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BLKÖ:Katona, Stephan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Katona, Emerich
Band: 11 (1864), ab Seite: 35. (Quelle)
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Katona, Stephan (gelehrter Jesuit, geboren nach J. N. Stoeger, der übrigens keine ganz zuverlässige Quelle ist, zu Papa im Veszprimer Comitate Ungarns, nach ungarischen Quellen zu Bolyk in der Neograder Gespanschaft, 13. December 1732, gest. zu Kolocsa 17. August 1811). Nachdem er die unteren Schulen mit Auszeichnung beendet, trat er, 18 Jahre alt, 1750 zu Trencsin in den Orden der Gesellschaft Jesu. Nun beendete er zu Kaschau die philosophischen, zu Tyrnau die theologischen Studien; er erwarb auch die philosophische Doctorwürde und war nun als Lehrer zu Komorn, Gyöngyös und Großwardein thätig. Erst im Jahre 1761 erhielt er die h. Weihen und legte darauf die Profeß seines Ordens ab. Nun wurde er Professor zuerst in Tyrnau, dann an der Universität in Ofen und lehrte Poesie, Rhetorik, Homiletik, allgemeine Weltgeschichte, die Geschichte Ungarns und jene Oesterreichs und der deutschen Kaiser. Schon damals ging der Ruf seiner Gelehrsamkeit im Lande herum. Im Jahre 1790 zum Präfecten der Bibliothek des Domcapitels zu Kolocsa ernannt, mit welcher Stelle die Obliegenheit verbunden war, den Kolocsaer Seminaristen theologische Wissenschaften vorzutragen, trat er diesen Posten um so freudiger an, als sich ihm nun Gelegenheit bot, seinen historischen Neigungen mit Erfolg zu leben. In Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens auf diesem Posten, wurde er 1794 zum Canonicus des Kolocsaer Erzdomcapitels ernannt und im Jahre 1799 mit der Abtei des heil. Peter zu Bodrog-Monostor beschenkt. Letztere Würde bekleidete K. bis zu seinem Tode, der ihn im Alter von 79 Jahren der Wissenschaft, für die er in verdienstlichster Weise gewirkt, entriß. Seine im Drucke erschienenen Schriften sind in chronologischer Folge: Ladislai Thurotzii Hungaria suis cum regibus a P. Nicolao Schmidt aucta et ad nostra tempora continuata“ (Tyrnaviae 1768, 4°.); – „S. Josephus Calasanctius Schol. Piar. institutor a Clemente XIII. inter Sanctos relatus nunc oratione panegyrica celebratus“ (ebd. 1769, 4°.); –„Synopsis chronologica historiarum ad sublevandam memoriam historiophilorum“. Pars I et II (ebd. 1771 bis 1775, 8°.); – „Historia critica primorum Hungariae ducum ex fide domesticorum et exterorum scriptorum concinnata“ (Pestini 1778, 8°.); – „Historia critica Regum Hungariae ex fide domesticorum et exterorum scriptorum. [36] Stirpis Arpadi“. Tom. I–VI (Pestini 1779–1782, 8°.); – „Stirpis mixtae“. Tom. I–XII (ebd. 1788 bis 1793, 8°.); dazu: „Appendix de Singedonis et Tauruni contra Salagium“ (ebd. 1783, 8°.), als Anhang zum 11. Bde.; – „Stirpis Austriacae“. Tom. I–XXII (Tom. 1 et 2 Claudiopoli; Tom. 3 et s. Budae 1794–1817); – „Synopsis historiae Romanorum Imperatorum in usum academicorum Hungariae“ (Tyrnaviae et Budae 1782, 8°.); – „Historia pragmatica Hungariae“ Pars 1 et 2 (Budae 1782–1784, 8°.); – „Dissertatio de mansuetudine evangelica“ etc. (ebd. 1785, 8°.); – „Responsio ad Epistolam commonitoriam M. Antonii Praepositi Bienicensis“ (ebd. 1785, 8°.); – „Examen vetustissimi Moraviae situs cum vindiciis anonymi Belae Regis notarii“ (Pestini 1786, 8°.); – „Amicum responsum ad Hypercriticon Georgii Szklenar (Budae 1788, 8°.); – „Szent István Magyarok első királlyának ditsérete“ , d. i. Lobrede auf den heil. Stephan, ersten König der Ungarn (Wien 1788); – „Vetus Moravia rursus ad suos limites reducta“ (Budae 1789, 8°.); – „Ad amicum Augustanae Confessionis amici catholici de pacificatione Viennensi et Lincensi epistolae tres“ (1790, 8°.); – „Vindiciae sacerdotum ex oratione Christophori Scheurl excerptae“ (Pesth 1791, 8°.); erschien anonym; – „Trenckii bilanx pondere vacua“ (1790, 8°.); – „Dissertatio critica in Commentarium Alexii Horányi de Sacra Hungariae corona ...“ (Budae 1790, 8°.); – „Larva pseudo-catholico (Antonio Abaffi scriptori virulento) detracta“ (1791); – „Á magyar Sz. koronáról D. Décsi Samueltől irrt historiának megrostálása“, d. i. Kritik der von Dr. Samuel Decsy geschriebenen Geschichte der ungarischen Krone (ebd. 1793, 8°.); diese und die vorige Schrift erschienen, als nach Joseph’s II. Tode die ungarische Krone wieder zurück nach Ungarn gebracht wurde und nun über dieselbe eine Fluth von Broschüren in das Publikum kam, verfaßt von Berufenen und Unberufenen, welche mit manchem Richtigen auch viel Falsches theils aus Unkenntniß, theils aber auch aus Absicht in die Welt setzten. Zwei der bedeutenderen aber lange nicht irrthumfreien Schriften waren jene von Horány [Bd. IX, S. 264) und Samuel Decsy [Bd. III, S. 196], von denen letztere für den Historiker werthvoller, erstere aber mehr als Gelegenheitsschrift, womit der Buchhändler, da sie zur rechten Zeit erschien, ein gutes Geschäft machte, zu betrachten ist. Katona nahm nun Veranlassung, anläßlich dieser beiden Schriften auch seine Ansichten über die ungarische Krone zu sagen und wenn auch diese nicht unwiderlegbar sind, so ist doch unstreitig, was er über diesen Gegenstand aussprach, das Ergebniß gründlicher Forschung, worin das Streben wahr zu sein, aus jeder Zeile herausleuchtet; – „Epitome chronologica rerum hungaricarum, transylvanicarum et illyricarum ab anno 884 ad 1797“. Pars I–III (Budae 1796–1798) 8°.); – „Appendix ad partem IIIam Epitomes chronologicae, Historia Francisci I, Regis LI“ (s. l. et a., ind. 8°.) – „Chronologia Regum Hungariae a S. Stephano usque ad Leopoldum II“ (4°.) – „Historia metropolitanae Colocensis ecclesiae. Pars I: Archiepiscopi Colocenses ante cladem Mohátsiensem. Pars II: Archiepiscopi post cladem illam cum Epilogo biographico de Colocensibus Canonicis et Parochis vivis et defunctis“ (Colocae 1800, 8°.). [37] Nach seinem Tode erschienen noch „Orationes, opus posthumum“ (Pestini 1813, 8°.). Stoeger gedenkt noch einiger deutscher Schriften, deren Titel er aber unbibliographisch genug in’s Lateinische übersetzt; da sie von keiner Bedeutung sind und ihre genauen Titel nicht aufzufinden waren, so übergehe ich dieselben. Eine große Menge Abhandlungen, gelehrte Forschungen über Geschichte und Literaturgeschichte Ungarns hinterließ er in Handschrift, und zwar darunter eine Chorographie der durch ihre Schulen berühmten Städte Ungarns und ein Lexikon der ungarischen Schriftsteller aus dem Orden der Gesellschaft Jesu, 2 Bände, welche in der Bibliothek des Rosenauer Domcapitels aufbewahrt werden. Wie das obige Schriftenverzeichniß beweist, hat sich K. um die Geschichte Ungarns große Verdienste erworben. Keiner vor und keiner nach ihm hat auf diesem Gebiete eine solche Thätigkeit entfaltet und dabei mit so großer Gewissenhaftigkeit gearbeitet, wie er. Bemüht, die dunklen Stellen in der Geschichte seines Volkes aufzuhellen, aber nicht dieselben durch neue Hypothesen noch dunkler zu gestalten, beurkundete er ebenso großen Scharfsinn als Mäßigung, wo er polemisch auftreten mußte. Seine Freunde und in literarischen Fehden treuesten Waffengenossen waren Pray und Cornides [Bd. III, S. 7], welche auch im Kampfe gegen den Großwardeiner Domherrn Anton Ganóczy [Bd. V, S. 82] treu zu ihm standen, aus welchem Anlasse die Schrift: „Epistolae exegeticae Georgii Pray, Stephani Katona et Danielis Cornides in dispunctionem Antonii Ganóczy cum appendicula ad L. K.“ (Pestini 1784, 8°.) erschien. Sein Vermögen hinterließ K. zu frommen und nützlichen Stiftungen, vorzüglich zur Unterstützung studirender Jünglinge und solcher, die sich dem geistlichen Stande widmeten.

Fejér (György),Memoria St. Katonae (Pesth 1812, 8°.). – Annalen der Literatur und Kunst im österr. Kaiserthume (Wien, A. Doll. 4°.) Jahrg. 1811, Bd. IV, S. 116. – Ungarischer Plutarch, herausg. von Kölösy und Melczer (Pesth, 8°.) Theil III, S. 287. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Második, az elsőt kiegészitő kötet, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Theil (Pesth 1858, 8°.) S. 134. – Stoeger (Joannes Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1856, Lex. 8°.) p. 170. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1858, 8°.) Tome XXVII, p. 487. – Horányi (Alexius), Memoria Hungarorum et Provincialium scriptis editis notorum (Viennae 1776, Loewe, 8°.) Tom. II, p. 306. – Kővári (László), Erdély nevezetesebb családai, d. i. Ungarns adelige Familien (Klausenburg 1854, Barrán und Stein, 8°.) S. 143. – Fejér (Georgius), Historia Academiae scientiarum Pazmaniae Archi-Episcopalis ac M. Theresianae regiae literaria (Budae 1835, Typ. reg. Universit. 4°.) p. 54, 97 114. –