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BLKÖ:Schwarzenberg, Ferdinand Wilhelm Euseb Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 33 (1877), ab Seite: 19. (Quelle)
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21. Ferdinand Wilhelm Euseb Fürst (geb. zu Brüssel 23. Mai 1652, gest. am 22., n. A. schon 12. October 1703), der älteste Sohn des Fürsten Johann Adolph aus dessen Ehe mit Marie Justine Gräfin Starhemberg und Bruder der edlen Fürstin Ernestine [s. d. S. 18, Nr. 17]. Eine vortreffliche Erziehung wurde durch mehrjährige Bildungsreisen, durch ernste Studien in den verschiedenen Disciplinen, selbst in Kriegswissenschaften, durch längeren Aufenthalt zu diesem Zwecke in Besançon, Rom und Prag vervollständigt. Durch die vieljährigen Dienste seines Vaters am kaiserlichen Hofe kam auch Ferdinand Wilhelm Euseb frühzeitig mit demselben in nähere Berührung. 1668 wurde er k. k. Kämmerer, 1678 wurde er bereits Oberststallmeister der verwitweten Kaiserin Eleonore, bei der er hoch in Gnaden stand. Vorher war er noch als kais. österreichischer Regimentsrath im Herrenstande und als wirklicher Reichshofrath thätig gewesen. Bei Ausbruch der Pest im Jahre 1679, als Alles floh, waren er und sein Vater in Wien geblieben. Er selbst ritt Vor- und Nachmittags auf Gassen und Plätzen herum, sah Alles mit eigenen Augen, spendete Tausenden aus Eigenem, handhabte aber auch mit unerbittlicher Strenge die nöthige Ordnung, ohne welche die vom panischen Schrecken hervorgerufene Verwirrung von unabsehbaren Folgen werden konnte. Er ließ an allen Thoren Galgen aufrichten und die Uebertreter der Contumazanstalten, die Diebe, die keck in die verlassenen Häuser eindrangen, und zu guter Letzt den Obervater des Lazareths und mehrere Pestknechte, da sie sich Schändlichkeiten hatten zu Schulden kommen lassen, aufknüpfen. Diese weise und durch die Umstände gebotene Strenge machte ihn begreiflicher Weise den Ruchlosen verhaßt und es fehlte nicht an Nachstellungen nach seinem Leben, ja einmal war er von den Pestknechten aus Rache in eine Pestgrube geworfen worden. Auf diesen Umstand hin braut ein Anonymus im Wiener „Fremden-Blatte“ (1855, Nr. 144, Beilage) eine Liebesgeschichte zusammen, nach welcher der Fürst in eine Amalie, die er in der Pestgrube gefunden und gerettet, zuerst sich verliebte und dann sie heirathete. Nun aber war der Fürst bereits seit 1674 mit Maria Anna Gräfin von Sulz verheirathet. Und in der Geschichte des Hauses Schwarzenberg hat sich bis zur Stunde die Geschichte des Grafen Gleichen nicht wiederholt. Gewiß ist es, daß der Fürst in jener traurigen Zeit eine große und höchst erfolgreiche Energie entwickelte. Auch in den Tagen der Türkenbelagerung, 1683, glänzt sein Name im Vereine mit jenem des damaligen[WS 1] Fürstprimas von Ungarn, des Grafen Széchényi, mit dem er in so reichlichem Maße Wohlthaten spendete, daß es zum Sprichworte wurde, „Beide hätten Wien ebenso durch Gold erhalten, als Held Starhemberg durch die Waffen“. Im Jahre 1685 verlieh ihm der Kaiser die Würde des Obersthofmarschalls, 1688 der König von Spanien das goldene Vließ und 1692 wurde er Obersthofmeister der regierenden Kaiserin [20] Eleonore Magdalena Theresia, welche Stelle er bis an sein bereits im Alter von 51 Jahren erfolgtes Lebensende bekleidete. Durch einen weisen Haushalt war es ihm möglich geworden, nicht nur große Summen dem allgemeinen Wohle darzubringen, sondern neben Besorgung einer[WS 2] fürstlichen Haushaltung auch noch den bereits großen Güterbesitz durch neue Erwerbungen in den kaiserlichen Erdländern, als z. B. die der Herrschaft Postelberg und des Schwarzenberg-Palais auf dem Neuen Markte in Wien, zu vermehren. Viele Acte edelster Wohlthätigkeit, Spitalstiftungen, religiöse Institutionen – u. a. damals bereits eine katholische Mission – stehen mit seinem Namen in Verbindung, aber Alles verschwindet gegen sein geschildertes Verhalten im Pestjahre 1679 und im Türkenjahre 1683. Aus seiner Ehe mit Maria Anna Gräfin von Sulz [s. d. S 29, Nr. 43], welche ihm um einige Jahre im Tode vorangegangen, hatte er zehn Kinder, von denen der ältere Sohn Adolph Ludwig im Jünglingsalter von 14 Jahren das Zeitliche segnete, der jüngere hingegen, Fürst Adam Franz Karl [s. d. S. 1], das Fürstenhaus fortpflanzte. Kurz vor seinem Ableben hatte der Fürst noch das Fideicommiß-Statut sozusagen das Fundamentalgesetz seines Hauses, in welchem bereits für eine allfällige Secundogenitur vorgesehen worden, errichtet. [Das Vaterland (Wiener polit. Blatt, gr. Fol.) 1870, Nr. 64, im Feuilleton: „Die Volksfiguren unter den Wiener Cavalieren“, von Berthold Mormann (schildert unseren Fürsten Ferdinand Wilhelm Euseb, den man in Anbetracht seines unvergeßlichen Wirkens im Pestjahre 1679 allgemein „den Pestkönig“ nannte).] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Zum Fürstprimas erhoben wurde Graf Széchényi erst am 21. März 1685 (vergleiche Band 41, Seite 230).
  2. Vorlage: eines.