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BLKÖ:Schwarzenberg, Georg Ludwig Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 33 (1877), ab Seite: 21. (Quelle)
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26. Georg Ludwig Graf Sch. (geb. 24. December 1586, gest. 21. Juli 1646), von der älteren bayerischen Linie; ein Sohn Christoph’s (II.) aus dessen Ehe mit Anna Kärgl von Fürth. Georg Ludwig diente bereits in jungen Jahren am Hofe des Erzherzogs Ferdinand von Steiermark, nachmaligen Kaisers Ferdinand II., der dem Jünglinge in seltenem Maße sein Wohlwollen zuwandte. So begleitete Georg Ludwig, erst 19 Jahre alt, den Freiherrn und kaiserlichen Oberhofmeister Hanns Ulrich von Eggenberg als Gesandten nach Madrid. Nachmals unternahm er noch mehrere Reisen durch Frankreich, die Niederlande und Italien. Nun diente er als Kämmerer, dann Rath und Oberststallmeister den Erzherzogen Ferdinand und Karl. Mit 26 Jahren, 1612, übernimmt er schon diplomatische Missionen nach Breslau an den dortigen Bischof, nach Polen an König Sigismund und an den Pfalzgrafen von Neuburg; im Jahre 1616 an die Fürsten der katholischen Liga um Beistand gegen die mit den Türken und Griechen verbündeten Venetianer. Als 1618 der dreißigjährige Krieg ausbrach, lebte Georg Ludwig alle Greuel und Drangsale dieses furchtbaren Krieges fast bis an dessen Ende mit, und war in dieser Zeit auf verschiedenen Missionen und in anderen Diensten thätig. Der Kaiser schickte ihn nach England, um mit Jacob I., dem Schwiegervater des Winterkönigs Friedrich von der Pfalz, zu unterhandeln. Wichtig war seine Sendung nach Brüssel, wobei er, um die Kosten derselben zu bestreiten, den Schmuck seiner Gattin verpfänden mußte. Bei der Sendung nach Brüssel galt es das innigste Einverständniß mit Spanien, die Entwaffnung Dänemarks und Unschädlichmachung Mannsfeld’s, der eine Verbindung mit dem siebenbürgischen Fürsten Bethlen Gabor suchte; die Unterdrückung des holländischen Handelsmonopols, die Gewinnung eines Hafens am baltischen Meere, überhaupt die Wiederherstellung des kaiserlichen Ansehens im Norden und die Wiederbelebung des Handels nach Indien, als dem Eldorado allen Reichthums. Georg Ludwig ist es, welcher im Vereine mit Ulrich von Eggenberg dem Kaiser den Plan zur Gründung einer deutschen Kriegs- und Handelsflotte unter gemeinsamer deutscher Flagge und mit den kaiserlichen Farben in Antrag brachte. Der Plan kam damals leider nicht zur Ausführung, aber zweihundert Jahre später empfing das größte Kriegsschiff der kaiserlichen Marine den Namen „Schwarzenberg“. Adolph Berger in seiner Schrift über Felix Fürst zu Schwarzenberg (Leipzig 1852, Spamer, 8°.) gedenkt S. 70 in einer Anmerkung eines Aufsatzes im „Oesterreichischen Militär-Kalender“ 1850, worin er Georg Ludwig’s Gutachten über diesen Gegenstand dem authentischen Texte nach mittheilt. Herausgeber dieses Lexikons hat vergebens im genannten Kalender nach diesem Aufsatze gesucht. Bisher hatte Georg Ludwig als Staatsmann in friedlichen Missionen dem Kaiser seine Treue und seine Talente erprobt, nun wollte er im Waffendienste seinen Mann stellen und bat 1631 um das Generalat gegen die türkischen Grenzen im Warasdiner Gebiete. Er erhielt es und bewährte sich in diesem Amte so, daß Khevenhiller in seinen Ferdinandeischen Annalen von ihm schreibt: „Seine Untergebenen halten ihn für einen Vater, der Türke für einen [22] wachsamen General und die Länder für ihren rechten Beschützer“. Der Kaiser ehrte auch seinen treuen Diener, indem er ihm die geheime Raths- und Hofmarschallswürde verlieh, früher noch hatte ihn der König von Spanien mit dem goldenen Vließ geschmückt. Er ist der Erste in dieser Familie, der dieses nur für Personen fürstlichen Geblütes bestimmte Ehrenzeichen trug, das nach ihm noch so viele Sproßen dieses Hauses tragen sollten. In seinen Familienbeziehungen musterhaft, hatte er bezüglich seines Besitzes manchen Kampf zu bestehen. Im Besitze der fränkischen Stammlehen, mußte er sich seitens seiner Lehensherren, der Markgrafen von Brandenburg, erwehren, wie er, da seine Kinder, jung gestorben, gegen die hartnäckigen Ansprüche der nach dem Grafenstande lüsternen westfriesischen Schwarzenberge als Erbprätendenten ankämpfen mußte; auch stritt er jahrelang energisch für die Geltendmachung der Schwarzenberg’schen Rechte auf das Seinsheim’sche Fideicommiß und für die Mitbelehnung seiner Vettern, der Schwarzenberg von der niederländischen Linie, mit den fränkischen Stammgütern, welche endlich auch 1637 erfolgte. Da er selbst keine Erben hatte, schloß er mit den Schwarzenberg’s von der niederländischen Linie im letztgenannten Jahre eine Erbeinigung, in Folge dessen Graf Johann Adolph von der niederländischen Linie in den Besitz der Grafschaft Schwarzenberg und der übrigen fränkischen Güter gelangte. Ueberdieß hatte ihn Georg Ludwig in seinem letzten Willen auch zum Gesammterben der Herrschaft Murau in Steiermark ernannt. Stadt und Herrschaft Murau waren Georg Ludwig von seiner Gemalin Anna Neumann, verwitweten Gräfin Ortenburg[WS 1], sammt allen Liegenschaften, Barschaften und Kleinodien als Schenkung verliehen worden. Diese ansehnliche Herrschaft im Steierlande ward nun zur Grundlage des später zu so großartiger Entwicklung gediehenen und jetzt so umfangreichen Besitzstandes des Hauses Schwarzenberg in den österreichischen Erblanden. Georg Ludwig war zweimal vermält. Zuerst nahm er 1617 Anna Neumann von Wasserleonberg, welche vor ihm schon fünf Männer gehabt, und als sie den damals 31jährigen Georg Ludwig heirathete, 82 Jahre zählte, zur Frau [siehe über diese Frau: Anna von Schwarzenberg, S. 14, Nr. 6]. Georg Ludwig’s zweite Gemalin war Maria Elisabeth Gräfin von Sulz, aus welcher Ehe zwei Söhne entsprangen, die vor den Eltern in jungen Jahren starben. Ein halbes Jahrhundert später gelangte durch eine andere Dame aus dem Hause der Grafen von Sulz, durch Maria Anna Gräfin von Sulz, Gemalin des Fürsten Ferdinand Wilhelm Euseb, das Haus Schwarzenberg in den Besitz der Grafschaft Sulz und Kleggau. Georg Ludwig, dieser Letzte der fränkischen Linie der Schwarzenberg, ist eine edle ritterliche Gestalt seiner Zeit. Er griff mächtig in die vielbewegte Periode ein, in der er lebte. Sein Briefwechsel mit seinen Vettern Adam und Johann Adolph, seine Aufzeichnungen aus der Zeit seines Aufenthaltes in den Hansestädten Lübeck und Hamburg in den Jahren 1627 und 1628, wo ihn seine Geschäfte auch öfter mit dem Herzoge von Friedland, dem damals allgewaltigen Wallenstein, zusammenbrachten, enthalten reiche Materialien zur Geschichte jener Tage, weßhalb wir die Forscher auf dieselben aufmerksam machen. –

Anmerkungen (Wikisource)