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Topographia Sueviae: Stutgart

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Topographia Germaniae
Stutgart (heute: Stuttgart)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 176–179.
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[T48]
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Stutgart.

Diß ist die HauptStatt im Hertzogthumb Würtemberg / welches Hertzogthumbs Gräntzen seyn vom Morgen Elwangen vnd Giengen / vom Abend das Marggrafthumb Baden / der Schwartzwald / vnd das Elsaß; von Mittag die Thonaw / vnnd das Vlmer [177] Ländlein; von Mitternacht Wimpffen / Vnter Pfaltz / vnd Fanckenland. Stosset also das Würtenberger Land an die Pfaltz / Baden / die Grafschafft Hohenberg / an dem Albuch / das Wiesensteig- vnd Vlmisch Ländlein / an Schwäbischen Gemünd / an den Odenwald / vnd Reichsstatt Rotweil. Hat gar vil Stätt / vnd Stättlein / auch vorhin bey die 40. Vogteyen gehabt: Item / ansehnliche reiche Klöster / als Hirschaw / Lorch / Maulbronn / Bebenhausen / Blawbeuren / Ahusen / oder Anhusen an der Brentz / Herbrechtingen / oder Herbertingen auch an der Brentz / Herrn Alb / Königsbrunn / Adelberg / Reichershoffen / S. Georgen im Schwartzwald / Pfulingen / Steinheim / Liechtenstern / Mariae Reithin / Gnadenzell / oder Offenhausen / Rechentshofen; vnd andere mehr. Es seyn 3. Stände in disem Hertzogthumb / nämlich / die Praelaten / der Adel / vnd die Vogteyen / sampt den Stätten. Die Praelaten seyn Denckendorff / Adelberg / Maulbrunn / Bebenhausen / Lorch / HerrenAlb / Blawbeuren / Alperspach / Murrhart / vnd S. Georgen. Die Pröbste seyn Stutgart / Tübingen / Aurach / Göppingen / Herrenberg / Backnang / vnd Furedan. Der Adel ist die freye Reichs Ritterschafft / ausser etlichen Frembden / so newlich ins Land kommen / vnd Land Edelleut genandt werden mögen. Die Ritterschaft / ob sie schon zum theil Lehen vom Hauß Würtenberg haben / seyn sie doch keine Landsassen zu nennen.

Obgedachte deß Lands Haupt- vnd Fürstliche ResidentzStatt Stutgart / ligt schier mitten im Land / nicht weit vom Necker / vnd ein halbe / oder gar kleine Meil von Canstatt. Marggraf Rudolff von Baden solle sie im Jar 1119 zu bawen / vnd zu bevestigen angefangen haben. Ist vorhin nur ein Meyerhof allda gewesen / da man die Stuten / gleichsamb in einem Garten / aufferzogen / daher sie noch eine Stuten / oder Mutterpferd / zum Wappen führet. Ist folgends durch Heurath an das Hauß Würtenberg vmbs Jahr 1141. kommen. Sie ist (ausser den zwo grossen Vor-Stätten) an jhr selbsten nit sonderlich groß. Ligt im Grund / vnd hat etlich tausendt Jauchart Weinberg / vnd schöne Gärten herumb. Item / 5. Thor / das Däntzlinger / Eßlinger / Oberthor / Kleinthörlein / vnd das Thor zum Newen Gang / S. Leonhards Vorstatt hat auch zwey Thor / das eusser Eßlinger / vnnd das Hauptstätter Thor. Die andere / oder Thurnierackers Vorstatt / hat fünff Thor / das Canstatter / Sehethor / Ruxenthor / Rotenbildthor / vnd Seelthor. In der Statt seyn 3. Kirchen / als der Stifft / so vorhin zu Beutelspach gewesen / von dannen die Canonici hieher gesetzt worden seyn. Vnd wird solche Collegiat- oder StifftsKirchen / der Zeit / von den Römisch- vnnd Evangelisch-Catholischen gebraucht. Der Probst dieser Kirchen ist vber alle Geistliche im Lande / vor diesem / erhoben gewesen / vnd allen Superintendenten vorgangen. Es seyn darinn die Gräflich Würtenberg. Begräbnussen / biß auff Eberharden mit dem Bart: Item / die Fürstliche von Hertzog Friederichen an zurechnen: Die vbrige Fürstliche Personen von besagtem Eberhardo Barbato an / biß auff gemelten Fridericum, vnd seinen H. Sohn / Hertzog Johann Friderichen / ligen zu Tübingen. Vnd ist diese Stutgartische Haupt-Kirche / auß einer Hültzernen / zu einer Steinern An. 1460. zuerbawen angefangen worden. Die andere Kirch in der Statt / ist in dem Bebenhauser Hof / vnnd die dritt / im alten Spital. In dem Schloß ist auch eine Capell. Vnnd in den beyden besagten Vorstätten / ist in jeder auch eine Kirch / als zu S. Leonhard / vnd der Hospitaler. Vnd solle bey S. Leonhard der fürtreffliche Mann Joh. Capnio, so allhie gestorben / begraben ligen. An. 1435. hat Graff Vlrich von Würtenberg / der Geliebte zugenant / das Rathhauß alhie auf dem Marckt erbawet / daran sein hültzern Bildnuß mit deß Röm. Reichs Banner / vnd andere der alten Grafen zu Würtenberg Bilder / vnd Wappen / so Anno 1580. renoviert worden. Man hat folgends in denselben Hochzeiten / Täntz / Comoedien / etc. gehalten / auch die HochzeitGäst eynlosirt / vnd bewirtet. Vnter demselben ist die Metzig; vnnd darvor ein schöner gemahlter RöhrKasten / oder Brunnen / auff welchem das Bildnuß S. Christoffels / zu Ehren Hertzog Christophen von Württemberg gemacht / stehet. Es seyn in der Statt auch 2. FürstlicheMarställ. Item / Roßzeugkammern / vnd der newe Baw zur Fürstlichen [178] Rüst- vnd Kunstkammer / sampt einem schönen Saal / angeordnet. Die Burgershäuser seyn nicht sonderlich wol angelegt / gibt auch / ausser erzehlten / wenig stattliche Gebäw allda. Es seyn in dieser Statt der 26. vnnd 31. Thurnier gehalten worden: Vnd hat sie An. 1282. Käyser Rudolphus I. belägert / vnnd sein Läger auf der Eßlinger Staig gehabt / daher noch daselbst die Weingärten auff der Wagenburg genant worden. Es hielten sich damaln die Stutgarter Mannlich / aber endlich wurde die Statt durch Graf Eberharden dem Käyser vbergeben / vnd die Sach vertragen. Was das Fürstl. Schloß allhie anbelanget / in welchem der Zeit I. Fürst. Gn. Hertzog Eberhard von Würtenberg Hof hält / so kompt man in dasselbe auß der Statt vber eine Brücken / so vber den Schloßgraben gemacht ist. Darvor heraussen / zur lincken hand / wann man hinein will / die Fürstl. Cantzley ist / in welche man vber einen Gang auß dem Schloß gelangen kan. Es hat in disem Schloß 3. Schnecken / eine zur Lincken im Hinein gehen / neben der Küchen: Die andere zur Rechten / wo die Capellen / vnd darüber die Vhr ist: Vnd die dritte / zwischen den andern beyden / die so breyt / daß 2. miteinander hinauff / biß zur Ritterstuben reiten können. Zu vnterst / wo dise letzte Schneckenstiegen / ist ein gar lange / weite / vnd hohe Stuben / wie eine Kirche / so man die Tyrnitz nennet / dieweil man etwan im Winter / oder bey Regenwetter / darinn turniert hat; vnd man darinn zweyhundert biß in dreyhundert Tisch abgespeiset; vnd Anno 1609. bey dem Fürstlichen Beylager / taglich für das Gesind auff 200. Tisch angerichtet hat. Es seyn im Schloß 2. offene Gäng / einer vber den andern herumb / schön vnd künstlich zugerichtet. So ist darinn auch ein langer weiter Saal / in welchem man tantzen / vnd Comoedien halten kan. In dem Graben vmb das Schloß / hat es zum theil Fisch / Schwanen / vnd allerley Wasservögel / zum theil Kranich / Bären / so auffrecht gangen / als denen die vordere Füß gebunden waren / vnd andere Thier / vor disem gehabt; dieweil der Theil deß Schloßgrabens gegen dem Garten ohne Wasser ist; in welchen Garten man vber eine andere Brücken auß dem Schloß kommen kan. In deme / vnd bey demselben / vor dem jetzigen Krieg / der Nördlinger Schlacht / vnd darauff erfolgter der Käys Occupirung diser Statt / vnd deß Schlosses / zu sehen waren / lustige Sommerhäuser / frische Brunnen / allerley wunderbarlich / seltzam / vnd frembde Gewächs / Baumgärten / Ballenhauß / das alte Lusthauß / vnd gleich daran die alte Rennban / so hundert vnd fünfftzig Schritt lang / vnd sechszig breyt; Das Schieß- vnd Armbrusthauß; der Irrgarten / mit einem lustigen Sommerhauß / vnd Brunnenwerck. Die newe Rennbahn / auch so lang vnnd breyt / wie die vorige: Das newe Lusthauß / ein vberauß herrlich vnnd stattlich Gebäw / von lauter schönen weissen Quaderstücken auffgerichtet / vnd in der Vierung gebawet / zweyhundert vnd siebentzig Schuh lang / vnd hundert vnd zwantzig breyt / so an einem jeden Eck einen runden Thurn / vnd oben an einem jeden ein lustig Gemach: Vnten auf dem Bodem schöne künstliche springende Brunnen vnnd Wasserwerck / vnnd andere gewaltige / künstlich / herrlich / vnd köstliche sachen gehabt. Der obere recht Fürstlich / ja Königl. Saal / so keine Säulen / von 80. Schritten lang / vnd 30. breyt; vnd trefflich gemahlet / vnnd gezieret gewesen: Ferners der Ballonen- vnd Pallemaille Platz: das Reigerhauß; der Oelberg / ein schönes Sommerhauß in die Runde gebawet; das Feygenhauß / vnd Pomerantzengarte; die ansehenliche Grotta, vnd anders mehr; welches folgends zum theil hinweg kommen / zum theil verwüstet worden / vnd vergangen; zum theil noch stehet. Ausser dem Garten ist der Rennweg / mit Kieselsteinen / biß nach Canstatt gepflastert / da zu beyden Seiten Weidenbäume stehen. Sihe Dresser. de Urbib. German. Crusium in Annal. Suev. Joh. Oettinger in Beschreibung der Fürstlichen Würtenb. Hochzeit / Martin. Zeillern part. 1. Itinerar. Germaniae, oder Teutschen Reyß-Buchs / Munster. in Cosmograph. Documenta rediviva Monasteriorum Ecclesiarumque Collegiatarum in Ducatu Würtembergico sitarum, & Monimenta Virginum sacrarum Würtembergicar. etc. An. 1508. ist ein so grosses Wetter allhie gewesen / vnd hat von starcken Platz Regen das Wasser die Statt so angefüllt / daß man vermeint gehabt / es würde dieselbe vndergehen. [179] Etliche Menschen / vnd Viehe / seyn ertruncken; auch ist die Stattmauer an etlichen Orten eingefallen / vnd seyn die Keller mit Wasser angefüllt worden / Baselius. An. 1648. im Eingang deß Monats Augusti / hat es auff drey Meilen vmb Stutgart ein vnerhörtes Wetter gehabt / in welchem es stachlichte Steine / zu 4. in 5. Pfundten schwer geworffen / das Getraid / viel Vieh / vnd Menschen im Feld erschlagen / auch einen guten Theil Häuser beschädiget: Wie in tomo 6. Theatri Europ. fol. 637. stehet. Von der Wassers-Noth allhie deß Jahrs 1652. ist in dem Schwäbischen Zeitbüchlein etwas einkommen. So hat auch diese Statt im nächsten Krieg / nach der An. 1634. beschehenen Einnehmung wol etwas erlitten. Anno 1638. hat solche der Weymarische General Tupadel occupirt / vnd sich deßwegen die Käyserliche Regierung wider von hinnen weg begeben: Aber / als hernach sie jhrem Erbfürsten / Herren Eberharden / Hertzogen zu Würtemberg / etc. (so An. 1614. den 16. Decembr. geboren) wider eingeantwortet worden / so erholet sie sich allgemach fein wider. So ist auch die StifftsKirchen allhie / nunmehr völlig wider in der Evangelischen Händen: Wie dann / vermög deß General Friedens / hochernant Ihro Fürstl. Gn. alle andere Stiffter / Clöster / vnd Oerter / vnd also das gantze Hertzogthumb / wider restituirt worden: Dero Monatlich einfacher ReichsAnschlag ist 60. zu Roß / vnd 277. zu Fuß / oder an Gelt 1828. Gulden / vnnd zu Vnderhaltung deß Cammergerichts / nach dem erhöchten Anschlag jährlich 500. Gulden / den Thaler zu 69. Kr. gerechnet. Es haben hochgedachte Ih. Fürstliche Gn. von dero Fürstlichen Gemahlin / Frawen Anna Catharina / Hertzogin von Würtemberg / Herrn Joh. Casimiri Wild: vnd Rheingrafens Fr. Tochter / viel Fürstl. Kinder erzeugt: Darvon noch im Leben seyn sollen 1. Joh. Friderich / Hertzog zu Würtemb. An. 1637, den 9. Sept. 2. Fräwlein Dorothea Amelia An. 43. den 12. Feb. 3. Fräwlein Friderica Christina An. 44. den 24. Feb. 4. H. Wilhelmus Ludovicus An. 1647. den 8. Jan. 5. H. Carolus Christophorus, Anno 1650. den 28. Janu. 6. Fr. Eberhardina Catharina. Anno 51. den 5. Apr. 7. H. Frider. Carolus, Anno 52. den 19. Septemb. geboren. Von Freymachung dieses Landes der AffterLehenschafft vom Hauß Oesterreich / Anno 1599. den 24. Januarij / zu Prag geschehen / ist Limnaeus tomo 4. de jure publ. p. 940 zu lesen: Vnd daselbsten auch / was höchstgedachtes Hauß Oesterreich / auff gewisse Fäll dero Vorbehalten / jedoch / daß die Augsp. Confession verbleiben / vnnd kein andere Religion allda eingeführt werden solle.