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BLKÖ:Vinazer, die Künstlerfamilie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vinař, Franz
Band: 51 (1885), ab Seite: 6. (Quelle)
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Vinazer, die Künstlerfamilie. Es sind nicht weniger denn acht Träger dieses Namens: Christian, Dominik, zwei Joseph, Margarethe, Martin, Matthias und Melchior, deren genauen verwandtschaftlichen Zusammenhang wir nicht angeben können, da wir nur wissen, daß Martin und Dominik Brüder, Melchior und Matthias deren Söhne, Christian, der eine Joseph, welcher in Wien arbeitete, und Margarethe nach Nagler Geschwister waren; nach Staffler dagegen wäre Joseph ein Neffe Christians; wie der zweite Joseph, der nach Spanien ging, zu den Uebrigen in verwandtschaftlicher Beziehung steht, darüber brachten wir nichts in Erfahrung. Wir geben nun über Sämmtliche in der alphabetischen Folge ihrer Taufnamen die uns bekannt gewordenen biographischen Nachrichten. 1. Christian Vinazer (geb. auf dem Hofe zu St. Paul nächst der Gemeinde St. Ulrich, Landgerichtsbezirk Kastelrut im Kreise an der Etsch in Südtirol, am 26. October 1709, gest. in Wien 2. December 1782). Bruder, nach Anderen Oheim Josephs. Frühzeitig verlegte er sich daheim auf die Holzschnitzerei, und da er gute künstlerische Anlagen zeigte, kam er bald nach Wien, wo er sich der Graveurkunst widmete, welche man zu jener Zeit nicht unpassend Erzverschneidung nannte. Er erreichte auch darin einen so hohen Grad von Vollendung, daß er 1777 als kaiserlicher Medaillengraveur angestellt und zugleich zum Mitgliede der k. k. Akademie [7] der bildenden Künste in Wien erwählt wurde. Er hat schöne Schaumünzen geschnitten, leider sind wir nicht im Stande, eine vollständige Uebersicht seiner Arbeiten zu geben. Wir können nur folgende anführen: Medaille mit dem Bildniß des Kaisers Joseph II. nach dem Stiche von Mannsfeld; – Medaille mit dem Bildniß des Erzherzogs Maximilian, nach dem Stiche von Qu. Mark; – Medaille zur Erinnerung an den Tod der Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Bildnisse; die Reversseite ist von J. N. Wirt; – Medaillen auf den Fürsten Kaunitz und den Grafen Kolowrat, beide nach Stichen von Mannsfeld; – Medaille auf Gedeon Freiherrn von Loudon und eine auf den Grafen Haddik, beide nach Stichen von Adam; – Medaille auf den kaiserlichen Leibarzt und Chirurgen Brambilla, nach einem Stiche von Alberti[WS 1]; – Medaille auf den Grafen Karl von Pellegrini, nach einem Stiche von Q. Mark im Jahre 1782. Außerdem ist von Christian Vinazer noch ein Bildniß des Kaisers Josephs en basrelief bekannt, welches sich in der k. k. Akademie der bildenden Künste zu Wien befindet. – 2. Dominik, welcher im achtzehnten Jahrhundert lebte, erhielt zu Venedig Unterricht im Zeichnen und in der Bildhauerkunst. Als Johann von Metz (1703) die Holzschnitzerei unter den Thalbewohnern des Bezirks Kastelrut in Südtirol einführte, waren Dominik und dessen Bruder Martin daselbst die ersten Figurenschnitzer. Heute zählt das berühmte Grödener Thal, in welchem der Bezirk Kastelrut gelegen ist, an 3000 Schnitzer und Schnitzerinen. Dominik ließ sich zu Precesta nieder. Er arbeitete, wie später auch sein Sohn, meist für Kirchen und leistete Vorzügliches. – 3. Joseph (geb. in St. Paul 1738, gest. zu Schemnitz 1804), nach Einigen, wie schon oben bemerkt, Christians Bruder, nach Anderen dessen Neffe, welch letztere Angabe im Hinblick auf die Geburtsjahre [Christians 1709, Josephs 1738] auch die richtige sein dürfte. Joseph lag anfangs unter Leitung seines Vaters der Holzschnitzerei ob. Dann ging er gleichfalls nach Wien, wo er sich an der Akademie in der Graveurkunst ausbildete. Für ein Basrelief von Silber, welches die Wiederkunft Ulyssens zur Penelope vorstellt, wurde er 1781 mit dem ersten Preise ausgezeichnet. Seinen Ruf als Medailleur begründete er durch die Medaille, die er aus Anlaß der Ankunft des Papstes Pius VI. in Wien verfertigte. Sie zeigte das Bildniß des heiligen Vaters auf der Aversseite, und bezeichnete man dasselbe als das ähnlichste. 1781 wurde Joseph von der Akademie zum Mitgliede erwählt. In der Folge erhielt er die Stelle als erster k. k. Münzgraveur in Schemnitz, wo er nach Staffler bereits 1804 starb, nach Nagler aber um 1812 noch am Leben war. – 4. Der oben erwähnte zweite Joseph Vinazer (gest. in Spanien 1804; vielleicht hat dies Todesjahr zur Angabe bei Staffler geführt, daß der vorige Joseph im Jahre 1804 gestorben sei). In Rede Stehender begab sich nach Spanien und nahm dort seinen bleibenden Aufenthalt. Er galt als ein ganz bedeutender Bildhauer, der in Holz und Marmor arbeitete. Seine in spanischen Kirchen, Gärten und Palästen befindlichen Statuen wurden als vortreffliche Werke des Meißels bezeichnet. – 5. Margarethe, eine Schwester Christians, lebte auch in St. Ulrich im Grödener Thale und machte Figuren aus Alabaster, [8] wie solcher in Gröden bricht und eine sehr glänzende Politur annimmt. – 6. Martin[WS 2] lebte in der zweiten Hälfte des siebzehnten und zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts. Er wie sein Bruder Dominik [siehe Nr. 2] waren, wie schon bemerkt, die ersten Bildschnitzer im Grödener Thale. Er ließ sich in Bleschey nieder, wo er für Kirchen arbeitete. Gleich den Werken seines Bruders Dominik wurden auch die seinigen gelobt. – 7. Martins und Dominiks Söhne Matthias und Melchior Vinazer übten gleichfalls die Kunst ihrer Väter und schnitzten Altäre und Figuren im Großen. Muster der Kunstleistungen der Familie Vinazer befinden sich im Nationalmuseum zu Innsbruck. Verfasser dieses Lexikons wollte während seines Aufenthaltes daselbst im September 1883 diese Arbeiten ansehen, aber das Museum war eines Umbaues wegen für längere Zeit geschlossen.

Die Künstler aller Zeiten und Völker u. s. w. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt und beendet durch Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert(Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 792. – Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XX, S. 274. – Sammler für die Geschichte und Statistik von Tirol (Innsbruck, 8°.) Bd. II (1807), S. 1: „Die Grödener“. Von J. Steiner. – Staffler (Johann Jacob). Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felician Rauch, 8°., Bd. II, S. 1048. – Tirolisches Künstler-Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborene Tiroler waren oder eine längere Zeit in Tirol sich aufgehalten haben. Von einem Verehrer der Künste [geistlicher Rath Leman] (Innsbruck 1830, Fel. Rauch, 8°.) S. 265. – Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 53, 54, 156 und 405.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Albert.
  2. Martin Vinazer (Wikipedia).