justizabänderung u. A. m. in Ungarn. – Aufruhr des Horja und Gloska. – Im April: Manifest betreffs der Vorbereitungen zur neuen Steuerregulirung. – 8. October: Schuß der Holländer auf ein österreichisches Scheldeschiff, und [304] hiermit Kriegserklärung. – Aufbruch der österreichischen Truppen nach den Niederlanden. – 30. December: Verbot der Einfuhr aller Fabrikate und vieler Rohproducte des Auslandes; der Kaiser selbst schickte die vorräthigen ausländischen Eßwaaren und fremden Weine der Hofküche und des Hofkellers in das allgemeine Krankenhaus.

1785. Jänner: Antrag des bayerischen Tausches von Seite des russischen Gesandten an den Herzog von Zweibrücken. – 23. Juli: Unterzeichnung des Fürstenbundes zu Berlin. – 18. November: Vertrag mit den Holländern zu Fontainebleau. – Verordnung wegen der Fideicommißgüter und Majorate. – Einführung der doppelten Steuer der außer Landes wohnenden Güterbesitzer. – Fortsetzung der Reformen in Tirol, Galizien, den Niederlanden. – Aufhebung der Leibeigenschaft in Ungarn. Einführung des Bucquoischen Armeninstitutes. – Ankunft des Großherzogs Leopold von Toscana mit dem erstgebornen Prinzen Franz zu Wien, der von nun an beständig daselbst verbleibt.

1786. Erscheinen des bürgerlichen Gesetzbuches. – Landesvermessung in Ungarn. – 17. August: Tod des Königs Friedrich II. von Preußen. – 1. November: Einführung des neuen bürgerlichen Gesetzbuches. – December: Aufstand zu Löwen wegen des General-Seminariums.

1787. 2. April: Neues Gesetzbuch über die Verbrechen. – 11. April: Abreise Joseph’s mit General Kinsky nach der Krim; – 14. Mai: dessen Ankunft zu Cherson. – 26. April: Erste Vorstellung der Stände von Brabant. – 13. Juni: Joseph’s Abschied von der Kaiserin von Rußland zu Berislaw. – 15.–16. Juni: Meuterei in Antwerpen u. s. w. – 30. Juni: Joseph’s Zurückkunft nach Wien. – 3. Juli: Joseph’s erstes Rescript an die Niederländer. – 31. Juli: Ankunft der General-Gouverneure und des Ministers Belgiojoso zu Wien. – 15. August: Ankunft der niederländischen Deputirten zu Wien. – 16. August: Gefangennehmung des russischen Bothschafters an der Pforte in den 7 Thürmen. – 24. August: Erklärung des Krieges mit Rußland zu Constantinopel. Zusammenziehung der österreichischen Armee an den türkischen Grenzen.

1788. 6. Jänner: Vermälung des Erzherzogs Franz mit der Prinzessin Elisabeth von Württemberg. Befehl, alle Gelder von Kirchen und milden Stiftungen bar zurückzuzahlen u. s. w. – 9. Februar: Oesterreichs Kriegserklärung gegen die Pforte, und Anfang der Feindseligkeiten. – 29. Februar: Abreise des Kaisers zur Hauptarmee; – 14. März: dessen Ankunft zu Semlin. – 24. April: Einnahme von Sabacz. – 7. August: Einfall der Türken ins Banat. – 27. August: Einnahme von Dubicza. – 20. September: Rückzug von Caransebes nach Lugos. – 29. September: Einnahme von Choczim. – 3. October: Einnahme von Novi. – 5. December: Joseph’s Zurückkunft nach Wien. Einnahme von Oczakow durch die Russen.

1789. 7. April: Tod des türkischen Kaisers Abdul Hamid. – 16. April: Joseph wird mit dem h. Abendmahls versehen. – 10. Juli: Einnahme von Berbir. – 22. Juli: Aufruhr zu Tirlemont in den Niederlanden, und bald darauf zu Löwen und Diest. – 31. Juli: Sieg bei Foksan. – 11. August: Einfall der Türken in’s Banat; – [305] 28. August: Vertreibung derselben durch Clairfayt. – 22. September: Sieg bei Martinjestie unter Prinzen von Sachsen-Coburg. – 30. September: Eroberung der Vorstadt von Belgrad mit Sturm. – 8. October: Sieg bei Porcseny unter Prinzen von Hohenlohe. – 9. October: Einnahme von Belgrad. – 14. October: Siegesfest zu Wien. – 27. October: Aufruhr zu Brüssel und allgemeine Empörung. – 1. November: Einführung der neuen Steuerordnung. – 18. November: Abreise des General-Gouverneurs von Brüssel. – 7. December: Ausbruch der Rebellion in Brüssel. – 18. December: Versprechen Joseph’s an die Ungarn, einen Landtag zu halten u. s. w.

1790. 28. Jänner: Joseph’s Aussöhnungsrescript an Ungarn. – Im Februar: Zusammenziehung einer Armee in Böhmen, Mähren und Galizien. – 13. Februar: Joseph wird mit dem h. Abendmahle versehen, und den 15. Februar mit der letzten Oelung. – 18. Februar: Abführung der ungarischen Krone nach Ofen. Den nämlichen Tag Tod der Erzherzogin Elisabeth. – 20. Februar: nach 5 Uhr Morgens Tod Joseph’s II.

I. Biographien und Biographisches, Geschichte und Geschichtliches (einschließlich die Leichenreden). a) Selbstständige, biographische oder Geschichtswerke, in alphabetischer Ordnung der Autoren. Natürliche Abschilderung in Sitten und Geberden Sr. röm. k. k. Majestät Joseph’s II. u. s. w. (Salzburg, Duyle, 8°., o. J.). – An Joseph’s Grabe, ein Stein zu seinem künftigen Denkmale (Jena 1790, Hoffmann, 8°.). – Armbruster (Joh. Michael), Joseph II. Ein Denkmal (Wien 1790, 4°.). Aussichten in der Regierung Joseph’s II. Ein Fragment von M** v. E*** (Frankfurt 1781 [Salzburg, Mayr], 8°.). – Beiträge zu den Bruchstücken für Joseph’s II. Lebensgeschichte. 6 Hefte (Quedlinburg 1790, Ernst, 8°.). – Bourrit (Pierre Marc Isaac), Oraison funèbre de l’empereur Joseph. II. (Constance 1792, 8°.). – Brambilla (Joh. Alex. v.), Rede auf den Tod Kaiser Joseph’s II. (Wien 1790, Blumauer, 4°.). – Burckhardt (Eduard), Kaiser Joseph II. in seinem Leben und Wirken. 2 Bde. (Meißen 1835, 8°.). – Caraccioli (Louis Antoine), Vie de Joseph II. empereur d’Allemagne etc. (Amsterd. 1790, 8°.); deutsch von Gottl. Benjamin Reichel (Leipzig 1791, 8°.); holländisch (Utrecht 1790, 8°., mit Portr.). – Caronni (Felice), Orazione funebre per Giuseppe II. imperatore (Vienna 1790, 4°.) [französisch übersetzt von Czepellak, Wien 1790, 4°.]. – Cornova (Ignaz), Leben Joseph’s II., römischen Kaisers (Prag 1802, Calve). – Faber ... Beiträge zu Bruchstücken für Joseph’s II. Lebensgeschichte. 2 Bände (Freiburg, Wagner, 8°.). – Förster (L.), Porträt Joseph’s II. (Weimar 1851, 12°., mit Portr.) [eine Biographie des Kaisers]. – Gaum (J. F.), Leben Joseph’s II. bis an seinen Tod, aus authentischer Quelle (Ulm 1790, Stettin). – Gengha (Hannibal), In funere Josephi II. imp. elect. Oratio habita in sacello quirinali ad sanctissimum dominum nostrum Pium sextum pont. max. ab Hannibale Gengha, intimo ejusdem Sanctitatis suae cubiculari (Romae 1790, apud Lazarinos, reimpressum Viennae Grosserianis). [Daselbst heißt es S. 12: „Quae te igitur, Caesar, lingua, quae vox vates digne laudaverit? Cum tanta Tibi vis animi, tanta fortitudo, tanta laboris patientia fuerit, ut nemini profecto celeberrimorum virorum secundus videris; – Tua vero virtute, nonquod Tibi, sed quod aliis bonum, et utile, et praestans esse existimaras, quae fieris. Nec Te summis laudibus extollemus? Cui quidem officio ut libentius, ac jucundius satisfaciamus operae pretium erit, si pauca saltem rerum Ipso in reipublicae bonum gestarum exempla memoria repetamus“. Dieses Urtheil ist gefällt von des Papstes Kämmerling[WS 1] in des Papstes Hauscapelle; und doch wagen es Einzelne, die der Majestät schuldige Ehrfurcht vergessend, diesen edelsten der Fürsten im Namen Roms zu schmähen.] – Groß-Hoffinger (Anton Johann), Lebens- und Regierungsgeschichte Joseph’s II. und Gemälde seiner Zeit. 4 Bde. (Stuttgart 1835–1837, gr. 8°, mit Portr. und Stammtaf.). [Der dritte Band dieses Werkes erschien auch abgesondert unter dem Titel: Historische Darstellung der Allein-Regierung Joseph’s II. insbesondere der [306] politisch-kirchlich-moralischen Reaction gegen den Geist seiner Anstalten in und außerhalb seiner Erbländer; der vierte Band unter dem Titel: „Archiv der Urkunden und Beweisstücke zur Geschichte Kaiser Joseph’s II.“; – später erschien von demselben Verfasser die Geschichte des Kaisers in volksthümlicher Bearbeitung in der „Bülau’schen Hausbibliothek“, wo sie den vierten Band bildet.] – Groß-Hoffinger (Dr.), Geist der Gesetze Joseph’s II. (Stuttgart und Leipzig 1837, Rieger und Comp., 8°.) [vergl.: Morgenblatt 1837, Liter. Blatt Nr. 46, S. 183]. – Hermstädt (Joh. Ad.), Kaiser Joseph’s Leben und Tod (Hersfeld 1791 [Brockhaus, Leipzig], 8°.). – Heyne (C... T...), Geschichte Kaiser Joseph’s II. 2 Bde. (Leipzig 1848, 8°.). – Huber (Frz.), Geschichte Joseph’s II. 2 Theile (Wien 1792, Mösle, 8°.). – Hübner (L.), Lebensgeschichte Joseph’s des Zweyten, Kaisers der Deutschen oder Rosen auf dessen Grab. Gesammelt von – –. 2 Bdchn. (Salzburg o. J., Verlag des oberd. Staats- und allg. oberd. Literatur-Zeitungs-Comptoirs, Bd. I: 248; Bd. II: 249–580 S., 8°.). [Dieses mit voller Begeisterung für den großen Monarchen geschriebene Werk zerfällt in zwölf Stücke. Erstes Stück: Biographische Skizze; Charakterzüge aus dem Leben Joseph’s des Zweiten, I–XIII. Zweites Stück: Joseph der Zweite, Alleinherrscher. Erste Fortsetzung der Charakterzüge, XIV–XX. Drittes Stück: Joseph der Zweite, Reformator. Zweite Forts. der Charakterzüge, XXI (Joseph’s Reise nach Frankreich). Viertes Stück: Joseph der Zweite, Reformator (Forts.). Dritte Forts. der Charakterzüge, XXII–XXIV. Fünftes Stück: Joseph, der Reformator (Forts.). Vierte Forts. der Charakterzüge, XXV–XXXVI. Sechstes Stück: Joseph, der Reformator. Fünfte Forts. der Charakterzüge, XXXVII–LI. Siebentes Stück: Joseph, der Patriot. Sechste Forts. der Charakterzüge, LII–LXVI. Achtes Stück: Joseph der Patriot. Siebente Forts. der Charakterzüge, LXVII–LXXXV. Neuntes Stück: Joseph, der Patriot. Achte Forts. der Charakterzüge, LXXXVI–CXIX. Zehntes Stück: Joseph’s II. letzte Regierungsjahre. Neunte Forts. der Charakterzüge, CXX–CXXIII. Eilftes St.: Joseph’s II. letzte Lebensstunden und Tod. Zehnte Forts. der Charakterzüge, CXXIV–CXXVII. Zwölftes Stück: Joseph’s des Zweiten Charakteristik.] – Jenisch (Daniel), Diis manibus Josephi II., eine lapidar. Inschrift nach der deutschen Uebersetzung von G ... St ... F.(ischer) (Berlin 1791 [Vieweg in Braunschweig], gr. 8°.). – Ille (E ...), Kaiser Joseph II. (München 1850, 8°.). – Joseph II. (Augsburg 1772, von Jenisch und St., 4°.). – Joseph II. (Lemgo 1771, Mayer, 4°.). – Joseph II. Eine Skizze (Leipzig 1786, 8°., mit Portr.). – Joseph II., noch eine biographische Skizze (Wien 1791, Heubner, 8°.). – Joseph’s des Zweiten Maximen (Wien 1787, Hörling, 8°.). – Juste (Theodore), Histoire du règne de l’Empereur Joseph II. et de la révolution belge en 1790. 2 Bde. (Bruxelles 1845/46, 12°.) – Keizer Joseph II. als vorst en wijsgeer (Amsterd. 1792, 8°.). – Korber Ritter von Korborn (Greg. Norb.), Divi Josephi II., Imperator laudatio funebris perorata coram inclytis Moraviae Statibus die a. 1790 Non. Martii in Cathedrali Brunensi pompa funeralis celebrata (Brünn 1790, gr. 8°.). – Kramerius (W. M.), Kssaft aneb pošledni vule Josefa II. (Praze 1790, 8°.). – Languinais, Le monarque accompli, ou prodiges de bonté, de savoir et de sagesse, qui sont l’eloge de S. M. Emp. Joseph II., et qui rendent cet auguste monarque si précieux a l’humanité discutés au tribunal de la raison et de l’équité. 3 Bände (Lausanne 1774, 2. Auflage 1777, 3. Auflage 1780 und noch öfter, 8°.). – Leben und Geschichte Kaiser Joseph des Zweiten vom Jahr seiner Geburt 1741 an bis zu seinem Tode 1790 (Amsterdam o. J., in 5 Theilen, mit 5 Kupfern, 8°.). [Die Darstellung ist eine chronologische. Die Abbildungen stellen dar den Kaiser am 27. Februar 1768 zu Schiffe auf der Donau, als er den Bewohnern in den überflutheten Vorstädten Hilfe bringt – den Kaiser zu Pferde – des Kaisers Trauung mit Prinzessin Maria Elisabeth von Parma[WS 2] – Kaiser Joseph ein hilfloses Kind findend – Kaiser Joseph, sterbend, nimmt Abschied von dem alten Loudon.] – Leben Joseph’s II., des unermüdeten Kaisers der Deutschen, mit Beilagen (Klagenfurt 1790, Welliser [Leipzig, Vogel], 8°.). – Lebensbeschreibung Kaiser Joseph’s II. bis an seinen Tod (Frankfurt 1790, 8°.). – Kurzgefaßte Lebensgeschichte von Joseph II., mit Beilagen (Leipzig 1790, W. Vogel, 8°.). – Lippe-Weissenfeld (Karl Chr. Graf von der), Joseph II., geschildert von – (Lemgo 1772, 4°.; 2. Aufl. Leipzig 1775 [Brockhaus], 8°.) [die erste Ausgabe erschien anonym]. – Ludwig (Johannes), Zwei Gedächtnißpredigten auf den Tod Joseph’s II. (Ulm 1790, [307] 8°.). – Meusel (Joh. Georg), Einige Vorlesungen über Kaiser Joseph II. (Leipzig 1790, Weidmann, 8°.). – Oehler (Joseph), Kurze Lebensbeschreibung Kaiser Joseph’s II. (Wien 1790, 12°.). – Paganel (Camille), Histoire de Joseph II., empereur d’Allemagne (Paris 1843, 8°.; Milan. 1843, 8°.; Paris 1853, 8°.); deutsch von Friedr. Koehler (Leipzig 1844, 12°.), in 2 Bdn.; italienisch von Giovanni Agrati (Mailand 1843, 12°.), in 2 Bdn. und von Gaetano Barbieri (ebd. 1844, 8°.), auch in 2 Bdn. – Pezzl (Joh.), Oesterreichische Biographie, oder Lebensbeschreibung seiner berühmten Regenten, Helden u. s. w. Besonderer Titel: Charakteristik Joseph’s II. (1790) – Eugen’s von Savoien (1791) – Leben Loudon’s (1790) – Leben Montecuculi’s (1792) (Wien 1791–1792, Degen, 8°.). – Derselbe, Charakteristik Joseph’s II. Eine histor. biogr. Skizze (Wien, 1. u. 2. Aufl. 1790; 3. Aufl. 1803; 4. Aufl. 1807; mit Porträt ebd. 1824 [Mörschner und J.], 8°.). – Purmann (Joh. Georg), Panegyricus ... Josepho II. dictus (Frankf. a. M. 1790, Jäger, Fol.). – Raisp (Anton), Tropaeum Josephi II. Romanorum Imperatoris etc. (s. d. [um 1790], 8°.). – Ramshorn (Carl), Kaiser Joseph und seine Zeit (Leipzig 1845, 8°., mit Porträts; neue Aufl. 1859, 8°.). – Die Regierung Joseph’s II. Ein Lesebuch für Jedermann. 4 Stücke (Halle 1790/91, Dost, 8°.). – Reisinger (Franz Cajetan), Joseph der Zweyte, Gemählde ohne Schatten (Olmütz 1790, Hirnlein, 61 S. 8°.) [eine in Olmütz am 10. April 1790 gehaltene Vorlesung, vergl. darüber Franz Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, I. Bdchn. S. 190]. – Rioust (N.), Joseph II., empereur de l’Allemagne, peint par lui même avec un précis sur la vie de ce prince. 2 Bde. (Paris 1816, 8°.; Bruxelles 1823, 8°., mit Portr.). – Rossi (Joseph de), Notices intéressantes sur S. M. J. Joseph II., ou collection de quelques matériaux propres à fixer les opinions sur ce grand prince etc. (Amsterd. et Paris 1777, 8°.). [Oettinger nennt diese Schrift eine der größten bibliographischen Seltenheiten. Er selbst sah ein Exemplar dieses Buches, worauf von des Verfassers eigener Hand folgende Notiz geschrieben stand: „Von diesem Werke ist nur dieses eine und einzige Exemplar vorhanden; alle übrigen sind aus besonderen Motiven vernichtet oder unterdrückt worden. Als nämlich Kaiser Joseph nach Paris kam, glaubte Frau de Rossi der Königin (Marie Antoinette) eine Freude zu bereiten, indem sie ihr ein Exemplar des Buches gab, um es Ihrem erhabenen Bruder einzuhändigen. Gustave Fallot, Custos der Bibliothek des Institutes zu Paris, hat diese Notiz Herrn Quérard mitgetheilt.] – Schimmer (Carl August), Kaiser Joseph der Zweite. Das Leben und Wirken, Merkwürdigkeiten, Charakterzüge, Ereignisse, Briefe und Actenstücke von diesem großen und unvergeßlichen Monarchen. Fünfte verb. Aufl. (Wien 1853, Joh. Dirnböck, 8°., mit Abbild. der Joseph-Statue). [Die erste Auflage erschien im J. 1843. Enthält einen gedrängten Lebensabriß des Kaisers, seine Charakteristik und Lebensweise, die merkwürdigsten Briefe des Kaisers, das berühmte Erziehungsregulativ für den Erzherzog Franz, das Josephinische Preßgesetz, eine Geschichte des Freimaurerwesens insbesondere in Oesterreich unter Joseph II., und das Josephs-Denkmal.] – Schmoelder (Friedrich Theodor), Gedächtnißrede auf den Tod Joseph’s II. (Amsterdam 1790, 8°.). – Schneider (Eulogius), Trauerrede auf Joseph II. (Wetzlar 1790, 8°). – Seybold (Dav. Christ.), Joseph II. Eine Skizze (Leipzig [Straßburg] 1786, 8°.) – Skizze der Lebensbeschreibung Joseph’s II. (Wien 1790 [Fleischer in Leipzig], 8°.). – Testament politique de l’empereur Joseph Second, Roi des Romains Tom. 1 et 2. (A Vienne [Landshut, Storno] et chez les principaux libraires de l’Europe 1791, Bd. I: 564, Bd. II: 530 S. kl. 8°.). [Im Vorworte zum ersten Bande stehen folgende Worte des Kaisers: Je ne regrette pas le trône; je me trouve assez tranquille sur ce point; mais je souffre, en me voyant qu’ avec toutes le peines que je me suis données pour opérer le bien, jai fait un si petit nombre d’heureux, tant de mécontens et tant d’ingrats: au reste c’est le sort des souverains. J’ai n’ai pas assez connu les hommes, mes intentions étoient droites et c’est pour les justifier à la face de l’univers, que je charge le prince Kaunitz de rendre publiques mes méditations politiques, de les faire traduire dans toutes les langues, de leur faire donner un libre cours e d’en faire parvenir des exemplaires à tous les potentats de l’Europe]. – Tham (Karel), Popsáni zivota Josefa, slavne pameti (Prag 1790, 8°.). – Trenck (Friedrich von der), Trauerrede und patriotische Gedanken bey dem Grabe Joseph’s II., römischen Kaisers (s. l. 1790, 8°.). – Ungar (Karl), Joseph II., Vater des Vaterlandes (Prag 1793, Calve, [308] 8°.), auch mit dem Titel: Beilage zu Archenholz Minerva 1793, Februar. – Versuch über die Regierung Joseph’s II. Kleine Staatsschrift von einem Ungar (s. l. 1788, 8°.) . – Vita e fatti di Giuseppe II. etc. 2 Bde. (Lugano 1790, 8°.). – Wende (Johann Christian), Merkwürdige Szene aus dem Leben Joseph’s II. und Pius VI. (Wien 1782, 8°., auch Marburg 1782, 8°.). – Wolf (Peter Philipp), Geschichte der Veränderungen in dem religiösen, kirchlichen und wissenschaftlichen Zustande der österreichischen Staaten unter der Regierung Joseph’s II. (Germanien 1795, mit Portr. 640 S. u. 3 Bl.).
I. b) Biographisches in Sammelschriften, Encyklopädien und anderen Werken zerstreut. Austria. Oesterreich. Universal-Kalender (Wien. Klang, Lex. 8°.) XVII. Jahrg. (1856), S. 287: „Kaiser Joseph’s Rescripte an die bevollmächtigten Commissäre in Ungarn“. – Didaskalia. Blätter für Geist u. s. w. (Frankfurt a. M., 4°.) 1841, Nr. 313: „Wie urtheilte Kaiser Joseph über die religiöse Duldung, von Dr. Wilhelm Dieffenbach. – Der Eremit. Blätter für öffentliches Leben und Wirken (Altenburg, 4°., Redacteur Dr. Fr. Gleich) 1837, Nr. 38: „Der Aufruhr in Löwen (1786) unter Joseph II.“ – Die Erheiterungen (Unterhaltungsblatt, 4°.), herausg. von Carl Müller, 1852, S. 597 u. f., S. 706 u. f. und 751 u. f.: „Aus dem Leben Kaiser Joseph’s II. Von Dr. Eduard Vehse“. [Personalien und Familienverhältnisse.] – Ergänzungsblätter (zur Allgem. Zeitung) (Stuttgart, Cotta, 4°) 1846, Septemberheft, S. 412–421: „Joseph II. und das türkische Reich“ [ein interessanter, mit politischem Scharfblick und gewiegter historischer Kenntniß geschriebener Aufsatz]. – Dieselben 1847, Maiheft, S. 209–226: „Kaiser Joseph II. und seine Reformen in Belgien“. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter, I. Jahrg. (1842), S. 485: „Kaiser Joseph und sein Monument“. [Antwort des Kaisers Joseph, gegeben „Wien den 23. Juni 1784“, als die Stadt Ofen den Vorschlag machte, ihm eine Bildsäule errichten zu wollen.] – Friedel (Johann), Briefe aus Wien an einen Freund in Berlin. 2 Theile (Preßburg [Leipzig] 1783 und dann oft wiederholt). [Diese Briefe, welche zu ihrer Zeit viel Aufsehen machten, bilden einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Geschichte der Reformen Joseph’s und der Stimmungen über dieselben. Aus Anlaß derselben erschienen „Briefe aus Berlin über verschiedene Paradoxe dieses Zeitalters“ (Berlin, 8°.), wovon die fünfte und letzte Auflage die beste ist und deren Verfasser K. A. Pilati sein soll; ferner „Zehn Briefe aus Oesterreich“, von H. und „Beilage zu den Briefen aus Wien“, von R.(autenstrauch) (Wien 1784).] – Friedenszeitung 1850, im Monat April: „Wie Kaiser Joseph II. die Kunst zu ehren, die Künstler zu lohnen wußte, mit besonderer Beziehung auf die dramatische Kunst und das k. k. Hofburg- und Nationaltheater“. Parallele zwischen Einst und Jetzt. Von Gabrieli. – Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. Redigirt von Gubitz (Berlin, 4°.) 1842, Nr. 142: „Joseph’s II. Kirchen- und Kloster-Reglement“. [Der Einsender (L. W.) fand dieses Actenstück in einer französischen Zeitschrift aus dem Jahre 1784, und theilt es im Auszug und in Uebersetzung mit.] – Gmundner Wochenblatt, VI. Jahrg. (1856) Nr. 7: „Kaiser Joseph und die Gewerbefreiheit. Historische Reminiscenzen von J. E. Radler“. – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa oder ganz besondere, theils nicht mehr, theils noch nicht bekannte Persönlichkeiten, Geheimnisse, Details, Actenstücke und Denkwürdigkeiten der Lebens- und Zeitgeschichte Kaiser Joseph’s II. 5 Bdchn. (Wien 1848–1850, I. Klang, mit 5 Titelbildern 8°., censurfrei). [Als Sammlung vieler jetzt schon seltenen, über Joseph erschienenen Schriften, sehr interessant.] – Hormayr (Freiherr von), Oesterreichischer Plutarch (Wien, 8°.) XI. Bd. S. 125–224. Wörtlich wieder abgedruckt in der „Austria. Oesterr. Universal-Kalender“ für das Jahr 1856 (XVII. Jahrg.), S. 34. – Laibacher Zeitung 1859, Nr. 8: „Kaiser Joseph in Frankreich“ [nachgedruckt aus Gutzkow’s „Unterhaltungen am häuslichen Herd“]. – Lesefrüchte, begründet von C. J. J. Pappe (Hamburg, 8°.) Bd. III, S. 9, 20, 38 und 52: „Personalien und Familienverhältnisse Kaiser Joseph’s II.“ Von Dr. Ed. Vehse [aus dem 8. Bande seiner „Geschichte des österreichischen Hofes und Adels“ (Hamburg 1852, Hoffmann u. Campe, kl. 8°.). – Mailáth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1850, Perthes, 8°) Bd. V, S. 76, 84, 93, 95, 100, 112, 113–169. – Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde u. s. w. Herausg. von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1829), Nr. 5: „Der Kaiserplatz am Haunsberge im Salzburger Kreise“, von Pillwein. [Kaiser Joseph II. 1779.] Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde u. s. w. Herausg. [309] von Johann Riedler (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1831), Nr. 1: „Der Segen des Cardinals Ganganelli“[WS 3] [im Conclave 1769, dem Kaiser Joseph II. und seinem Bruder Leopold gegeben]. – Dasselbe Nr. 10: „Kaiser Joseph II. als Feind K. Friedrich’s II. von Preußen“. [Kaiser Joseph weist mit Indignation den Antrag eines Gränzers, den König zu erschießen, zurück.] – Dasselbe Nr. 26: „Kaiser Joseph II. vom Grafen Ségur dem Aeltern geschildert“. [Aus Ségur’s „Mémoires“, tom. III, p. 148 (2 édit).]Dasselbe Nr. 73 und 74: „Auszug aus dem Schreiben des Franz Kalatay: Ueber die Reise K. Joseph’s II. nach Rußland“ (1780). [Dieser Brief ist später im Lemberger Blatte „Galizia“ und aus diesem in Großhoffingers „Adler“, in beiden ohne Quellenangabe, nachgedruckt.] – Dasselbe Nr. 116, 117: „Joseph II. und Loudon. Ein Beitrag zur Geschichte des baierischen Erbfolgekrieges“. [Ergänzung der „Denkwürdigkeiten des baierischen Erbfolgekrieges“ in Oeuvres postumes de Frederic II, vol. V, p. 247 und in Coxe’s „Geschichte des Hauses Oesterreich“ durch neue bisher noch unbekannte Einzelheiten. – Dasselbe II. Jahrg. (1832), Nr. 2: „Warum stiftete Kaiser Joseph II. keine Akademie in Wien“? [Van Switen war Schuld.] – Dasselbe III. Jahrg. (1833), Nr. 58, 60: „Auch ein Wort über die angebliche Härte Joseph’s II. (1778)“. – Dasselbe Nr. 102: „Aus Cromes Selbstbiographie“ (Stuttgart 1833), S. 179 [Landgraf Friedrich von Hessen-Cassel liest keine deutschen Schriften, Kaiser Joseph II. liest sie]. – Dasselbe Nr. 108: „Kaiser Joseph II. zu Perweng“ (28. October 1779), von Pillwein. Mit einem Nachworte von Ridler. – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde. Herausgegeben von Joh. Paul Kaltenbaeck (Wien, 4°.) II. Jahrg. (1836), Nr. 24: „Kaiser Joseph II. und Graf Harrach“. [Kaiser Joseph läßt dem Grafen, Präsident des Hofkriegsrathes, Gerechtigkeit wiederfahren, ohngeachtet er ihm grollte.] – Dieselbe S. 112: „Kaiser Joseph’s II. treffende Bemerkung über die Reichs-Vicarien bei Gelegenheit seiner ersten Reise nach Italien 1768“ – Dieselbe S. 124: „Urtheil des Prinzen Heinrich von Preußen über Joseph II. “ [in einem Schreiben an die Landgräfin Karoline zu Hessen-Darmstadt]. – Pester Lloyd (polit. Blatt, gr. Fol.) 1855, Nr. 156 u. f.: „Kaiser Joseph II. in St. Petersburg“. Von Theodor Mundt [dieser Artikel ist in vielen Journalen nachgedruckt worden und dem Werke von Theodor Mundt: „Der Kampf um das schwarze Meer, historische Darstellungen aus der Geschichte Rußland’s“, entnommen.] – Programm des k. k. Gymnasiums zu Kremsmünster für 1858 (Linz, Feuchtinger, 4°.) S. 3: „Methode nach welcher Kaiser Joseph II. die italienische Sprache erlernte“. Von P. Marcus Holter. – Risbeck. Briefe eines reisenden Franzosen. „Die Parteien am Hofe Kaiser Joseph’s II.“ [Siehe: Gräffer, Josephinische Curiosa, IV, 418.] – Schlosser (C. F.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturz des französischen Kaiserreiches. Dritte Auflage (Heidelberg 1849, J. C. B. Mohr, 8°.) Bd. III, S. 235, 236, 271–278, 326, 344–349, 364–375; Bd. IV, S. 56, 139, 352, 426–490; Bd. V, S. 158, 185, 186, 195, 197, 203, 208, 213. – Der Schmetterling. Beiblatt zum (Pester) Spiegel 1850, Nr. 22: „Kaiser Joseph II. und die Illuminaten“. – Transsilvania (Unterhaltungsbeilage des „Siebenbürger Boten“) 1858, Nr. 15 und 16, und Bozner Zeitung 1858, Nr. 27 und 28: „Aus Kaiser Joseph’s II. letzten Lebensjahren“. – Wiesner (Adolph Dr.) Denkwürdigkeiten der österreichischen Censur (Stuttgart 1847, A. Krabbe, gr. 8°.) S. 141–193: „Die Preßverhältnisse unter Kaiser Joseph“. – Znaimer Wochenblatt 1856, Nr. 66: „Kaiser Joseph bei dem St. Johannes von Nepomuk-Feste 1778 in Prag [eine historische Reminiscenz an den 16. Mai 1778, an welchem Tage Kaiser Joseph in der Kapuziner-Kirche in Prag das heilige Abendmahl empfing]. – Zugabe zur deutschen Volkshalle für Sonn- und Feiertage (Köln, schm. 4°.) 1850, Nr. 10 und 11: „Der Josephinismus auf staatlichem Boden“. [In diesem den „historisch-politischen Blättern“ nachgedruckten Artikel wird der große Habsburger in einer Weise behandelt, welche am wenigsten jener Partei zusteht, die stets die Achtung vor dem Gesetze und die Ehrfurcht vor der Majestät im Munde führt.] – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. II. Section, 23. Theil, S. 95–117. Artikel von B. Röse. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von Hirtenfeld und Dr. Meynert. Bd. III, S. 364. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III., S. 83–96. – Nouvelle Biographie générale publiée sous la direction de M. Hoefer (Paris 8°.) tome 27.
[310] II. Joseph des II. Krönung. Frage, ob wohl Joseph II. bei seinen Lebzeiten an Erwählung eines römischen Königs gedenken dürfe? (Berlin 1786 [v. Mösle in Wien], 8°.) – Seitz (Philipp Jacob Nepom.), Vollständiges Diarium der Wahl Joseph’s II., herausg. von – – (Mainz 1770, Fol.). – Semmel (Adam Gottlieb), Ehrengedächtniß der römischen Kaiserwürde und Krönung Joseph’s II. (Augsburg 1768 [Kummer in Leipzig], 12°., mit K. K.) – Seeger (Frz. Eman.), Vollständiges Diarium von den merkwürdigen Vorfällen, welche sich bei dem Kurfürstentag, Wahl und Krönung Joseph’s II., röm. Königs ergeben. I. Abschn. (Mainz 1767, Fol.). – Goethe in seinen Werken beschreibt ausführlich die Krönung Kaiser Joseph’s zu Frankfurt a. M. (13. April 1764); im Auszuge wird diese Beschreibung mitgetheilt in: Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, II. Bdchn. S. 231–241: Joseph’s Krönung zum römischen König.
III. Ueber die Reisen des Kaisers Joseph II. a) Selbstständige Schriften. Duval-Pyrau (Abbé), Journal und Anekdoten von der Reise des Grafen von Falkenstein in Frankreich; aus dem Französischen (Frankfurt a. M. 1777, Brönner, 8°.). – Joseph d. II. auf seiner Reise nach Paris (Nürnberg 1777 [Keyser in Erfurt], 8°.). – Köberlin (B.), Der erlauchte Reisende oder denkwürdige Nachrichten von des Kaisers durch Frankreich gemachten Reise (Augsburg 1777, 8°.). – Troncon-Ducoudray, Der erlauchte Reisende oder Nachrichten von der Reise Joseph’s II. nach Frankreich (Augsburg 1777 [Streng in Frankfurt a. M.], 8°.). – Joseph des Zweiten Reisen (unter dem Namen des Grafen von Falkenstein) nach Italien, Frankreich und Böhmen. Aus dem Französ. (Leipzig 1778, Schneider, 8°.). – Joseph’s II. (unter dem Namen des Grafen von Falkenstein) in den Jahren 1780 und 1781 unternommene 2. und 3. Reise (von A. F. Geisler d. jüng.) (Halle 1781, Handel, 8°.). – Der wohlthätige Reisende, oder Anekdoten von der Reise Joseph’s II. nach den Niederlanden (Frankfurt a. M. 1782, Vandüren, 8°.).
III. b) In anderen Werken Zerstreutes. Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 96: „Kaiser Joseph in Paris“ [skizzirt von zwei französischen Damen, nämlich von Madame de Campan in ihren „Mémoires sur la vie privée de Marie Antoinette“ und von der Marquise du Deffand in ihren „Lettres à Horace Walpole“]; – V. Bdchn. S. 23: „Aus dem französischen Tagebuche der Königin von Frankreich, zugeeignet von dem Ritter Du-Coudroy“. [Ein genaues Tagebuch über den Aufenthalt des Kaisers in Paris vom 18. April bis 31. Mai: Es ist höchst interessant und vielleicht die lebendigste Charakteristik dieses großen Fürsten, der, wie auch verlästert, täglich die Messe hörte.] – Allgemeine Moden-Zeitung. Herausg. von Dr. J. A. Bergk (Industrie-Comptoir in Leipzig, 4°.) 1823, Nr. 15: „Der Kaiser Joseph II. in Paris“ (1777 im April) [aus den Memoiren der Frau von Campan]. – Pester Lloyd 1857, Nr. 113: „Kaiser Joseph II. in Ungarn“. [Eine Skizze der Reisen, welche Joseph in dieses Land gemacht; 1770 in Fünfkirchen; 1783 im Gömörer Comitate; insbesondere aber seines Besuches im Jahre 1764.]
IV. Joseph, der Gesetzgeber. Joseph’s Erinnerung an seine Staatsbeamten am Schluß des Jahres 1783 (Wien 1784, Trattner, 8°.) [auch in Gräffer’s: Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 128–142]. – Joseph’s II. Gesetze und Verfassungen im Justizfache (Leipzig 1786 [Wienbrack], 8°.). – Joseph’s II. Gesetze und Verfassungen in Justizsachen vom Jahre 1781–1789 (Wien und Prag 1786–1790, Joh. Ferd. Edl. v. Schönfeld, Fol.) 6 Bände oder Ein Band und fünf Fortsetzungen. – Joseph’s II. Gesetze und Verfassungen in Justizsachen für Böhmen. 4 Thle. (Klagenfurt und Laibach [Schaumburg u. Comp. in Wien], 8°.). – Gesetze und Verfassungen im Justizfache. Vom ersten bis zum letzten (9.) Jahre seiner Regierung (Wien 1817, Aerar. Druckerei, Fol.) 6 Bde. – Gesetze für das Königreich Böhmen unter Joseph II. von 1782 bis 1786. 3 Thle. (Prag 1783–1786, Gerle, 8°.). Handbuch aller unter der Regierung des Kaisers Joseph des II. für die k. k. Erbländer ergangenen Verordnungen und Gesetze in einer systematischen Verbindung; enthält die Verordnungen vom Jahre 1780–1789 (Wien 1785–1790, 8°., mit Titelk.) 18 Bde. [Bd. 12 und 18 sind Registerbände]. – Normalienbuch Joseph’s II. im polit. Fache von seinen vier ersten Regierungsjahren (Wien 1786, Hörling, gr. 8°). – Sammlung aller k. k. Verordnungen und Gesetze vom J. 1740 bis 1780, die unter der Regierung des Kaisers Joseph’s des II. theils noch bestehen, theils zum Theile abgeändert sind ... (Wien 1786 und 1787, G. Mößle, 8°.) 8 Bde. – Vollständige Sammlung aller seit dem glorreichen [311] Regierungsantritt Joseph des Zweiten für die k. k. Erbländer ergangenen höchsten Verordnungen und Gesetze (Wien 1788 und 1789, Joh. Thom. Edl. v. Trattnern, 8°.) 7 Bde. – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, II. Bdchn. S. 201: „Joseph’s scharfe Blicke auf das Bestechungssystem“; S. 225: Joseph’s Versuche gegen das heillose Asylrecht“; S. 308: „Josephinischer Criminalcodex“; – III. Bdchn. S. 88: „Zahlheim, der letzte Geräderte“; – IV. Bdchn. S. 319: „Das gedruckte Zahlheim’sche Todesurtheil“; S. 375: „Ueber Joseph’s Reform in Ungarn. An den Kanzler Carl Grafen von Palffy“ [vier Briefe, alle Juli 1786]; S. 391: „Fassung der Bücherprivilegien“; S. 397: „Joseph’s ungarisches Widerrufs-Edict; – V. Bdchn. S. 42: „Deutsch als ämtliche Geschäftssprache Ungarns u. s. w.“; S. 83: „Joseph’s Sorge für das Studienwesen“. – Didaskalia (Frankfurter Unterhalt. Blatt, 4°.) 1858, Nr. 50: „Kaiser Joseph über das Duell“.
V. Briefe des Kaisers Joseph II. a) Selbstständige Sammlungen. Neu gesammelte Briefe Joseph’s II. (Constantinopel, 8°., Klagenfurt 1790). [Die Namen der Adressaten sind in dieser Ausgabe nicht angegeben; hingegen sind sie beigefügt in der folgenden, von Grossing bei Brockhaus erschienenen Ausgabe, welche eigentlich nichts anderes ist, als obige, mit den Namen der Adressaten versehene.] – Joseph des Zweiten Briefe als charakteristischer Beitrag zur Lebens- und Staatsgeschichte dieses unvergeßlichen Selbstherrschers (Leipzig 1821, 2. Aufl. 1822, Brockhaus, gr. 8°.). [Kayser’s Bücherlexikon, Theil III, S. 268, gibt K. W. Böttiger als Herausgeber dieser Briefe an; Es ist aber Grossing, wie Gräffer nachweist in seinen „Dosenstücken“ (Wien 1852) 2. Ausg. I. Theil, S. 36.] – Kaiser Joseph des Zweiten Briefe. Zeitgemäß eingeleitet und erklärt von Franz Schuselka, 3. Aufl., Leipzig 1846, Brockhaus, gr. 8°.). – Briefwechsel zwischen Joseph II. und General d’Alton während der Unruhen in Brabant (Leipzig 1791, Köhler, 8°.). – Joseph’s II. Briefe in’s Französische übersetzt (Paris 1822, 8°.).
V. b) Hie und da zerstreute. Blätter für Geist, Gemüth und Vaterlandskunde (Kronstadt, kl. 4°.) XIV. Jahrg. (1856), Nr. 26: „Ein Brief des Kaisers Joseph II. aus dem Jahre 1787“ [an van Swieten, die Aufhebung des Druckes betreffend, welcher bis dahin auf den Bekennern des protestantischen Glaubens in Oesterreich lastete]. – Literarisches Conversations-Blatt (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1820 (VI. Bd.) Nr. 29, 31, 45 und 46: „Eine Sammlung ungedruckter Briefe Joseph’s II.“ – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, II. Bdchn. S. 378: „Drei Briefe Joseph’s, welche in den vorhandenen Sammlungen seiner Briefe nicht vorkommen“ [1) an den Feldzeugmeister Graf von Wiedt, Prag 21. September 1774; 2) an Feldmarschall Lascy, Wien 19. Februar 1790 (einen Tag vor Joseph’s Tode); 3) an Carl Theodor von Dalberg. Wien 13. Juli 1787]; – IV. Bdchn. S. 300: „Briefe Joseph’s II., in den vorhandenen Sammlungen nicht enthalten“ [1) Brief an Erzherzog Franz im Jahre 1787; 2–5) an Camillo Grafen Lamberti, Hetzendorf 29. September 1789, Hetzendorf 4. October 1785, Wien 12. October 1789, Wien 27. October 1789, sämmtliche in französischer Sprache]; – V. Bdchn. S. 126: „Briefe Joseph’s II., in den vorhandenen Sammlungen nicht enthalten“ [1) an den Prinzen Coburg, Laxenburg 13. August 1789; 2) an einen Freund, Wien Mai 1779; 3) an den Grafen Nicolas Papini in Forli, Wien 31. Jänner 1770; 4) an den Baron Trenck, ohne Datum]. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke (Wien 1846, 8°.) Bd. I, S. 36: „Die Briefe Joseph’s II.“ – Hamburger Zeitung, 7. Sept. 1821: „Abschiedbrief des Kaisers Joseph II. an den Feldmarschall Lascy“. [Auch in den „Denkmälern“ (Quedlinburg und Leipzig 1821, Bd. I, Liefer. 3, S. 490).] – Salzburger Landeszeitung 1856, Beiblatt zur Nummer vom 15. März: „Brief Kaiser Joseph’s II. an Feldmarschall Lascy. Mitgetheilt von Aimé von Wouwermans. [Der Brief ist vom 19. Februar 1790, also einen Tag vor Joseph’s Tode datirt. Das französische Original befindet sich in Händen eines Privatmannes.] – Wiener Courier 1856, Nr. 186: „Höchst interessanter Brief Kaisers Joseph II. an den König von Preußen“. [Der Brief, datirt Wien im Jänner 1788, in welchem sich der Kaiser die Vermittelung Preußens, im Momente als Kaiser Joseph den Degen gezogen, um die Türken zu bekriegen und ihnen einige Oesterreich entrissene Provinzen wieder abzunehmen, geradezu verbietet.] – Zeitung für die elegante Welt 1821, Nr. 217, 218, 219: „Beiträge zu Kaiser Joseph’s II. Briefwechsel“ [Brief an Lascy, [312] datirt Feldlager bei Semlin 6. Juli 1788; Brief an Friedrich Wilhelm II., datirt Wien Januar 1788; Brief an den Prinzen Karl von Nassau, datirt Januar 1789].
VI. Kaiser Joseph’s Kirchen- und Klosterreform. Feßler, Was ist der Kaiser. Verfaßt von einem Capuzinermönch, herausg. von Feßler (Wien 1782). – Joseph des zweiten Reformation in geistlichen Sachen (Wien 1787, Hörling, 8°.). – Der Josephinismus und die kais. Verordnungen vom 18. April 1850 in Bezug auf die Kirche. Aus dem Ungarischen übersetzt (Wien 1850, Jasper, Hügel und Manz, gr. 8°.) [das ungarische Original, dessen Verfasser der Bischof Joseph von Lonovics ist, erschien im näml. Jahre und Verlage unter dem Titel: A Josephinismus és az egyház at illetö legujabb csaszári rendelvény]. – Kahrel (F. W.), Die neueste Kirchengeschichte und Reformation in Deutschland unter Kaiser Joseph II. (Frankfurt a. M. 1787). – Lippe-Weissenfeld (K. Chr. Graf von der), Darstellung der durch Kaiser Joseph II. entstandenen Grundlage der kirchlichen Verfassung der Protestanten in den Erbstaaten Oesterreichs (Regensburg 1799, Montag u. W., gr. 8°.). – Vollständige Sammlung aller Schriften, die durch Veranlassung der kais. Toleranz- und Reformations-Edicte erschienen. 6 Bde. (Straßburg 1782–1786, Akadem. Buchhdlg., 8°.). [Der sechste Band erschien auch unter dem besonderen Titel: Sammlung bischöflicher Verordnungen und Hirtenbriefe, welche seit 1780 besonders in Deutschland erschienen sind (von E. Klüpfel) 1. Theil (ebd. 1786, 8°.). – Schoneyan (Herm. Karl), Kurze Geschichte der Kirchenreformation unter Joseph II. (Wolfenbüttel 1784, Albrecht, 8°.). – Verschiedene Schriften, die Reformation Kaiser Joseph’s II. betreffend (Dresden 1781, Gerlach, 8°.). – Servati (Erich), Ländlicher Briefwechsel, von den vorderösterreichischen Kirchenreformatoren (Freiburg 1785, Wagner, 8°.). [Der wahre Name des Autors ist: Heinr. Sautier.] – Steinsberg (Juolfinger Ritter v.), Vollständiger Prozeß und Vertheidigung des Grafen Philipp von Kolowrat-Krakowsky. Als ein Beytrag zu den noch mächtigen Prälatenkniffen in Oesterreich. Nebst einem wahren dramatischen Scharmützel: Bischof, Prälaten und Nonnen (Amsterdam 1783 [Nürnberg, Lachner], 196 S. 8°.). [Auf dem Titel befindet sich als Vignette die Porträt-Silhouette des Grafen. Ein Auszug aus dieser Schrift nebst Commentar zu deren Verständniß ist in Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, III. Bd. S. 20–63, enthalten.] – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 87: „Kaiser Joseph, Feßler und die Kapuzinergräuel in Wien“; S. 195: „Der entscheidende Beweggrund zur Aufhebung des Jesuiten-Ordens“; – II. Bändchen, S. 206: „Kaiser Joseph und die Jesuiten in Oesterreich“; S. 292: „Joseph’s Bestimmungen bey der Klösteraufhebung“; – III. Bdchn. S. 161: „Staatsrathssitzung des Kaisers mit dem Papste, Joseph’s durchgreifende Erklärung“; – IV. Bdchn. S. 201–224: „Hofrath Born; die Monachologie; Cardinal Migazzi, und der Kaiser“ [dieser Abschnitt enthält auch eine Uebersetzung von Born’s berühmter „Monachologia“, welche jedoch dem mit Swift-Lichtenbergischer Laune verfaßten lateinischen Originale lange nicht gleichkommt]; S. 266: „Zur Geschichte der Reactionen gegen Joseph’s Reform“; S. 313: „Zur Geschichte der Aufstände gegen das Begräbnißpatent“; S. 324: „Das berühmte Toleranzedict“ (vom 13. October 1781); S. 351: „Kaiser Joseph und die Abrahamiten (Deisten) in Böhmen“; S. 401: „Der Papst, die Römer, der österreichische Erzbischof Edling und Joseph“. – Schimmer (Carl Aug.), Kaiser Joseph der Zweite (Wien 1853, Dirnböck), 5. verb. Aufl. S. 325: „Joseph’s Ansichten über die Jesuiten“ [aus des Kaisers Briefen]; S. 331–343: „Ueber Joseph’s Reformen in Kirchensachen“.
VII. Joseph und die Freimaurer. Blumauer (Alois), Joseph II., Beschützer des Freimaurer-Ordens (Wien 1786 [Mayr in Salzburg], 8°.). – Joseph der II. und d. Freimaurer, wie der Erste gethan hat und d. letztere hätte thun sollen (Salzburg 1786, Mayr, 8°.). – Kaiser Joseph’s Reformation der Freymaurer; eine Denkschrift für’s achtzehnte Jahrhundert von E****. 2 Stücke (Deutschland [Wien 1786, Wucherer], 8°.). [Der Verfasser dieser Schrift ist L. A. Hoffmann. Das von Joseph eigenhändig verfaßte berühmte Freimaurer-Patent: Wien 16. December 1785, rief eine ganze Literatur hervor; darunter: „Drey Briefe über die Maurer-Revolution in Wien“; denselben folgten mehrere Fortsetzungen, u. z. erste Forts. (4.–7. Br.); zweite Forts. (8.–13. Br.); dritte Forts. (14.–20. Br.) und Nachtrag zu den Briefen (21.–26. Br.); – „Was ist Gaukeley?“ (gegen den in Joseph’s Patent enthaltenen Ausdruck „Gaukeley“ [313] gerichtet); – „Briefe aus dem Himmel über die Freymaurer-Revolution in Wien“ u. m. a. Das Patent findet sich abgedruckt mit einer Uebersicht der darüber erschienenen Schriften in Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, I. Bdchn. S. 42 u. f. Ueber Hoffmann’s obige Schrift siehe: Gräffer, Josephinische Curiosa, IV. Bdchn. S. 332.] – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, III. Bdchn. S. 92–142: „Details über das Freymaurerwesen unter Kaiser Joseph“; – IV. Bdchn. S. 415: „Verzeichniß sämmtlicher Maurerlogen, welche 1786 zur großen Landesloge Wiens gehörten“. – Joseph der Zweite. Beschützer des Freimaurer-Ordens, von A. Blumauer [siehe: Carl August Schimmer, Kaiser Joseph der Zweite (Wien 1853, Dirnböck) 5. verb. Aufl. S. 359].
VIII. Kaiser Joseph’s Tod, Begräbniß u. dgl. m. [Die bei dieser Gelegenheit erschienenen Nekrologe, Leichenreden u. dgl. m. sind schon unter den Biographien Nr. I aufgenommen.] Ueber Kaiser Joseph’s Tod und Bestattung insbesondere berichten: Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde u. s. w., herausg. von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1829), Nr. 3, 12, 42, 48: „Lady Morgan als Reisebeschreiberin. Von J. W. Ridler“. [Berichtigungen in Beziehung auf österreichisch-Italien; bei dieser Gelegenheit wird Kaiser Joseph’s II. Tod ausführlich geschildert.] – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 66–86: „Details über Joseph’s II. letzte Lebenstage und Begräbniß“ [viele minder bekannte Einzelheiten enthaltend]; S. 168–175: „Joseph’s II. letzte Augenblicke, sein Charakterbild, ... geschildert vom Prinzen de Ligne am 21. Februar 1790“ [dieses Charakterbild Joseph’s ist dictirt von der geistreichen Beobachtungsgabe, dem staatsmännischen Geiste und der rührenden Liebe dieses letzten Ritters der Neuzeit, Prinz de Ligne]; – II. Bdchn. S. 197 u. f.: „Joseph’s II. eigenhändiges Testament und Codicill“ [unmittelbar nach des Kaisers Handschrift diplomatisch getreu (mit Beibehaltung der Orthographie) zum ersten Male veröffentlicht. Es ist vom 28. April 1789 datirt]. – Interessant ist die Leichenrede eines Geistlichen auf den Kaiser; der Redner sprach im Tone der Zuversicht folgende Worte: „Joseph der Zweite, der erste Deutsche, ist todt! Er starb am 20. Februar 1790 um 5 Uhr Morgens, und seine Seele fuhr gerade in den Himmel; dafür stehe ich als ein alter, im Dienste grau gewordener Priester. Nun Neider, Unzufriedene, Empörer! seid ihr zufrieden? Sind euere Wünsche nun erfüllt? oder fehlt euch noch etwas? Je nun, so hebt Steine auf und werft sie dem guten Joseph, euerem Wohlthäter, auf’s Grab ... Ich rathe euch, bei Gelegenheit dieser traurigen Feierlichkeit zu beten, aber nicht für Joseph’s Seele, sondern für euch, damit euch Gott euere Sünden vergebe, und bittet an Joseph’s Grab, damit er, der Selige, für euch zu Gott betet, auf daß ihr einst, wie Joseph, sterben möget. Amen!“
IX. Anekdotisches aus Joseph’s Leben; einzelne Lebenszüge: a) Selbstständige Schriften. Auf Vollständigkeit kann das Folgende nicht Anspruch machen, aber wohl gibt es alle wichtigen Behelfe an, um einen möglichst vollständigen Codex einzelner Lebensmomente dieses großen Fürsten, ein Oesterreichs eben so würdiges, als zeitgemäßes Denkmal, herzustellen. Joseph’s Leben in Anekdoten volksthümlich zu machen beruht auf gleichen Motiven, wie bei Friedrich II. und Napoleon I. Mag bei jedem derselben Einzelnes, ja Vieles erfunden sein – doch ist dieß vorherrschend nur bei Napoleon der Fall, dessen militärische Gloriole einen eigenthümlichen Zauber ausübt auf die französischen Wickede’s und Gundling’s – so zeigt es doch deutlich, wie jeder dieser Fürsten mit den Erinnerungen seines Volkes innig verwachsen ist, wie das Volk sich seinen Helden, der aber auch sein liebster Liebling ist, ausmalt, und eben dadurch, daß es ihn mit allem denkbaren anekdotischen Flitter ausschmückt, dieselbe Wirkung hervorbringen will, die man bei Heiligenbildern zu erzielen glaubt, wenn man sie mit Opfergaben aller Art behängt. Was die vorhandenen Sammlungen Josephinischer Anekdoten betrifft, so gehören zum größeren Theile viele seiner Biographien dazu, auf deren bibliographische Zusammenstellung (unter I a) und b): Biographien und Biographisches, S. 305 und 308) hingewiesen wird. Was die noch ungesammelten, für die große Lesewelt eigentlich nicht existirenden Anekdoten Joseph’s betrifft, so zerfallen dieselben in zwei Kategorien. In die eine gehören diejenigen, welche sich in Werken befinden, die des Helden Person mehr oder weniger unmittelbar betreffen, ohne den Titel „Anekdoten“ oder „Lebensgeschichte“ zu führen. In die zweite Gattung gehören wieder solche, die in den verschiedenartigsten Werken, als in Memoiren, Biographien, Briefsammlungen, Reisebeschreibungen, Geschichtswerken einzelner Völker, Länder und Oertlichkeiten in [314] periodischen Schriften, endlich in der vermischten Literatur, und dort und da vorkommen, wo man dergleichen oft gar nicht zu vermuthen pflegt. Auf diese letzteren Schriften wurde in der folgenden Darstellung, als das am schwersten Aufzufindende, besondere Rücksicht genommen. Jedoch muß bemerkt werden, daß es nur ein Versuch war, eben das weniger Bekannte aufzuzeichnen, welcher aber bei dem Zwecke dieses Lexikons und bei der Unzulänglichkeit des Materials in den engsten Grenzen gehalten werden mußte. Wohl aber war ich bedacht, eine reiche Literatur jener Werke zusammenzustellen, welche die Person des großen Kaisers unmittelbar betreffen. Für Jenen, welcher etwa an eine selbstständige literarische, den Kaiser Joseph betreffende Arbeit nach dieser Richtung zu schreiten die Absicht hätte, mögen nun noch jene Werke angemerkt werden, die er bei seiner Arbeit zuvörderst benützen müßte: 1) Verzeichniß der in Wien erschienenen Brochüren. Erste Sammlung (Wien 1782); der ungenannte Herausgeber dieser leider nicht fortgesetzten Biographie ist Geusau; – 2) (Nikolai’s) deutsche Bibliothek; eigene Rubrik: Wienerschriften in der ersten Hälfte der 80ger Jahre; – 3) Allgemeines Repertorium der Literatur für 1785–1800. 12 Bde. (Jena und Weimar, 4°.) von Ersch, und zwar in nachstehenden Sectionen: Quinquennium 1785–1790, Bd. II, zweite Hälfte, XIII, Nr. 4183; Quinquennium 1791–1795, Bd. II, zweite Hälfte, XIII, Nr. 4297 u. f.; Quinquennium 1796–1800, Band II, zweite Hälfte, XIII, Nr. 2554 u. f.; – 4) Das Sachregister zum Kayser’schen Bücherlexikon (Leipzig 1838, 4°.). Daß bei Ausführung dieser durchaus nicht leichten Arbeit auch auf Alles Bedacht genommen werden mußte, was die Literatur über Joseph’s große Mutter enthält, versteht sich von selbst. Nun mögen hier die vorzüglichsten selbstständigen Schriften folgen: Anekdoten und Charakterzüge aus dem Leben Joseph’s II. 2 Stücke (Leipzig 1789, Geisler, 8°.). – Anekdoten und Charakterzüge Kaiser Joseph’s II., nebst einer Skizze seines Lebens. 3 Stücke (Ulm 1790, 1791, Stettin, 8°.). – Buri (Karl Ludwig Ysenburg v.), Anekdoten aus dem Leben Joseph’s II. 4 Stücke (Thal-Ehrenbreitstein 1790, Gehra, 2. Aufl. 1791, 8°.). – Ducoudray (N. N.), Anecdotes intéressantes et historiques de l’illustre voyageur (Joseph II.) (Liège 1777, 8°.). – Geisler (Ad.), Skizzen aus dem Leben und Charakter Joseph’s II. 15 Thle. (Halle 1783–1791, Hendel, 8°.). – Goether (Ibrahim), „Joseph der II. im Controleur-Gang oder: Allerley Scenen aus der heutigen Regierung“ (Wien 1782) [Anekdoten aus Kaiser Joseph’s Leben, seine Gespräche im Controleur-Gange; die Farbe der Zeit ist gut getroffen]. – Joseph d. II. und Friedrich d. II., nebst Anekdoten und Anmerkungen aus Beider Leben (Mannheim 1803, Löffler, 8°.). – Kindleben (Chr. Wilh.), Zeitverkürzende Unterhaltungen aus Joseph’s II. Leben (Halle 1782, 8°.). – Eine Skizze aus der Geschichte des Stammes von Habsburg in dem Geschlechte Joseph’s II. (Wien 1781, Kraus, 8°.). – Schimmer (Carl August), Die interessantesten Anekdoten von Kaiser Joseph II. Ereignisse und Charakterzüge aus dem Leben des unvergeßlichen Monarchen, nach den seltensten und größtentheils bisher unbekannten Quellen bearbeitet. (Zweite vermehrte und verbesserte Auflage) (Wien 1850, im Verlage von Matthäus Kuppitsch’s Witwe, VI und 332 S. kl. 8°.) [Gute Auswahl, enthält mitunter wenig Bekanntes, leider ohne Quellenangabe; S. 311–332, einzelne charakteristische Briefe des Kaisers].
IX. b) Anekdotisches in Werken und Zeitschriften zerstreut. Abend-Zeitung, redig. von Theod. Hell, 1819, Nr. 287–290, und Lesefrüchte vom Felde der neuesten Literatur von J. J. C. Pappe (Hamburg 8°.) 1820, Bd. I, Stück 16 u. 17, S. 241 u. 260: „Das glückliche Mißverständniß. Anekdote aus Joseph’s II. Leben“. Von A. Müchler. – Biographie des Hofschauspielers Lange. S. 72: „Aus dem Leben des Kaisers Joseph [auch abgedruckt in: „Illustrirte Familien-Blätter“ (Wien, Verlag von A. Wenedikt, Druck von C. E. Elbert in Leipzig, 4°.) 1857, S. 192. – Die Biene. (Neutitscheiner Wochenblatt, kl. 4°.) 1857, Nr. 27 und 28: „Das glückliche Mißverständniß. Anekdote aus Kaiser Joseph’s II. Leben“. Von Carl Mühlheim. – Blätter für Musik, Theater und Kunst, redig. von L. A. Zellner. II. Jahrg. (1856), Nr. 65: Der „Karlsschüler“, von Mor. Bermann [erzählt die Begegnung des Kaisers Joseph mit Schiller in der Militärakademie zu Stuttgart am 8. April 1777 (wie sie vielleicht hätte sein können aber nicht war)]. – Dieselben Nr. 66, 67: „Chantons, célébrons notre Reine!“ Historische Gelegenheitsskizze von Moriz Bermann. – Der Bote von der Eger und Biela (Localblatt zu Brüx in Böhmen, 4°.) VIII. Jahrg. (1855) Nr. 81, 82, 83, 84: „Aus dem Leben Kaiser Joseph’s II.“ – Didaskalia, Blätter für Geist u. s. w. (Frankfurt, 4°.) 1856 Nr. 125–127, [315] auch Pilsner Bote 1858, Nr. 49 und 50: „Der Kuß des Kaisers“. [Aus B. Auerbach’s „Schatzkästlein des Gevattersmann’s“ (Stuttgart, Cotta, 8°.).] – Echo (Jägerndorfer Unterhaltungsblatt, 4°.) 1858, Nr. 27 u. 28, auch Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle, 1858, Nr. 137 u. 138, (Grazer) Tagespost, 1858, Nr. 161–163 und Linzer Wochenbulletin 1859, Nr. 15 u. f.: „Kaiser Joseph und der Husar“ von Moriz Kreuzer. – Egerer Anzeiger. Wochenschrift u. s. w. VIII. Jahrg. Nr. 65–68: „Ein Deserteur aus kindlicher Liebe“. Von P. J. V. Heinzel. [Die Erzählung eines wirklichen Vorfalles, dessen erste Mittheilung im Eckardt’schen monatlichen Tagebuche, Monat Juli 1773, S. 97, gedruckt steht.] – Evangelisches Wochenblatt 1857, Nr. 22, S. 345: „Kaiser Joseph ein „Schätzer der Menschheit““. – Sonntagsblätter von L. A. Frankl (Wien, gr. 8°.). Die Jahrgänge dieses Blattes enthalten unter der oft wiederkehrenden Ueberschrift: „Kaiser Joseph im Kontrollorgane“, vom Moriz Bermann, eine geschickte Zusammenstellung solcher Anekdoten und Momente aus Joseph’s II. Leben, welche das innerste Wesen dieses großen Monarchen charakterisiren. Die Stellen in den einzelnen Jahrgängen dieses Blattes sind: 1843: S. 58, 109, 271, 323, 394; – 1845: S. 246, 540, 569, 660, 686, 693; – 1846: S. 57, 356, 413, 447, 540, 709, 855, 1247; – 1847: S. 95, 108. [Ueber den Controllorgang und eine Abbildung desselben, siehe in Franz Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, II. Bdchn., das Titelkupfer und S. 333.] – Dieselben I. Jahrgang (1842), S. 328: „Kaiser Joseph und Graf Harrach“ [ein Zug aus dem Leben des Kaisers Joseph, wie dieser das in seiner Raschheit dem Staatsmanne Grafen Harrach zugefügte Unrecht wieder gut zu machen wußte]. – Dieselben S. 515: „Der Notenschreiber Rousseau“ [Rousseau erwiedert, als der ihn besuchende Kaiser Joseph II. erstaunt ausrief: „Wie, ein so großer Mann schreibt Noten!“ dem Kaiser: „Ich habe versucht die Franzosen denken zu lehren, ich habe meinen Zweck nicht erreicht. Jetzt werden sie tanzen“]. – Dieselben S. 517: „Guter Bescheid“ [eine treffende Antwort Joseph’s, bezüglich der deutschen Einheit]. – Dieselben II. Jahrg. (1843), S. 448: „Kaiseraugenblau“ [Kaiser Joseph besaß so schöne blaue Augen, daß man noch mehrere Decennien nach seinem Tode statt himmelblau „Kaiseraugenblau“ sagte, schrieb und druckte]. – Dieselben S. 790: „Aus dem Leben Kaiser Joseph II.“ [Aus der Schrift: „Huldigung, dargebracht der Wahrheit und den Manen des Feldmarschalls Lascy 1812“, zwei Züge aus Kaiser Joseph’s Leben. Dieses Schriftchen ist nur als Manuscript gedruckt]. – Dieselben S. 792: „Die wiederhergestellte Ehre“ und „Joseph II.“ [Zwei Züge aus Joseph’s II. Leben, die ihn in seiner ganzen Liebenswürdigkeit zeigen.] – Dieselben III. Jahrg. (1844), S. 847: „Anekdoten von Kaiser Joseph II.“, von Franz Gräffer [welche, wie Gräffer selbst sagt, noch nicht veröffentlicht sein dürften]. – Dieselben V. Jahrg. (1846), Nr. 39: „Joseph II. und das Theaterwesen“, von Franz Gräffer. [Der Kaiser, von der Ansicht ausgehend, das Theater könne eine Bildungsanstalt für die Nation sein, – und nebenbei gesagt, besaß vor 1848 Wien das bischen Bildung, das es zur Nothdurft hatte, vom Burgtheater, dieser damals unübertroffenen Kunstanstalt – trug sich lange mit der Idee herum, eine theatralische Pflanzschule, im Volke allgemein „Pepinière“ genannt, zu gründen. Wie in vielen anderen Dingen stellten sich ihm auch da Hindernisse entgegen, die er ein paar Jahre bekämpfte, endlich aber zu bekämpfen aufgab. Die Gründung der Gallerie der Schauspielerbildnisse im Burgtheater rührt von Kaiser Joseph her.] – Dieselben Nr. 42: „Eine seltene Verehrung“, von J. A. Loeser. – Dieselben S. 751: „Kaiser Joseph II. und der arme Student“, von Wenzel August Neumann. [Hier zum ersten Male gedruckt.] – Frankfurter Konversationsblatt 1854, Nr. 27 und 28: „Zum römischen Kaiser“. Geschichtliche Episode aus dem 18. Jahrhundert. [Die nämliche Begebenheit erzählt die Baronin Oberkirch in ihren „Memoires“ über den Aufenthalt Joseph’s in Stuttgarts am Hofe des Herzogs von Württemberg. Der Herzog verwandelte sein Schloß in das Hotel „Zum römischen Kaiser“, empfing den Kaiser als Gastwirth verkleidet, und Joseph ging auf den Scherz ein. Den nächsten Tag begannen aber die Festlichkeiten. – Ueber die Mode in Wien, Kaiser Joseph zu Ehren die Gasthäuser mit dem Schilde „zum römischen Kaiser“ zu versehen, siehe weiter unten: XIII. Monumente des Kaisers Joseph.] – Der Freischütz (Hamburger Unterhaltungs-Blatt) 1837, Nr. 8: „Gespräch zwischen Kaiser Joseph II. und Dittersdorf im Jahre 1786“. Von Letzterem aufgezeichnet. – Derselbe 1840, S. 556: „Aus des Kaisers Reise in Italien“. – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, III. Bdchn. S. 154: „Joseph II. im [316] Controllor-Gange“. – Derselbe, kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, Bd. II. S. 88: „Audienz bei Joseph II.“; – Bd. III, S. 95: „Theresia und Joseph.“ – Derselbe, Wiener Dosenstücke (Wien 1846), Bd. I, S. 220: „Josephinische Anekdoten“; – S. 250: „Kaiser Joseph und Born“. – Derselbe, Neue Wiener Localfresken (Linz 1847, 8°.) 147–154: „Josephinische Anekdoten“; – S. 232: „Joseph II. und Pedro II.“ – Gmundner Wochenblatt, VI. Jahrg. (1856), Nr. 13: „Kaiser Joseph’s II. Reise nach der Krimm“. Historische Reminiszenzen von J. E. Radler. – Dasselbe Nr. 15: „Kaiser Joseph in seinen Vergnügungen“. Historische Reminiscenzen von J. E. Radler. [Dasselbe auch im „Bahnhof“ (Wiener Anzeigeblatt) 1856, Nr. 17.] – Hamburger Correspondent 1787, Nr. 49: „Oesterreich am 18. März“ [dieser Aufsatz enthält das merkwürdige „Toleranz-Gebet aus dem Gebetbuch Kaiser Joseph II.“, welches von da die Wanderung in alle deutschen Journale gemacht und erst in letzterer Zeit (seit 1858) wieder vielmal gedruckt worden ist]. – Humorist, redigirt von M. G. Saphir (Wien, 4°.) XIV. Jahrg. (1850), Nr. 193–195: „Kaiser Joseph II. und der Genfer Philosoph“. Freie Skizze von Franz Falk [schildert den Besuch des Kaisers bei Jean Jacques Rousseau, denn es ist historisch, daß Kaiser Joseph während seiner Anwesenheit in Paris mehrere Gelehrte und Männer von Bedeutung, wie Abbé de l’Epée, Buffon, J. J. Rousseau besucht hat]. – Innsbrucker Tageblatt 1858, Nr. 227–231: „Ein Kaiser als Freiersmann“. – Dasselbe, 1858, Nr. 165: „Kaiser Joseph II. als Gast in einem Kaffehhause“. – Das Linzer Wochen-Bulletin, redigirt von J. A. Rossi, VII. Jahrg. (1854), Nr. 31: „Kaiser Joseph II. in Stuttgart“. [Aus den Memoiren der Frau von Oberkirch.] – Omnibus (Brünner Unterhaltungsblatt) 1857, Nr. 31, und Wiener Courier 1857, Nr. vom 19. März: „Der Hut des Prinzen Joseph“. – Neu-Wien (Journal, Fol.) 1858 (I. Jahrg.), Nr. 46: „Das Kaffehhaus des Kaisers Joseph in Wien“. – Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde u. s. w. Herausg. von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler. II. Jahrg. (1830), Nr. 43: „Joseph II. bei Gelegenheit seiner ersten Reise in Italien“ – Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde u. s. w., herausgegeben von Johann Riedler (Wien, 4°.) III. Jahrg. (1833), Nr. 34: „Kaiser Joseph II. zieht zu Paris den Hut vor der Statue Heinrich’s IV. und die Franzosen in Wien salutiren seine Statue“. – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde, herausg. von Johann Paul Kaltenbaeck (Wien, 4°.) II. Jahrg. (1836), S. 56: „Kaiser Joseph’s II. Verkehr mit einem flämischen Bauer auf seiner Reise durch die Niederlande. Aus den Provinzial-Nachrichten vom 10. December 1788“. – Dieselbe S. 44: „Gefangene Türken in Peterwardein erhalten Löhnung“. [Dank für Joseph II.] – Dieselbe S. 152: „Compliment Kaiser Joseph’s II., dem König Friedrich II. bei seiner Zusammenkunft gemacht“. – Dieselbe S. 334: „Kaiser Joseph II. macht auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Wallachen glücklich“. – Dieselbe Nr. 95: „Szene aus dem Leben des Fraters David a S. Cajetano“ [Gespräch mit Kaiser Joseph II., der Frater erklärt dem Kaiser die Einrichtung der alten Stadtuhr]. – Presse 1857, Nummer vom 17. März: „Eine alte Geschichte“ [ein Vorfall aus Joseph’s Leben, als er einen Maskenball in den Redoutensälen besuchte; derselbe ist einem schon sehr seltenen, in Haidinger’s (des Büchersammlers) Bibliothek befindlichen Buche, betitelt: „Geschichte des Faschings vom Anfange der Welt bis auf das Jahr 1779, nebst einigen in die Faschingsgeschichte einschlagenden Anekdoten, Abhandlungen“, in einer Wochenschrift herausgegeben zu Preßburg in Ungarn im Jahre 1779 (Preßburg 1779, S. 217) nacherzählt.] – Dieselbe 1859, Nr. 157 (29. Juni): „Aus dem Leben Joseph’s II.“ [Zum ersten Male nach mündlicher Ueberlieferung erzählt.] – Dieselbe, 1859, Nr. 25: „Kaiser Joseph II. im Steinmetzischen Hause [auch nachgedruckt in der Laibacher Zeitung 1859, Nr. 28–30.]. – Rheinische Blätter für Unterhaltung u. s. w. Beiblatt zum Mainzer-Journal 1855, Nr. 229 und 230: „Ein Stück österreichischer Geschichte im Munde des Volkes“. – Tausend und eine Unterhaltungsstunde (Berlin 8°.), Bd. I, S. 514: „Kaiser Joseph“ [ein Zug aus dem Leben des Kaisers]. – Thalia. Redigirt von Dr. C. Toepfer. III. Jahrgang (1838), Nr. 21: „Ein Zug aus dem Leben Kaiser Joseph’s“. – Theater Zeitung, herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1848, Nr. 189: „Kaiser Joseph II., ein echter Deutscher“. – Tiroler Zither. Morgenblatt für Freunde geselliger Unterhaltung (Innsbruck, kl. 8°.) II. Jahrg. (1852), Nr. 30: [317] „Kaiser Joseph und der arme Student“. – Troppauer Telegraph (Localblatt) 1854, Nr. 121–123: „Die Gräfin Terzi. Dichtung und Wahrheit aus dem Leben eines Kaisers“. – Der Wanderer (Wiener Blatt, 4°.) XXVII. Jahrg. Nr. 195: „Erinnerungen an Theresien’s, Joseph’s II. und Leopold’s II. Herzensgüte und Regententugenden“. Aus den Papieren eines Verstorbenen. – Wiener Courier 1856, Nr. 201: „Joseph II. als Arzt“. – Zeitung für die elegante Welt, herausg. von H. Laube, 1844, S 357: „Aus Kaiser Joseph’s Leben“.
X. Josephinische Curiosa. [Schriften, Pasquille u. m. A. zu seiner Zeit und auf ihn erschienen; Schriften zum Verständnisse seiner Zeit und ihrer Cultur.] a) Selbstständige. Freymüthige Bemerkungen über Aufklärung und Reformen unserer Zeit von Z...r. 2 Stücke (Berlin 1786, 8°.) [vergl. darüber: Gräffer, Josephinische Curiosa, III, 81]. – Beweis, daß Zahlheim als ein Opfer der Unwissenheit seiner Richter und durch Gewalt des Stärkeren hingerichtet worden. Von einem Menschen. (Gedruckt in Ottaheite [d. i. in Wien hinter dem Johannesspitale auf der Landstraße, im Verlage des berüchtigten Wucherer], 1786, 8°.). [Vergl. darüber: Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, III. Bdchn. S. 88.] – Biwanko (Ign. Jos.), Die Unzufriedenen in Wien mit Joseph’s Regierung (o. O. [Salzburg] 1782, Mayr, 8°.). – Danzer (Jakob), Joseph’s des Großen Toleranz, ein theolog. Fragment (o. O. 1783, 8°.). – Der 42jährige Affe. Ein ganz vermaledeites Mährchen. Aus dem Französischen (Berlin 1784, 262 S. 8°.). [Eines der frechsten Pasquille auf den Kaiser. Der Druckort Berlin ist falsch; das Buch ist in Prag bei Ritter von Schönfeld gedruckt, in zweiter Auflage 1786. Der Beisatz, aus dem Französischen, ist Mystification. Der erbärmliche Autor dieses Libells ist ein Ritter von Steinsberg. Vergl. darüber: Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, IV, 207 u. f.] – Empfindungen der Verfasserin der Geschichte des Fräuleins von Sternheim, als Joseph II. in Schwetzingen war (Wien 1782, 8°.). [Verfasserin dieser Empfindungen ist Sophie v. Laroche.] – Fragmente von Kaiser Karl des Großen und Joseph II. Regierungen (Tübingen 1781 [Osiander], 8°.). – Kaiser Joseph’s Gebetbuch (Wien 1787, bei Joseph Hraschanzky [im Melkerhofe] gedruckt, 6 S. u. 52 S. kl. 8°.). [Der Herausgeber sagt in seiner Vorrede unter anderem: „Ist dieß also gleich nicht Joseph’s wirkliches Gebetbuch, so ist es doch ein getreuer Abdruck seiner Herzenserhebung und Andacht zu Gott.“ Einige der treffendsten Stellen theilt daraus mit Gräffer in seinen „Josephinische Curiosa“, I. Bdchn. S. 143–150.] – Freimüthige Gedanken über Joseph’s Thaten (Frankfurt 1783, Hörling, 8°.). – Ghelen (Johann Peter), Wienerische Beleuchtungen oder Beschreibung aller derer Triumph und Ehren-Gerüsten, Sinnbildern u. s. w., welche bey denen zu Ehren der höchst-gewünschten Geburt Josephi den 13. Martii u. s. w. nicht nur in allhiesig frohlockenden Stadt Wienn, sondern auch mancher Orten u. s. w. zu bewundern und zu sehen gewesen (Wien 1741, Kön. Hofbuchdruckerey). – Das Handbillet des Hanswurstes. Eine Beylage zur Regierung in Salzburg (Salzburg [Wien, Wucherer], 23 S. 8°.). – Der Jesuit und der Teufel. Eine Entdeckung zum Besten der Menschheit (Ignatienburg [Wien, Wucherer] 1786, 29 S. 8°.). [Ueber Joseph’s Reformen vergl. Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, IV. Bdchn. S. 278.] – Joseph und Luther (Nürnberg 1782, 8°.). [Verfasser dieser Schrift ist G. E. Waldau.] – Joseph’s des II. Ankunft im Elysium und Unterredung mit Friedrich II. (Berlin 1790, Schöne, 8°.). – Joseph der II. und Friedrich der II., beide auf dem Krankenbette (Wien 1791, 8°.). – Joseph’s II. Schattenriß, gezeichnet von einem Ausländer (Frankfurt a. M. 1790 [Henning in Greiz], 8°.). – Joseph der II., ein Traum (Wien 1781, Trattner, gr. 8°.). – Joseph d. II. in der Geisterwelt, eine dramatische Phantasie mit Gesang (Frankfurt a. M. 1790, Eichenberg, 8°.). – Josephus II. in campis elysiis. Somnium Eleutherii Pannonii (s. l. et a., 8°.). – Kaiser Joseph und sein Freund Blumauer. Eine Volksschrift. Redig. von A. Much. I. Jahrg., Juli und August, 42 Nummern, à 1/2 Bog. mit eingedr. Holzschnitten (Wien, Wenedikt, gr. 8°.). [Es ist dieß der Titel eines im J. 1848 erschienenen Tageblattes, welches viele Reminiscenzen an die Josephinische Periode im Allgemeinen und den Kaiser selbst enthält.] – Kaiser Joseph vor Mino’s Richterstuhl (Wien 1790). [Diese kleine vortreffliche Brochüre enthält mehrere interessante Charakterzüge dieses großen Kaisers.] – Können sich die Länder glücklich nennen, welche von Joseph II. beherrscht werden? (Ulm 1786, Wohler, 8°.) – Majer (Jh. Cph.), Karl der Große und Joseph II. (Tübingen 1781, [318] 8°.). – Molnár (Joh.), Politisch kirchliches Manch Hermaeon, von den Reformen Kaiser Joseph’s II. überhaupt (Jena 1790, Stahl, 8°.). – Historisch kritische Nachrichten von den durch die Briefe aus Wien und Berlin über die österreich. Reformation veranlaßten Streitschriften (Breslau 1786, J. F. Korn, 8°.). – Prinner (F.), Thut der Kaiser recht? Dem Kaiser und der Wahrheit gewidmet (Salzburg 1782, Mayr, 8°.). – Prüfung der Wahrscheinlichkeiten (Wien 1786, Wucherer, 8°.). [Verfasser dieser Schmähschrift ist des berüchtigten Wucherer gleichberüchtigter Vetter Fezer, siehe unten: Wahrscheinlichkeiten.] – Rautenstrauch, Wir lieben den Kaiser (Wien 1787, 8°.). – Die Regierung des Hanswurstes. Eine Comödie aus dem vorigen Jahrhundert (Salzburg [Wien, Wucherer] 1786, 47 S. 8°.). – Richter (Joseph), Warum wird Kaiser Joseph von seinem Volke nicht geliebt? (Wien 1787, Wucherer, 67 S. kl. 8°.). [Vergl. darüber: Gräffer, Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 48, welcher einen Abdruck dieser Schrift bringt.] – Scheidemantel (Heinr. Gottfr.)[WS 4], Gedanken eines deutschen Rechtsgelehrten über die Frage: Warum wird Kaiser Joseph von seinem Volke nicht geliebt? Zur Rettung deutscher Ehre bei der Nachwelt (Frankfurt und Leipzig 1783, 8°.). – Schröckh (S. J.), Joseph der II. im Elysium (Leipzig 1790, Dyk, mit allegor. Kupf., 8°.). – Unwahrscheinlichkeiten (von Jos. Grossing) (Freiburg [Wien, Wucherer], 8°.) [betrifft vornehmlich die Angelegenheiten Ungarns. Vergl.: Gräffer, Josephinische Curiosa, III. Bdchn. S. 73 bis 76]. – Die Verbindung des Nabobs von Indostan wider den Großmogul. Ein politisches Schauspiel (Wien, Wucherer, 70 S. 8°.). [Der Verfasser dieses Pasquilles auf Joseph, welches gegen den Fürstenbund gerichtet ist, ist ein gewisser Fr. Schulz[WS 5].] – Reine Wahrheiten. Vom Verfasser der Wahrscheinlichkeiten (Stralsund [Wucherer in Wien] 1786, 8°.). [Verfasser der schon erwähnte Pasquillant Fezer.] – Wahrscheinlichkeiten (von J. J. Fezer) (1786 [Wien, Wucherer], 8°.) [siehe auch oben: „Prüfung der Wahrscheinlichkeiten“ und „Unwahrscheinlichkeiten“]. – Watteroth (Heinrich Jos.), Kosmopolitische Betrachtungen über das erste Regierungsjahr Joseph’s II. (Wien 1783, Hartman, 8°.). – Wie lange noch? Eine Patriotenfrage an die Behörde über Wucherer’s Skarteken-Großhandel (Wien 1786). [Der ungenannte Verfasser dieser gegen Wucherer’s schamloses Treiben gerichteten Schrift ist Rautenstrauch. Wucherer druckte nun diese Schrift nach, schickte ihr aber eine Vertheidigung unter dem Titel: „Eine Beilage zum Pasquill, von dem Verleumdeten“, voraus; eine Vertheidigung ohne Geist, ohne Sinn. Obige Schrift bildet zur Kenntniß des Brochürenscandales, der unter Kaiser Joseph wucherte, einen interessanten Beitrag. Einen Abdruck derselben enthält: Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, III. Bdchn. S. 64 u. f.] – Kaiserin Theresiens Wiederkehr nach der Oberwelt (Wien 1788, im Verlage Gr. Phil. Wucherer’s, IV. Bl., 128 S. kl. 8°., mit Titelvignette, in Chodowieki’s Manier gestochen. Joseph (Porträtähnlichkeit) mitten unter seinem Volke. Aus den Wolken blickt Maria Theresia an der Hand eines Genius auf den geliebten Sohn) [betrifft Joseph’s mannigfaltige Reformen].
X. b) In Sammelwerken und Zeitschriften Zerstreutes. Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 1–41: „Eine natürliche Schwester“, von Franz Gräffer. [Ueber eine natürliche Schwester Joseph’s und deren abenteuerliches Schicksal; ausgezogen aus Verhören, welche von dem Grafen Cobenzl, dem Neffen des einstigen Ministers zu Brüssel, zur Einsicht und Benützung anvertraut worden]; – II. Bdchn. S. 335–353: „Curiose Feyerlichkeiten bei Joseph’s Geburt“; S. 365: „Joseph’s Ansicht von der Preßfreiheit“; „Die beiden Frauen Joseph’s“; S. 384 und III. Bdchn. S. 198: „Joseph in Windeln beim Preßburger Reichstag“ [historisch durchgeführte Widerlegung, daß Maria Theresia auf dem Preßburger Reichstage im Jahre 1741 nicht den kleinen Joseph in Windeln auf dem Arme gehabt und den Magnaten entgegen gehalten habe, wie Denis in seinen „Lesefrüchten“, II. Theil, S. 216, im Artikel „Theresia“, dieß erzählt, in seinen Gedichten singt und wie dieß in vielen Kupferstichen dargestellt worden. Immerhin aber zeigt diese in den Volksmund übergegangene Variante des Vorfalles die Liebe des Volkes zu ihrer Fürstin, und wie die Kunst mit Begeisterung Alles erfaßt, um jene Fürsten zu verherrlichen, die das Volk liebt und welche diese Liebe verdienen, wie die große Theresia und ihr großer Sohn Joseph. Nicht zu übersehen ist der im III. Bdchn. S. 198 befindliche Brief [319] Maria Theresia’s an den Grafen Neipperg]; – III. Bdchn. S. 174: „Die ersten Spuren des Jacobinismus unter Joseph; die Zauberflöte als Allegorie der Revolution“; – IV. Bdchn. S. 254 u. f.: „Die Gutachten Lascy’s, Kaunitz’s und Loudon’s contra Kaiser Joseph; S. 425: „Das Pasquill an der lutherischen Kirche in Wien“; – V. Bdchn. S. 48: „Die Broschürenfluth während der Josephinischen Preßfreiheit.“ [Aussprüche darüber zweier glaubwürdiger Gewährsmänner: Blumauer und Pezzl. Nach Blumauer erschienen vom 1. April 1782 bis September 1783, also binnen 18 Monaten, in Wien allein – die Nachdrücke fremder Werke nicht gerechnet – 1172 Schriften. Der größte Theil derselben war werthlos; nur Einiges war lesenswerth und ein ganz kleiner Theil kann als Quelle für die Culturhistoriker dienen. Pezzl gibt interessante Aufschlüsse über das Urtheil, welches deutsche Journale über diese Brochürenfluth fällten]; S. 86: „Die Wiener und die Wienerinen unter Joseph’s Regierung“ [aus Pezzl’s Beschreibung Wiens]; S. 110: „Joseph’s Plan zu einer Schauspieler-Pflanzschule“ (Pepinière) [die ausführliche Geschichte des ganzen Josephinischen Planes, mit der von Joh. Heinr. Friedrich Müller im Auftrage des Kaisers verfaßten Denkschrift. Siehe übrigens auch unter: IX. Anekdotisches aus Joseph’s Leben. b) In Werken und Zeitschriften Zerstreutes. S. 315]; S. 122: „Das Abentheuer mit Heinrich’s Buch: Gesetze der k. k. Armee“. – „Joseph’s Sommerwohnung im Augarten“. Die von Freih. v. Eyb 1848 radirte Abbildung derselben befindet sich in Gräffer’s „Josephinische Curiosa“ als Titelblatt zum III. Bändchen, und der Text dazu, ebenda, S. 197.
XI. Urtheile über Kaiser Joseph. Höchst interessant ist die Charakteristik des Kaisers, welche der englische Gesandte in Wien in einem an seinen Hof erstatteten Berichte entwirft. Es heißt darin u. A.: „Stellt sich der Kaiser auf seinen eigenen Boden, folgt er den Eingebungen seines eigenen Geistes und Herzens, so wird er in den Augen der Vernunft und Wahrheit viel größer sein, als der König von Preußen; läßt er sich zur Nachahmung herab, muß er unvermeidlich der Geringere werden. Der allgemeine Glaube an des Kaisers Geschicklichkeit steigt mit jedem Tage. ... Er zeigt rasches Urtheil und Scharfsinn und demzufolge Klarheit und Leichtigkeit des Ausdruckes, ohne viel von den Kenntnissen zu besitzen, welche man durch Fleiß und abstraktes Forschen erwirbt. Er hat (was unendlich vorzuziehen ist) einen gesunden, gewandten und praktischen Verstand. Er besitzt die Kraft und zugleich Beweglichkeit des Geistes, welche sich mit einem Male auf einen Gegenstand richtet, ihn in voller Ausdehnung angreift, und dann ein entschiedenes (sowie im Allgemeinen ein richtiges und wohlbegründetes) Urtheil fällt. Ihn scheint keine Gefahr von den Felsen zu bedrohen, an denen so Viele scheiterten. Er hat kein überwiegendes Laster, keine Leidenschaft, der er nicht Herr wäre; er ist durch Geschmack und Grundsatz ein Feind alles Staates, Pompes und aller Pracht, während er die wahrste und natürlichste Einfachheit der Sitten zeigt. Oft geht er aus, nur von einem einzigen Diener begleitet, spricht gern mit Leuten aus allen Ständen, weiß Jeden, mit dem er redet, in angenehme und bequeme Stimmung zu versetzen, liebt leichten freundlichen Umgang so sehr, als er feierliche Kreise haßt – zeigt überall in Sprache, Bewegung und Benehmen die außerordentlichste Leutseligkeit. Zu gleicher Zeit besitzt er aber solche Würde, daß selbst in den vertrautesten Augenblicken Niemand die Achtung vergessen kann, welche ihm zukommt, fast möchte ich sagen, die man noch mehr dem Manne schuldig ist, als der Krone, die er trägt.“ Nachdem nun der Gesandte über die kleinen Mißhelligkeiten zwischen Joseph und Maria Theresia gesprochen hat, die aus der Verschiedenheit der beiderseitigen Grundsätze entsprangen, aber immer durch die gegenseitige Liebe und Achtung wieder ausgeglichen wurden, fährt er fort: „Der Kaiser hegt strenge und feste Grundsätze über Gerechtigkeit und Billigkeit. Kein Herrscher kann ein größerer Feind der Unterdrückung sein. Es ist jedoch eine gewisse Steifheit und Härte in ihm, welche erst die Reife des Alters und der Erfahrung mildern kann, und welche ihn jetzt zu schnell und zu oft zu dem Schlusse verleitet: Dieß ist recht, also soll und muß es sein! Er achtet nicht genug auf die allgemeinen Vorurtheile und Schwächen der Menschen, räumt ihnen zu wenig ein und bedenkt zu wenig, mit welcher außerordentlichen Vorsicht allgemeine Neuerungen, selbst wenn sie weise sind, eingeführt werden müssen. Er fühlt nicht genug, daß der geringste Schein der Unterdrückung ein wahres Uebel ist: ein Uebel sowohl für die, welche [320] durch das Trugbild erschreckt werden, als ein Uebel für das ganze Land, weil die Menge ebenso vor dem Scheine flieht, wie sie vor wirklicher Unterdrückung fliehen würde.“ [Dieses Urtheil des Engländers macht sowohl seinem Scharfsinne, wie seiner Gerechtigkeitsliebe Ehre.] – Friedrich II. über Joseph II. In einem der vertrauten Briefe Friedrich’s II. an Voltaire schreibt der König über den Kaiser: „Je pars pour la Silésie et vai trouver l’Empéreur, qui m’a invité à son camp de Moravie, non pas pour nous batre comme autrefois, mais pour vivre en bons voisins. Ce prince est aimable er plein de merite; il aime vos ouvrages et les lit autant qu’il peut; il n’est rien moin que superstitieux, enfin c’est un Empéreur comme de long temps il n’y a eu en Allemagne. Nous n’aimons ni l’un ni l’autre les ignorans et les barbares, mais il n’est pas une raison pour les exstirper; s’il fallait les detruire, les Turcs ne seroient pas les seuls dans ce cas. Combien de nations plongées dans l’abrutissement, et devenus agrestes faute de lumieres! mais vivons et laissons vivre les autres“ [X. Band, franz. Ausg. S. 67]; – an anderer Stelle: „J’ai été en Moravie ou j’ai revu cet Empéreur qui se prépare à jouer un grand role en Europe. Né dans un cour bigotte, il en a secoué la superstition; élevé dans la faste, il a adopté des moeurs simples; nourri d’enéens il est modeste; enflammé du desir de la gloire il sacrifice son ambition au devoir filial qu’il remplit avec scrupule; et n’ayant eu que de maitres pedans il a assez de goût pour lire Voltaire et pour en estimer le mérite. Si vous n’êtes pas satisfait du portrait fidele de ce prince j’avoue que vous êtes difficile à contenter. Outre ces avantages il posséde tres bien la litterature italienne; il m’a cité presqu’un chant entier du Pastor fido et quelques vers du Tasso. Il faut toujour commencer par-là; apres les belles-lettres vient la philosophie dans l’áge de reflexion, et quand nous l’avons bien étudié, nous sommes obligés de dire comme Montaigne que sais-je“ [ebenda p. 70]. – Die „Memoiren des Grafen Alexander von T.“ enthalten im zweiten Theile folgende Charakteristik Joseph’s: „Joseph erregte mehr Verwunderung als Bewunderung, er war mehr Sonderling als Phänomen, mehr anziehend als auf die Dauer liebenswürdig, mehr glänzend als tief, mehr außerordentlich als groß. Als Genie war er mehr unternehmend als weitumfassend; mehr schnell umfassend als richtig auffassend und um mit wenigen Worten viel zu sagen: er besaß tausend Eigenschaften, deren die Monarchen nicht bedürfen, und die bei ihnen als Ueberfluß, als Luxusartikel anzusehen sind; es mangelte ihm aber fast an allen, die für den Fürsten zum absolut Nothwendigen, zum Wesentlichen des Herrschers gehören. Er glich den Kometen, die den fernen Himmel erleuchten, aber der Erde zu nahe kommend, sie in Brand setzten.“ Zum Verständniß dieses Urtheiles fügen wir hinzu, daß dasselbe zur Zeit gefällt ist, als Kaiser Joseph zu Besuch seiner unglücklichen Schwester Maria Antoinette in Paris war; von einem Manne, der an jenem Hofe lebte, dessen Treiben die fürchterliche Katastrophe herbeiführte, die in der Geschichte einzig in ihrer Art dasteht. Wenn der Geschichtsforscher die Epoche des Kaisers Joseph und sein eigenes Vorgehen genau prüft und den bald nach seinem Tode gefolgten Thatsachen in Europa entgegenhält, so erscheint ihm der Kaiser Joseph als die Revolution selbst, und eben weil er sie selbst war, ging sie so unblutig und friedlich vor sich. Kaiser Joseph’s Genius durchblickte das Unhaltbare mancher aus dem Mittelalter herübergekommenen Institutionen, das Nichtmehrzeitgemäße mancher Ansichten, das Verwerfliche vieler Mißbräuche; er dachte und handelte seinen Völkern voraus, dieses Vorausdenken, Voraushandeln, womit er nur Oesterreichs Glück bezweckte, wurde von den unreifen Völkern nicht verstanden; und nur die durch sein Siechthum gebrochene Kraft seines sonst festen Willens konnte geschehen lassen, was, wenn derselbe ungebrochen geblieben wäre, nie geschehen wäre. – Graf Ségur d. Aeltere in seinen „Memoires“, tom. III, p. 148, schildert den Kaiser Joseph: „Ich hatte zu Kanieff einen König gesehen, der ohne Macht und Ansehen von der Pracht und dem Glanze des größten Monarchen umgeben war; als ein merkwürdiges Gegenstück sah ich zu Cherson einen mächtigen Kaiser, der einfach in seiner Handlungsweise, bescheiden in seinem Benehmen, vertraulich beim Empfange, Feind alles Hofzwanges, über jeden Gegenstand zu sprechen erlaubte, auf jeden das Gespräch zu leiten verstand, und nach keinem andern Glanze geizte, als den ausgebreitete Kenntnisse, ein richtiges Urtheil und ein gebildeter Geist gewähren.“ Betreff der Türkei that der Kaiser zum Grafen die treffende Aeußerung: „Constantinopel [321] würde stets ein Gegenstand der Eifersucht und ein Grund der Zwietracht sein, der jeden Verein der großen Mächte zu einer Theilung der Türkei vereiteln wüßte.“ – Eines der merkwürdigsten Urtheile Uber die Josephinische Periode, in welches mittelbar also auch der Kaiser eingeschlossen ist, finden wir im zweiten Fascikel der „Antediluvianischen Papierschnitzel“ (von 1842 bis 1847) des Werkes: „Aus dem Wanderbuche eines verabschiedeten Lanzknechtes“[WS 6]. Das Urtheil, welches unrichtig Erscheinung und Wesen der Sache identificirt, lautet an einer Stelle: „Die Josephinische Epoche sollte dem Demokraten, d. h. Volksmanne, noch verhaßter als vom Standpuncte des Aristokraten erscheinen. Dem Aristokraten griff sie nur an den Beutel – dem Volke an das Herz, denn im Herzen des Volkes klingen zwei Stimmen vernehmlich, es ist die Muttersprache, d. h. die Sprache, welche die Mutter zum Kinde sprach – dann die Worte, mit welchen der Priester ihm Trost und Hilfe von Oben zusichert. Wer diese beiden Zungen aus dem Halse reißt, ist ein Hochverräther an Volk, Nationalität und Kirche – Glaube an seine Race und seinen Gott sind Heiligthümer des gemeinen Mannes, der sie ihm raubt, versündigt sich mehr an ihm,. als an dem Fürsten und Grafen, dessen Wappenschild er in den Staub tritt. Ich will nicht eben behaupten, daß ich täglich in die Frühmesse gehe, und noch weniger, daß ich nicht zuweilen gerne ein Glas Champagner mit Accompagnement einer Trüffelpastete zu Leibe nehme. Würde man mir aber verwehren wollen, in die Messe zu gehen und mich zwingen, täglich Champagner zu trinken und Pasteten zu essen, ich spränge zum Dachfenster hinaus, um in die Kirche zu laufen, und man müßte mir die Zähne ausbrechen, um mir den Champagner einzugießen und die Pastete in den Hals zu stopfen. So kommt mir aber die Josephinische Epoche vor und noch dazu war es mit dem Champagner und den Pasteten auch nicht so ganz richtig, und die Herren Philosophen hatten allerhand Teufelsdreck und Laugensalz beigemischt, welches sie nicht wie bei der Hochzeit zu Canaä zu trinkbarem Weine zu verwandeln verstanden.“ [Welch’ eine einseitige Kenntniß der Josephinischen Periode, welch’ eine unzulängliche befangene Beurtheilung des Josephinischen Geistes und Charakters! Wem in der Josephinischen Periode überhaupt und wann dem Kaiser selbst, als dem eigentlichen Vertreter derselben ist es eingefallen, irgend Jemanden den Glauben an seine Race und seinen Gott zu nehmen? Dem Volke hätte Joseph an das Herz gegriffen, dieser Joseph, der im Herzen des Volkes fortlebt und leben wird, wenn längst alle antediluvianischen Papierschnitzel in alle vier Winde verweht sein werden. Woher denn diese unauslöschliche Dankbarkeit des Volkes gegen einen Monarchen, der ihm, nach des Landsknechtes Ansicht, seine heiligsten Güter zu rauben beabsichtigte? Woher dieses begeisterte Gedenken des großen Fürsten, vor dessen Standbilde die Ausländer den Kopf entblößen, wenn sie davor vorbeigehen? Woher die Verherrlichung in der Wissenschaft, Kunst und Poesie, die dem Kaiser seit sieben Decennien ununterbrochen gezollt wird, und welche sich mit jedem Jahre steigert? Halte Maß in allen Dingen! rief ein griechischer Weise; auch ist es nicht genug, daß man geistreich urtheile; man urtheile vorerst gerecht. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, 4°.) 1853, Nr. 49: „Ein Ausspruch des „Edinburgh-review“ über Kaiser Joseph“. – Sonntagsblätter, herausgegeben von Dr. L. A. Frankl, III. Jahrg. (1844), Nr. 1: „Bei Joseph II.“, von Franz Gräffer. [Gräffer schildert in seiner bekannten Weise mit lebendigen Farben eine Audienz, in welcher er nacheinander den Hofrath von Keeß, von Born, Wucherer und Grossing, Feßler und Baron von Trenk vorführt.] – Gräffer (Franz), Josephinische Curiosa, I. Bändchen, S. 106–127: „Josephinische Memorabilien von dem 1810 verstorbenen Hofrath von Bretschneider [eine sehr freimüthige Charakteristik des Kaisers Joseph, mehr des Menschen, als des Kaisers]; S. 158: „Rhapsodien über Kaiser Joseph“. Von Friedrich Karl von Moser, handschriftlich an einen Freund, der dann (1816) Einiges davon veröffentlichte; – V. Bdchn. S. 32: „Friedrich II. über Joseph II.; S. 64: „Kaiser Joseph als Mensch; sein Privat-Charakter; seine Lebensweise und Gewohnheiten; seine Neigungen und Eigenheiten und seine Persönlichkeit überhaupt“. – Das Linzer Wochen-Bulletin, VIII. Jahrg. (1855), Nr. 33: „Kaiser Joseph II.“ [aus Casti’s „Memorie di Vienna“]. – Diese Abtheilung, nämlich die Aufzählung und Mittheilung der Urtheile über Kaiser Joseph, könnte ungleich weiter ausgedehnt werden, ja sie könnte den Umfang eines stattlichen Bandes annehmen; alle – die kleine Zahl der abweichenden kann nicht [322] in’s Gewicht fallen – stimmen darin überein, daß er ein großer Monarch gewesen. Für die mitgetheilten, eigens, als Aussprüche von Koryphäen verschiedener Nationen und von Vertretern verschiedener Parteien, mit Absicht, des Contrastes wegen gewählten, mögen dieselben selbst sprechen.
XII. Persönlichkeiten aus Kaiser Joseph’s II. Zeit; der Kaiser ihnen, sie dem Kaiser gegenüber.Huldigung dargebracht der Wahrheit und den Manen des Herrn Feldmarschalls Grafen von Lascy, (Lausanne 1811, 24 S.). [Verfasser dieser Schrift ist ein Fürst D***; sie ist nur in wenigen Exemplaren gedruckt, deutsch und französisch, jedes besonders. Gräffer in seinen „Josephinische Curiosa“, V. Bdchn. S. 1 bis 23, gibt einen wörtlichen Abdruck derselben. Es wird darin auch Kaiser Joseph geschildert.] – Joseph II. und Pius VI. (zweite Aufl. Marburg 1782 [Cnobloch in Leipzig,] 8°.). – Fezer (J. J.), Freymüthige Bemerkungen über das Verbrechen und die Strafe des Garde-Obristlieutenants Szekely von einem Freunde der Wahrheit (1786 [Wien, Wucherer], 12°.). [Diese Schmähschrift auf den Kaiser erregte großes Aufsehen; vergl. darüber Gräffer’s „Josephinische Curiosa, III. Bändchen, S 1–19, wo sie abgedruckt und commentirt[WS 7] ist.] – Gräffer (Frz.), Josephinische Curiosa, I. Bdchn. S. 151: „Joseph II. und Professor Feßler in Lemberg“; S. 253–291: „Kaiser Joseph und der Prinz de Ligne; vertrauliche Briefe des Letzteren an seinen Monarchen und Freund“; – II. Bdchn. S. 354: „Kaiser Joseph und Da Ponte“ [aus Da Ponte’s Memoiren]; – III. Bdchn. S. 170: „Mozart bey Hofe; Joseph’s Urtheil über ihn“; S. 188: „Begegnungen mit Friedrich von der Trenck; Joseph’s Antwortschreiben an ihn“; – IV. Bdchn. S. 307: „Vom Minister Thugut“; S. 225–236: „Joseph’s schwarzer Freund und Königssohn Angelo Soliman“; S. 360: „Ein Brief des berühmten Feßler über den Papst Pius VI. in Wien; des Papstes Homilie in der Stephanskirche. Aus dem Lateinischen übersetzt“; – V. Bdchn. S. 132: „Wie Trenck auf Kaiser Joseph zu sprechen ist und die Prozeßsache“; S. 161: „Das berühmte Rendezvous Joseph’s und Katharinens; von dem französischen Botschafter Ludwig Philipp Grafen von Segur“ [die Zusammenkunft fand am 18. Mai 1787 Statt]. – Nicht bloß Gräffer’s „Josephinische Curiosa“ in 5 Bänden, sondern auch seine übrigen Schriften enthalten reiches Materiale zur Kenntniß der Josephinischen Periode und ihrer marcanten Individualitäten; vornehmlich seine „Kleinen Wiener Memoiren“, Bd. I–III; die „Wiener Dosenstücke“ (1. und 2. Bdchn.), IV und V; die „Wienerische Kurzweil“, VI; die „Localfrescen und Tabletten“ (1. u. 2. Bdchn.), VII und VIII; um die Wiederholungen der einzelnen Titel zu vermeiden, wird diese Folge von acht Bänden einfach mit den römischen Zahlen I bis VIII bezeichnet. Unmittelbar Josephinisches befindet sich in I, 204; II, 36, 88; III, 95, 251; IV, 36, 73, 220, 250; V, 8, 87, 274; VII, 146, 232, 299; VIII, 125, 266, 333, 334. Ueber die Josephinische Periode und ihre einzelnen Persönlichkeiten enthalten obige 8 Bändchen in alphabetischer Folge der Materien: Alchymisten I, 90; II, 136; V, 94; – Alxinger I, 58; II, 70; III, 207; – Angelo Soliman I, 146; III, 247; – Ayrenhoff I, 55; III, 247; IV, 275; – Birkenstock IV, 59; – Blumauer I, 60; III, 146, 207; V, 276; VIII, 125; – Born II, 89; IV, 250; – Bretschneider II, 1, 74; – Cagliostro III, 88; VI, 211; VII, 250; – Casanova I, 21; VIII, 142; – Casti I, 146; IV, 73. – Denis II, 176; III, 207; – Dianagesellschaft IV, 267; – Flugschriften VII, 111; – Glacis V, 149; VIII, 34; – Greiner III, 207; – Grossing IV, 36; – Haschka I, 58; II, 71; III, 207; – Hetze II, 114, 162; III, 83; Jesuiten VIII, 318; – Kaunitz I, 204; II, 107, 134; IV, 73; V, 49; – Kempelen IV, 8; VII, 205; – Lascy VIII, 200; – Loudon I, 207; III, 200; – Lessing III, 224; – de Ligne II, 65, 74, 271; III, 73, 140; VIII, 43; – Metastasio I, 171; IV, 73, 209; – Mozart I, 224, 227; III. 21; IV, 29, 32, 73; – Paradis IV, 231; VII, 40; – Perinet I, 115; VIII, 271; – Pezzl II, 237; – Platzl IV, 46; – Quarin II, 103; – Ratschky I, 57; III, 207; VIII, 33; – Rautenstrauch I, 60; II, 97; VIII, 316; – Retzer I, 85; II, 194; III, 207; – Sonnenfels II, 59, 73; III, 112, 225; – van Swieten I, 96; II, 51; III, 10; VII, 276; – Stoll II, 239; IV, 79; V, 173; VII, 155; – Stubenmädchen V, 161; VII, 21; VIII, 34; – Szekely VII, 98; – Theresia II 51, 104; III, 47, 95, 219, 228, 243; IV, 71; VIII, 330; – Trenck II, 94; III, 249; – Weiskern VII, 135; – Winckelmann III, 160; – Zeitschriften II, 102; V, 224; VI, 296.
[323] XIII. Monumente des Kaisers Joseph. Nichts jene Statuen und Denkmäler, welche die schmeichelnde Mitwelt oder die Nachwelt, oft aus nicht edleren Motiven, den Fürsten errichtet, nicht dieß sind die wahren Monumente eines Fürsten. Die Werke seines Geistes, seiner Völkerliebe, seiner Obsorge für das allgemeine Staatswohl sind es, auf welche die Nachwelt mit Bewunderung und Dankbarkeit hinblickt, und so sei denn neben seinen Statuen und jenen Gedenktafeln, die Joseph’s Namen verewigen, auch aller jener Werke des großen Kaisers gedacht, deren Wohlthaten noch den heutigen Generationen wie den nachfolgenden zu Gute[WS 8] kommen; aber auch jener, die von ihm in’s Leben gerufen, ein Opfer wechselnder Systeme geworden. Es sind folgende: Das allgemeine Krankenhaus. In der Alservorstadt 1784 errichtet. Mit dieser Anstalt in Verbindung gründete er das Gebärhaus, das schon im ersten Jahre 800 Neugeborene zählte, den Narrenthurm, an dessen verfehltem Baue nicht der Monarch, sondern das falsche Princip der Wissenschaft in Behandlung der Irren Schuld trägt; das reformirte Findelhaus und das 1788 gestiftete Inoculations- (Impf-) Haus. Das allgemeine Krankenhaus tragt die Inschrift:
Saluti et solatio
Aegrorum
Josephus II. 1784. –
Das Generalseminarium. Um das Lehrsystem des inländischen Clerus dem Staatssysteme unterzuordnen, errichtete Joseph im ehemaligen akademischen Collegium der Jesuiten zu Wien das Generalseminar, als Musteranstalt für ähnliche Institute in anderen Diöcesen der Monarchie. Ueber dem Eingange des Generalseminars stand die Inschrift:
Institutioni Cleri
Religionis Firmamento
Vovit Josephus II. Aug.
MDCCLXXXIII. –
Das Mädchenpensionat. Um taugliche Lehrerinen für Mädchenschulen zu bilden, errichtete Kaiser Joseph 1787 dieses Institut, 24 Mädchen werden darin durch 8 Jahre verpflegt, unterrichtet und für ihren Zweck gebildet. Der Kaiser hatte sich die Aufnahme würdiger Officiers- und Beamtentöchter selbst vorbehalten. Wie wohlthätig wirkte dieses Institut schon in jenen Tagen. In der Gegenwart ist damit dem allgemeinen Bedürfnisse lange noch nicht abgeholfen; kaum dürfte in Wien über irgend etwas mehr Klage zu führen sein, als über die übeln Verhältniß des Mädchen-Unterrichts, der aber durchaus nicht so gering angeschlagen werden darf, als es zu geschehen pflegt; denn an guten und unterrichteten Müttern ist in unserer Residenz wahrhaftig kein Ueberfluß und in diesem Mangel steckt die Quelle manchen großen Uebels. – Die medicinisch-chirurgische Militär-Akademie, gewöhnlich das Josephinum genannt, mit eigenem botanischen Garten, eigener Bibliothek, Instrumenten und Wachspräparaten-Cabinete. Joseph’s Leibwundarzt Brambilla besitzt unvergängliche Verdienste um die Ausführung dieser herrlichen Anstalt des großen Kaisers. – Stiftung für arme Jägerskinder. Leopold der Heilige ließ an der Stelle, wo der Schleier seiner Gattin gefunden wurde, Klosterneuburg erbauen. Hunde waren es, die den Schleier gefunden. Aus Dankbarkeit stiftete Leopold den ewigen Unterhalt dieser Hunderace. Kaiser Joseph glaubte den Heiligen richtiger zu ehren, wenn er das für Hunde bestimmte Stiftungscapital für Menschen verwenden ließ, und gab es dem Waisenhause mit der Widmung, daß dafür arme Jägerskinder erhalten werden sollten. – Das Taubstummen-Institut. Eine Frucht der Pariser Reise Joseph’s und seines Besuches bei Abbé l’Epée. Es wurde 1784 auf dem Dominikanerplatze errichtet, 1786 wurde damit eine Buchdruckerei verbunden. Es war für 30 taubstumme Kinder, welche unentgeltlich darin verpflegt wurden, bestimmt. Das Haus hatte die Inschrift:
Surdorum Mutorumque
Institutioni et Victui
Josephus II. Aug.
MDCCLXXXIV. –
Das Thierarznei-Institut und das Thierspital in der Rabengasse der Vorstadt Landstraße. Joseph legte schon 1769 den ersten Grund dazu und ließ den Professor Walstein zu diesem Zwecke reisen. Als Walstein 1777 zurückkehrte, kamen beide Anstalten vollkommen zu Stande und W. erhielt deren Leitung. In der Thierarzneischule werden alle Theile der Thierarznei theoretisch und praktisch gelehrt, und eine Verordnung vom Jahre 1777 versagt allen Schmieden das Meisterrecht, welche nicht den Lehrcurs in der Thierarzneischule zurückgelegt haben. 1780 kam als Vortragsgegenstand die Seuchenlehre hinzu und im nämlichen Jahre entstanden Professuren über die Veterinärkunde an den Hochschulen zu Prag, Lemberg, Freiburg und [324] Gratz. – Außer diesen humanistischen Anstalten, deren Segen bereits die Generationen fast eines Jahrhundertes empfunden haben und noch empfinden, hat Joseph mehrere sittliche und physische Verschönerungen theils angebahnt, theils ausgeführt; so wurden die Kirchen von allem überflüssigen, oft lächerlichen Schmuckwerke, die Altar- und Heiligenbilder darin von ihren Perücken, Reifröcken und Rauchmänteln u. dgl. m. befreit; die Zahltische vor den Kirchthüren, der Trödel vor denselben und die wenig erbauliche Opernmusik in derselben abgeschafft; die kaiserliche Bibliothek entsprechend eingerichtet, sie wie die Gemäldesammlung im Belvedere und andere öffentliche Anstalten der Art mit werthvollen Büchern und Gemälden bereichert; das Nationaltheater allmälig verbessert und ihm eine edlere sittlichere Gestalt gegeben; die Glacien Wiens mit Bäumen bepflanzt und mit Wegen für Wagen, Pferde und Fußgänger versehen; die Beleuchtung in der innern Stadt und in den Hauptstraßen der Vorstädte vermehrt; die unausgesetzte Straßenreinigung eingeführt; der Augarten, bisher dem großen Publikum verschlossen, als „ein allen Menschen gewidmeter Belustigungsort von ihrem Schätzer“, wie diese Aufschrift, welche noch heut’ zu Tage über dem Eingangsthore des Gartens prangt, erklärt; der verderbliche Wienfluß eingedämmt, 1787 tiefer gegraben, mit Weiden und Felbern besetzt und dadurch seine verheerende Macht gebrochen; die Begräbnißplätze, welche bis dahin innerhalb der Stadt sich befanden, außer die Linien versetzt. Mit diesen Auszeichnungen sind Joseph’s Monumente, die er sich selbst erbaute, lange noch nicht erschöpft, aber das Angeführte genügt, um gewiß zu sein, daß die an die Geschichte gestellte Frage: welcher gleich mächtige Fürst der vorigen Jahrhunderte hat in so wenigen Jahren gleich viele, gleich große Dinge gethan? unbeantwortet bleibt. –
Die bisher angeführten Monumente waren solche, welche Kaiser Joseph der Menschheit errichtet; die folgenden sind jene, welche seinem Andenken sind errichtet worden. Nachricht von dem schönsten derselben gibt Ellmaurer (J.), Le monument de Joseph II. erigé par F. Zauner explique par – (Vienne 1807, av. planche, Fol.). – C. A. Schimmer in seinem Werke: „Kaiser Joseph der Zweite, das Leben und Wirken u. s. w. Briefe und Actenstücke von diesem großen und unvergeßlichen Monarchen“ (Wien 1853, 8°.) Fünfte Aufl. S. 361–371- „Das Joseph-Denkmal in Wien“ [eine ausführliche Beschreibung der Zauner’schen Josephstatue, mit Erklärung aller Basreliefs, Angabe aller Inschriften und mit der Abbildung des Monuments. Die Inschrift auf dem Fußgestelle vorne lautet: „Josepho II. Aug. qui saluti publicae vixit non diu sed totus“; rückwärts: „Franciscus Rom. et Austriae Imp. ex fratre nepos alteri parenti posuit 1806“. Diese vorstehende Inschrift wurde benützt, nachdem die des Hofrathes von Birkenstock: „Josepho II. – Arduis nato – Magnis perfuncto – Majoribus praerepto“, nicht gestattet worden war]. – Span (Martin), Reden bei Errichtung der Statue Joseph’s II. (Wien 1810, Geistinger, gr. 8°.). – Ueber der Thüre der päpstlichen Sacristei in Rom steht auf einer Marmortafel folgende Inschrift:
Josepho II. Rom. Imp. Augusto.
Quod In Dominici Natalis Diei Solemnitati
Anno MDCCLXXXIII
Pio VI. Pont. Max.
Vesperas Et Sacra Sanctiori Ritu Peragenti
Praesens Eadem Celebraverit
Novi Sacrarii Aedificium Studiose Inviserit
M. P.
Seit Karl dem Großen feierte kein Kaiser den Christtag in Rom als Kaiser Joseph II., u. z. an der Seite eines andern souveränen Fürsten, Gustav’s III. von Schweden; aus diesem Anlaß ist obige Gedenktafel aufgestellt worden. – Auf der Liechtenstein’schen Herrschaft Posorzitz in Mähren (nicht, wie es öfter vorkommt, Posowitz), auf der Landstraße zwischen Brünn und Olmütz, unweit Raußnitz, ackerte Joseph II. am 19. August 1769 auf offenem, dem Bauer Trenka gehörigen Felde mit dem Pfluge eines Bauers einige Furchen. Wenzel Fürst Liechtenstein ließ auf dem nämlichen Acker ein Denkmal von Marmor setzen, mit der Inschrift: „Imp. Caes. Josepho, divi Francisci et M. Theresiae Aug. pio filio, quod is anno MDCCLXIX mense Aug. die 19. ad excitandam populorum industriam, ducto per totum hoc jugerum aratro, agriculturam humani generis nutricem nobilitavit, comunibus ordinum Moraviae votis monumentum posuit Josephus Wenceslaus Princeps a Lichtenstein.“ Auf die Pflugscharre ist auch eine Inschrift gegraben, und der Pflug den Ständen Mährens zur Aufbewahrung geschenkt worden. Der Barde Denis hat diese That durch eine Ode: „Die Säule des Pflügers“, verewigt. Der Pflug befindet sich gegenwärtig im Dicasterialhause zu Brünn im [325] großen Landtagssaale ausbewahrt. [Frankl, Sonntagsblätter, I. Jahrg. (1842), S. 838.] Neben diesem, von dem Fürsten Liechtenstein gesetzten Denkmale errichteten die Bauern des Nachbardorfes Slawikowitz aus eigenem Antriebe ein zweites, welches zum Unterschiede des fürstlichen das Bauerndenkmal hieß. Die Inschrift dieses letzteren möge hier als orthographisches Inscriptions-Curiosum wörtlich so stehen, wie sie lautete: „Anno 1769 den neunzehnten August haben Jrro K. K. Majestät Josephus II. auf diesem Felt keackert. Zum ewigen Tenkzeichen haben mir Slawikowiczer Kemain diesen Stein eingesetzt.“ Beide Monumente, sowohl das fürstliche als das der Slawikowitzer Bauern, waren schon 1800 dem Zahne der Zeit zum Opfer gefallen. Da wurde denn von den mährischen Landständen beschlossen, an die Stelle des alten fürstlichen ein neues auszuführen, dessen Bau 1804 begonnen und in Folge mißlicher Zeitereignisse erst 1811 vollendet worden. Dieses Letztere steht noch. – Zwischenakt (Wiener Journal, kl. Fol.) 1860, Nr. 174: „Eine interessante Buchdruckerpresse“. [Einer alten Hofsitte gemäß, nach welcher jeder kaiserliche Prinz ein Handwerk erlernen mußte, entschied sich Joseph für die Buchdruckerei. Traßler, damals Faktor in der v. Tratnern’schen Buchdruckerei, wurde mit dem Lehrmeisteramte betraut. Die Presse, an welcher der Kaiser gelernt, die später aus dem Besitze der Strauß’schen Familie an die Erben, Buchdrucker Leopold Sommer, überging, befindet sich seit 1850 im Besitze der k. k. Staatsdruckerei, für welche sie der unermüdet thätige, geniale Director Ritter von Auer sammt Original-Setzkasten und Lettern käuflich erworben. Der unlängst (Ende Juni d. J.) verstorbene Exter hat in einem trefflichen Holzschnitte den Kaiser Joseph, an der Buchdruckerpresse beschäftiget, dargestellt.] – Schilder zum römischen Kaiser (Joseph) in Wien. Außer den größeren öffentlichen, dem großen Kaiser gesetzten Monumenten dürfen hier jene nicht übergangen werden, welche sich in den Namen der Hausschilder in und um Wien erhalten haben und Zeugniß geben von der dankbaren Erinnerung des Volkes und der Popularität des geliebten Monarchen. Zwei dieser Hausschilder führen ausdrücklich den Namen desselben; die übrigen tragen zwar bloß die Bezeichnung: „Zum römischen Kaiser“, aber allen liegt die Persönlichkeit des Kaisers Joseph zu Grunde, und vielen derselben sind auch meist sehr gelungene Büsten und Reliefs desselben beigegeben. Es folgen hier die betreffenden Häuser mit ihren Nummern: Stadt, Renngasse Nr. 138/139; Stadt, alten Fleischmarkt Nr. 695, im vormals Nako’schen, jetzt Faukal’schen Hause, befindet sich über dem Mittelfenster des dritten Stockwerkes Joseph’s II. Bildniß und zu beiden Seiten ist zu lesen:

Vergänglich ist dieß Haus, doch Joseph’s Nachruhm nie,
Er gab uns Toleranz, Unsterblichkeit gab sie;

Praterhütten 7; Erdberg 9; Landstraße 190; Wieden 35 (zum Kaiser Joseph); Windmühle 47 und 85; Laimgrube 84; St. Ulrich 85; Neubau 161; Schottenfeld 150 und 193; Josephstadt 63; Reindorf (außer der Linie) 15; Neu-Lerchenfeld 114 (zum Kaiser Joseph); Herrnals 190; Währing 63. In Neu-Lerchenfeld am Brunnen der dortigen Hauptstraße ein schönes Relief des Kaisers.
XIV. Medaillen auf Kaiser Joseph. 1) Auf die Vermälung Joseph’s mit Maria Elisabeth, Prinzessin von Parma. Die Kopfseite: Die Brustbilder des Brautpaares mit der Umschrift: Josephus Archidux Austriae. Elisabetha Borbonia Philipp. Hispaniae Infantis fiIia. Unterhalb des Medailleurs Name: Anton Wiedemann. Auf der Reversseite: Hymen, in der rechten Hand zwei Kränze emporhaltend und mit der Fackel in der Linken auf einem Altare ein Feuer anzündend. Unterhalb die Worte: Felix connubium. Celebratum Vindobonae. VII. Oct. MDCCLX. – 2) Auf die Krönung (1764) Joseph’s II. verfertigte der kais. Hofmedailleur Martin Kraft eine Denkmünze. Die Vorderseite zeigt das Brustbild des Kaisers, mit der Krone auf dem Haupte; die Umschrift lautet: Dominus salvum fac Regem. P. S. XIX v. 10. Auf dem Revers ist die Krönung im Frankfurter Dome, mit der Inschrift: Josephus II. Archid. Aust. Elect. et Coron. Rom. Rex. Francof. Anno 1764. – 3) Auf die Zusammenkunft Joseph’s II. und Friedrich’s II. wurde auch eine Schaumünze geprägt. Die Vorderseite zeigt das lorbeerumkränzte Bildniß des Kaisers mit der Umschrift: Josephus II. Augustus. Die Reversseite stellt beide Monarchen nebst dem Prinzen von Preußen zu Pferde dar, nach dem Lager reitend, vor welchem in ziemlicher Ferne die in Parade stehende Armee zu sehen ist. Die Umschrift lautet: Borussorum Rex hospes Caesaris. In Castris. Morav ad Neostadium 1770. [326] – 4) Anläßlich des Besuches des Papstes Pius VI. in Wien. Avers: Des Papstes wohlgetroffenes Porträt mit der Schrift: Pius VI. Pontifex maximus. Revers: Josephi II. Aug. Vindob. Hospes. A Die IX. Kal. Apr. ad X Kal. Maj. 1782 (d. i. Kaiser Joseph’s Gast vom 22. März bis 22. April 1782). Es sind zwei verschiedene Medaillen, die größere von Vinazer, die kleinere von Donner. – Außer obigen ausführlich beschriebenen Medaillen sind noch auf Joseph oder mit nächster Beziehung auf ihn folgende vorhanden: 5) Auf seine Geburt (1741). – 6) Die Kaiserin und Joseph stehend (Messing-Medaillon). – 7) Medaille, 1764 von den beiden Erzherzogen Joseph und Leopold, in Kremnitz geprägt. – 8) Besuch beider Prinzen in den Bergwerken (1764). – 9) Auf die Verbesserung des Schulwesens in Ungarn (1780). – 10) Auf die Uebertragung der Universität von Tyrnau nach Ofen (1780). – 11) Anläßlich des Regierungsantrittes (1780). – 12) Bei Gelegenheit des Besuchs des russischen Großfürsten (1781). – 13) Auf die Errichtung der galizischen Provinzialstände (1782). Aus diesem Anlasse auch 2 Jetons im nämlichen Jahre. – 14) Zur Erinnerung an das Toleranzedict (1782). – 15) Auf die Gründung der Josephs-Akademie. Von Ampach (1785) [vergleiche Ridler’s Archiv 1833, Nr. 24]. – 16) Eine Prämien-Medaille für die Zöglinge derselben. – 17) Anläßlich der Erweiterung der Wiener Kunst-Akademie (1786). – 18) Prämien-Medaille für deren Zöglinge. – 19) Zur Erinnerung an die Einnahme von Belgrad (1789). – 20) Eine Medaille auf Joseph’s Tod (nicht edirt). – 21) Ein Jeton anläßlich von Joseph’s Vermälung (1765). Aufschrift: Juncta levantur (in Prag). – 22) Zur Erinnerung an die Gründung der böhmischen Gelehrten-Gesellschaft (1784) in Prag. – 23) Galizische Huldigungs-Medaille auf Joseph II. und Maria Theresia (1773). – 24) Medaille auf die Errichtung der Akademie zu Lemberg von Wirt (1784) [vergl. Verzeichniß der von dem k. k. Feldmarschall-Lieutenant Herrn Ludwig de Traux in Wien hinterlassenen Münz- und Medaillen-Sammlung .... (Wien 1856, 8°.), Nr. 366–382, 810–812, 1798, 1802, 1803, 2802, 2805, 2816, 2818, 2826, 2827.
XV. Gedichte an Kaiser Joseph. Joseph im Romane und in der Novelle. Aus der großen Menge von Gedichten auf den Kaiser können wir hier nur der vorzüglichsten gedenken. Spatziergänge eines Wiener Poeten (Hoffmann und Campe, 1830, seither viele Aufl.): „Joseph II.“. – „Das Lied von Belgrad, 1789“ von Blumauer. [Dieses treffliche, im frischen Geiste Blumauer’s nach der Melodie: Marlborough s’en va-t-en guerre etc. gedichtete Volkslied, siehe: Carl August Schimmer: Kaiser Joseph der Zweite (Wien 1853, Dirnböck, 8°.) 5. verbesserte Aufl. S. 200.] – Die Biene (Neutitscheiner Wochenblatt, kl. 4°.) 1857, Nr. 7: „Kaiser Joseph als Tonsetzer“, von Ludwig Bowitsch. – Das Marmordenkmal, von L. A. Frankl [Gedicht, anläßlich des von Joseph Wenzel Fürst Liechtenstein zur Erinnerung an den 19. August 1769, an welchem Tage Kaiser Joseph zu Posorzitz in Mähren mit eigener Hand gepflügt, gesetzten Denkmales. Siehe: XIII. Monumente. S. 324.] – Frankl (Ludwig August), Das Habsburgslied (Wien 1832, 8°.) S. 185–192: Das Marmordenkmal; des Feldherrn Gruß; die Stürmung von Sabacz. – Der Adler (Wiener Journal),redigirt von Groß-Hoffinger, 1841, Beilage zu Nr. 49: „Kaiser Joseph II. und der Invalide“, von J. Karl Hickel. – „Vers du Prince de Ligne sur Joseph II.“ [siehe: L. Hübner, Lebensgeschichte Joseph’s des Zweiten oder Rosen auf sein Grab (Salzburg, 8°.) Bd. II, S. 554]. – „Josephi secundi Divis manibus sacrum“, von L. Hübner, auch deutsch: „Joseph’s des Zweiten Verklärtem Geiste heilig“ [bald nach des Kaisers Tod in der „Oberdeutschen Staatszeitung“ abgedruckt, auch in der mehrerwähnten „Lebensgeschichte Joseph’s II.“, von L. Hübner, II. Bdchn. S. 564]. – Friedel (Joh.), Ode auf das Namensfest Joseph’s II. (Wien 1775). – Hübner (Eberh. Fr.), Klaggesang, dem Andenken Joseph’s II. und Elisens geheiligt (Stuttgart 1780, 8°.). – Klüpfel (Engelb.), Panegyricus Josepho II., nomine Musarum Fribergiensium 1771 dicatus (Freyburg 1779, Wagner [W. Vogel in Leipzig], Fol.). – Laroche (Marie Sophie), Joseph II. nahe bei Speyer im Jahre 1781 (Speyer, 8°.). – Abend-Zeitung, redig. von Th. Hell, 1817, Nr. 98: „Der Kaiser Joseph und die Dogge“, von Fr. Meurer. – Dieselbe 1840, Nr. 9: „Kaiser Joseph und das Kind“, von Lasekk. – Plachy (Andreas), Piis manibus Josephi II. (Budae 1791, 8°.) [Leichencarmen]. – „Eulog Schneider’s Elegie an den sterbenden Kaiser Joseph den Zweiten“ [in Gräffer’s „Josephinische Curiosa“, IV, 411, – auch in L. [327] Hübner’s „Lebensgeschichte Joseph’s II.“ im II. Bdchn. S. 560, – und in Carl Aug. Schimmer’s: „Kaiser Joseph der Zweite“ (Wien 1853), 5. verbesserte Aufl. S. 227, ohne Nennung des Dichters]. – [Dieses Gedicht ist in Schneider’s Gedichtesammlung nicht abgedruckt.] – Ein Epigramm auf Joseph, das ihn lobt und tadelt, verdient seiner Feinheit wegen der Vergessenheit entzogen zu werden; Es heißt:

          Portrait de Joseph II.
On le connut trop peu; lui ne connut personne
Actif, toujours pressé, bouillant, impérieux,
Aimable, séduisant même sans la couronne;
Voulant gouverner, tout voir, tout faire mieux,
Il fit beaucoup d’ingrats et mourut malheureux.
Il eut de grands talens, sut captiver et plaire,
Travailla, detruisit, brusqua, n’acheva rien;
Son esprit l’égara; son coeur vouloit le bien:
Ce qu’il fit de plus, fut de vouloir tout faire. –

„Elegie auf den Tod Joseph’s II.“ [siehe dieses schöne Gedicht in L. Hübner’s „Lebensgeschichte Joseph’s II. im II. Bdchn. S. 555–560. – Danziger Dampfboot für Geist, Humor, Satire (Localblatt, kl. 4°.) 1833, Nr. 16: „Die Stiftscandidatin“ – Der österreichische Dichter Ritter von Levitschnigg singt von Kaiser Joseph:

Der zweite Joseph sprang in mächt’ger Stunde
Ein Taucher, kühn in’s tiefe Weltmeer: Zeit
Und schwamm, die Perle: Toleranz im Munde
Sturmeilig an den Strand: Unsterblichkeit. –

Als Joseph II. im Jahre 1765 sich vermälte, schrieb ein österreichischer Dichter treffend naiv:

So macht ’s der Fürst der Flüsse,
Durch den Aegyptus lebt,
Wenn er die nassen Füße
Aus weichen Feldern hebt:
Er ist nicht mehr zugegen;
Doch blühet noch sein Segen. –

Indem hier, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die Abtheilungen IX. a) und b) S. 313–317 hingewiesen wird, welche manche novellistisch behandelte Anecdote u. dgl. m. enthalten, sei nunmehr nur noch der größeren Arbeiten gedacht, in welchen Kaiser Joseph die Hauptrolle spielt und dahin gehört vor Allem: Von Mühlbach (Louise), Kaiser Joseph und sein Hof. Historischer Roman in 3 Abtheilungen, jede zu 4 Bänden (Berlin 1856 und 1857, Otto Janke, 8°.). [Vergleiche darüber die Katholische Literaturzeitung (Wien, 4°.) 1856, den „Oesterr. Volksfreund“ (Wien, Fol.) 1856, Nr. 238; die (Augsb.) Allgemeine Zeitung 1856, Beilage zu Nr. 65, S. 1037, und die Hamburger literar. und kritische Blätter, 1857, Nr. 18.] – Oesterreichische Zeitung (polit. Blatt in Wien, Fol.) 1856, Nr. 573, 576, 578, 580, 584, 586, 589, 591, 593, 597, Beilage zu Nr. 599, 604, 606, Beilage zu Nr. 612: „Kaiser Joseph II. in Petersburg“. Historische Novelle von L. Mühlbach.
XVI. Porträte. 1) J. F. Zeiß[WS 9] fec., J. B. Francois sc. 1751 (4°.), als Erzherzog; – 2) Mansfeldt fec. 1765 (4°.), als römischer König; von demselben (8°.) 1781, als Kaiser; – 3) J. Trabalessi del., E. Faucci sc. (kl. Fol.); – 4) J. Ph. Haid sc. (Fol.), Kniestück, Schwarzk.; – J. G. Haid sc. (8°.), Schwarzk.; von demselben 1771 (Fol.), Schwarzk. und 1772, Hüftbild in Huszaren-Uniform; – 5) M. Meytens[WS 10] p., J. Houbraken sc. 1743 (Fol.), ganze Figur als Kind, mit dem Orden des goldenen Vließes spielend; – 6) C. Gregori und A. Pazzi sc. (Fol.), wie das frühere, zusammen mit drei Geschwistern; – 7) G. Matthaei del., J. A. Pfeffel sc. (gr. Fol.), Schwarzk., in ungarischer Tracht, mit einem Neger; – 8) J. E. Ridinger fec. (Fol.), radirt, zu Pferde mit Gefolge; – 9) J. F. Bause fec. (Fol.), Gürtelbild; – 10) Kymli pinx. 1777, E. G. Schultze sc. 1778 (Fol.); auch Kymli p., M. Steinla sc. (4°.); – 11) J. Pichler sc. (Fol.), Schwarzk.; – 12) Ducreux pinx. 1771, Cathelin sc. (4°.); – 13) L. S. Boizot del., M. L. A. Boizot sc. 1777 (4°.); – 14) J. Hickel p., W. F. Gmelin sc.1781 (4°.); – 15) Quirin Mark del., Johanne Mark sc. (4°.); – 16) J. E. Nilson del. und sc.; – 17) Jac. Adam sc. 1788 (8°.); – 18) J. G. Janota sc. 1775 (4°.); – 19 H. Lips sculp. [herrliches, des großen Kaisers edle Züge in ihrer vollen Schönheit wiedergebendes Porträt. Es befindet sich auch bei P. Ph. Wolf’s „Geschichte der Veränderungen u. s. w.“]; – 20) nach Füger punctirt von John (Wien, Bermann).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gengha war 1823–1829 Papst. Siehe Leo XII. (Wikipedia).
  2. Vorlage: Elisabeth von Württemberg (Diese war Franz I. angetraut).
  3. Ganganelli war 1769–1774 Papst. Siehe Clemens XIV. (Wikipedia).
  4. Vorlage: Scheidemantel (Heinr. Graf) Korrigiert nach Scheidemantel, Heinrich Gottfried.
  5. Schulz, Friedrich.
  6. Vergleiche dazu Schwarzenberg, Friedrich Fürst.
  7. Vorlage: comentirt.
  8. Vorlage: Guten.
  9. Vorlage: J. B. Zeiß.
  10. Vorlage: J. Meytens.