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BLKÖ:Sollinger, Johann Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Soliman, Johann Franz
Band: 35 (1877), ab Seite: 251. (Quelle)
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Sollinger, Johann Paul (Wiener Buchhändler, geb. in Wien im Jahre 1795, gest. um das Jahr 1850). Einer der thätigsten, um Oesterreichs Buchdruck und Buchhandel verdientesten Geschäftsmänner seines Faches. In der Officin des um die österreichische Typographie verdienten Anton Strauß erhielt Sollinger seine erste technische Ausbildung. Im Jahre 1815 trat er eine Reise an, besuchte zunächst Frankreich, wo er bis 1819 verweilte und in der berühmten Pariser Druckerei von Firmin Didot, in welcher er längere Zeit gearbeitet, seine Kenntnisse in tüchtiger Weise vervollkommnet und für sein Geschäft sich ausgebildet hatte. Nach Wien zurückgekehrt, übernahm er im Jahre 1821 die ehemals Andreas Schmid’sche Universitätsdruckerei, welche er aus dem unbedeutenden Zustande, in dem sie sich bei ihrer Erwerbung befand, bald zu einer der bedeutendsten Druckereien Oesterreichs emporzuheben verstanden hatte. Schon im Jahre 1833 besaß er eine Maschinenpresse, welche außer seiner Druckerei nur noch jene von Ghelen [Bd. V, S. 168] und sonst keine andere in Wien und Oesterreich aufzuweisen hatte. Nun nahm er sorgfältig darauf Bedacht, seine Anstalt immer mehr zu vervollkommnen und zu verbessern. Er richtete sie zunächst auf Werke in allen gangbaren Sprachen, dann auf mercantilische und Tabellen-Arbeiten ein; er legte eine Farben- und Congrevedruckerei an, aus welcher ungemein elegante und schöne Arbeiten hervorgingen. Selbst ein geübter Schriftschneider, errichtete er im Jahre 1833 eine eigene Schrift- und Stereotypen-Gießerei, welche bald eine große Auswahl neuer und geschmackvoller Schriften aufzuweisen hatte. In Kürze aber hatte sein eigenes Geschäft eine solche Ausdehnung gewonnen, daß er die Gießerei nur für eigenen Bedarf beschäftigte. Im Jahre 1824 eröffnete er sein eigenes Verlagsgeschäft, setzte zunächst ältere, bereits früher übernommene Kalender, darunter den seiner Zeit beliebten Blumenbach’schen fort, und begründete 1825 einen neuen; den „Geschichts- und Erinnerungs-Kalender“, der bald eine Fundgrube des nützlichsten und belehrendsten Inhaltes und ein Nebenbuhler des seiner Zeit so beliebten „Pilgers“ von Jurende wurde, seit 1827 erschien in seinem Verlage die von Vincenz August Wagner begründete, von Dolliner und Kudler fortgesetzte „Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzeskunde“, [253] ein in Fachkreisen noch heut geschätztes juridisches Organ; aus seinem Verlage gingen zuerst die homiletischen Werke des einst so berühmten Dompredigers J. E. Veith, ebenso auch Johann Gabriel Seidl’s Dichtungen hervor. Er veranstaltete neue und sorgfältig ausgeführte, wie elegant ausgestattete Ausgaben der Werke Shakespeare’s und Calderon’s und verlegte noch eine stattliche Reihe tüchtiger Werke, welche in dem besonders ausgegebenen Verlags-Katalog seiner Firma sämmtlich aufgezählt erscheinen. So wurde S. einer jener Drucker und Verleger, welche die Ehre des vormärzlichen Buchhandels in Oesterreich aufrecht hielten, und der in einer Geschichte der Typographie des Kaiserstaates mit Recht eine bleibende Stelle behaupten wird.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 68.