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BLKÖ:Pillwein, Benedict

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 304. (Quelle)
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Pillwein, Benedict (Schriftsteller, geb. zu Obersulz in Niederösterreich im V. O. M. B. 26. November 1779, gest. zu Linz 27. Jänner 1847). Sein Vater Franz, war ein unbemittelter Weinhauer. Der Knabe verrichtete im Elternhause die leichteren Arbeiten im Weingarten, besuchte aber zugleich die Ortsschule, in welcher sein Fleiß und sein Talent die Aufmerksamkeit des Pfarrers, eines Benedictiners des salzburgischen Stiftes Michelbeuern, welchem Obersulz in Hinsicht der geistlichen Verrichtungen und weltlichen Administration gehört, erregte, durch dessen Vermittelung P. als zwölfjähriger Knabe nach Salzburg kam, das nun, wie später Linz, seine zweite Heimat wurde. In Salzburg beendete P. in den Jahren 1792–1801 die lateinischen und philosophischen Studien, und begann im letztgenannten Jahre den Besuch des pädagogischen Collegiums. Im Jahre 1803 wurde Salzburg, nachdem Fürsterzbischof Colloredo die weltliche Regierung niedergelegt, in ein weltliches Churfürstenthum verwandelt, dessen Regierung Erzherzog Ferdinand, Großherzog von Toscana, übernahm. Im März 1804 trat Pillwein als Tagschreiber bei der Staatsbuchhaltung[WS 1] ein mit einem monatlichen Gehalte von 12 fl., welcher später auf 22 fl. erhöht wurde. Als im Februar 1806 Salzburg in österreichische Verwaltung überging, übernahm P. am 8. September 1806 an Vierthaler’s Stelle die Redaction der Salzburger Staats-Zeitung, welche ihm zuerst probeweise, dann aber definitiv auf fernere Zeit überlassen wurde. Im Jahre 1807 rückte P. zum Accessisten bei der Salzburger Provinzial-Staatsbuchhaltung vor, nebenbei das Geschäft der Zeitungsredaction besorgend. Bei den politischen Veränderungen [305] des Jahres 1809 und als Salzburg im Jahre 1810 in Bayerns Besitz überging, diente P. unter der bayerischen Regierung als Ingrossist, später als Official fort und wurde als solcher am 1. Mai 1816 von der österreichischen Regierung, als Salzburg wieder an Oesterreich gekommen war, übernommen. Eine in Pillwein’s Leben tief eingreifende Veränderung trat ein, als mit Landesregierungs-Decret vom 4. September 1816 die Versteigerung der Salzburger Zeitung angeordnet und Pillwein’s höchstes Anbot mit 300 fl. zurückgewiesen wurde, „weil nach der bestehenden Allerh. Vorschrift vom 1. Februar 1804 sich Beamte weder mit Pachtungen befassen, noch bürgerliche Gewerbe treiben dürfen“. So verlor P., nachdem er durch zehn Jahre in einer wechselvollen und bedrängten Zeit die Salzburger Zeitung sammt dem Intelligenzblatt – unter der kön. bayerischen Regierung als kön. bayerisches Salzach-Kreisblatt – redigirt hatte, mit einem Male, wenn eben keine sehr große, doch immerhin für einen Familienvater – denn er war seit 1808 verheirathet – nicht unbedeutende Subsistenzquelle ohne sein Verschulden. Er verlegte sich, um diesen Ausfall zu decken und um den Censurfatalitäten so viel wie möglich auszuweichen, auf die Abfassung von Gebet-, Andacht- und Volksbüchern, auf welchem Gebiete der tüchtige Mann zum Schaden anderer Fächer, in denen er Nützliches hätte leisten können, eine fast rührende Fruchtbarkeit entwickelte. Im April 1817 wurde P. zum provisorischen Adjuncten bei dem k. k. salzburgischen Pfleggerichte Neumarkt mit dem Gehalte von 600 fl. ernannt. Er übersiedelte nun an den neuen Bestimmungsort, wo er auch seine literarischen Arbeiten fortsetzte. In die Periode seines Neumarkter Aufenthaltes fällt die große Feuersbrunst in Salzburg, welche am 30. April 1818 einen großen Theil der Stadt einäscherte, für welche nun Pillwein, der seine bei dem Buchhändler Zaunrieth aufgestellte – an 2000 Bände starke – Bibliothek gleichfalls durch den Brand eingebüßt hatte, sofort eine Sammlung anstellte, die das ansehnliche Ergebniß von Tausend Gulden im Baaren und Tausend Gulden in Materialien einbrachte. Im Jahre 1819 zog sich P. durch einen Sturz vom Pferde ein körperliches Leiden zu, das ihn sein Leben lang nicht verließ und ihn, ihm fast jede Bewegung erschwerend, so zu sagen an den Schreibtisch kettete. Nach fünfjähriger Wirksamkeit in Neumarkt kam P. im März 1822 als Ingrossist zur obderennsischen Staatsbuchhaltung nach Linz, wo er in gradueller Vorrückung es zum Rechnungsofficial, mit dem Jahrgehalte von 800 fl. brachte und somit in seiner amtlichen Laufbahn die höchste Stufe erreichte. Mit Gattin und neun Kindern lebte P. unter obgeschilderten Umständen, namentlich in seinem höheren Alter, in sehr drückenden, von Kummer, Sorgen und Entbehrungen erschwerten Verhältnissen. Aber noch hatte der wackere Mann seinen Leidenskelch nicht zur Neige getrunken. Am 4. Juni 1846 schritt er um seine Jubilirung ein und erhielt dieselbe am 4. September g. J. Obgleich er eine Diensteslaufbahn von 42 Jahren, 5 Monaten und 3 Tagen vollstreckt hatte, wurde er nur mit der Hälfte seines Activitätsgehaltes (800 fl.), nämlich mit 400 fl., in den Pensionsstand versetzt, weil die beigebrachten Documente von der Hofkammer nicht als genügend anerkannt wurden, um eine mehr als vierzigjährige zurechnungsfähige Diensteszeit [306] und somit den Anspruch auf den vollen Activgehalt zu begründen. Diese harte Entscheidung versetzte dem vielgeprüften leidenden Greise den Todesstoß. P. selbst schreibt darüber in einem Briefe an seinen Sohn: „mich hat die elende Pensionirung fast contract gemacht“, und in der That, er überlebte sie nur vier Monate. Körperlich und geistig gebrochen, tief in seiner Seele verwundet durch das bei seiner Pensionirung an den Tag gelegte Gebahren, endete P. sein Dasein im Alter von 68 Jahren. Umfassend nach verschiedenen Richtungen ist P.’s schriftstellerische Wirksamkeit, sie enthält: a) Werke über Gesetz- und Landeskunde, b) religiösen Inhalts, c) Jugend- und Volksschriften. Erstere sind: Sammlung der Chur-Salzburgischen Landes-Gesetze unter Ferdinand I.“, 3 Hefte (Salzburg 1805 u. f., Oberer, 8°.), die Gesetze von 1803 bis 1808 enthaltend; – „Verordnungen für das Herzogthum Salzburg und das Fürstenthum Berchtesgaden vom Jahre 1806 und 1807“. 2 Hefte (ebd. 1807 u. f., Duyle, 8°.); – „Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler, auch solcher, welche Kunstwerke für Salzburg lieferten“ (Salzburg 1821, Mayer’sche Buchhandlung, kl. 8°.), eine noch immer recht schätzbare Arbeit; – „Beschreibung der Provinzialhauptstadt Linz“ (Linz 1824, 8°.), in neuer Bearbeitung unter dem Titel: „Neuester Wegweiser durch Linz und seine nächste Umgebung“ (ebd. 1837, 8°., mit 1. Karte); – „Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogsthums Oesterreich ob[WS 2] der Enns und des Herzogthums Salzburg“, 10 Bände mit fünf Karten (ebd. 1827 bis 1839, 8°.), P.’s verdienstlichstes, noch jetzt durch kein besseres ersetztes Werk, trotz mancher Irrthümer die ihm oft in bübischer Weise absichtlich mitgetheilt wurden, ein sehr brauchbares, an interessanten Materialien reiches Werk; – „Chorographische Karte von Linz und Umgebung“ (Linz 1832, Hafner); – „Chorographische Karte des Mühlkreises“ (ebd. 1842); – „Kurzer Wegweiser durch den Traunkreis, mit besonderer Berücksichtigung auf das Salzkammergut“ (ebd. 1838); – „Beschreibung des Freyenbergthurmes[WS 3] und der Kirche bei Linz“ (ebd. 1841); – „Die Domkirche in Linz nebst den Bischöfen, Domherren und Ehrendomherren seit der Entstehung des Bisthumes“ (ebd. 1843); – „Linz Einst und Jetzt, von den ältesten Zeiten bis auf die neuesten Tage“. 2 Theile (ebd. 1846, Schmid, 8°., mit 2 Bildnissen), eine vermehrte und verbesserte Bearbeitung des oberwähnten „Neuesten Wegweisers durch Linz“. Von seinen Schriften religiösen Inhalts sind anzuführen: „Die Lebens- und Leidensgeschichte des Heilandes, nebst Beschreibung der heiligen Orte“ (dritte Aufl. Salzburg 1816, Duyle); – „Lebensbeschreibungen von Heiligen Gottes aus dem oft verkannten und stets zu ehrenden Bauernstande“ (2. Aufl. ebd. 1819, Mayer); – „Die Festtage der Gottes Mutter Maria und der Heiligen insgemein“ (2. Aufl. Salzburg 1820); – „Die Legenden gottseliger Handwerker und Künstler“ (ebd. 1822); – „Legenden Heiliger Gottes und verehrter Landespatrone in der österreichischen Monarchie“ (ebd. 1822); – „Samenkörner des Christenthums oder die heiligen Märtyrer“, 2 Theile (ebd. 1823); außer diesen bisher angeführten noch 28 verschiedene Gebet- und Erbauungsbücher für Alt und Jung, für das Landvolk und für die gebildeten Classen. Von seinen Jugend- und Volksschriften sind zu nennen: „Leopold IV. aus dem Hause der Babenberger“ (Wien, Mechitaristen), dieses Werk erhielt den von den Mechitaristen ausgeschriebenen Preis von 60 Ducaten und ist in vielen Tausend [307] Exemplaren verbreitet; – „Der wackere Schulmann Liebhart unter seinen Kindern zu Friedenthal“ (Linz 1836, Wimmer); – „Guter Rath, fromm zu leben und selig zu sterben“ (ebd. 1837); – „Sammlung von frommen Sagen aus der Gegenwart und Vergangenheit“. 4 Bändchen (Linz 1837 bis 1839); – „Praktische Blicke in das Leben der Künstler und Handwerker“, 2 Abtheilungen (ebd. 1824, 8°.); – „Erzählungen, Volkssagen und Schilderungen aus den Tagen der Vorzeit und Gegenwart im Erzherzogthum Oesterreich ob der Enns und dem Herzogthum Salzburg“, 2 Bändchen (Linz 1834 und 1835), die erste Sagensammlung beider Herzogthümer; – „Zwölf und eine Welt, oder das Walten der Riesen und Zwerge im Geisterreiche“ (ebd. 1836); – „Neuer verbesserter 100jähriger Kalender vom Jahre 1837 bis 1937“ (Linz 1837, Huemer); – „Sagenwelt oder Volkssagen, Erzählungen u. s. w. aus der österreichischen Monarchie und anderen Gegenden der Welt“, 6 Bändchen (ebd. 1837–1839). Noch erschienen von P. die „Wahrhafte kritische Beleuchtung über den Geburtsort des berühmten Astronomen und Mathematikers Johannes von Gmunden“ (ebd. 1836), ferner einige neubearbeitete Ausgaben alter Volksgeschichten, so vom Untersberge in Salzburg, des Ritters Stillfried und Brunswig im Böhmerlande, des Fortunatus mit seinem Glücksseckel u. s. w. Daß er von 1807 bis 1816 die Salzburger Zeitung redigirt, wurde bereits erwähnt; außerdem besorgte er auch durch mehrere Jahre die Redaction des in Salzburg erscheinenden Justiz- und Polizei-Anzeigers, bis dieses Blatt mit der Polizeifama vereinigt wurde. In Handschrift hinterließ P. eine Geschichte und Topographie von Salzburg mit Original-Aufsätzen von Winklhofer, Seethaler, Pichler u. A., etwa 480 Bogen stark; und Pillwein’s Sohn schenkte dem Salzburger Landesmuseum ein Manuscript des Vaters, betitelt: „Das 5. Regierungsjahr Sr. Majestät des allergn. Kaisers und Königs Ferdinand I.“, welches zunächst den Zeitraum vom 2. März 1839 bis 1840 mit besonderer Rücksicht auf Oberösterreich und Salzburg umfaßt. Es ist eine Bibliothek von circa hundert Bänden, die uns in Pillwein’s Arbeiten entgegenblickt. Neben vielem Unbedeutendem, durch die Noth des Tages und das Bedürfniß des Lebens für sich und die Seinigen hervorgerufen, neben manchem Mittelguten, das eine reifere Sichtung und Prüfung bedurft hätte, verdankt ihm eben sein Doppelvaterland Salzburg-Oberösterreich mehrere Arbeiten, welche lange noch wie bisher als Quelle dienen werden, und welche Zeugniß geben von dem mühevollen Fleiße und der rastlosen Ausdauer des im Leben so ungerecht behandelten Greises. Bei Pillwein tritt wieder die traurige Thatsache recht lebendig hervor, daß er ebenso wenig von seiner Zeit verstanden, als von seinen Landsleuten nach Verdienst gewürdigt worden ist.

Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (Salzburg, gr. 8°.) VI. Vereinsjahr (1866), S. 1–20: „Ben. Pillwein’s Leben und Wirken“. Von Dr. Heinr. Wallmann. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XXV. Jahrg. (1847), S. 83. – Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges. Verlag von Simon Käser in Linz. Lithogr. und gedr. bei Joseph Hafner in Linz (8°.), auch in Pillwein’s Werke: „Linz Einst und Jetzt“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Staatsbuchtung.
  2. Vorlage: ob ob.
  3. Vorlage: Freyenbergthumes.