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BLKÖ:Haugwitz, Friedrich Wilhelm Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Haugwitz, A. von
Band: 8 (1862), ab Seite: 68. (Quelle)
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Haugwitz, Friedrich Wilhelm Graf (Staatsmann, geb. um 1700, gest. 11. September 1765). Aeltester Sohn des 1733 in den Grafenstand erhobenen Georg Karl Freiherrn von Haugwitz aus dessen Ehe mit seiner Nichte Anna Helena von Haugwitz. Friedrich Wilhelm trat in österreichische Staatsdienste, in welchen er nach und nach geheimer Rath, Staats-, Conferenz- und oberster Directorialminister, 1753 kön. böhmischer oberster und österreichischer erster Kanzler wurde. Am 29. November 1759 verlieh ihm der Kaiser den Orden des goldenen Vließes. H.’s wesentlichstes Verdienst um die Monarchie besteht darin, daß er dieselbe zuerst von den Subsidien der Seemächte unabhängig gemacht. Friedrich der Große will nun diesen jedenfalls hochwichtigen Erfolg schmälern, indem er behauptet, er sei durch eine beispiellose Erhöhung der Abgaben im Innern des Reiches erzielt worden. Nun aber, wenn es überhaupt keine zu große Summe gibt, durch welche die Unabhängigkeit eines Staates von anderen erzielt werden kann, so ist dieser H. gemachte Vorwurf des Preußenkönigs nicht stichhältig, denn die musterhafte Ordnung, die H. als Kammerpräsident der großen Maria Theresia in Publicis et Cameralibus in alle ihm untergebenen Geschäftszweige gebracht, diese vornehmlich war es, welche Oesterreich in den Stand setzte, der Hilfe von auswärts zu entrathen. Am 8. Juni 1750 nahmen ihn die niederösterreichischen Stände aus eigenem Antriebe in die alten Herrenstandes-Geschlechter auf. Mit Lehenbrief vom 10. August 1754 erlangte er für sich und seine Mannssproßen das Erbland-Thürhüteramt in Niederösterreich. Zwei Jahre früher erkaufte er in Mähren die Herrschaft Namiest und stiftete zu dem bereits [69] bestehenden Fideicommiß zu Krappitz ein zweites zu Namiest, welches durch sein Testament an seine Nichte, die Gräfin von Frankenberg, und ihren Gemal, den General-Major Karl Wilhelm von Haugwitz, den Vater des Grafen Eugen Wilhelm [s. d. S. 66], gelangte. Ein von dem Grafen 1763 bei dem Schlosse Namiest gestiftetes Kapuzinerkloster, in welchem die Familiengruft sich befand wurde später aufgehoben; das Klostergebäude 1795 in eine noch heute berühmte Tuchfabrik umgestaltet, die Gruft aber nach Jenischau verlegt. Der Graf war zweimal vermält, 1731 mit Maria Eleonora Gräfin von Nostitz (gest. 27. October 1736); zum andern Male seit 7. Jänner 1738 mit Hedwig Theresia Gräfin von Frankenberg, welche ihren Gemal überlebte. Aus erster Ehe hatte der Graf einen Sohn, den Grafen Otto Karl (geb. 31. October 1734), welcher, obwohl vermält, ohne Kinder in jungen Jahren als Gubernialrath in Mähren (30. Mai 1761) gestorben ist.

Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsäßigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande (Wien 1800, Schuender, 4°.) Bd. IV, S. 208. [Nach diesem gestorben am 11. September 1765; nach Bergmann’s „Medaillen auf berühmte Männer des österreichischen Kaiserstaates“. II, S. 357, am 1. September d. J.] – Ersch und Gruber, allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 3. Theil, S. 147. –