Zum Inhalt springen

BLKÖ:Oeser, Adam Friedrich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Oeser, Chr.
Band: 21 (1870), ab Seite: 16. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Adam Friedrich Oeser in der Wikipedia
Adam Friedrich Oeser in Wikidata
GND-Eintrag: 118786792, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Oeser, Adam Friedrich|21|16|}}

Oeser, Adam Friedrich (Maler, geb. zu Preßburg 18. Februar 1717, gest. zu Dresden 18. März 1799). Frühzeitig erwachte in O. die Neigung zur bildenden Kunst, er kam nach Wien, wo er durch sieben Jahre die Akademie der bildenden Künste besuchte und überdieß den Unterricht des berühmten Raphael Donner [Bd. III, S. 366] genoß, mit dem er eine zweijährige Reise nach Italien gemacht haben soll und dem er auch seine Kenntnisse des Costumes und der Antike zu danken hatte. Im Jahre 1735, damals 19 Jahre alt, erhielt er für sein Werk: „Abrahams Brandopfer“ die goldene Preismedaille. Bald darauf verließ er mit einem Male Wien und war verschollen. Nach Jahren erst fanden seine Mutter und Schwester in Preßburg Oeser’s Namen ruhmvoll in fremden Zeitungen genannt, und endlich, als im Jahre 1769 Korabinsky [Bd. XII, S. 446], Oeser’s Schwager, eine Reise nach Dänemark unternahm und auf derselben Leipzig berührte, fand er dort den lange vermißten theuren Verwandten. Eine Aufzeichnung Korabinsky’s bringt auch Licht über Oeser’s plötzliches Verschwinden aus Wien. Nachdem der damals achtzehnjährige Künstler unmittelbar aus den Händen des Kaisers Karl VI. die Medaille empfangen hatte, sannen einige leerausgegangene Mitbewerber auf Rache. Und diese war bald genommen, sie luden den Arglosen zum Nachtmahle in einem Gasthause auf der Freiung in welchem sie seine Auszeichnung feiern wollten und baten ihn, die Medaille mitzubringen. Oeser kam, brachte die Denkmünze mit, die von Hand zu Hand ging und mit einem Male verschwunden war. Darüber entstand Wortwechsel, Streit, es kam zu Thätlichkeiten, die Degen flogen aus der Scheide, man dringt auf Oeser ein und er wird mit einer „vergifteten“ Degenspitze verwundet. Glücklicher Weise wurde der Verwundete zu einem geschickten Wundarzte gebracht, der überdieß ein Verwandter Oeser’s war. Die sorgfältigste Pflege rettete den Jüngling, der [17] jedoch ein langes Siechthum zu überstehen hatte. Genesen, duldete es ihn aber nimmer in Wien, wo er einen neuen Mordanfall besorgte. Er floh heimlich, war – verschwunden und wurde Jahre lang für todt gehalten, bis sein Künstlerruf seinen Aufenthalt verrieth. Erst ein Jahrhundert später wurde in obiger Weise Oeser’s Entfernung aus Wien erklärt. Oeser hatte anfänglich die Bildhauerei gelernt, aber erst in Dresden, wo er im Jahre 1739 hingekommen, hatte er sich für das Malerfach entschieden und dasselbe mit dem größten Eifer studirt, auch lernte er unter Sylvestre die Frescomalerei. In Dresden befreundete er sich mit Winkelmann, und Oeser war es, der seinen Freund Winkelmann zu den Studien der Kunst der Alten anregte und im Anfänge auch leitete. In Dresden erwarb sich Oeser durch seine Geschicklichkeit bald einen geachteten Künstlernamen, auch erhielt er im Jahre 1744 einen Ruf nach St. Petersburg, aber der Tod der Kaiserin Anna hinderte ihn, demselben zu folgen. Der später ausgebrochene siebenjährige Krieg war der Kunst und den Künstlern wenig günstig. Oeser lebte während dieser Zeit meistens zu Dahlen, wo er für einen Kunstfreund, den Grafen von Bünau, arbeitete. Nach beendigtem Kriege kehrte O. im Jahre 1763 nach Leipzig zurück und wurde daselbst zum Director der neugegründeten Zeichnungs-, Malerei- und Architectur-Akademie ernannt, auf welcher er manchen Zögling ausbildete, der sich später einen ehrenvollen Künstlernamen erwarb. In Leipzig war es auch, wo Wolfgang Goethe sein Schüler und Oeser’s älteste Tochter Friederike, der muthwillige Liebling des Vaters, Goethe’s Vertraute in der Liebesgeschichte mit Käthchen Schönkopf wurde. Als später der Churfürst auch in Dresden eine Kunstakademie errichtete, ließ er dem Künstler die Wahl zwischen Leipzig und Dresden, aber O. entschied sich für erstere Stadt, worauf ihm der Churfürst neben dem Directorate der Leipziger Akademie noch eine Professur an der Dresdener verlieh und ihn überdieß zum Hofmaler ernannte. Auf diesem Posten wirkte O. bis an seinen Tod in mannigfaltiger Weise. Ueber den Werth des Wirkens Oeser’s haben sich – nachdem er, während er lebte, zu den ersten Künstlern seiner Zeit erhoben worden – verschiedene Stimmen vernehmen lassen. Nagler in seinem Künstler-Lexikon stellte mehrere derselben nebeneinander und sucht Uebermaß des Lobes und Tadels auszugleichen. Zu Anbeginn seiner Künstlerlaufbahn widmete sich O. der Bildhauerei und so sind unter anderen eine marmorne Statue Friedrich August’s III. auf der Esplanade in Leipzig, ein Denkmal in der katholischen Kirche daselbst, das Denkmal der Königin Mathilde von Dänemark in Celle, jenes Gellert’s in einem Privatgarten zu Leipzig von Oeser’s Meißel oder doch nach seinen Modellen ausgeführt. Später aber gab er die Bildhauerei auf und widmete sich ausschließlich der Malerkunst. Zahlreich sind Oeser’s Wecke und die meisten findest sich in Leipzig. Seine Vaterstadt Preßburg besitzt ein Altargemälde des Künstlers: „Christus in Emaus“. Einem Schreiben Oeser’s ddo. 23. October 1776 zu Folge hatte es O. für seine Schwester gemalt und ihr geschrieben: „Schenke es in Deinem Namen der Kirche“. Die meisten Arbeiten O.’s bestehen in Bildern für die Kirche, in Deckengemälden für die öffentlichen und die Säle reicher Privatleute, in Zeichnungen zu Kupfern und Vignetten [18] für Bücher. Eine größere Anzahl von Blättern – Nagler zählt deren 45 auf – hat O. eigenhändig radirt. „Cupido und Psyche“, angeblich nach Correggio oder Guercino (Fol.), Hagedorn zugeeignet, gehört zu den schönsten Blättern O.’s, wenn es nicht das schönste ist. Nicht in großen und klaren Contouren, sondern mehr in vertriebenen Umrißlinien, nicht in die Tiefe, sondern mehr in Flächen leicht und licht arbeitete er seine besonders in weiblichen und Kinderfiguren reizvollen Bilder, die vom Zeitgeschmacke hochgeschätzt wurden. Sein Schwiegersohn Geyser hat mehrere Blätter nach Oeser’s Zeichnungen in Kupfer gestochen, darunter die Monumente Gellert’s und Sulzer’s, Vignetten zu Wieland’s Werken, zu Thümmel’s Inoculation der Liebe, zu Weiße’s] lyrischen Gedichten, zu Zimmermann’s Einsamkeit u. s. w., ebenso Bause, Crusius, Stock u. A. Ein nicht geringfügiges Verdienst Oeser’s ist es, daß er in seiner Kunstschule eine fast leidenschaftliche Verehrung für Winkelmann verbreitete und zur Lesung von dessen Schriften über Kunst und Alterthum aneiferte. Oeser hatte das seltene Alter von 82 Jahren erreicht und war bis wenige Tage vor seinem Tode künstlerisch thätig geblieben. Ein Christuskopf war seine letzte Arbeit. Einer seiner besten Schüler war sein eigener Sohn Johann Friedrich Ludwig Oeser, den aber, wie auch seinen jüngeren minderbegabten Bruder, der Vater um mehrere Jahre überlebte. Eine ausführliche Charakteristik des Künstlers nach allen seinen Kunstrichtungen gibt Prange in der Ersch und Gruber’schen „Encyklopädie der Wissenschaften und Künste“.

Goethe’s Briefe an Leipziger Freunde. Herausgegeben von Otto Jahn] (Leipzig 1849, Breitkopf u. Härtel, 8°.) [enthält zehn Briefe Goethe’s an Oeser und fünf an Friederike Oeser]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 338. – Ballus (Paul von), Preßburg und seine Umgebungen (Preßburg 1823, A. Schwaiger u. J. Landes, 8°.) S. 190. – Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) Jahrgang 1868, S. 132: „Der Lehrer eines großen Schülers“ (mit einem Holzschnitt: Goethe und Oeser auf dem Theaterboden in Leipzig, Originalzeichnung von Karl Huth, Holzschnitt von A. Müller].[BN 1]Goethe in seinem „Dichtung, und Wahrheit“ gibt eine ausführliche Charakteristik dieses genialen Künstlers. – Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst. Beilage zur Wiener Zeitung (Wien, 4°.) Jahrgang 1857, Nr. 33, unter den „Miszellen“. –Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) III. Sect. 2. Bd. S. 116. – Wieland’s Deutscher Merkur im Jahrg. 1795 von Seume. – Huber, Handbuch für Kunstliebhaber, Bd. II, S. 140 u. f. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. X, S. 315. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortges. von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 201. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, Zehnte Aufl. Bd. XI, S. 468. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 85. – Nouvelle Biographie générale … publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXXVIII, p. 539. – Tudományos gyüjtemény, d. i. Wissenschaftliche Sammlung (Pesth, 8°.), Jahrg. 1828, im 4. Hefte. – Porträte. 1) A. Graff del. C. Böhme sc.; – 2) (Menzel fec.). Radirung in Büstenform (8°.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Oeser, Adam Friedrich [Bd. XXI, S. 16].
    Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) Jahrg. 1868, S. 132: „Der Lehrer eines großen Schülers“ (mit einer Zeichnung von Huth]. [Band 28, S. 368]