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BLKÖ:Watteroth, Heinrich Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 53 (1886), ab Seite: 152. (Quelle)
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Watteroth, Heinr. Joseph (Schriftsteller, geb. zu Worbis im Eichsfelde im ehemaligen Kurfürstenthum Mainz am 17. November 1756, gest. zu Wien 13. August 1819). Während ihn die Eltern für den geistlichen Stand bestimmten, wendete er sich aus eigener Neigung den rechtswissenschaftlichen Studien zu, welche er auch zu Erfurt und Göttingen beendete. Im Jahre 1777 begab er sich nach Wien, trat da bei dem Reichshofrath in Praxis und hörte nebenbei die Vorlesungen über das deutsche Privatrecht, die politischen Wissenschaften, ferner über die Statistik und den Geschäftsstyl. Nachdem er dann die juridische Doctorwürde erlangt hatte, wurde er 1783 Professor der Statistik an der theresianischen Ritterakademie. Als im Jahre 1786 die Aufhebung dieses Institutes durch Kaiser Joseph II. erfolgte, erhielt Watteroth das Lehramt der Reichsgeschichte an der Wiener Hochschule, welches er 1790 mit der Professur der Statistik vertauschte, mit welcher im folgenden Jahre mit kaiserlicher Entschließung vom 5. December 1791 das Lehrfach der politischen Wissenschaften verbunden wurde. Als in der Folge das Fach der Statistik davon getrennt ward, blieb Watteroth hinfort Professor der politischen Wissenschaften in Verbindung mit der politischen Gesetzkunde, welches Lehramt er bis zu seinem im Alter von 63 Jahren erfolgten Tode bekleidete. Watteroth war in seinem Gebiete und auch sonst schriftstellerisch thätig, und haben wir von ihm nachstehende durch den Druck veröffentlichte Arbeiten zu verzeichnen: „Ueber die Toleranz überhaupt und für das Bürgerrecht der Protestanten in Oesterreich“ (Wien 1781, 8°.); – „Gelegentliche Betrachtungen für Heuchler, Liebhaber der Missbräuche, Kritiker und Consorten“ (ebd. 1781); – „Die Reformation in Deutschland“ (ebd. 1781); – „Kosmopolitische Betrachtungen über das erste Regierungsjahr Josephs II.“ (Wien 1783), über welche Schrift die „Oesterr. Biedermannschronik“ bemerkt, daß dieselbe auch von der Nachwelt gekannt zu werden verdiene; – „Blain’s synchronistische Tabellen für die allgemeine Weltgeschichte, vermehrt und fortgesetzt bis auf Leopold II. Aus dem Englischen“ 2 Bände (Wien 1790, 4°.); – „Ueber Kunst und Künstler in Oesterreich“ (ebd. 1791); – „Betrachtungen über Napoleon Bonaparte’s bis jetzt ungehinderte Fortschritte zur Unterjochung aller Staaten und Völker von Europa“ (Erfurt und Neuburg 1805); – „Stimme eines Deutschen“ (1809); – „Politische Vorlesungen über Papiergeld und Bancozettel in Hinsicht auf das Patent vom 20. Februar 1811“ 4 Hefte (Wien 1811, Wimmer, 8°.). Watteroth, dem bereits Kaiser Joseph II. besondere Beachtung zuwendete, war als Professor der Geschichte, deren Vortrag er übernahm, nachdem er jenen der Statistik zurückgelegt hatte, mannigfachen Anfeindungen, freilich auch nicht ohne Grund ausgesetzt. Wohl schildert ihn die „Biedermannschronik“ als „einen glatten, ungeschminkten biederen Charakter, der mit seinem Eifer für Wahrheit, Freiheit und Menschenglück ebenso im Umgange, wie in seinen Schriften hervorleuchtet“, aber in seinem Vortrage ging er den Zuhörern gegenüber, welche noch unreife Zöglinge [153] waren, offenbar zu weit; er kehrte den „Voltairianer“ so ostentativ heraus, daß er den Unwillen der Geistlichkeit erregte und den damaligen Erzbischof von Wien, den Cardinal Grafen Migazzi, zu Beschwerden veranlaßte, welche dieser vor den Kaiser brachte. Der Cardinal brachte in seiner Beschwerdeschrift gegen Watteroth die Anschuldigung vor, die katholische Kirche rücksichtslos angegriffen zu haben. Wohl bemerkte der Cardinal dazu, die Wahrheit dessen, was ihm hinterbracht worden, nicht verbürgen zu können; Watteroth selbst aber gestand, in seinen Vorlesungen Ausdrücke, wie Kalifen, Dalailama, Dairi auf die Päpste angewendet zu haben, freilich nur auf die anmaßungsvollen Bonifaze und Gregore. Die Sache kam auch vor den Staatsrath, und Watteroth’s im Geiste des Villaume’schen Buches „Philothea“, das in dem damaligen Generalseminar allgemein verbreitet war, gehaltene Vorlesungen bildeten den Gegenstand eingehender Discussion im Staatsrathe; das Buch „Philothea“ wurde am 19. Mai 1789 seiner antikatholischen Tendenz wegen vom Kaiser verboten, und über Watteroth sollte die Entlassung aus dem Staatsdienste verhängt werden, wenn die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen als wahr sich erwiesen. Doch muß es mit dieser Androhung sein Bewenden gefunden haben, denn er blieb in seiner Stelle. Nur ward ihm nach des Kaisers Joseph 1790 erfolgtem Tode das Lehramt der Geschichte abgenommen, ihm jenes der Statistik im Sinne des Martini’schen Lehrplanes übertragen und damit, wie schon erwähnt, im Jahre 1791 auch die Politik verbunden, bei deren Vortrage er blieb, bis de Luca zum ordentlichen Professor der Statistik ernannt wurde. Als Kaiser Leopold II., als Nachfolger Josephs II. die Regierung angetreten, scheint mit Watteroth eine ganz entschiedene Wandlung vorgegangen zu sein. Er hatte dem Liberalismus, dessen Banner er bis dahin hoch geschwungen, Valet gesagt und sich, wie der Verfasser des Werkes: „Der Jacobiner in Wien“ schreibt, mit Leopold Alois Hoffmann [Bd. IX, S. 161], einem durchaus anrüchigen, der Spionage und Denunciation beinzichtigten Menschen, in Verbindung gesetzt, unter die Zahl der Gutgesinnten aufnehmen lassen und der Aufklärung ewige Fehde geschworen. Gegen den um Oesterreich hochverdienten Hofrath von Sonnenfels veröffentlichte er in der „Wiener Zeitschrift“ einen Aufsatz, welcher im Publicum solcher Mißbilligung begegnete, daß man den Verfasser in einigen vornehmen Häusern, in denen er vorher Zutritt hatte, nicht mehr vorließ. Doch wurde er vom Kaiser zum Schreiben der Handbillete verwendet. Ueber Watteroth’s späteres Verhalten schweigt die Geschichte. Im Kanonendonner der französischen Revolutionskriege vergaß man die Jämmerlichkeit des Einzelnen.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1832, 8°.) Bd. VI, S. 37. – Der Unterricht in der Statistik an den österreichischen Universitäten und Lyceen. Von Dr. A. Ficker (Wien, Separatabdruck aus der „Statistischen Monatschrift“, gr. 8°.), S. 3 und 9. – Kinck (Rudolph). Geschichte der kaiserlichen Universität zu Wien.... (Wien 1854, gr. 8°.) Bd. I, Theil 2, S. 37 u. f., S. 297 u. f.