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BLKÖ:Rott, Karl Mathias

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rott, Moriz
Band: 27 (1874), ab Seite: 145. (Quelle)
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Rott, Karl Mathias (Schauspieler, geb. zu Wien am 23., n. A. am 28. Februar 1807). Im Jahre 1817, damals 10 Jahre alt, war Rott Organist in der Kirche „Maria Geburt“ auf dem Rennwege in Wien. Zwei Jahre später kam er als Sängerknabe in das Hof-Operntheater und sang in Mozart’s „Zauberflöte“ einen der Genien. Da er frühzeitig mutirte, wirkte er im Alter von 153 Jahren als Bassist im Chore des Hof-Operntheaters mit. Daselbst blieb er bis 1824, in welchem Jahre, nachdem das Hof-Operntheater geschlossen worden, er eine Stelle als Cellist im Orchester des Preßburger Theaters annahm. Im Jahre 1827 begab er sich mit Director Stöger nach Triest, später nach Gratz, dann wieder nach Preßburg und Gratz, und daselbst war es, wo er die Musik zu Nestroy’s [Bd. XX, S. 204] erstem dramatischen Versuche: „Die Verbannung aus dem Zauberreiche“. schrieb. Von Gratz kam er im Jahre 1832 nach Wien in’s Josephstädter Theater und blieb daselbst bis 1836, als nämlich der damalige Director, Notar Scheiner, bei Nacht und Nebel geflüchtet war. Nachdem nun Rott einige Male im Burgtheater als Gast aufgetreten war, begab er sich darauf nach Pesth und dort entschied sich seine eigentliche schauspielerische Richtung, durch welche er seinen Ruf in der Bühnenwelt begründete. Der Director des Pesther deutschen Theaters hatte nämlich Raimund [Bd. XXIV, S. 254] zu einem Gastspiele erwartet, welches Raimund mit dem „Verschwender“ beginnen sollte. Indessen hatte sich Raimund, wie dieß in seiner oben citirten Biographie erzählt wird, in einem Anfalle von Melancholie selbst den Tod gegeben. Da half Rott dem Director aus seiner Verlegenheit, indem er die Raimund zugedachte Rolle des Valentin übernahm und damit einen durchschlagenden Erfolg erzielte. Sein Weg war ihm nun vorgezeichnet und als „Raimund-Nachahmer“ hatte er sich zunächst Bahn gebrochen. Später freilich entwickelte er sich als Charakterspieler, der auch selbstständige Gestalten mit ergreifender Wahrheit schuf, wodurch sein Name als Künstler auch auf auswärtigen Bühnen bekannt wurde. Zunächst spielte er nach und nach alle Raimund’schen Rollen ab, gab mit denselben Gastspiele in Berlin, auf mehreren kleineren Bühnen in Ungarn, bis ein glücklicher Zufall seine Uebersiedlung nach Wien vermittelte. Zu Beginn der Sommersaison des Jahres [146] 1847 hatte Fritz Beckmann, der im Theater an der Wien bisher die Hauser füllte, in Elmar’s „Dichter und Bauer“ Abschied genommen, um in’s Burgtheater, dessen Director ihn gewonnen hatte, zu übersiedeln. Mit ihm hatte das Pokorny’sche Theater seine Zugkraft verloren. Es galt, eine neue zu gewinnen und dazu kam der Zufall zu Hilfe. Es war nämlich in Pesth im Februar genannten Jahres zur Freude der Magyaren (!) das deutsche Theater niedergebrannt und die deutschen Schauspieler waren – brotlos. Da vermittelte Franz Treumann (gest. 1874), der zu jener Zeit bereits als Secretär im Theater an der Wien engagirt war, ein Gastspiel der Pesther Schauspieler im Theater an der Wien, und so wurden für dasselbe Frau Klimetsch, die von einem Fachkritiker treffend als der weibliche Scholz bezeichnet wurde, Karl Treumann, Alois Berla und Karl Rott gewonnen, und Rott, der in Friedrich Kaiser’s „Viehhändler aus Oberösterreich“ die Titelrolle spielte, feierte mit seiner Meisterleistung einen großen Triumph. Seit dieser Zeit bis auf die Gegenwart wirkte nun Rott an dieser Bühne und schuf eine Reihe von Charakteren, welche oft ganz mittelmäßigen Schöpfungen der Wiener Local-Poeten es ermöglichten, sich längere Zeit auf den Brettern zu halten. Alle Versuche des Directors Carl, ihn für sein Theater in der Leopoldstadt zu gewinnen, blieben erfolglos; nur, als durch Pokorny’s (Sohn) Zahlungseinstellung die Katastrophe über das Wiedener Theater hereinbrach und Treumann um diese Zeit sein Quai-Theater eröffnet hatte, nahm Rott Treumann’s Antrag, an seiner Bühne zu wirken, an. Jedoch mag die Erinnerung an seine kurze Thätigkeit im Quai-Theater kaum zu seinen angenehmsten zählen; er löste auch bald wieder seine Verbindlichkeiten und kehrte in das mittlerweile von Strampfer gepachtete Theater an der Wien zurück, an welchem er zur Stunde noch thätig ist. Von seinen zahlreichen Gastspielen ist jenes in Berlin bemerkenswerth, wo er zum ersten Male im Jahre 1837 auftrat, zu einer Zeit, als noch sein Namensvetter Moriz Rott [S. 149] Lorbeeren pflückte. Damals hieß Karl Mathias Rott zur Unterscheidung von Moriz Rott der „Pesther Rott“. Er spielte damals die Raimund’schen Rollen, den Wurzel, den Valentin und erntete ungeheuren Beifall. Dreizehn Jahre später, 1850, kam Rott wieder nach Berlin und brachte das von den Wiener Volksdichtern im Jahre 1848 gepflegte Genre der politisch-socialen Volksstücke mit, und feierte im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater, namentlich mit den scharfpointirten Couplets von Berla, Elmar, Kaiser u. A., neue Triumphe. Die für ihn bedeutsamste Feier beging aber Rott in den letzten Tagen des Monats November 1872, in welchen ihm seine fernen und nahen Collegen und zahlreichen Verehrer seines Spiels anläßlich seiner 25jährigen Wirksamkeit im Theater an der Wien und seiner 50jährigen als Schauspieler ein Erinnerungsfest bereiteten, über dessen Einzelheiten die Wiener Blätter jener Tage ausführliche Berichte brachten. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde der Jubilar durch das goldene Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet. Zu seiner Jubelvorstellung am 30. November spielte er den Knöpfl in Anton Langer’s „Judas im Frack“ mit einer Meisterschaft und Frische, daß kein Mensch dachte, daß dieser Charakter, welcher die Kraft eines Dreißigers erfordert von einem Manne, der [147] über 66 Jahre alt, dargestellt wurde. In früheren Zeiten glänzte er stark in Verkleidungsrollen und feierte namentlich im „Gervinus“, „Paperl“, „Des Teufels Brautfahrt“ u. dgl. m. große Erfolge. Ungleich bedeutender steht er aber in Charakterrollen da, von denen er selbst die meisten in den Wiener Volksstücken der letzten 20 Jahre geschaffen. So sind nur beispielsweise – ein vollständiges Repertoir seiner Rollen gelang mir trotz aller Bemühungen nicht, zu bekommen – anzuführen: der Viehhändler in Kaiser’s „Stadt und Land“, der Rosner im „Wiener Freiwilligen“, der Peti in Berla’s „Zigeuner“, der General Bum Bum in der „Großherzogin von Gerolstein“, der Oberpriester in der „Schönen Helena“, der Meineidbauer in Anzengruber’s gleichnamigem Stücke, der einfältige Bauer in Flamm und Wimmer’s „Der Teufel im Herzen“, der Zuave in „Jäger und Zuave“. sein Tratschmiedl, der Breninger in den „Kreuzelschreibern“, der Thaddäus Prunkenstein im „Täglichen Brot“ von Berla u. dgl. m. Friedrich Kaiser, der manche Rolle in seinen vielen Stücken zunächst im Hinblicke auf Rott geschaffen, und der über Rott schreibt, daß die österreichische Volksbühne seit Raimund’s Tode kaum einen Darsteller von Charakteren besessen habe, wie Karl Rott, nennt ihn treffend den „Anschütz der Vorstadt“. Rott ist auch in der That ein Charakteristiker ersten Ranges; als er noch die Raimund’schen Lieblingsgestalten in der stereotypen Weise ihres Urhebers nachspielte, war ihm diese Manier einige Zeit so in Fleisch und Blut stecken geblieben, daß auch in anderen Rollen immer wieder das Raimund’sche Wesen durchschillerte, und da hieß es denn geraume Zeit und nicht mit Unrecht: „Rott raimundelt in allen Rollen“. Aber diese Auffassung seines Spieles ist eine befangene. Mögen hie und da ein Tonfall, eine Geste, eine Kopf- und Handbewegung öfter wiederkehren, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ein völliges Aufgeben der eigenen Persönlichkeit nie eintreten kann, so macht dieß der übrigen Durchführung einer von Rott geschaffenen Rolle keinen Eintrag. Rott legt in der That an seine verschiedenen Rollen nicht einen und denselben Leisten an. Er versteht es, wie wenige seiner Collegen, zu individualisiren, man wird dieß gern zugeben, wenn man ihn als Wurzel, als Valentin, dann aber als Zigeuner Peti, als Wiener Freiwilliger, als Meineidbauer u. dgl. m. gesehen hat. In allen Rollen individualisirt Rott bis in’s kleinste Detail, aber nicht, um damit im Publicum Staunen zu erregen, sondern, um ein durch und durch wahres, der Natur bis in ihre feinsten Züge abgelauschtes Gebilde zu schaffen. Rott hat Freude an seiner Kunst wie an seiner Kochkunst – es ist bekannt, daß er ein großer Gourmand, und mit gleicher Meisterschaft, wie er Abends seine Charaktere auf der Bühne durchführt, sich die einzelnen Gerichte seiner Mahlzeit selbst bereitet – und mit eisernem Fleiße eine fast unfehlbare Gedächtnißstärke und unverwüstliche Gesundheit verbindend, übt er seinen anstrengenden Beruf – denn oft spielt er wochenlang hinter einander die schwersten Rollen – unverdrossen immer mit gleicher Frische und Liebe, und spielt vor einem leeren Hause ebenso trefflich und musterhaft, wie vor einem übervollen. Zu Ende der Fünfziger-Jahre verheirathete sich Rott – zum zweiten Male – mit Marie Lutz[WS 1] (geb. zu Wien im Jahre 1840) [148] einer Tochter des Tänzers am k. k. Hof-Operntheater, Jacob Lutz. Marie war von ihrem Vater für das Ballet ausgebildet worden. Später aber widmete sie sich dem Localgesangsfache und trat in Wiener-Neustadt als Therese Krones in Haffner’s gleichnamigem Charakterbilde auf. Sie gefiel, wurde engagirt, und als der Director des Wiener-Neustädter Theaters auch die Leitung der Karlsbader Bühne während der Badesaison übernommen hatte, spielte Marie auch in Karlsbad. Von dort kam sie an das Theater an der Wien, wo sie sich bald als fleißige Schauspielerin bewährte, aber mehr als durch ihre Kunst durch ihre fast blendende Schönheit fesselte. Daselbst lernte sie Rott kennen; er ließ sie nun auf seine Kosten im Localfache ausbilden und führte sie bald als seine Gattin heim. Im Theater an der Wien fand sie als Localsängerin keine ihrem Talente entsprechende Verwendung, und so nahm sie denn ein Engagement am Josephstädter Theater an, wirkte während eines Gesammtgastspiels mit Albin Swoboda, Blasel, Friese und ihrem Gatten in Gratz und gefiel als Großherzogin im Stücke die „Großherzogin von Gerolstein“, als Boulette, Helena und in anderen Rollen so sehr, daß sie der Director des Gratzer Theaters, Kreibig, für seine Bühne engagirte, an welcher sie zwei Jahre wirkte; dann nahm sie einen Gastspielantrag an das Friedrich Wilhelmstädtische Theater in Berlin an, wo sie aber, ungeachtet sie sehr gefiel, nicht lange blieb. Im Jahre 1869 kehrte sie an das Theater an der Wien zurück. Indessen war sie bereits seit Jahren leidend und soll sich in dem Ausstattungsstücke: „Schafhaxl“, in welchem das Wenige, was ihr Costüm ausmachte, durchsichtig war, durch Verkühlung den Todeskeim geholt haben; denn seit dieser Zeil kränkelte sie beständig, ohne sich wieder erholen zu können. Alle ärztliche Hilfe und Curmethoden blieben erfolglos, endlich starb sie, 32 Jahre alt, am 17. August 1872 nach langem Leiden. Interessant dürfte es vielleicht sein, zu erfahren, daß Mater Rahl für sie geschwärmt, wohl – wie es bei seiner derbsinnlichen Natur leicht erklärlich – zunächst angezogen von ihrer prächtigen körperlichen Erscheinung. Von des Künstlers Hand sind auch noch zwei Oelbildnisse von Marie Rott-Lutz vorhanden, wohl beide noch in Rott’s Besitz. Aus der Ehe mit ihr hatte Rott zwei Kinder, wie deren zwei aus seiner ersten Ehe.

Deutsche Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1872, Nr. 330, in der Rubrik „Theater und Kunst“. – Feier-Abend (Wien, bei Zamarski, 4°.) I. Band, Nr. 17. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1867, Nr. 180: „Karl Rott in Berlin“. – Hanns Jörgel von Tribuswinkel (Wien, kl. 4°.) III. Jahrg. (1872), S. 587: „Die Jubiläumsfeier des Schauspielers Rott“. – Wiener illustrirtes Extrablatt. Herausgegeben von Berg und Singer (kl. Fol.) 1872, Nr. 249: „Die Jubelfeier im Theater an der Wien“. – Kaiser (Friedrich), Unter fünfzehn Theater-Directoren. Bunte Bilder aus der Wiener Bühnenwelt (Wien 1870, Waldheim, 12°.) S. 155, 138, 159, 160, 174, 240, 250, 251 u. 261. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. VI, S. 435. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1872, Nr. 2972, in den „Theater- und Kunstnachrichten“; 1873, Nr. 3009; Nr. 3971 vom 30. November: „Karl Rott“. – Neue illustrirte Zeitung. Redigirt von Johannes Nordmann (Wien, kl. Fol.) 1872, Nr. 1. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1872, Nr. 327: „Das fünfzigjährige Jubiläum des Schauspielers Rott“; Nr. 330, im Feuilleton des Local-Anzeigers: „Zur Jubelfeier des Schauspielers Karl Rott“, von Friedrich Kaiser. – Allgemeines Theater-Lexikon ... Herausg. von K. Herloßsohn, H. Marggraff [149] u. A. (Altenburg und Leipzig o. J., kl. 8°.) Bd. VI, S. 211, im Texte Nr. 2. – Weill (Philipp), Wiener Jahrbuch für Zeitgeschichte, Kunst und Industrie, und Oesterreichische Walhalla (Wien 1851, Ant. Schweiger, 8°.) S. 132. – Porträte. 1) Unterschrift: Herr Rott, Sänger und Schauspieler des Josephstädter Theaters (nunmehr Mitglied der k. Bühne in Pest), als Bedienter in Holtei’s Liederspiel: Die Wiener in Paris. Costumebild der Bäuerle’schen Theater-Zeitung Nr. 39 (4°.), nach dem in meinem Besitze befindlichen Aquarell von Schmutzer; – 2) Ueberschrift: Wiener bekannte Persönlichkeiten. VIII. Karl Rott. Holzschnitt, ziemlich ähnlich im „Tritsch Tratsch“ 1858, Nr. 25; – 3) Unterschrift: Karl Rott als Thomas im Lebensbilde: „Der Teufel im Herzen“ von Flamm und Wimmer. Costumebild, ganze Figur, im „Tritsch-Tratsch“ (Wiener Blatt, 4°.) April 1859, Nr. 14; – 4) Klič 1871 gez.. Tomassich sc., im Witzblatt „Der Floh“ (Wien, kl. Fol.) 1871, 6. Aug., Nr. 32 [das ähnlichste Bildniß]. – Die folgenden Quellen betreffen Rott’s Gattin Marie: Illustrirtes Wiener Extrablatt 1872, Nr. 144 u. 146: „Marie Rott-Lutz“. – Zellner’s Blätter für Musik, Theater u. s. w. (Wien, kl. Fol.) 1872, S. 240, in der Rubrik der „Gestorbenen“. – Deutsche Zeitung (Wien) 1872, 18. August, Nr. 226, in den Theater- und Kunstnachrichten“. – Neue freie Presse 1872, Nr. vom 18. August. S. 8. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1872, Nr. 226. – Sowohl von ihr, wie von ihrem Gatten sind aus den Wiener Ateliers von Beer, Luckhardt u. A. Porträte und Costumebilder in Visitkarten- und Cabinet-Format vorhanden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Maria Lutz (Wikipedia).