Zum Inhalt springen

BLKÖ:Weiß Edler von Starkenfels, Victor

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 54 (1886), ab Seite: 143. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Victor Weiss von Starkenfels in Wikidata
GND-Eintrag: 117298964, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Weiß Edler von Starkenfels, Victor|54|143|}}

Weiß Edler von Starkenfels, Victor (Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. in Wien 1818). Ein Sohn des ehemaligen Staatsrathes Johann Baptist von Weiß und ein Bruder des August [S. 143, Nr. 2] und Theodor [S. 145, Nr. 3]. Nachdem er die philosophischen Studien in Wien beendet hatte, wurde er in die orientalische Akademie daselbst aufgenommen, um für die diplomatische Laufbahn herangebildet zu werden. Nach Abschluß des Curses in diesem Institute kam er zunächst zum Generalconsulate in Bukarest, von dort zur k. k. Gesandtschaft in Athen. Sodann wurde er Generalconsul in Genua, zuletzt Legationsrath bei der kaiserlichen Internuntiatur in Constantinopel, und 1862 trat er in den Ruhestand. Doch blieb er noch immer politisch thätig, so stiftete er in Oberösterreich, wo er einige Zeit in Linz gelebt und dann zu Schloßhaus im Mühlviertel seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, im Verein mit dem Grafen Heinrich Brandis den katholischen Volksverein, welcher den liberalen Bestrebungen, die sich gerade in diesem Kronlande mächtiger als in anderen entwickelten, mit Nachdruck und nicht ohne einigen Erfolg entgegenarbeitete, und in welchem er als Obmann eine ungemein thätige Rolle spielte. Aber bald änderten sich die Verhältnisse, und Weiß sagte sich in seinem Rundschreiben an seine Wähler ddo. Wien 3. November 1874 offen vom Vereine los, dem er in unverblümter Weise die Gründe seines Austrittes darlegte, worauf freilich andere Vereinsmitglieder, und zwar die vier oberösterreichischen Reichsräthe Dechant [144] Pflügl, Fischer, Schrems und Zeilberger in nicht minder entschiedener Weise Antwort, aber auch den Beweis dafür gaben, daß die Spaltung unter den oberösterreichischen Clericalen eine vollständige geworden war. Im Jahre 1870 candidirte er in den Landgemeinden der Bezirke Schärding und Efferding um einen Sitz in dem oberösterreichischen Landtag, und am 14. October 1873 wurde er von demselben in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes gewählt. Ein schlagfertiger Redner, der seine Worte nicht eben in Baumwolle wickelt, sprach er als eines der hervorragendsten Mitglieder des Clubs des rechten Centrums bei mehreren Gelegenheiten mit Nachdruck, namentlich aber im Februar 1876, als es sich nach Stellung der Cabinetsfrage um die Annahme der Handelsconvention mit Rumänien handelte. Und bei dieser Gelegenheit sprach er, doch bei weitem nicht um den Grafen Andrassy oder das Cabinet Auersperg zu stützen, namens der Rechten für den Vertrag, indem er offen bekannte, daß er im Uebrigen nicht mit der Regierung gehe, die nicht aus diesem Anlasse abtreten solle, sondern aus sich selbst heraus zu Ende gehen werde. Doch wirkte er nur für diese Session im Reichsrathe, in der folgenden bewarb er sich nicht wieder um ein Mandat. Auch der schriftstellerischen Thätigkeit unseres Abgeordneten müssen wir in Kürze gedenken. Bereits als Zögling der orientalischen Akademie trat er mit einer Monographie auf, der ersten, die ausführlichere Nachrichten über das wichtige Institut brachte, in welchem er selbst seine Ausbildung zum diplomatischen Dienste erhielt. Diese Schrift, betitelt: „Die kaiserlich königliche orientalische Akademie zu Wien, ihre Gründung, Fortbildung und gegenwärtige Einrichtung“ (Wien 1839, Gerold, 8°.) gibt auch dankenswerthe Kunde über mehrere berühmte österreichische Orientalisten und Staatsmänner, welche aus dieser Anstalt hervorgingen, so über Jenisch, Thugut, Herbert, Stürmer, Wallenburg, Dombay, Chabert, Brenner, Fleischhakel, Hammer, Ottenfels-Gschwind[WS 1], Rosenzweig[WS 2] und Huszár. Dann widmete sich der junge Akademiker längere Zeit dem Studium der orientalischen Literatur und veröffentlichte Einiges in den von Ludwig August Frankl herausgegebenen „Sonntagsblättern“, und zwar: „Ein türkisches Urtheil über Wien“ (II. Jahrg., 1843, Nr. 28]; – „Ein türkisches Urtheil über Talleyrand und Napoleon“ [III. Jahrg., 1844, Nr. 8]; – „Ein türkischer Gesandter zu Fontainebleau im Jahre 1806“ [ebd., Nr. 14, S. 316]; – „Das Grab des Sultans Mahmud“ [1845, Nr. 34, S. 801]. Selbständig aber gab er heraus: „Sal[WS 3] und Rudabeh. Episch-lyrisches Gedicht, frei nach dem Persischen des Ebul Raasim Mansur el Firdewsi[WS 4]“ (Wien 1840, Braumüller, 8°.) und gemeinschaftlich mit Theodor Ritter von Schwarzhuber: „Rej-Ramus in Masenderan. Aus dem Schahname des Ebul Raasim Mansur el Firdewsi. Metrisch übersetzt“ (ebd. 1841, XXX und 1778 S., 8°.). Nach einer vieljährigen Pause trat er erst als politischer Schriftsteller, und zwar im Interesse seiner Partei, wieder vor die Oeffentlichkeit mit den Schriften: „Die österreichische Rechtspartei“ 12 Hefte (Wien und Regensburg 1873, Manz, 8°.) und „Kleiner politischer Katechismus der österreichischen Rechtspartei“ 2. Aufl. (ebd. 1873). Victor von Weiß, welchem Griechenland, Hannover und die Türkei, letztere zu wiederholten Malen, ihre Orden verliehen, war mit einer Freiin Rennenkampf [145] aus Oldenburg verheiratet, die er schon vor mehreren Jahren durch den Tod verlor.

Neue Freie Presse, 12. November 1874, Nr. 3669: „Ultramontanes aus Oberösterreich“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1876, Nr. 60 und 63: „Oesterreichische Monarchie, Wien, 27. Februar und 1. März“. – Neues Wiener Tagblatt, 1870, Nr. 170: „Aus der Passauer Zeitung“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 326.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ottenfeld-Gschwind.
  2. Vorlage: Rosenthal.
  3. Zāl (Wikipedia).
  4. Firdausi (Wikipedia).