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BLKÖ:Kurzböck, Joseph Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kurzbeck, Maria von
Band: 13 (1865), ab Seite: 427. (Quelle)
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Kurzböck, Joseph Ritter von (Buchhändler und Schriftsteller, geb. zu Wien 21. November 1736, gest. 18. December 1792). Beendete die Studien in Wien und widmete sich dann dem Geschäfte seines Vaters, der in Wien die Universitäts-Buchdruckerei besaß. K. übernahm dieselbe im Jahre 1755, und sie bestand damals aus zwei Pressen; in kurzer Zeit hob sie K. so, daß sie mit fünfzehn Pressen arbeitete. Ferner richtete K. seine Druckerei für illyrische und orientalische Schriften ein; er stellte Alles mit großen Opfern aus eigenen Mitteln her und wurde dafür im Jahre 1772 mit der Bewilligung belohnt, eine Universitäts-Buchhandlung errichten zu dürfen, welche dann an Camesina und später an Heubner überging. Um die Technik der Typographie erwarb sich K. ein nicht unwesentliches Verdienst, indem er eine Letterngießerei herstellte und besonders darauf Bedacht nahm, die bisherigen unregelmäßigen schiefen und schlechten Lettern durch correct geschnittene, angenehm geformte zu ersetzen. Dergleichen Dinge dürfen freilich nicht vom Standpuncte der Gegenwart, welcher durch Maschinen und Mechanismen der sinnigsten Art tausend und tausend Hilfsmittel, die eine rasche Vervollkommnung fördern, zu Gebote stehen, betrachtet werden. Als Kurzböck seine technischen Verbesserungen, die aber damals allgemeine Anerkennung fanden, einführte, stand man bei uns erst an der Schwelle von dergleichen Errungenschaften. K. hatte sich einen tüchtigen Stempelschneider und Letterngießer, einen gebornen Siebenbürger, abgerichtet. De Luca hat uns den Namen desselben, wenn man dem Klange des Namens vertrauen soll, nicht ganz richtig aufbewahrt. De Luca nennt ihn Adam Kapronzai und schreibt von ihm, „daß dieser Siebenbürger schon lange unserer Nation Ehre würde gemacht haben, wenn nicht ein ausschließendes Privilegium ihm den Weg, seine Fähigkeiten zu zeigen, versperrte!“ Ein anderes nicht unerhebliches Verdienst Kurzböck’s ist ferner, daß er die überspannten Druckpreise des lange Zeit durch sein Privilegium geschützten Herrn von Trattnern auf ein bescheidenes Maß zurückzugehen zwang, da er selbst um die mäßigsten Preise Arbeiten ausführte, welche die Trattnern’schen an Ausstattung und Solidität weit übertrafen. Ungeachtet dessen hat sich K. durch seine Betriebsamkeit und Umsicht ein bedeutendes Vermögen erworben, und war Besitzer der Herrschaft Liesing bei Wien. K. hat außer verschiedenen Aufsätzen in der Wiener Realzeitung folgende, theils selbstständige, theils übersetzte [428] Werke herausgegeben: „Christliche Wahrheiten des Evangelii; vorgetragen von dem P. Anton Cito; aus dem Italienischen“ (Wien 1759, neue Aufl. 1781, 8°.); – „Moralische und kritische Briefe, gezogen aus den Werken des Grafen von Pupieni. Aus dem Italienischen“, 5 Thle. (Wien 1765–1770, 8°.); – „Neueste Beschreibung aller Merkwürdigkeiten Wiens; ein Handbuch für Fremde und Inländer“ (ebd. 1779, 8°., mit 28 K. K.), dieses[WS 1] Buche, das eigentlich nur eine neue, jedoch veränderte und vermehrte Ausgabe des zum ersten Male 1766 gedruckten „Almanac de Vienne en faveur des Étrangers“ ist, wurde auch in französischer Uebersetzung ausgegeben. K. wurde für seine Verdienste im Jahre 1774 mit der goldenen Gnadenkette ausgezeichnet, im Jahre 1776 aber in den Adel- und ein Jahrzehend später in den Ritterstand erhoben.Kurzböck’s Tochter Magdalena war eine ausgezeichnete Clavierspielerin, welche im letzten Jahrzehend des vorigen Jahrhunderts in Wien blühte. Sie spielte mit solcher Meisterschaft, daß selbst Joseph Haydn zu den Bewunderern ihres Talentes zählte und seine Bewunderung dadurch öffentlich aussprach, daß er ihr seine große Claviersonate Opus 92 widmete, wie dieß auf dem Titel des Originalstiches ersichtlich ist. Johann Friedrich Daube in der von ihm herausgegebenen, seiner Zeit vielgelesenen Zeitschrift: „Der musikalische Dilettant“ führt sie auch unter den Wiener Componistinen auf.

Adelstands-Diplom vom 22. November 1776. – Ritterstands-Diplom vom 18. April 1786. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück. S. 283. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann u. Campe, kl. 8°.) Bd. VIII, S. 204. – Sartori (Franz Dr.), Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserstaates u. s. w. (Wien 1830, Carl Gerold, 8°.) S. 332 u. 410. – Meusel (Joh. Georg), Das gelehrte Deutschland oder Lexikon der jetztlebenden teutschen Schriftsteller (Lemgo 1783, Meyer, 8°.) Vierte Ausgabe, Bd. II, S. 377; I. Nachtrag, S. 361. – Wappen. Blauer Schild mit goldenem Schildeshaupt. In Blau ein aufrecht vor sich rechtsschreitender zurücksehender goldener Greif, der in den ausgestreckten Pranken eine goldene Kette mit dem daran hängenden sogenannten goldenen Gnadenpfennige hält. Im goldenen Schildeshaupte drei blaue sechseckige Sterne. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinandergekehrte gekrönte Turnierhelme. Aus der Krone des rechten Helms erheben sich drei schwarze, durch einen goldenen Eichenkranz gesteckte wallende Straußenfedern. Auf jener des linken Helms steht ein halber, in der Mitte quergetheilter Flug, dessen obere goldene Hälfte mit einem blauen Stern, die untere blaue Hälfte aber mit dem goldenen Gnadenpfennige belegt ist. Die Helmdecken sind beiderseits blau, mit Gold belegt. – Ueber Magdalena von Kurzböck. Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 153. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 519. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: von diesem.