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BLKÖ:Weber, Johann Baptist (Homilet)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weber, Johann Adam
Band: 53 (1886), ab Seite: 191. (Quelle)
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23. Weber, Johann Baptist (Homilet, geb. zu Nicolsburg in Mähren am 2. Februar 1736, gest. in Wien am 5. Jänner 1815). Nachdem er am Piaristen-Gymnasium in Wien die Grammaticalclassen beendet hatte, trat er 1749 in den Orden der Gesellschaft Jesu österreichischer Provinz, in welcher er die Studien fortsetzte, die theologische Doctorwürde erlangte und zunächst Präfect an der Theresianischen Ritterakademie wurde. Nach einjähriger Dienstleistung daselbst kam er als Professor der Logik und Metaphysik nach Linz, nach zwei Jahren als Professor der Moraltheologie und beeideter Examinator nach Wien, wo er bereits ausersehen war, das Lehrfach der Dogmatik zu übernehmen, als die Auflösung seines Ordens erfolgte. Da er eine ausgezeichnete Rednergabe besaß, wurde ihm das Predigtamt übertragen, welches er zuerst in der Pfarrkirche zur Königin der Enget, vormaligen Ordensprofeßkirche, dann in der Hofkirche bei Anwesenheit des Kaisers Joseph II. und zuletzt in der Universitätskirche vor der akademischen Jugend versah. Ueberdies fiel auf ihn auch die Wahl zum Religionslehrer und Beichtvater mehrerer kaiserlichen Prinzen und Prinzessinen und zuletzt zum Beichtvater und Lehrer der Erzherzogin Maria Ludovica Beatrix, Tochter des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich-Este und Braut des Kaisers Franz II., welch’ letzteres Amt er auch dann behielt, als sie dessen (dritte) Gemalin wurde. Weber übte sein Predigtamt bis in sein hohes Alter, auch dann noch, als ihm das Gedächtniß untreu zu werden begann und er eine Predigt von nur halbstündiger Dauer mehrere Tage memoriren mußte. Zuletzt verfiel er in völlige Geistesschwäche und mußte ins Hospital gebracht werden, wo er im Alter von 79 Jahren starb. Von seinen homiletischen Werken sind ebenso mehrere Sammlungen, wie einzelne Predigten durch den Druck veröffentlicht worden, und zwar: „Kurze Kanzelreden auf die Festtage des Kirchenjahres“ (Wien 1806, Doll, gr. 8°.[WS 1]); – „Kurze Kanzelreden über die Leidensgeschichte Jesu“ (ebd. 1806, gr. 8°.); – „Kurze Kanzelreden auf alle Sonntage im Jahre“, 3 Jahrgänge in 6 Bänden (ebd. 1806, gr. 8°.); – einen chronologischen Auszug der Kirchengeschichte, welcher in vier Bänden bei Kurzbeck in Wien 1787 erschien, übersetzte er aus dem Französischen und versah ihn mit Berichtigungen und einer bis 1780 reichenden Fortsetzung. Außer einigen innerhalb der Jahre 1774 bis 1808 erschienenen Festreden auf einzelne Heilige, wie Johannes Nepomuk, Udalrich, Kilian, Aegidius, dann am Feste der Heiligsprechung der Ursulinerin Angela Merice, kamen auch noch mehrere von ihm bei besonderen festlichen Anlässen gehaltene Predigten im Druck heraus, so: Predigt von den Vortheilen der Unglücksfälle, [192] über die traurigen Folgen der Religionslosigkeit, bei Einsegnung der kaiserlichen Waffen, über die Nothwendigkeit göttlicher Hilfe zum Gedeihen unserer Arbeiten u. s. w. Weber bezeichnet in einem seiner Predigtwerke den Standpunkt, auf welchen er als Kanzelredner sich stellt. „Immer“, schreibt er, „lag mir das Seelenheil meiner Zuhörer recht sehr am Herzen; immer war mein ernstliches Bestreben, sie nach den evangelischen Grundsätzen zu bilden und von Tugend zu Tugend, von Vollkommenheit zu Vollkommenheit zu führen. Eben darum trug ich kein Bedenken, fremde Arbeit mit der meinigen zu vermengen und feurige Stellen anderer Redner in meine Predigten einzuschalten, so oft ich glaubte, daß meine Beredtsamkeit weniger Eindruck als die ihrige machen würde. Mich däucht, daß einen geistlichen Redner, der nicht ganz besondere und außerordentliche Gaben von Gott empfangen hat, nicht heller als alle seine Brüder sieht, nicht körnigter als sie spricht, nur Stotz und Eitelkeit abhalten könne, ebenso zu handeln. Originelle Köpfe schaffen nicht immer den größten Nutzen, und diesen muß man ja wohl bei dem Predigtamte vornehmlich in Acht nehmen und berechnen, wie die Arbeit Gott angenehm und gefällig sein soll. Wahrlich, es ist immer besser, mit fremden Gedanken und Stellen die Herzen seiner Zuhörer zu erwärmen, als mit seinen eigenen einzuschläfern oder gähnen zu machen.“ Kehrein in seiner „Geschichte der katholischen Kanzelberedtsamkeit der Deutschen von der ältesten bis zur neuesten Zeit“ Bd. I, S. 114 bemerkt mehr als hart zu diesem offenen Geständniß Weber’s: „Wenn wir den Verfasser nicht tadeln wollen über die hier geäußerten Gedanken in Bezug auf seinen Vortrag auf der Kanzel, so möchte die Antwort doch etwas anders ausfallen auf die Frage: mußten denn aber diese Predigten auch gedruckt werden?“ Werden nicht auch lyrische Anthologien die Hülle und Fülle gedruckt? – Kehrein verzeichnet in seinem „Biographisch-literarischen Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert“ Bd. II. S. 238 das Werk: „Acht Erzählungen für die blühende Jugend“ (Salzburg 1837) auch als ein Werk Johann B. Weber’s, was aber mit der Zeit des Erscheinens derselben – 22 Jahre nach Weber’s Tode – nicht ganz stimmen will [siehe den Folgenden]. Auch mit dem Pfarrer zu St. Leopold in Wien Johann Baptist Weber, der bei der furchtbaren Ueberschwemmung der Donau im Jahre 1830 im „Ehrentempel der katholischen Geistlichen“ (Wien 1845, 8°.) S. 61 unter jenen Priestern genannt wird, „welche sich bei dieser unglücklichen Katastrophe auf die ruhmvollste Weise benommen“, ist unser damals schon 15 Jahre todte Homilet gleichen Namens nicht zu verwechseln.

Stoeger (Joh. Nep.). Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae et Ratisbonae 1855, Manz, schm. 4°.) p. 391. – (J. Schwaldopler). Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten [auch unter dem Titel: „Historisches Taschenbuch. Mit besonderer Hinsicht u. s. w.“ (Wien 1808, Anton Doll, 8°.) IV. Jahrg.: „Geschichte des Jahres 1804“ S. 174 [nennt ihn „der berühmte Redner an der Universitätskirche zu Wien].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gr. 9°.