Zum Inhalt springen

BLKÖ:Stürmer, Ignaz Lorenz Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 40 (1880), ab Seite: 178. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ignaz von Stürmer in der Wikipedia
Ignaz von Stürmer in Wikidata
GND-Eintrag: 117677965, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stürmer, Ignaz Lorenz Freiherr von|40|178|}}

Stürmer, Ignaz Lorenz Freiherr von (Staatsmann, geb. in Wien am 21. August 1752, n. A. bereits 1750, gest. am 2. December 1829). Ein Sohn des Joseph Adam S. und Anna Marias, geborenen Seitz. In dem Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem [179] er mit dem sechzehnten Jahre Aufnahme gefunden hatte, beendete er die philosophischen Studien. Nach Aufhebung dieses Ordens widmete er sich den Rechtswissenschaften, bis er im Jahre 1776 als Zögling in die orientalische Akademie eintrat. Hier machte er in den orientalischen Sprachen solche Fortschritte, daß er schon nach einem Jahre Mitarbeiter an der neuen Ausgabe des großen Meninski’schen Lexikons wurde, an dessen erstem 1781 (Wien, in Fol.) herausgegebenen Bande er den wesentlichsten Antheil hatte. Auch bearbeitete er während seines Aufenthaltes in der Akademie eine orientalische Anthologie, welche unter dem Titel: „Anthologia persica seu selecta e diversis Persis auctoribus loca in latinum translata, lat. et pers.“ (Wien 1778, Kurzböck, gr. 4°.) ohne Nennung seines Namens erschien und von ihm im Namen der Akademie der Kaiserin überreicht wurde. Nach beendigtem Studiencurse begleitete er 1780 den Internuntius Freiherrn Herbert-Rathkeal [Bd. VIII, S. 352) als Sprachknabe nach Constantinopel, 1781 wurde er zum Gesandtschafts-Dolmetsch ernannt, während des Krieges gegen die Türken befand er sich als Hofsecretär im Hauptquartier des Kaisers. 1787 wohnte er der Zusammenkunft Josephs II. mit Katharina II. in Cherson bei, 1789 zum k. k. Dolmetsch ernannt, schloß er als solcher im Namen Loudon’s, für den er überhaupt die Geschäfte mit den Türken führte, die Capitulation von Belgrad ab. Im Jahre 1790 wurde er mit geheimen Aufträgen in das Lager des Großvesiers bei Schumla gesendet, wohin er nach der Convention von Reichenbach neuerdings abging, um mit der Pforte einen Waffenstillstand abzuschließen. Im Jahre 1791 empfing er als Hofcommissär die türkischen Gesandten in Wien. Bei der Uebernahme des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten durch Freiherrn von Thugut wurde er in dasselbe berufen, und als sich dieser im Jahre 1794 in die Niederlande begab, nahm er Stürmer als Begleiter mit. Im Jahre 1801 erfolgte die Ernennung des Letzteren zum Hofrath und schon im folgenden Jahre zum Internuntius und bevollmächtigten Minister bei der Pforte, welche Stelle er in jener ereignißvollen Zeit, in welcher Europa die Kämpfe mit Napoleon zu bestehen hatte, durch 17 Jahre nicht ohne Gefahren und mit großem Erfolge versah. 1819 nach Wien zurückberufen, wurde er zum Staats- und Conferenzrathe, sowie zum Vorstande der zweiten Abtheilung der geheimen Hof- und Staatskanzlei ernannt, auch bei mehrmaliger Abwesenheit des Staatskanzlers Fürsten Metternich mit der Leitung des Departements der auswärtigen Angelegenheiten betraut. Für seine dem Staate geleisteten Dienste erhielt er zu öfteren Malen kaiserliche Auszeichnungen, so erfolgte 1800 seine Erhebung in den österreichischen Ritterstand, 1813 in den österreichischen Freiherrenstand; am 12. November des letztgenannten Jahres wurde ihm das Indigenat des Königreiches Ungarn de ordine baronum et magnatum, später die geheime Rathswürde und das Commandeurkreuz des St. Stephanordens verliehen. Auch Bayern und Brasilien decorirten ihn mit ihren Großkreuzen, und die k. k. Akademie der schönen Künste in Wien nahm ihn unter ihre Ehrenmitglieder auf. Bereits im Jahre 1787 (am 26. November) hatte sich Stürmer mit Elisabeth Barbara, einer Tochter des Bartholomäus Freiherrn von Testa [180] und Theresiens, geborenen von Fonton, vermält, aus welcher Ehe zwei Söhne, Bartholomäus [S. 175] und Karl [siehe den Folgenden], und drei Töchter, wie aus der Stammtafel ersichtlich, entstammen.

Ritterstands-Diplom ddo. Wien 12. Juni 1601. – Freiherrenstands-Diplom ddo. Wien 27. Mai 1813. – Weiß von Starkenfels (Victor), Die kais. kön. orientalische Akademie in Wien, ihre Gründung, Fortbildung u. s. w. (Wien 1839, Gerold, 8°.) S. 52. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 233 [nach dieser bereits am 21. August 1729 geboren und am 2. December 1829, also 100 Jahre alt, gestorben, was auf einem Irrthume beruht, denn Stürmer wurde im Jahre 1752 geboren und starb 1829 im Alter von 77 Jahren]. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungsblätter, Bd. I, S. 461. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, Mohr, 8°.) Bd. VII, S. 322 und 476.