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BLKÖ:Schmid, Anton Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schmid, Alois
Band: 30 (1875), ab Seite: 209. (Quelle)
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6. Schmid, Anton Edler von (Typograph, geb. zu Zwettl in Niederösterreich 23. Jänner 1765, gest. zu Wien 27. Juni 1855). Sein Vater war Koch im Stifte Zwettl, der Sohn Anton sollte Geistlicher werden und erhielt im Stifte Unterricht in den Gymnasial-Lehrgegenständen und in der Musik. [210] Im Alter von 15 Jahren kam er nach Wien in den Zwettler Stiftshof, um sich an der Universität für seinen künftigen Beruf vorzubereiten. Als er sich aber für denselben entscheiden sollte, lehnte er entschieden diese Wahl ab und mußte in Folge dessen den Stiftshof verlassen. Nun sich selbst überlassen, machte er eine schwere Schule der Noth durch. Bei zwei Oheimen mütterlicherseits fand er das Nothdürftigste, bei einem die Mittagskost, bei dem zweiten das Abendbrot und eine Schlafstelle auf dem Dachboden. Aber so konnte es auf die Dauer nicht gehen, er mußte sich für einen Beruf entscheiden und er wählte den der Buchdruckerkunst. Am 15. Mai 1785 trat er bei dem Hofbuchdrucker Joseph von Kurzbeck in die Lehre, der eben damals mit dem Drucke illyrischer, walachischer und russischer Schriften sich beschäftigte, und, von Kaiser Joseph II. aufgefordert, sich auf den Druck hebräischer und orientalischer Bücher einzurichten begann. Zu diesem Zwecke gestattete der Kaiser für einige von Kurzbeck’s Setzern den Besuch der orientalischen Akademie. Einer von diesen war Anton Schmid. Später wurde Schmid dem hebräischen Schriftsatze zugewiesen, für den er immer größere Vorliebe gewann. Bald machte er sich auch mit mehreren jüdischen Gelehrten und Buchhändlern bekannt und erfuhr von ihnen die Bedürfnisse des hebräischen Lesepublicums. Nun wendete er sich an seinen Principal, der, durch eingetretene Verhältnisse veranlaßt, den Druck israelitischer Bücher für einige Zeit eingestellt hatte, und bat ihn, ihm seine hebräischen Stempel und Matrizen käuflich zu überlassen. Er wollte den hebräischen Druck im Anbeginne unter Kurzbeck’s Firma fortführen, bis er sich selbstständig zu etabliren im Stande sein würde. Kurzbeck, der ohnehin kränkelte und am hebräischen: Bücherdrucke keine rechte Freude hatte, willfahrte dem Bittenden und Schmid trug Sorge, sein Vorhaben auszuführen. Mit Hilfe seines Schwagers, des Bäckermeisters M. Wagner, gelang es ihm, sein Unternehmen in Gang zu bringen, als er sich aber um die Erlangung eines Privilegiums bewarb, suchten die Wiener Buchdrucker die Ertheilung eines neuen Rechtes zu hintertreiben und Schmid wurde – abgewiesen. In dieser fast trostlosen Lage blieb Schmid kein anderer Ausweg übrig, als sich direct an den Monarchen zu wenden. Dem Kaiser Franz überreichte S. das wohl motivirte Gesuch persönlich, und die mündlich vorgebrachte Bitte hatte den Bescheid zur Folge: er solle nur im Drucke fortfahren, die Erlaubniß werde schon nachfolgen; er solle aber auch von allen neu aufgelegten hebräischen Druckwerken ein Exemplar für die Bibliothek des Kaisers persönlich überbringen. Nun ging Schmid mit erneuerter Energie an das Werk und bald gewann seine hebräische Druckerei einen von Tag zu Tag sich steigernden Ruf. Seine Firma wurde im Auslande weit und breit bekannt. Mit dem Fortschreiten seiner Anstalt wuchs auch sein Vermögen zusehends, er kaufte ein Haus in der Alservorstadt, brachte Kurzbeck’s Druckerei käuflich an sich, kaufte 1807 ein neues, das an das erste anstoßende Haus, im Jahre 1809 eines in der Stadt unter den Tuchlauben, wo sich viele Jahre die Sollinger’sche Druckerei befand, welches er aber später gegen die Papierfabrik in St. Pölten vertauschte. Aus Anlaß seines umfassenden Verlages konnte bereits im Jahre 1800 die Einfuhr hebräischer Bücher, wodurch bisher große Summen österreichischen Geldes in’s Ausland wanderten, [211] durch die Regierung verboten werden. Indessen vervollkommnete Schmid sein Geschäft, welchem der tüchtige Joseph della Torre, wie später dessen Sohn als leitender Factor vorstand, immer mehr und mehr, er sorgte für gute Ausstattung und Correctheit seiner Druckwerke. Dadurch gewann der Verkehr an Ausdehnung, seine Druckwerke wurden weit in’s Ausland, nach Deutschland, in die Türkei, nach Polen und Rußland, in die Barbareskenstaaten und nach Egypten versendet. Auch war S. der Weisung des Monarchen, seinen Verlag an die kaiserliche Bibliothek gelangen zu lassen, treu nachgekommen. Im Jahre 1816 hatte S. bereits eine Sammlung von 86 Werken seiner Druckerei in 200 Bänden an die Hofbibliothek abgegeben. S. wurde nun in Anerkennung seines nützlichen Wirkens als Buchdrucker am 12. December 1816 mit der großen goldenen Medaille mit Oehr und Band ausgezeichnet. Nun richtete er seine Druckerei auch für den arabischen, persischen und syrischen Druck ein und erweiterte dadurch mächtig seinen Wirkungskreis. Als dann Schmid mehrere Jahre nach seiner Auszeichnung mit der Medaille neuerdings 17 neu aufgelegte orientalische Werke in 44 Bänden an die Hofbibliothek abgab, wurde ihm im Jahre 1825 in Würdigung seiner Verdienste der Adel mit dem Ehrenworte Edler von verliehen. An die zwei vorerwähnten Spenden schloß sich einige Jahre später eine dritte, welche 148 Werke in 347 Bänden umfaßte. Eine ähnliche Spende machte S. an die israelitische Religionsschule in Wien. Im Jahre 1839 übergab S. sein Geschäft an seinen Sohn Franz, der es bis 1849 fortführte, in welchem es dann Adalbert della Torre käuflich an sich brachte. Von Schmid’s Druckwerken, deren Menge oben angegeben, seien nur einige beispielsweise erwähnt, so die im Jahre 1795 veranstaltete erste Ausgabe einer vollständigen Bibel mit hebräischem Texte und der deutschen Uebersetzung von Mos. Mendelssohn, welcher bald mehrere Auflagen folgten; S. hatte dazu die Hilfe der bedeutendsten Hebraisten jener Zeit, eines Eichel [WS 1], Wolfssohn, Obernik, Detmold u. A., in Anspruch genommen; – der Talmud, ein Werk, 1850 Bogen stark, in dreimaliger, immer vermehrter und verbesserter, von den gelehrtesten Rabbinern besorgter Auflage; – die hebräische Zeitschrift: Bicure haittim, d. i. Erstlinge der Zeit, seit 1820 beginnend, mit Aufsätzen der angesehensten damaligen jüdischen Gelehrten, wie Bischenthal[WS 2], Cohen[WS 3], Jeitteles, Luzzato, Reggio, Rappaport u. A.; – die berühmteren Werke des Maimonides, wie seine Terminologie der hebräischen Logik, sein Compendium des Talmud, seine Beleuchtung vieler Stellen desselben, sein Wegweiser der Verirrten u. dgl. m.; – die grammatikalischen, philologischen und Jugendschriften des Philologen Juda Löb Bensef [Bd. I, S. 281].[WS 4]; – dann viele Gebets-, Andacht-, wichtigere Religionsbücher u. s. w., welche früher alle aus dem Auslande bezogen wurden, in Folge dessen, nachdem Schmid seine Druckerei auf eine so hohe Stufe gebracht, daß er mit seinen fremden Concurrenten wetteifern konnte, die dafür ausgelegten, nach vielen Tausenden zählenden Summen im Lande verblieben. S. war zweimal verheirathet. Seine erste Gattin wurde ihm schon nach vierjähriger Ehe durch den Tod entrissen und bald darauf starben ihre zwei Kinder. Aus seiner zweiten, im Jahre 1798 geschlossenen Ehe entsprangen neun Kinder, [212] von denen, wie oben bemerkt, Franz das Geschäft des Vaters übernahm, es aber 1849 verkaufte. Nachdem Schmid auch seine zweite Gattin nach 42jähriger Ehe im Jahre 1840 durch den Tod verlor, überlebte er sie noch um 15 Jahre und folgte ihr im Tode, nachdem er das seltene Alter von 90 Jahren erreicht. Anton von Schmid hat sich nicht nur um die Vervollkommnung der hebräischen Typographie in Oesterreich unbestreitbare Verdienste erworben, noch mehr: hat er als Christ, ja als römisch-katholischer Christ durch seine großen literarischen Unternehmungen, durch den Druck guter hebräischer Lehr- und Andachtsbücher zu einer Zeit, als die Israeliten in Oesterreich noch unter dem Hemmniß einer unwürdigen Intoleranz schwer litten, mehr für die Hebung ihrer Cultur gethan, als diese selbst, nachdem sie mit dem Anbruche der neuen Zeit von allen Fesseln, welche auf ihnen lasteten, befreit wurden, indem diese die erlangte Freiheit zunächst nützten, um die bis dahin geheiligte Göttin „öffentliche Meinung“ durch die Presse, mit welcher sie Schachergeschäfte betrieben, zur gewöhnlichen Hetäre herabzuwürdigen, von anderem Unheile nicht zu reden, welches sie in die öffentlichen Zustände gebracht.

Adelstands-Diplom ddo. Wien 30. November 1825. – Della Torre (Alois), Biographie des gewesenen k. k. priv. Buchdruckers, Buchhändlers, Schriftgießerei- und Papierfabriksbesitzers u. s. w. Anton Edlen von Schmid. ... Nach den besten Quellen bearbeitet von ... (Wien 1855). – Gutenberg (Buchdruckerblatt, herausg. von M. Auer , Wien, gr. 4°.) I. Jahrgang (1853), S. 64: „Gallerie berühmter Buchdrucker“. – Wiener Mittheilungen. Zeitschrift für israelitische Culturzustände. Herausg. von Dr. Letteris (Wien, 4°.) II. Jahrg. (1833), Nr. 28, 29, 31. – Sartori (Franz Dr.) Historisch-ethnographische Uebersicht der wissenschaftlichen Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserthums nach seinen mannigfaltigen Sprachen und deren Bildungsstufen u. s. w. (Wien 1830, Carl Gerold, gr. 8°.) I. (und einziger) Theil, S. 333 u. f. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 552. – Porträt. Unterschrift: Anton Edler von Schmid. In der Zeitschrift „Faust“, herausgegeben von M. Auer. Holzschnitt ohne Angabe des Xylogr. [sehr ähnlich]. – Wappen. Ein von Blau und Roth durch ein silbernes Band quergetheilter Schild. Im oberen blauen Felde befindet sich ein von einer goldenen Glorie umgebenes Auge, von zwei goldenen Sternen besaitet. Im unteren rothen Felde steht auf grünem Rasen eine regelrecht aufgestellte Buchdruckerpresse. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter goldgekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone ein einfacher schwarzer Adler mit offenem Schnabel, roth ausgeschlagener Zunge und ausgespannten Flügeln hervorwächst. Die Helmdecken sind rechts blau mit Gold, links roth mit Silber unterlegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Isaac Euchel (Wikipedia).
  2. Lippmann Moses Büschenthal (Wikipedia).
  3. Salomon Jacob Kohen (Wikipedia).
  4. Vorlage: [Bd. II, S. 281]