Zum Inhalt springen

BLKÖ:Duller, Eduard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 3 (1858), ab Seite: 390. (Quelle)
Eduard Duller bei Wikisource
Eduard Duller in der Wikipedia
Eduard Duller in Wikidata
GND-Eintrag: 118968572, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Duller, Eduard|3|390|}}

Duller, Eduard (Schriftsteller, geb. zu Wien 8. Nov. 1809, gest. zu Wiesbaden 24. Juli 1853). Sein Vater, Michael D., war slavischen Stammes, gebürtig aus dem Krainerlande. Er war Chirurg und starb wenige Tage vor des Knaben Geburt. Dieser fand in dem zweiten Gatten seiner Mutter einen strengen, aber trefflichen Erzieher; seine Anlagen entwickelten sich rasch und er machte treffliche Fortschritte. Auf der Universität der Vaterstadt Wien widmete er sich dem Studium der Philosophie und der Rechte. 17 Jahre alt trat er auf mit dem Drama „Meister Pilgram“, welches den Erbauer der Stephanskirche feiert; das Stück ward am Theater an der Wien aufgeführt und gefiel; 1828 schrieb er das erst später im Druck erschienene Drama: „Der Rache Schwanenlied“. Zugleich betrieb er mit Liebe geschichtliche Studien, deren Ergebnisse er in Balladen und Novellen niederlegte. So dichtete er den Balladencyklus „Die Wittelsbacher“ zu München, wohin er sich 1830 begab. Nur auf kurze Zeiträume sah er seitdem das Vaterland [391] wieder. In München war D. zugleich thätiger Mitarbeiter an Karl Spindlers „Damenzeitung“ und „Zeitspiegel“; er begleitete den älteren Freund 1831 nach Baden-Baden, wo das ihm liebgewordene Verhältniß sich auf unerfreuliche Weise löste. 1832 wandte D. sich nach Trier zum Zweck historischer Studien, deren Ergebnisse er zum Theil später in seinem 1839 erschienenen Drama: „Franz von Sickingen“, sowie in Novellen benützte. Jenes Stück verwickelte ihn in ärgerliche Händel. Im Herbst 1834 siedelte er nach Frankfurt über; während des Aufenthaltes zu Trier und Frankfurt stand D. auf der Höhe seiner schönwissenschaftlichen Thätigkeit. Die von ihm redigirte Zeitschrift „Phönix“ brachte ihn in Verbindung mit den bedeutendsten Schriftstellern, und dies lebhaft unterhaltene Verhältniß ließ ihn das „Deutsche Stammbuch“ (Karlsruhe, gr. 4°., mit Portr., Autogr.- u. Musikbeilagen) unternehmen, in welchem er Gedichte, Compositionen, Zeichnungen etc. der besten Poeten und Künstler mittheilte. Zugleich gab er Dichtungen, Novellen, Romane heraus. Von seinen poetischen Schriften nennen wir: „Der Fürst der Liebe“ (Leipzig 1842, 8°., 2. Aufl. Kassel 1854, kl. 8°.); – „An Könige und Völker“ (Stuttgart 1831) – und „Gedichte“ (Berlin 1845). – Von seinen novellistischen Schriften geben wir nur die Titel der hauptsächlichsten an: „Freund Hein“; – „Antichrist“; – „Erzählungen und Phantasiestücke“; – „Die Feuertaufe“; – „Kronen und Ketten“; – „Geschichten und Märchen“; – „Loyola“; – „Kaiser und Papst“; – „Mohammet der Prophet“; – „Don Juan von Oesterreich“ u. m. a., Werke, welche die Mängel übereilter Geburt, eines etwas überreizten, in sprunghafter Unsicherheit alles mögliche ergreifenden Geistes zeigen. Dem unglücklichen Grabbe, welcher kurz vor seinem Ende einige Zeit in Frankfurt weilte, war Duller ein schützender Helfer, und hat ihm in der Biographie ein Denkmal der Freundschaft gesetzt. In Trier vermälte sich D. 1835 u. übersiedelte 1836 nach Darmstadt. Hier begann D. seine historischen Arbeiten. Nachdem der „Phönix“ aufgehört, unternahm D. die Herausgabe einer neuen Wochenschrift: „Das Vaterland“, Welche 1846 in andere Hände überging. In diesem Blatte legte D. seine ersten literarischen Arbeiten nieder, die seinen Uebertritt zum Deutschs-Katholicismus motivirten. Im J. 1848 spielte D. in Darmstadt eine thätige Rolle, übernahm die Redaction der „Darmstädter Zeitung“ und wirkte nicht selten aufregend. Zerwürfnisse ernster Art waren die Folge seiner Mißgriffe. Duller unternahm eine Reise nach Wien, und es schien, als wolle er sich da niederlassen, was nicht geschah. Im Sommer 1849, nach 13jährigem Aufenthalt in Darmstadt, verließ er dasselbe und übersiedelte nach Mainz. Als Deutschkatholik immer thätig, hatte er sogar in Heidelberg sein theologisches Examen abgelegt, aber weder die hessische noch die nassauische Regierung bestätigten ihn als Prediger der deutschkatholischen Gemeinde. Mißliche Verhältnisse, Ueberanstrengung in literarischer Production, und stete Gereiztheit des Temperamentes erweckten ein altes Brust- und Halsleiden, dem er, nachdem er vergeblich Heilung in Bädern gesucht, in Wiesbaden nach schmerzlichem Leiden erlag. Er wurde auf dem Friedhofe der deutschkatholischen Gemeinde zu Mainz bestattet. D. entwickelte eine dreifache literarische Thätigkeit, als Poet u. Romanschriftsteller, als Historiker und Deutschkatholik. Seiner schöngeistigen Schriften geschah bereits oben Erwähnung. – Die historischen Schriften Dullers sind: „Geschichte der Jesuiten“ (Leipzig 1840, 8°.) in mehreren Auflagen; – „Die Geschichte des deutschen Volkes. Mit 100 Holzschn. nach Orig.-Zeichn. von L. Richter [392] u. J. Kirchhof“, 2 Bde. (Leipzig 1840, Wigand, Lex. 8°.) in mehreren Auflagen und Ausgaben; – „Vaterländische Geschichte von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart“ (Frankfurt a/M. 1852, 8°.); vom 2. Hefte des 2. Bdes. übernahm K. Hagen die Fortsetzung; – „Neue Beiträge zur Geschichte Philipp des Grossmüthigen“ (Darmstadt 1842) enthält zahlreiche Aufschlüsse zur Geschichte des Reformationszeitalters; – „Maria Theresia und ihre Zeit“. 2 Bde. (Wiesbaden 1843, 1844, gr. 16°.); – „Erzherzog Karl von Oesterreich. Illustr. von P. J. N. Geiger“ (Wien 1845–1847, gr. Lex. 8°.). – Ferner setzte er Schillers „Geschichte des Abfalls der Niederlande“ in 3 Bdn. (Köln 1841) fort; – gab im Verein mit mehreren Andern „Die Männer des Volks“ (1847–50) heraus; – arbeitete die 5. Section des „Malerischen und romantischen Deutschland“ unt. d. Tit.: „Die Donauländer. Nebst Wanderungen in das bayrische Hochland und salzburgische Hochgebirge“ (Leipzig 1849, Händel, 8°., m. 60 Sthlst.), wovon 3 Aufl. erschienen, wie von seiner Schrift: „Giessen und seine Umgebungen“ (Gießen 1851, mit 6 Stahlst., Lex. 8°.). Seine „Biographie Grabbe’s“ befindet sich vor dessen „Hermannsschlacht“; – jene von Sallet vor dem von mehreren Freunden desselben herausgegeb. Werke: „Leben und Wirken Friedr. v. Sallets.“ Groß ist auch die Zahl seiner deutschkatholischen Schriften, betreffs welcher auf die unten bezeichneten Bücherkataloge gewiesen wird. Sein Biograph Buchner bemerkt über D. an einer Stelle seiner Lebensskizze: „Sein Lebenslauf war nicht reich an überraschenden Ereignissen; nur wie spärliche Sonnenblicke leuchtete ihm ein rechtes Herzensglück auf seiner Bahn; sein Geschick war öfter dasjenige des deutschen Schriftstellers, mit dem Bewußtsein des Ewigen, welches er im Herzen trug, sich angekettet zu fühlen an die Scholle, wie die Lerche im Bauer aufzufliegen zum Gesang und dann der harten Decke zu begegnen.“

Frankfurter Konversationsblatt 1853, Nr. 243–246: „Eduard Duller. Ein Gedenkblatt mitgetheilt von Wilhelm Buchner.“ – Didaskalia. Blätter für Geist etc. (Frankfurt, 4°.) 1853, Nr. 178: „Nekrolog.“ – Gutzkow, Unterhaltungen am häuslichen Herd (Leipzig, gr. 8°.) 1853, S. 765: „Ein deutsches Dichterleben“ [eine ergreifende Charakteristik Dullers und in ihm des deutschen Schriftstellerthums]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen 1852, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 1333. – II. Suppl. Bd. S. 141. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) V. Bd. S. 280. – Wigands Conversations-Lexikon (Leipzig 1847, gr. 8°.) IV. Bd. S. 392. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XV. Bd. Sp. 137 [gibt irrig das J. 1855 als D.’s Todesjahr an]. – Weber, Geschichte der deutschen Literatur. – Kayser (Christian Gottlob), Vollständ. Bücher-Lexikon (Leipzig 1834, gr. 4°.) II. Bd. S. 80. – Dasselbe. Abtheilung: Romane S. 33. – Dasselbe. VII. Thl. S. 232; IX. Thl. S. 230; XI. Thl. S. 248 u. 249 – und Albrecht Kirchhoffs Bücher-Katalog I. Bd. 1851–1855 (Leipzig 1856, 4°.) S. 81 ]diese Kataloge enthalten D.’s sämmtliche poetische, romantische, geschichtliche und deutsch-katholische Schriften]. – Urtheile über Duller als Schriftsteller. Mundt (Theod. Dr.), Geschichte der Literatur der Gegenwart (Leipzig 1853, 8°.) S. 729. Schreibt über ihn: „Duller hat im historischen Roman einige ausgezeichnete Darstellungen („Kronen u. Ketten“, „Ignaz Loyola“) geliefert und darin eine ebenso kenntnißreiche als poetische Anschauung der Geschichte an den Tag gelegt. Duller hat viel Phantasie, einen edlen lyrischen Schwung und tüchtige Gesinnung.“ – Gottschall (Rudolph), Die deutsche National-Literatur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Breslau 1855, Trewendt, gr. 8°.) II. Bd. S. 538 charakterisirt D. folgendermaßen: „Stürmischer als Heinrich König aber ihm verwandt durch die warme Begeisterung für die Interessen der Humanität, tritt Eduard D. in seinen historischen Romanen auf, ein Autor, der seine Lenden prophetisch gürtet und missionseifrig in die Welt hinausstürmt. Duller ist bei weitem subjectiver als König. Ein Zeitgenosse des jungen Deutschlands, mit dessen Führern er journalistisch verbunden war, ein Freund des wüsten Grabbe und des ernsten [393] Sallet, später ein Anhänger der deutschkatholischen Bewegung, thätig als Journalist, als Historiker, als Lyriker, auf welchen: Gebiete „Der Fürst der Liebe“ (1842), ein gedankenvolles, aber allzu pathetisches Dichtwerk, seine Hauptleistung ist, spiegelte er alle diese verschiedenen Einflüsse in seinen Schriften: die jungdeutsche sinnliche Gluth, die bizarre Naturkräftigkeit Grabbe’s und Sallets priesterlichen Ernst.“ – Seidlitz (Jul. Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im J. 1836 (Grimma 1837, 8°.) II. Bd. S. 142. – Handschrift. Henze (Adolph), Die Handschriften der deutschen Dichter u. Dichterinnen (Leipzig 1855, kl. 8°.) S. 30 [daselbst das Facsimile seiner Unterschrift]. Henze charakterisirt die Schrift: „Frische moderne und übermüthige Züge.“