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BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz de Paula Ulrich (II.) Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 11 (1864), ab Seite: 295. (Quelle)
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Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz de Paula Ulrich (II.) Fürst (k. k. Feldmarschall, Commandeur des Maria Theresien-Ordens und Ritter des goldenen Vließes, geb. 23. April 1726, gest. 18. December 1792). Sohn des Grafen Philipp Joseph aus dessen Ehe mit Maria Karolina Gräfin Martinitz. Trat nach zurückgelegten Studien auf den Wunsch seines Vaters in den Staatsdienst und wurde in Kürze Hofrath bei der obersten Justizstelle. Als sein Vetter, der Fürst Franz Joseph, (1752) starb und die Fürstenwürde, wie auch ein großer Allodialbesitz auf ihn überging, folgte er seiner Neigung, gab den Staatsdienst auf und trat in die kaiserliche Armee. Gegen Stellung von 200 Recruten in das Regiment Colloredo wurde er am 10. Februar 1754 aggregirter, im folgenden Jahre wirklicher Oberst und Regimentscommandant. Im Jahre 1766 wohnte er mit dem Regimente der ersten Schlacht im 7jährigen Kriege, jener bei Lobositz (1. October) bei, und wurde seines tapferen Verhaltens wegen schon am 26. Jänner 1757 zum General-Major befördert. Im zweiten Feldzuge, 1757, befehligte er in der Schlacht bei Kollin (17. Juni) das Infanterie-Regiment Botta. Das Regiment stand auf einer Anhöhe, beständig feuernd, bis es sich ganz verschossen hatte. Diesen Moment konnte der Feind benützen, um sich dieser wichtigen und ihm so gefährlichen Position zu bemächtigen. Der Fürst, entschlossen um jeden Preis den Platz zu behaupten, forderte das Regiment auf, mit gepflanztem Bajonnete sich dem Feinde entgegenzustellen. Und in der That, das Regiment hielt auf solche Art Stand gegen zwei feindliche, mit Geschütz unternommene Attaken, bis frische Munition eintraf, worauf es wieder zu feuern begann. Im Kampfe wurde der Fürst schwer verwundet und mußte vom Schlachtfelde getragen werden. Für seine Waffenthaten wurde er aber in der ersten Promotion (vom 7. März 1758) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Ueber das wackere Regiment Botta (jetzt Erzherzog Wilhelm) schrieb Loudon an die Kaiserin: „Man sollte dem Regimente den Orden in die Fahnen sticken“. Kaum genesen, rückte er wieder in’s Feld und erhielt im Treffen am Maysberge (7. September d. J.), indem ihm ein Pferd unter dem Leibe durch eine Kanonenkugel getödtet wurde, im Sturze eine schwere Contusion. Im dritten Feldzuge, 1758, zeichnete er sich in der Schlacht bei Hochkirch (in der Nacht vom 13. auf den 14. October) aus. Binnen einer halben Stunde hatte er zwei Pferde unter dem Leibe verloren. Im Jahre 1759 wurde der Fürst zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und bei der Feldartillerie angestellt. Im Jahre 1765 erhielt er das Infanterie-Regiment Nr. 36, jetzt Degenfeld, und als im Jahre 1758 die Commandeurclasse des Maria Theresien-Ordens eingesetzt wurde, am 15. October d. J. das Commandeurkreuz. Im Jahre 1766 rückte er zum [296] General-Feldzeugmeister und 1772 nach dem Tode des Fürsten Wenzel Liechtenstein zum Generaldirector der Artillerie vor. Ein Jahr zuvor, am 21. September 1771, hatte er das goldene Vließ erhalten. Bis zum Jahre 1778 bekleidete er diese Stelle, legte aber am 1. Jänner g. J. dieselbe nieder, worauf ihm die Kaiserin in Anerkennung seiner um den Staat erworbenen Verdienste am 18. März d. J. die Feldmarschallswürde verlieh. Auch für den Glanz und Reichthum seines Hauses war der Fürst thätig gewesen und erwarb Häuser in Prag und Wien und namhafte Güter in Böhmen, welche Folkmann aufzählt; auch soll er nach derselben Quelle die Pflege der seit Ferdinand II. bei den kaiserlichen Behörden außer Gebrauch gesetzten čechischen Sprache auf das Kräftigste unterstützt haben. Der Graf war mit Maria Sidonie Reichsgräfin von Hohenzollern-Hechingen (seit 14. September 1749) vermält.

Der Feldzug in Mähren oder die Belagerung und der Entsatz von Olmütz. Von E. v. St. (Frankfurt a. M. 1858, Sauerländer, 8°.) S. 229. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, 4°.) S. 44, 202, 1727, 1731. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, gr. 8°.) Bd. III, S. 531. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien, 4°.) Bd. V, S. 140 [nach diesem geb. 23. Juli 1726]. – Folkmann (Joseph Erwin), Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky (Prag 1861, Karl André, gr. 8°.) S. 66.