Zum Inhalt springen

BLKÖ:Rahl, Karl

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Rahl, Karl Heinrich
Band: 24 (1872), ab Seite: 230. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Carl Rahl in der Wikipedia
Carl Rahl in Wikidata
GND-Eintrag: 116324554, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rahl, Karl|24|230|}}

Rahl, Karl (Historienmaler, geb. in Wien 13. August 1812, gest. ebenda 9. Juli 1865). Ein Sohn des berühmten Kupferstechers Karl Heinrich Rahl [s. d. Folg. S. 244], wuchs Karl in geordneten häuslichen Verhältnissen auf; der überaus fleißige Vater wollte jedoch seinem Sohne den Weg auf dieser Erde leichter machen, als es der war, den er selbst hatte wandeln müssen, und bestimmte ihn zum Kaufmann. So beendete Karl die Realschulen, zeigte aber schon im zarten Alter große Lust an den Studien der classischen Alterthümer und der Geschichte, insbesondere aber Vorliebe für das Zeichnen, so daß bei den außerordentlichen Fortschritten, welche derselbe in diesen Fächern machte, und bei der besonderen Befähigung für die künstlerische Laufbahn, sich endlich der Vater bewogen fand, ihn der Malerei zu widmen. Nachdem Rahl noch ein Jahr im Hause seines Vaters mit größtem Eifer dem Studium der Anatomie obgelegen, wurde ihm gestattet, sich in die Akademie der bildenden Künste einschreiben zu lassen. In derselben entwickelte R. einen außerordentlichen Eifer. „Alle Figuren mußten Riesen, alle Farben Feuer sein“, sagt treffend einer seiner Biographen, und dieser Ausspruch bethätigt sich in den späteren Werken des Meisters sowohl in der Zeichnung wie im Colorit. Seine Mitschüler nannten ihn spöttisch den „wilden Titian“; daß er Vieles von diesem an sich hatte, beweisen seine Werke, aber nicht in einer Richtung, wie seine Spötter meinten. Neunzehn Jahre alt, bewarb sich R. bereits um den Reichel’schen Preis und gewann ihn 1832 durch sein großes historisches Bild: „David in der Höhle Adular“ gegen Mitbewerber, welche wohl schon so viele Jahre in der Akademie arbeiteten, als er deren im Ganzen zählte. Durch diesen Sieg verlor er aber den Anspruch auf den kaiserlichen Preis, mit dem die Aussicht einer Fortsetzung seiner Studien in Rom verbunden gewesen wäre. Auch wurde er – trotz dieses Werkes, das seine volle Befähigung darlegte – noch für zu jung erklärt, um bereits im Lande der Kunst seine Studien fortzusetzen. Den Unmuth über so engherziges Gebaren unterdrückte R. in unablässiger Arbeit, so entstand in jener Zeit sein lebensgroßes Gemälde: „Der Fischer“, nach Goethe [ein ausführlicheres Verzeichniß der bedeutendsten Werke des Künstlers folgt auf S. 238 u. f.], das in der Josephstädter Piaristenkirche befindliche Altarbild: „Mariä Vermälung“, zwei andere Heiligenbilder für Debreczin und das Stift Reichersberg, endlich das große, im Belvedere befindliche Historienstück: „Chriemhilde bei Siegfrieds Leiche“. Nun ließ ihn sein Vater vorerst nach Deutschland reisen und in München wirkte der Umgang mit Künstlern, wie Schaller, Schwind, tief auf sein warmes empfängliches Gemüth, in Stuttgart rissen ihn die Schöpfungen Eberhard Wächter’s zur Begeisterung hin, und dort entstanden auch die Bildnisse der damaligen Koryphäen deutscher Dichtung, jene von Justinus Kerner[WS 1], Nikolaus Lenau, Gustav Schwab u. A. Endlich war auch der heißersehnte Augenblick gekommen, daß er das gelobte Land der Kunst betreten sollte. Der Vater schickte ihn nach Italien und am 5. December 1836 traf er in [231] Rom ein. Welchen überwältigenden Eindruck dort die Werke eines Raphael, Michael Angelo, Paul Veronese, Titian auf den Künstler machten, muß einer eingehenderen Biographie überlassen bleiben; um aus der verzehrenden Bewunderung herauszukommen, sich sozusagen selbst zu retten, mußte er zur That schreiten und sich wieder mit dem ganzen heiligen Eifer, der ihn sein Leben lang nicht verließ, der Arbeit zuwenden. Er miethete ein Atelier in der Nähe des Malers Riepenhausen und legte nun Hand an ein neues Bild: „Hagen und Volker vor der Thüre der Chriemhilde“. Mit dem zweiten Werke, welches er damals in Rom schuf, gewann er einen für den Sohn wie für den Künstler gleich schönen Erfolg, es war nämlich das Staffeleibild; „Der Schwur der drei Schweizer auf dem Rütli“, das der eigene Vater, um das treffliche Werk des Sohnes durch den Stich zu vervielfältigen, in größter Dimension in Kupfer stach. Mehrere Aufforderungen des Vaters, in die Heimat zurückzukehren, wußte R. durch seine Beschäftigung mit stets neuen Entwürfen und durch Nachrichten über andere, bereits begonnene Arbeiten zu vereiteln, und in der That entstand unter anderen damals sein großes Historienbild: „Karl von Anjou findet auf dem Schlachtfelde von Benevent die Leiche Manfred’s“, welches er im Jahre 1838 seinem Vater nach Wien schickte, wo es vom Allerh. Hofe für die Belvedere-Gallerie angekauft ward, gewiß nicht zu dem Zwecke, um, wie es leider der Fall, zusammengerollt in den Magazinen des Belvedere zu liegen. Glücklicher war sein zweites: „Die Christenverfolgung“, welches Dr. Abendroth in Hamburg erwarb und das sich nun im Besitze des Consuls Wagener in Berlin befindet. Nun kam R. wohl in seine Heimat, verweilte aber nur ein Jahr in derselben und kehrte, um seine Arbeiten fortzusetzen, nach Rom zurück, das ihm eine zweite Heimat geworden, und wo neben den Werken der Kunst auch der Umgang mit gleichstrebenden Künstlern, namentlich mit dem berühmten Landschafter Joseph Anton Koch [Bd. XII, S. 184], im hohen Grade anregend und fördernd auf ihn wirkte. R. blieb nun bis zum Jahre 1843 ununterbrochen in Rom, in diesem berief ihn der Tod seines Vaters nach Wien zurück. Mittlerweile war sein Name durch die häufigen Sendungen seiner Werke in die Kaiserstadt ein bereits gefeierter, so daß bei seiner Ankunft der Schmerz um den Verlust seines geliebten Vaters durch die ihm von allen Seiten gewordene ehren- und theilnahmsvolle Aufnahme einigermaßen gelindert wurde. Ihm wurde damals die Auszeichnung zu Theil, die Skizze zu einem historischen Bilde Sr. Majestät dem Kaiser vorlegen zu dürfen, welche solchen Beifall fand, daß er mit der Ausführung desselben im Großen beauftragt wurde. Es ist das Bild: „König Manfred’s festlicher Einzug in Luceria“, welchem trotz der kaiserlichen Bestellung gleiches Loos wurde, wie dem oben erwähnten Gegenstücke: „Karl von Anjou bei Manfred’s Leiche“. Nachdem er seine häuslichen Angelegenheiten in Wien geordnet, kehrte er wieder nach Rom zurück, wo er bis zum Jahre 1845 blieb, in welchem er, dem Rufe einiger Freunde folgend, über Dresden, Berlin, Hamburg nach Holstein reiste, wo ihn der dortige Adel vielfach beschäftigte. Nach mehrmonatlichem Aufenthalte in Holstein ging er über Belgien nach Paris, wo er von Seite des österreichischen Botschafters Grafen Apponyi in auszeichnender Weise aufgenommen [232] wurde und damals dessen und seiner Tochter, einer vermälten Gräfin Eßterházy, Bildnisse malte. Von Paris eilte er nach Rom zurück, wo er an die Ausführung der bei ihm bestellten Arbeiten ging und auch genug neue Aufträge erhielt. Nachdem er sein Gemälde: „Manfred’s Einzug in Luceria“ vollendet, überbrachte er dasselbe im Jahre 1847 selbst nach Wien und folgte von dort einer neuerlichen Einladung nach Holstein, wo an ihn auch eine Einladung des Königs Christian VIII. gelangte, die ihn nach Kopenhagen berief. Dort vollendete R. das Bildniß des Königs und mehrerer Mitglieder des dänischen Adels, und sollte eben die Ausführung einer Gallerie der berühmtesten Dänen für das Museum in Friedrichsburg übernehmen, als der Tod des Königs dieses Vorhaben vereitelte. R. beabsichtigte nun, wieder in sein römisches Atelier zurückzuführen, reiste sofort nach Paris, wo er den König Ludwig Philipp malen sollte, aber gerade ankam, als der König auf der Flucht Paris verlassen hatte. Die Ereignisse in Deutschland, noch mehr jene im eigenen Vaterlande ließen ihn nun seine Absicht, nach Rom zurückzukehren, aufgeben. R. blieb in Deutschland, dort trieb ihn seine glühende Begeisterung für die deutsche Sache auf die Rednerbühnen für die Wahlen zum deutschen Parlamente. Vogt in seiner vortrefflichen Charakteristik dieses urwüchsigen Künstlergenies [siehe die Quellen S. 241] gibt in wenigen Zügen ein drastisches Bild der damaligen Wirksamkeit Rahl’s. Dann begab sich der Künstler auf den Kampfplatz nach Schleswig-Holstein. Kurz vor seinem Eintreffen daselbst hatte aber die preußische Regierung den Separatfrieden von Malmö geschlossen, der das arme, nicht gerüstete Land nun völlig der Wuth des Feindes preisgab. Mißmuth und Groll im Herzen, trat Rahl die Reise nach Wien an. Dort nahm ihn die akademische Legion in das Künstlercorps auf und schickte ihn – wahrhaftig zu des Künstlers Glücke, denn wäre er in Wien geblieben, er wäre entweder auf den Barrikaden als Kämpfer gefallen oder hätte vielleicht ein Loos wie Blum und Messenhauser gefunden – kurz vor Ausbruch der October-Revolution – in’s Studentenparlament nach Eisenach. An eine Rückkehr nach Italien war unter den damaligen Verhältnissen nicht zu denken; ein Aufenthalt in Wien, wo damals und in nächster Zeit Alles unter dem Drucke einer Reaction seufzte, der kaum geringer war, als jener der Revolution, war für einen Mann von Rahl’s Gesinnung auch nicht angenehm, so zog er denn vor der Hand nach dem friedlicheren München, wo er ein historisches Bild, welches ihm Graf Ugarte schon im Jahre 1846 aufgetragen hatte: „Leopold der Tugendhafte auf den Mauern von Ptolomais“, in Angriff nahm. Dann folgten „Arion“ und „Boreas“, welche er nach Wien schickte, wo beide eine sehr beifällige Aufnahme fanden. Im künstlerischen Verkehre mit Genelli, Berdella, Stange, Zimmermann u. A. verlebte R., zum Schaffen und zu Studien vielfältig angeregt, längere Zeit in der Isarstadt, um endlich im Jahre 1850 einer ehrenvollen Berufung an die Wiener Kunstakademie zu folgen. Enthusiastisch strömten ihm die Schüler zu, und die bedeutenden Fortschritte, welche dieselben unter seiner Leitung machten, gaben glänzendes Zeugniß für die Aufopferung und Beharrlichkeit, welche Rahl in diesem neuen Berufe an den Tag legte. Aber dieser künstlerische Pädagogen-Lenz war nur von [233] kurzer Dauer. Die Opposition in der damals politisch noch ungeklärten Zeit erhob immer mächtiger ihr Haupt und schon nach Ablauf eines Cursus mußte Rahl seinen Posten, auf den er übrigens nur provisorisch berufen worden, verlassen. So eröffnete er denn auf Bitten seiner Schüler eine eigene Schule. 25 derselben waren ihm in das Atelier, welches er in der Theresianumgasse, mit dem Prachtpanorama der Stadt vor sich und dem Kranz der Gebirge im Nordwesten, eröffnet hatte, gefolgt, und nun blieb er fortwährend bis an sein Lebensende in Wien thätig. Die Zahl seiner Schüler war im beständigen Zunehmen begriffen und wuchs bis auf achtzig, unter denen mehrere seither sich einen Namen in der Kunstwelt errungen haben [siehe weiter unten zu Ende dieser biographischen Skizze, S. 237]. Aber noch manche Kränkung sollte der Künstler erfahren, ehe er eine unanfechtbare Stellung erreichte. Die Ausschmückung der nach Müller’s Plan ausgeführten Altlerchenfelderkirche bot die nächste Gelegenheit, die erste Künstlerkraft Wiens, denn das war Rahl, für ein Monumentalwerk zu gewinnen. Aber alle möglichen und nichts weniger als durchwegs wirklich bedeutenden Künstlerkräfte wurden dem mit der Bilderausschmückung der Kirche betrauten Maler Führich zur Verfügung gestellt, nur Rahl wurde ausgeschlossen. Einer seiner Biographen erklärt diesen auffallenden Vorgang in gelindester Weise mit den Worten: „Die weltlichen Formen und die sündhafte Farbe des Heiden paßten für das Gotteshaus nicht“. Noch Schlimmeres sollte Rahl beim Arsenal begegnen. Der Erbauer des Waffenmuseums, Architekt Hansen, hatte den Künstler aufgefordert, einen Cyklus von Compositionen für die Ruhmeshalle und die beiden daranstoßenden Säle zu entwerfen. Mit Begeisterung ging R. an die Arbeit, in welcher er in einer symbolisch-allegorischen Darstellung der Kriegsgeschichte Oesterreichs die ganze Spannweite seines künstlerischen Genius entfalten wollte. Die Ideen, von denen er bei Ausführung dieser monumentalen Arbeit ausging, sind nach seinen eigenen, in Künstlerkreisen ausgesprochenen Worten in der „Illustrirten Zeitung“, Nr. 1168, vom 18. November 1865, S. 355, ausführlich mitgetheilt. Sie geben Zeugniß, wie es Rahl verstand, Geschichte und Malerei, Thatsache und Ideal auf das Innigste und dabei in einer dem Orte der Ausführung auf das Umsichtigste angepaßten Weise zu vereinigen. Aber dieses hohe Lied der österreichischen Waffenthaten, wie es Rahl mit dem Pinsel auf nasse Kalkwand schreiben wollte, fand sonderbarer Weise an maßgebender Stelle keinen Anklang. Die amtliche „Wiener Zeitung“ fand sich – nach dem Tode des Künstlers durch die darüber in die Oeffentlichkeit gelangten Mittheilungen aus ihrer Ruhe aufgescheucht – gezwungen, im Jahre 1865, Nr. 175, eine Darstellung des Sachverhalts zu veröffentlichen. Mochte jedoch derselbe wie immer beschaffen sein, die Verbitterung des Künstlers, der sich in seinem edelsten Streben so gekränkt sah, wurde dadurch nicht weggeschrieben. Nicht nur sein Project wurde abgelehnt, sondern auch sein Auftraggeber, Architekt Hansen, wurde, weil er auf der Ausführung der Rahl’schen Entwürfe bestand, bei Seite geschoben. Acht Jahre später wurde wohl dieser Mißgriff erkannt und dann versucht, gut zu machen, was noch gut zu machen war. Indessen verfolgte Rahl seine künstlerischen Ziele unablässig weiter und vollendete eine Reihe von Arbeiten, welche seinen Namen [234] im Reiche der Kunst immer mehr verherrlichen halfen. Im Jahre 1860 arbeitete er den Entwurf für den Festsaal des großherzoglichen Schlosses in Oldenburg, von welchem jedoch nur die Decke und die Seitenwände zur Ausführung gelangten. Im folgenden Jahre vollendete er die zwölf großen Figuren für die dem Wiener Opernhause gegenüberstehende Façade des Heinrichshofes. Im Jahre 1862 übertrug der Bankier Eduard Todesco auf Kaulbach’s Anregung dem Künstler die Ausschmückung von acht Gemächern seines neuen, in Wien in der verlängerten Kärnthnerstraße erbauten Palastes. Rahl führte darin die Paris-Mythe in herrlichster Weise aus. Mittlerweile brachte er aber auch einige kleinere Aufträge zu Stande, so die Patrone der erzherzoglich Rainer’schen Familie für die Capelle des Schlosses zu Hornstein, die Freske: „Das Mädchen aus der Fremde“, für die Villa Wisgrill in Gmunden, die 20 Zeichnungen mit dem Cyklus der Argonautensage für den Grafen Wimpffen, deren Ausführung im Palaste des Grafen durch des Künstlers Tod vereitelt wurde. Endlich aber trat ein Mäcen an den Künstler heran, der seine ganze Bedeutung erfaßte und ihn mit einer großartigen Aufgabe betraute. Es ist dieß der griechische Botschafter am kaiserlichen Hofe, der Freiherr von Sina. Dieser übertrug dem Künstler zuerst den Bilderschmuck an der Façade und in der Vorhalle der von Hansen restaurirten griechischen Kirche auf dem alten Fleischmarkte, ließ dann nach Rahl’s Entwürfen die vier Elemente im Speisesaale, dann die Künste und Jahreszeiten im Thorwege seines Palastes auf dem Hohenmarkte in Wien ausführen und übertrug ihm endlich die Entwürfe für den Fries an der von Hansen in Athen erbauten Universität, welche eine Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Wissenschaften auf griechischem Boden enthält und mittlerweile durch den Kupferstich auch in weiteren Kreisen Verbreitung gefunden hat. Wohl hätten solche Werke genügen sollen, um einen Künstler von dieser Bedeutung auf jenen Platz zu stellen, der ihm längst gebührte, aber erst dem Einflusse des Ministers Schmerling, mit dem eine würdigere Anschauung für Kunst und Wissenschaft in jene Kreise einzog, welche eben berufen sind, ohne Rücksicht auf das politische Parteigetriebe, Kunst und Wissenschaft zu fördern, zu unterstützen und zu schützen, erst diesem Staatsmanne gelang es, den Künstler wieder für die Akademie zu gewinnen, der er leider nur zu viele Jahre entzogen geblieben war. Mit Allerh. Entschließung ddo. 17. Februar 1863 erhielt Rahl an der Wiener Kunstakademie die erledigte Professur der Malerei. Seit dieser Zeit, noch mehr aber seit der kaiserlichen Ordensverleihung, verstummte das kleine, aber rührige Geschlecht, dem der Künstler durch seine Werke gefährlich war. Leider konnte sich das Institut, dem er wieder gegeben war, nicht lange dieser edlen und einflußreichen Kraft erfreuen. Die letzten Arbeiten, welche R. ausführte, waren die Vollendung des Cartons zur Cimbernschlacht, welche Baron Schak in München schon vor Jahren bei dem Künstler bestellt hatte, dann mehrere Aquarellskizzen für den Plafond des Zuschauerraumes, das Proscenium und den Vorhang im neuen Wiener Opernhause, wozu er die Personificationen der von der Musik geweckten Gefühle gewählt hatte. Sonderbarer Weise mit der Verherrlichung der Musik, für welche er am wenigsten Verständniß hatte, nahm Rahl Abschied vom Leben. Im Vorstehenden sind die [235] Hauptmomente seines Lebens in jener Kürze zusammengefaßt, wie sie der Zweck dieses Werkes verlangt. Es bleibt nur mehr Weniges zu sagen übrig. Als Charakter war R. eine durchaus eigenartige, selbstständige, unbeugsame Natur. Sein ganzes Wollen und Thun war von ununterbrochen fortschreitender Geistesbildung beherrscht. Homer war seine Bibel, Geschichte seine Lieblingslectüre, und alles Neue, was Epoche machte, so selbst Darwin’s Werk, zog ihn an und fesselte seine Aufmerksamkeit. Mit großer Unerschrockenheit, ja mit Selbstbewußtsein in seinem Auftreten verband er eine seltene Gabe der Rede. Einer seiner Biographen schreibt über ihn: er hatte glänzende und dunkle Eigenschaften, und keine derselben war ihm fragmentarisch verliehen. Er war umgänglich und mittheilend. Allzu reich, um zu kargen, gab er willig von seinen geistigen Schätzen und seinen Erfahrungen in der Kunst, und verschmähte nicht zu empfangen, wo er längst besaß. Ein Urtheil, ein leitendes Wort von ihm hat Männer und Jünglinge, Schüler und Künstler oft mehr als jahrelange Anstrengungen gefördert. Er kannte wie jeder Tüchtige seinen Werth und ließ sich davon nichts nehmen. Rahl war unter seinen Collegen gefürchtet, denn er tadelte scharf; aber ein Lob von ihm galt viel. Seine Logik war unbezwingbar, seine Rede klar wie sein Denken. Wenn er aber von großen Werken der Kunst oder der Dichtung, wenn er von Griechenland sprach, dann waren seine Worte Begeisterung, die jedermann fortriß. Schwäche, Heuchler- und Pharisäerthum waren ihm Greuel in der Kunst wie im Leben. Unerbittlich[WS 2] ging er diesem modernen Krebsschaden zu Leibe, und wenn er Leute traf, welche, aller Wärme, Kraft und Leidenschaft bar, bei jeder Kraftäußerung, bei jedem Leidenschaftsausbruche sich tugendlich entsetzen, und in ihrer moralischen Entrüstung berechtigt zu sein vermeinten, zu tadeln und zu richten, so brach er nicht selten mit den Worten Heine’s aus: „O, daß ich große Laster seh’, Verbrechen blutig, kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral!“. Er genoß auch des Lebens und der Liebe nach seinem Vermögen. Seine Religion war die Kunst und sein Gebetbuch die Geschichte. Aus diesem schöpfte er Trost, wenn ihn das deutsche Elend bekümmerte. Von der Sonne, die in Amerika wieder aufging, hoffte er Erlösung seines über Alles geliebten Volkes. Von seiner äußeren Erscheinung entwirft Vogt ein köstliches, aber trefflich gezeichnetes Bild. Rahl war, schreibt Vogt, ein corpulenter breitschultriger Mann, dem die musculöse Urkraft aus jedem Gliede schwoll, und über dieser Trutzgestalt ein Kopf, häßlich und anziehend zugleich, etwas vom Eber, aber mit der Stirne eines Denkers! Kleine tiefliegende, braunstrahlende, etwas mongolisch schiefgeschlitzte Augen unter einer hohen und breiten, seltsam durch kleine weiße Linien gewirkten Stirn[1], auf deren Mitte ein Büschel dunkler Haare saß, ein breiter Mund mit aufgestülpten, hellroth glänzenden Lippen, aus denen einige scharfe Zähne hervorblinkten; ein struppiger Borstenbart, der sich bis über die Backen hinaufzog. Man erschrack fast bei dem ersten Anblicke, so überraschte die wilde ungezähmte Kraft, die in diesem Gesichte sich aussprach! Aber bald fand man [236] neben dieser materiellen Kraft auch die geistige Ueberlegenheit, selbstständiges Nachdenken über alle Zweige der Kunst, tiefes Eindringen in das Wesen derselben, verbunden mit einem unerschöpflichen Schatze freundlicher Gemüthlichkeit und hellsprudelnden Humors, und schon nach der ersten Begrüßung schien es, als kenne man den Mann schon von alten Zeiten her und dürfe ihn nicht mehr von sich lassen.“ So Karl Vogt über ihn. Es leben im Munde seiner Schüler und der ihm nahe gestandenen Freunde eine Menge ganz köstlicher Züge aus seinem Leben, die in entsprechender Zusammenstellung ein Original-Charakterbild darböten. Manche davon illustriren sein Denken und Sinnen in treffendster Weise. Als er im Jahre 1847 den verstorbenen Dänenkönig Christian VIII., die Gräfin Danner und mehrere Hofwürdenträger gemalt, war man, da seine Bilder die Bewunderung des Hofes erregten, darauf bedacht, den Künstler in irgend einer Weise auszuzeichnen. So wurde denn ein Kammerherr abgeschickt, der ihn ausforschen sollte, ob ihm ein Titel oder ein Orden mehr zusagen würde. Rahl ertheilte dem Abgesandten folgenden Bescheid: „Ein Titel ist für mich ohne Werth und mit dem Dannebrog dürfte ich mich in Deutschland nicht blicken lassen. Wenn mir aber der König eine Freude machen will, so möge er meinem dänischen Schüler in Rom sein Reisestipendium verlängern.“ Man gewährte dem Künstler diesen Wunsch, verabschiedete ihn aber in nicht sehr gnädiger Weise vom Hofe. Mit welchen Schwierigkeiten der Künstler mit seinen geläuterten Kunstanschauungen gegenüber dem „süßen Pöbel“ der Kaiserstadt zu kämpfen hatte, erhellet aus der folgenden, von Rahl selbst erzählten Thatsache, welche die Angelegenheit der Arsenal-Ausschmückung viel wirksamer beleuchtet, als das oben erwähnte Dementi der „Wiener Zeitung“. Rahl kam fast unmittelbar vor dem Ausbruche des italienischen Krieges auf der Reise nach Griechenland, wo er in Athen das neu zu errichtende Universitätsgebäude mit Fresken zieren sollte, zu Vogt auf Besuch. Er zeigte dem Freunde Photographien der großartigen Entwürfe, die er für Ausschmückung des Arsenals in Wien gemacht hatte und deren Annahme, wie schon erzählt worden, im letzten Augenblicke verweigert worden war. „Du glaubst nicht, begann Rahl, welche Schwierigkeiten ich dabei zu überwinden hatte. Diese Oesterreicher haben beständig Krieg geführt, und wenn man die Sache beim Licht betrachtet, so haben sie nur deßhalb gesiegt, weil sie mehr Schläge aushalten konnten, als ihre Gegner. Daraus soll man nun Siegesfresken machen! Und dann die Häkeleien um Nebendinge! Da war es mir einmal gelungen, irgend einen Erzherzog in den Mittelpunct eines Bildes zu stellen, natürlich, auf weißem Rosse! Das weiß daheim jedes Kind, daß helles Roth und reines Weiß die leuchtendsten Farben sind, welche zuerst die Blicke auf sich ziehen, und daß im Vatican auf dem Rafael’schen Bilde Kaiser Constantin, der Sieger, nicht umsonst auf einem Schimmel sitzt. Aber den Höllenspectakel hättest du sehen sollen, den mein erzherzoglicher Schimmel unter all’ den Epauletten machte! Ich wußte gar nicht warum? Bis ich endlich erfahre, daß in der k. k. Armee nur die Trompeter auf weißen Pferden reiten. Sage nun selbst, wie es möglich ist, solchen Kunstbegriffen entsprechende Bilder zu malen? – Gibt’s Krieg? Glaubst du es wirklich? Jeder vernünftige Mensch muß wünschen, daß [237] wir geschlagen werden. Das ist das einzige Mittel, um aus diesem Sumpfe herauskommen. Aber lange wird die Wirkung nicht vorhalten.“ Rahl – obwohl der Liebe nichts weniger als fremd – blieb unvermält. Noch in seinen späteren Jahren war Hymen dem Künstler in Gestalt eines anmuthigen Mädchens genaht, von dem mehrere Bilder in die Oeffentlichkeit gekommen sind. Das Mädchen aber, welches dem Künstler anfänglich selbst zugethan schien, hatte denselben plötzlich verlassen und war einem jüngeren Manne – in ein kümmerliches Leben – gefolgt. Der Verlust der Geliebten und vielleicht auch die Art desselben hatte den Künstler hart getroffen. Das Schwerste war überwunden, aber, so schreibt ein Biograph, der dem Verblichenen nahe gestanden, immer ist es mir, als habe die markige Stimme an Festigkeit verloren und das Auge ein feuchter Glanz überzogen, wenn er der Verlorenen gedachte. Auch meldeten bald nach seinem Hingange die Blätter, daß in einem Städtchen, unweit Brünn, die Gattin eines geachteten Geschäftsmannes – die einstige Jugendliebe Rahl’s – lebe. Der gefeierte Künstler besuchte später oft noch das Ehepaar und habe es gewöhnlich mit künstlerischen, von seiner Hand gefertigten Arbeiten beschenkt. – Wie auch schon in dieser Skizze erwähnt worden, hat Rahl nach dem Verluste seiner Stelle in der Kunstakademie im Jahre 1850 in seinem eigenen Atelier eine Kunstschule eröffnet, welche von Jahr zu Jahr an Zöglingen zunahm. Von denen, die sich seither, in seinem Geiste ihr Talent ausübend, selbst in der Kunstwelt einen Namen gemacht und mit einem gewissen Stolze als Rahl’sche Schüler bezeichnet werden, sind zu nennen: Bitterlich, Rahl’s rechte Hand bei seinen Arbeiten für Sina, Todesco, Gustav Gaul, Griepenkerl, Mantler, Georg Mayer, Otto, Romako, die Ungarn Than und Lotz. – Was nun die Ehren betrifft, die dem Künstler außer der ihm bei Lebzeiten von allen Kennern gezollten Anerkennung und den bereits erwähnten, im Vaterlande erwiesenen Auszeichnungen sonst noch zu Theil geworden, sei bemerkt, daß ihn Griechenland und Oldenburg mit ihren Orden ausgezeichnet, der Großherzog von Oldenburg ihn zu seinem Hofmaler ernannt, die k. Akademie der bildenden Künste in München, die école des beaux arts zu Brüssel und verschiedene andere Gesellschaften zu ihrem Mitgliede und das freie deutsche Hochstift zu Frankfurt a. M. zum Meister erwählt haben. Die Wiener Commune aber setzte dem edlen Künstler dadurch ein bleibendes Denkmal, daß sie die neue, zunächst der Fasangasse eröffnete Gasse nach seinem Namen „Rahlgasse“ benannte. Rahl starb in der Vollkraft seines Lebens, im Alter von kaum 53 Jahren. Er war in den letzten Jahren beständig – mitunter schwer – leidend, und ahnte selbst die Gefährlichkeit seines Zustandes, der sich namentlich in drückenden, dumpfen Kopfschmerz kundgab. Jedoch bei den räthselhaften Erscheinungen seines Krankheitszustandes gelang es nicht, die Diagnose desselben bei Lebzeiten richtig zu stellen, erst die Obduction ergab einen acuten Verfettungsproceß des Nierenepithels[WS 3] mit Hirndurchfeuchtung als Ursache seines Todes. Sein Leichenbegängniß, das am 12. Juli 1865 stattgehabt, war feierlich; die Künstler Wiens, denen er im Leben nicht selten schroff gegenüber gestanden, gedachten nach seinem Tode nur seiner Bedeutenheit als Künstler und hatten sich [238] fast vollzählig zur Bestattung eingefunden. Eine Stunde nach seinem Tode zeichnete Griepenkerl den Kopf des Meisters, den der Tod nur unmerklich verändert hatte. Rahl liegt auf dem Schmelzer Friedhofe begraben. Ueber die Vernachlässigung seines Grabes wurde erst vor wenig Jahren – 1867 – bitter geklagt. Bald nach seinem Tode hatte wohl Hansen ein Grabmonument für seinen liebsten Freund entworfen. Ein Frescobild: „Der Meister wird vom Todesengel in’s Schattenreich hinabgeführt“, nach einer Skizze Bitterlich’s, sollte es schmücken. Bis 1867 war jedoch nichts weiter geschehen. Wohl ist Bitterlich erst jüngst selbst dem Künstler und Freunde in’s Jenseits gefolgt. Das Verzeichniß seiner bedeutendsten Werke, einzelne Verfügungen aus seinem Testamente und einige Aussprüche der Fachkritik über ihn siehe in den Quellen.

I. Uebersicht der vorzüglichsten Werke des Malers Karl Rahl. Meine Absicht, ein vollständiges Verzeichniß seiner Werke zu bringen, scheiterte an dem Umstande, daß viele derselben – namentlich die Bildnisse – sich im Privatbesitze befinden und dieselben überhaupt nie in die Oeffentlichkeit gelangt sind. In der kurzen Zeit, die ihm zu schaffen gegönnt war, hat er doch überraschend viel gemacht, denn nach Angaben von Personen, die dem Künstler nahe gestanden und sein Bilder-Verzeichniß eingesehen haben mochten, hat er 5 Landschaften. 19 Genrebilder, 20 religiöse Gemälde, meist große Altarblätter, 46 Studienköpfe, 60 Historien und mythologische Bilder und 420 Porträts, im Ganzen also über 570 Staffeleibilder, gemalt. Hier folgt nun ein Verzeichniß seiner bedeutendsten Werke, und zwar zuerst die Altarbilder, dann die historischen und mythologischen und zuletzt die Bildnisse interessanter oder historisch bedeutender Persönlichkeiten.
A) Altarbilder. „Madonna sitzend, mit dem Kinde im Schooße“, 1829; – „Taufe Christi“, 1830, dieses und das vorige in der Pfarrhofcapelle zu Bromberg; – „Der H. Florian“, in der Kirche des Marktes Aspang; – „Ein H. Florian“, Altarbild in der Pfarrkirche zu Höllenthon; – „Der H. Michael“, Hochaltarblatt im Stifte Reichersberg“; – „Die Vermälung Mariens“; – „Der H. Joseph von Calasanz“. dieses und das vorige für die Piaristenkirche in der Josephstadt in Wien, 1841; – „Mariä Himmelfahrt“, Farbenskizze, 1848 Eigenthum des Herrn Th. Hansen, – in der von Hansen im byzantinischen Style umgestalteten griechischen Kirche am alten Fleischmarkt in der innern Stadt Wien die Bilder der Façade und im Vestibule, und zwar über dem Portale: „Die h. Dreieinigkeit“; zwischen den Mittelfenstern: „Die H. Katharina“. „Der H. Simon“ und „Der H. Georg“; im Bogenfelde unter dem Thurme: „Die H. Madonna mit dem Kinde, vor der zu beiden Seiten Engel mit den Lilien anbetend knien“, alle auf Kupfertafeln, auf Goldgrund, nach den Typen des griechischen Ritus stylmäßig ausgeführt im Auftrage des Baron Sina; – „Die Entwürfe für das Vestibule daselbst“, darstellend: „Die vier Evangelisten“, „Die Chöre der Engel“ und „Die griechischen Kirchenväter“, von Rahl’s Schülern Bitterlich, Eisenmenger und Griepenkerl al fresco ausgeführt; – „Die Patrone der erzherzoglich Rainer’schen Familie in der Capelle des von Hansen völlig umgestalteten Schlosses des Erzherzogs Leopold zu Hornstein.
B) Mythologische und allegorische Bilder. „Prometheus, Pandora zurückweisend“, 1834; – „Oreade“, 1832 – „Paris entführt die Helena“, 1863; – „Jason raubt das goldene Vließ“, 1861; – „Perseus befreit die Andromeda“, 1863; – „Die Opferung Iphigenias“, 1861, die letztgenannten vier Bilder Eigenthum des Baron Sina; – „Kriegsgeschichte“ und „Strategie“, Fresken im Waffenmuseum des k. k. Arsenals, beide auch in Photographien; – „Herkules dient auf Geheiß des Orakels der lydischen Königin Omphale“, 1860, befand sich im Besitze des Architekten Theophil Hansen; – „Ruhm“ und „Ehre“, Fresken im Waffenmuseum des k. k. Arsenals, auch in Photographien; – „Muth“ und Klugheit“; – „Einigkeit“ und „Macht“, Fresken, ebenda, auch in Photographien; – „Die vier Kardinal-Tugenden der Regenten Oesterreichs: 1. Macht, 2. Religiöse Begeisterung, 3. Muth, 4. Milde“, historisch-symbolische Compositionen für das k. k. Arsenal; Legat des Künstlers für die k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien; – „Die vier Elemente: [239] Erde, Luft, Feuer und Wasser“, 1861, befanden sich im Besitze des Architekten Th. Hansen; – „Bachus findet die Ariadne auf der Insel Naxos“, Farbenskizze; – „Odysseu’s bei dem Könige Alkynoos“, Farbenskizze, befand sich im Besitze Th. Hansen’s; – „Orestes, von den Furien verfolgt“, 1852, von Lechleitner in Kupfer gestochen; – „Bachus auf der Insel Andros verwandelt Wasser in Wein“, Farbenskizze, dieses und das vorige wurden aus dem Nachlasse des Künstlers von dem Großherzoge von Oldenburg angekauft; – „Die Entwickelung der Wissenschaften in Griechenland“, 1860, Farbenskizzen auf Goldgrund für den Fries der Universität in Athen, Eigenthum des Baron Sina; der Kupferstecher Christian Mayer stach den Fries für den österreichischen Kunstverein in Kupfer. Das ganze Werk umfaßt fünf Kupferstiche, von denen die Eckstücke des Frieses nur eine Vereinsprämie pro 1867 bildeten, das Mittelstück im Jahre 1868 zur Ausgabe gelangte und das eine der beiden Seitenbilder 1869 als Prämienblatt ausgegeben wurde. Mit den ersten Kupferstichen (Prämie pro 1867) wurde ein Croquis des ganzen Frieses in lithographirten Umrissen von Ernst Peßler, mit erläuterndem Texte, welchen der Schriftsteller Ludwig Speidel verfaßte, an die Vereinsmitglieder ausgegeben; – „Der Argonautenzug“ in 20 Zeichnungen; – „Prometheus bringt dem Menschengeschlechte das himmlische Licht“, 1862, Carton, Eigenthum des Baron Sina; – „Mittelstück des Frieses für die Universität in Athen“, Carton; – „Die Stärke“, Legat des Künstlers für das Museum in Kiel, von Sonnleitner in Kupfer gestochen; – „Neun Cartons, die Paris-Mythe darstellend, zu den Fresken im Palais Todesco“, in der verlängerten Kärnthnerstraße in Wien; auch in Photographien; – „Arion, auf dem Delphin sitzend, singt den Nereiden vor“, 1848 Eigenthum des Herrn Ulmann in Pesth; – „Schlafende Bachantin“, 1852 Eigenthum des Herrn von Mandl in Pesth; – „Skizzen zum Hauptvorhange, zu dem Deckengemälde des Zuschauerraumes und zu jenem des Prosceniums im neuen Opernhause in Wien“; – „Das Urtheil des Paris“, Eigenthum des Ministerialrathes Dr. von Heider; – „Allegorische Figuren für den Giebel des neuen Wiener Musik-Conservatoriums“, Skizzen und in der Terracotta-Fabrik am Wiener Berge in Terracotta ausgeführt, eine „Verherrlichung der Orpheus-Mythe“; – „Die Poesie mit der Lyra, welche Cupido spielt“, kleines Blatt für das Album Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth, von Christian Mayer in Kupferfarbendruck ausgeführt; – „Boreas, der die Eireithyia entführt“, vom Münchener Kunstverein angekauft, von Adrian Schleich für den Miniatur-Salon des „Rheinischen Taschenbuches“, 1852 gestochen; – die allegorischen Figuren auf leuchtendem Goldgrunde am Heinrichshofe in Wien: „Die Lyrik“ und „Das Epos“, „Die Musik“ und „Der Tanz“, „Die Architectur“ und „Die Composition“, „Die Komödie“ und „Die Tragödie“, „Die Sculptur“ und „Die Malerei“, „Die Elegie“ und „Der religiöse Gesang“; – Entwürfe für die Decoration des Festsaales im großherzoglichen Schlosse zu Oldenburg: das Deckenbild: „Aphrodite, die Schöpferin der Lebensfreude, dem Meere entsteigend, rechts die Grazien, links die Horen“, dann „Apoll unter den Hirten“, „Tanz der Horen“, „Dyonysos auf Andros“ und „Die Hochzeit von Amor und Psyche“. Für den Fries unter der Decke: „Der Triumph des Amor über die Götter“, „Helden, Künstler und Dichter von Chronos, angefangen durch das ganze Griechenland bis hinauf zu Raphael und Goethe“, 1860.
C) Historische Bilder in Oel, Fresken und Cartons. „Der vor Saul flüchtige David verbirgt sich mit seinen Gefährten in der Höhle Adullar“, 1832, womit R. den Akademie-Preis gewann; – „Der Schweizerbund auf dem Rüttli. 1307“, 1838 von dem Pater des Künstlers in Kupfer gestochen; – „Hagen bekennt der Königin Chriemhilde den Mord Siegfried’s“, 1838, in der Belvedere-Gallerie; – „Hagen und Volker vor der Thüre der Chriemhilde“, 1836; – „Karl von Anjou bei der Leiche Manfred’s nach der Schlacht bei Benevent. 1266“, 1839; – „König Enzio“, Tuschzeichnung, 1840, Eigenthum des Herrn Esterlein, – „Samson und Delila“, 1854; – „Gruppen für die Kuppel der Ruhmeshalle im k. k. Arsenal: Geschichte der verschiedenen Völker Oesterreichs in epischer Form; und Gideon, Josua, Michael, David“, Legat des Künstlers für die k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien; – „Nero, im Triumphe durch das brennende Rom getragen“, Farbenskizze, Eigenthum des Herrn Dr. Aug. Bach; – „Paulus predigt das Evangelium am Areopag zu Athen“, [240] 1802, Carton, Eigenthum des Baron Sina; – „Des Hohenstaufen Manfred Einzug in Luceria. 1254“, in der Belvedere-Gallerie; – „Graf Kolonitsch, Bischof von Neustadt, holt nach der Belagerung Wiens durch die Türken, 1683, die gefangenen Christenkinder aus dem türkischen Lager“, 1853 Eigenthum des Herrn Vincenz Huber in Randegg, von Christian Mayer in Kupfer gestochen; – „Christenverfolgung in den Katakomben von Rom“, 1852 Eigenthum des Consuls Wagener in Berlin; – „Moses beschützt die Töchter Reguel’s bei den Medaniten“, Eigenthum des Frankfurter Handelsherrn Goldschmidt, von Christian Mayer in Kupfer gestochen; – „Leopold der Tugendhafte auf den Mauern Ptolomais“, für den Grafen Ugarte gemalt; – „Die Cimbernschlacht“, Carton, im Holzschnitte nach einer Photographie ausgeführt in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“, Nr. 1168 (1865), S. 356 u. 357; – „Der König von Preußen wird genöthigt, die Märzgefallenen, welche man nach dem Schloßplatze gebracht hatte, zu begrüßen“, Skizze, über welche, als er sie sah, der große Maler Cornelius einen nicht gelinden Schrecken bekam.
D) Genrebilder und Landschaften. „Ein Weib entreißt ihr Kind einem Löwen“, 1834; – „Eine Nettuneserin“, 1838; – „Rugantino“, nach Goethe’s „Claudine von Villa bella“, 1838; – „Ein alter Catalonier“, 1838; – „Ein alter Römer“, 1838; – „Ein neapolitanischer Marinaro, an der Seite seiner Geliebten zur Mandoline singend, bei Mondbeleuchtung“, 1841; – „Eine junge Römerin, ihre Haare flechtend“, 1841; – „Ländliche Scene aus der Umgebung von Rom“, 1842; – „Mädchen von Sore am Brunnen“, 1842; – „Das Mädchen aus der Fremde“, al fresco 1864 ausgeführt auf der Villa Wisgrill in Gmunden, auch in Photographie; – „Die Wahrsagerin“, 1841 Eigenthum des Fürsten Liechtenstein; – „Ein Löwenpaar. Naturstudie“, 1833; – „Die Erwartung“; – „Eine Frau aus Procida mit ihrem Kinde“, 1839; – „Die Lautenspielerin“, 1850, wurde auch lithographirt und vom österreichischen Kunstvereine für das Jahr 1866 als Prämie vertheilt; – „Italienerin am Brunnen“, 1856; – „Italienerin mit dem Tambourin“, 1853, dieses und das vorige Eigenthum des Grafen Paul Pejacsevich; – „Gegend bei Terracina“, 1840.
E) Porträte und Studienköpfe. Alle mit einem Sterne (*) bezeichneten Porträts sind in Folge Legates des Künstlers in das Eigenthum des freien deutschen Hochstiftes in Frankfurt a. M. übergegangen. „Bartholomä Pflanzl, Prälat des Stiftes Reichersberg“, 1828; – „Anton Strauß, Prälat desselben Stiftes“, 1834, im vollen Ornate; überhaupt befinden sich im Stifte Reichersberg mehrere Bildnisse von Stiftsgeistlichen, von Rahl im Jahre 1834 gemalt; – „Porträt eines Juden“, 1834; – *„Ritter von Wächter, Historienmaler“ 1834; – *„Martin Wagner, Maler und Bildhauer“, 1838; – „Franz Liszt, 1858 Eigenthum des Herrn Klinkosch; – „Rahl’s Vater“, 1834; – „Rahl’s Mutter“, 1835; – „Rahl’s Selbstporträt“, 1835, Eigenthum des Herrn Leopold Wittmann; – „Ein zweites“, 1854 Eigenthum des Herrn Theophil Hansen; – „Hofschauspielerin Baudius“, 1864, Porträtstudie; – „Hofschauspielerin Christine Hebbel“, 1858; – „Friedrich Hebbel“, 1855, dieses und das vorige von Christian Mayer geschabt; – „Die Anmuth, weiblicher Studienkopf“, 1864; – *„J. D. Böhm, Director der k. k. Münzgraveur-Akademie“; – *„Maler Kovacs“, 1854; – *„Maler Aigner“, 1851; – *„Der philosophische Schriftsteller Ludwig Feuerbach“, 1848; – „Staatsdruckerei-Director Hofrath Ritter von Auer“; – *„Architekt Ernst“, 1854, von Christian Mayer geschabt; – *„Historienmaler Bonaventura Genelli“, 1848; – „Der König Christian von Dänemark“; – „Die Gräfin Danner“; – *„Architekt Theophil Hansen“, 1854; – *„Landschaftmaler Ernst Willers“, 1857; – *„Bildhauer Brandenburger“, 1836; – *„Ludwig August Frankl“, 1855, von Christian Mayer geschabt; – „Professor Friedrich Dahlmann“, 1845; – *„Bildhauer Hähnel“, 1850; – „Justinus Kerner“, 1833; – „Der Dichter Gustav Schwab“; – *„Robert Prutz“, 1848; – „Nikolaus Lenau“; – „Schlachtenmaler Peter Heß“, 1848; – *„Historienmaler Peter Cornelius“, 1848; – „Historienmaler Johann Riepenhausen“ 1846; – „Wilhelm Kaulbach“, 1848; – *„Historienmaler Heinrich Heß“, 1848; – *„Maler Ricard in Paris“, 1854; – *„Bildhauer Vincenz Pilz“; – *„Maler Caneva“, 1846; – „Sibylla, Studienkopf“, 1855; – „Vier Studienköpfe“, sämmtlich 1854 gemalt und im Besitze des Grafen Johann Pejacsevich; – „Porträt des Negerknaben Musa“, [241] im Besitze des Herrn Ludw. Aug. Frankl; – „König Otto von Griechenland“; – „Königin Amalie von Griechenland“; – „Der Großherzog“ und „Die Großherzogin von Oldenburg“; – „Baron Sina, griechischer Gesandter in Wien“; – dann eine Folge von 50 Bildnissen ungarischer Magnaten und adeliger Damen, im Jahre 1854 in Ungarn gemalt.
II. Biographische Quellen. Bremer Sonntagsblatt 1865, Nr. 31. – Die Dioskuren 1863, Nr. 14, 15, 16, 17, 18, 30 bis 38: „Studien zur Charakteristik bedeutender Künstler der Gegenwart. XXIX. Karl Rahl“. – Deutsche Kunst-Zeitung. Herausgegeben von Dr. Max Schasler (Berlin, 4°.) VIII. Jahrg. (1863), Nr. 14–17, 33, 34 u. 35: „Karl Rahl“, von Fr. Hottner. – Deutsche Allgemeine Zeitung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1865, Nr. 169, im Feuilleton. – Faust. Herausgegeben von M. Auer (Wien, gr. 4°.) 1855, Nr. 11, S. 100: „Karl Rahl“. – Fata Morgana. Pesther Blätter für Kunst, Literatur u. s. w. Redigirt von Hermine Czigler von Ény-Vecse. II. Jahrg. (1865), Nr. 29 u. 30: „Karl Rahl“, mit lith. Bildniß. – Figaro (Wiener Blatt, 4°.) 1865, Nr. 37 u. 38, S. 148: „Karl Rahl. Eine Künstlerskizze“. Von Dr. Schreiberle. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 189 u. 194. – Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) I. Jahrg. (1842), S. 23, 367, 647, 863; – II. Jahrg. (1843), S. 599; – III. Jahrg. (1844), S. 42, 778, 1070; – IV. Jahrg. (1845), S. 597 u. 599, unter den „Kunstnotizen“ und in der „Atelierschau“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.), Nr. 631, 4. August 1855: „Karl Rahl, Historienmaler in Wien“; – dieselbe, Nr. 1168, 18. November 1865, S. 355: „Karl Rahl. Nekrolog“. – Kölnische Zeitung (gr. Fol.) 1865, Nr. 203: „Karl Rahl“, von Karl Vogt. – Korrespondent von und für Deutschland (Nürnberg, kl. Fol.) 1865, Nr. 355, im Feuilleton. – Klagenfurter Zeitung 1865, Nr. 235 u. 236, im Feuilleton: „Rahlfeier im österreichischen Kunstverein“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 329, im Feuilleton: „Karl Rahl“, von L. Sp.(eidel), und Nr. 338: „Ein Brief Rahl’s“. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XII, S. 202. – Oesterreichische Zeitung (Wien, Fol) 1855, Nr. 301; „Eine Wiener Künstler-Werkstatt“. – Presse (Wiener polit. Blatt, 4°.) 1865, Nr. 190, im Feuilleton: „Nekrolog“, von C. von Lützow. – Recensionen und Mittheilungen über bildende Kunst (Wien, Klemm, 4° ) 1863, Nr. 6–9: „Karl Rahl“. – Rheinisches Taschenbuch (12°.) Jahrg. 1852, im Miniatur-Salon, S. XXIV: „Okeanos, der die Nymphe entführt“, gemalt von Rahl [enthält interessantes biographisches Materiale]. – (Grazer) Tagespost (polit. Blatt) 1865, Nr. 170, im Feuilleton: „Züge aus Rahl’s Leben“. – Allgemeine Theater-Zeitung. Von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 48. Jahrg. (1854), Nr. 114: „Rahl in Wien“. – Telegraf (Gratzer Blatt, kl. Fol.) 1865, Nr. 169, im Feuilleton: „Züge aus Karl Rahl’s Leben“. – Ueber Land und Meer (Stuttgart, Hallberger, Fol.) 14. Bd. (1865), Nr. 44, S. 692 u. f. „Deutsche Künstler“ [mit Bildniß]. – Unsere Zeit (Brockhaus, gr. 8°.) Neue Folge, II. Jahrg (1866), S. 401 u. f.: „Rahl“. von Alf. Woltmann. – Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 74b u. 80b, im Feuilleton: „Aus Rahl’s Atelier“. – Wanderer (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1856, Nr. 492, im „Kunstberichte“; 1865, Nr. 190, im Feuilleton: „Karl Rahl“. – Wiener Chronik, in der Beilage: Sonntagsabendblatt zur „Const. österreichischen Zeitung“ 1865, Nr. 33. – Waldheim’s[WS 4] Illustrirte Blätter (Wien, 4°.) 1865, Nr. 29, S. 228. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik u. s. w. (Wien, kl. Fol.) XI. Jahrg. (1865), Nr. 56: „Karl Rahl“. – Zeitschrift für bildende Kunst (Leipzig, C. A. Seemann, 4°.) Bd. I, S. 109, 236, 248, 257; Bd. II, S. 78, 91, 150, 254, 269; Bd. III, S. 34, 35, 194; Bd. IV, S. 63, 76, 90, 91, 214, 245; im Beiblatte, Bd. I, S. 33, 38, 43, 102, 147; Bd. II, S. 55, 88; Bd. III, S. 137, 181. – Bald nach seinem Tode ward eine Schrift: „Rahl und Schüler“, als demnächst erscheinend, die einen Lieblingsschüler Rahl’s zum Verfasser hatte, angezeigt. Ob sie erschienen, ist mir nicht bekannt.
III. Zur Kritik der Werke des Malers Karl Rahl. a) Ueber die Rahl-Ausstellung im österreichischen Kunstvereine, September 1855. Neue freie Presse 1865, Nr. 384 u. 423, im Feuilleton von L. Sp.(eidel) u. Nr. 391. – Debatte (Wiener polit. Blatt) 1865, [242] Nr. 254 u. 283, im Feuilleton. – Fremden-Blatt. Herausg, von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 268, von Sp.(eidel). – Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol,) 1865, Nr. 157 im Feuilleton. Von Theodor Hemsen. – Der Telegraf (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 293, im Feuilleton. – Der Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 247, im Feuilleton, von J.(ohannes) N.(ordmann). – Constitutionelle Oesterreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1865, Nr. 214 u. 247, im Feuilleton. Von Dr. Ott. – Grazer Zeitung 1865, Nr. 295, im Feuilleton. – (Gratzer) Tagespost 1865, Nr. 286 u. 290, im Feuilleton. – Der (Gratzer) Telegraf 1865, Nr. 285, im Feuilleton.
b) Ueber einzelne größere Werke Rahl’s. 1) Der Fries für die Universität in Athen: National-Zeitung (Berlin) 1864, Nr. 480, im Feuilleton. – Bremer Morgenpost 1865, Nr. 123. – Grazer Zeitung 1865, Nr. 292, im Feuilleton – 2) Gemälde-Cyklus aus der griechischen Heldensage: National-Zeitung 1864, Nr. 481, im Feuilleton. – 3) Die Entwürfe für das Waffen-Museum: Militär-Zeitung, redig, von Hirtenfeld (Wien, 4°.) Jahrg. 1856, S. 7. – Oesterreichisches Bürger-Blatt (Linz), 38. Jahrg. (1856), Nr. 41–44. – 4) Die Porträte der ungarischen Magnaten: Oesterreichische Zeitung 1856, Nr. 199, im Feuilleton. – Pest-Ofner Zeitung 1856, Nr. 126. – 5) Ueber Nero während des Brandes von Rom: Wiener Zeitung 1861, Nr. 301. – 6) Karl von Anjou vor Manfred’s Leiche: (Gratzer) Telegraf 1865, Nr. 290, im Feuilleton. – Grazer Zeitung 1865, Nr. 289, im Feuilleton. – 7) Hagen und Chriemhilde vor des ermordeten Siegfried Leiche: Wiener Zeitschrift, herausg, von Witthauer 1835, S. 1249, – 8) Die Paris-Mythe im Todesco-Palaste: Presse 1865, Nr. 211, im Feuilleton: „Rahl’s letzte Werke“. – 9) Die Cimbern-Schlacht, Carton: Neue freie Presse 1865, Nr. 321. – Presse 1865, Nr. 211. – Presse 1865, Nr. 211, im Feuilleton. – 10) Die Entwürfe für das Opernhaus: Presse 1865, Nr. 211, im Feuilleton.
IV. Rahl’s Tod und letztwillige Verfügungen. Ein ergreifendes Bild über des Künstlers letzte Tage und sein Ringen gegen das Leiden, das endlich der Kunst, dem Vaterlande und seinen Freunden eine so durch und durch eigengeartete, markige und bedeutende Persönlichkeit entriß, entwirft Ludwig Speidel im Feuilleton der „Neuen freien Presse“ 1865, Nr. 329. Auch über des Künstlers letztwillige Verfügungen brachten die Journale verschiedene Mittheilungen. Da aber mehrere öffentliche Anstalten von ihm bedacht sind, werden hier die wichtigeren Anordnungen mitgetheilt, Als Universal-Erben erscheinen die Kinder der beiden Schwestern des Verblichenen, der Frau Maria Saazer und Anna Watzal, welche sich je zur Hälfte in die Verlassenschaft theilten, doch ist beiden Schwestern der Fruchtgenuß vorbehalten. An Legaten sind ausgesetzt: dem Freunde Rahl’s, dem Kupferstecher Christian Mayer, eine Summe von 600 fl. zu einer Reise nach München und Venedig; den Schülern und Gehilfen Rahl’s, Herren Eduard Bitterlich und Christian Griepenkerl, je 500 fl., und soll außerdem jeder derselben berechtigt sein, sich je 12 Blätter aus Rahl’s Kupferstichsammlung zu wählen; ein Ring, das Geschenk des Großherzogs von Oldenburg, dem Neffen Rahl’s, Wilhelm Watzal; ein anderer[WS 5] Ring, Ehrengabe der Frau Erzherzogin Henriette, wird sammt Rahl’s beiden Sackuhren einem anderen Neffen, Julius Saazer, vermacht. Die Porträts von Künstlern, Dichtern und Gelehrten sollen dem deutschen Hochstifte gehören, deßgleichen die kleinen Cartons zu dem griechischen Friese; das Oelgemälde: „Die Stärke“, dem Kieler Museum zur Erinnerung an den Aufenthalt des Künstlers daselbst. Die ersten Zeichnungen der Entwürfe für das Arsenal sind Eigenthum des Herrn Theophil Hansen, die zweiten verbleiben der Akademie der bildenden Künste. Ebenso seine sämmtlichen Venetianer Copien; dem Herrn Theophil Hansen und Notar Dr. August Bach je eine Oelskizze, nach deren freier Wahl, dem letzteren auch noch der Studienkopf: „Die Venetianerin“ betitelt. Seine Bibliothek wird der Wiener Künstlergenossenschaft mit der Bedingung hinterlassen, daß dieselbe jedem Künstler zugängig bleibe und für den Fall der Auflösung der Gesellschaft einem anderen ähnlichen Institute zu künstlerischen Zwecken überantwortet werde. Die Cartons: „Die vier Elemente“ wurden dem Augusteum zu Oldenburg vermacht. Die folgenden Legate sind rein privater Natur. Zu erwähnen ist noch, daß im Testamente ausdrücklich bemerkt ist, auf das Honorar für vier große Oelgemälde [243] sammt Fries, Eigenthum des Herrn Baron Sina, sei ein Rest von 9000 fl. rückständig, sowie daß der Verstorbene als Entschädigung für die zum Opernhause gemachten und theilweise genehmigten Entwürfe die erste Zahlung von 4000 fl. zu fordern habe. Diese Beträge fallen den Universal-Erben zu. Dr. August Bach ist als Verlassenschaftspfleger und Testaments-Vollstrecker genannt. Das Testament ist vom 28. Juni 1865 datirt und wurde am 1. Juli publicirt. [Neue freie Presse 1865, Nr. 312, 316, 325. – Local-Anzeiger der Presse 1865, Nr. 204. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 191 u. 195, berichten über seinen Tod, sein Leichenbegängniß und sein Testament.]
V. Porträte. 1) Photographie, kl. Fol., München, bei Löcherer. – 2) Nach seinem Selbstbildnisse, Christian Mayer gest., Schwarzkunst (gr. 4°.). – 3) Lithographie von Marastoni im Pesther Blatte: „Fata Morgana“ 1865, Nr. 30. – 4) Holzschnitt in Waldheim’s „Illustrirten Blättern“ 1865, Nr. 29, L. Geisbe sc. – Ferner Holzschnitte in „Ueber Land und Meer“, 14. Bd. (1865), Nr. 44; in der „Illustrirten Zeitung“, Nr. 631 (1855) u. Nr. 1168 (1865). – 5) ein sehr gut ausgeführtes Bildniß in der „Zeitschrift für bildende Kunst“, I, S. 114: vor einem kritischen Artikel über seine Gmundner Freske „Das Mädchen aus der Fremde“, von C. von Lützow, wo sich auch eine Nachbildung der erwähnten Freske befindet.
VI. Urtheile über Rahl als Künstler. Cornelius über Rahl. M. Lohde theilt in seinen Gesprächen mit Cornelius, welche er in der „Zeitschrift für bildende Kunst“ veröffentlichte, folgende charakteristische Aeußerungen über K. Rahl mit: Einmal bemerkte Cornelius: „Man macht aus Karl Rahl eigentlich doch zu viel jetzt. Der kam erst später, als er sich an uns Aeltere anschloß, auf den rechten Weg. Da strebte er das Geistige an, doch nicht den blutlosen Spiritualismus, der uns Allen fern liegt, sondern die Freiheit vom Materialismus. Zunächst war er doch zu materiell, war ein geistvoller Eklektiker, das Kunstwerk kam bei ihm nicht wie die Athene gleich bewaffnet mit Speer und Schild aus seinem Haupte, sondern suchte erst nachher die Wehr zusammen; aber ein tüchtiger Mensch trotz alledem und viel mehr werth als ein Anderer, aus dem man neuerdings so viel macht“. (Mit diesem „Anderen“ meinte Cornelius wahrscheinlich Kaulbach.). Als Lohde dem Meister die Photographien nach den zwölf allegorischen schwebenden Figuren vom Heinrichshofe gezeigt und diese für zu üppig, fast schwülstig gegenüber den Cornelius’schen Gestalten gehalten hatte, meinte er: „Eines schickt sich nicht für Alle. Ich bin ein anderer Mann als Rahl und Rahl ein Anderer als ich; Jeder hat seine Individualität. Farbedamen sind’s allerdings, und es müssen ihm gesunde Frauenzimmer dazu gesessen haben; aber sie sind doch schön, trotz aller fast zu starken Lebenslust. Es ist doch immer eine eigene Stimmung darin. Sehen Sie nur die Schönheit der Köpfe, den Schwung der Contouren, die durchdachte und lebensvolle, wenn auch oft nicht genug einfache Drapirung der Falten. Nein, diese Sachen erfüllen midi mit einer Art Wehmuth. Was hätt’ aus diesem Talente noch werden können!“
Vieles Treffende schreibt Fr. Pecht in seinem Aufsatze, den er unter dem Titel: „Neu-Wien“ seiner Zeit im Wiener Journale „Der Botschafter“ 1864, Nr. 65, veröffentlichte, über Rahl. Pecht ist kein Kunstenthusiast, aber ein gründlicher Kunstkenner, der sich durch nichts zur Bewunderung hinreißen, aber auch durch nichts in seinem auf gründliches Studium der Kunst und vieles Sehen gegründetes Urtheil beirren läßt. Daher sind seine Ansichten über Rahl so wichtig, daß zur Ergänzung der obigen Skizze das Wesentlichste derselben hier einen Platz finden möge. „Die Leute möchten wohl gern einen Riesen, nur dürfte er nicht größer sein als sie“, meinte einst der witzige Schwind. – „kurz, fast alle Auswüchse der modernen deutschen Kunst haben in dieser Neigung zum Bilderlesen statt Sehen ihre letzte Quelle, diesen schreienden Abweg unserer Kunst mit großer Klarheit eingesehen, und eine ihm entgegengesetzte, sich der Grenzen des malerisch Darstellbaren in hohem Grade bewußte Richtung eingeschlagen zu haben, ist Rahl’s specielle Eigenthümlichkeit. Es dürfte wenige Künstler geben, welche die aus ihrer innersten Natur hervorgehenden Gesetze der Malerei, speciell die des Colorits, so früh, als er erkannt, sofort eingesehen hätten, daß sie keineswegs photographiren, sondern daß das Kunstwerk eine freie Schöpfung sein müsse. Er wurde also Colorist, aber nicht in jenem [244] modernen Sinne, welcher beliebige Modelle mühsam in künstliche Beleuchtung setzt, mit dem Schneider und Maurer in Concurrenz tritt, sondern im besten classisch-coloristischen Geschmacke, dessen Wiederbelebung jedenfalls sein Hauptverdienst bleibt. Gerade diese reactionäre Tendenz aber machte ihn dem Publicum wenig angenehm, das neuen Wein in neuen Schläuchen liebt, während ihm Rahl das gerade Gegentheil bot, um so mehr, als er die Tugenden der classischen Kunst oft zu Fehlern übertrieb. Denn es ist in der Art jeder Reaction, daß sie vorweg nicht naiv sein kann, wie die Zeit, die ihr vorschwebt, daß ihr die Ursprünglichkeit und Frische jener abgeht, und damit auch meist der sittliche Inhalt, der Glaube jener. – So erreicht denn auch Rahl die Liebe und Wärme, die Feinheit und Anspruchslosigkeit die künstlerische Keuschheit der Empfindung, welche seine Vorbilder, die Venetianer, so entzückend machen, allerdings nicht, er wird nie so individuell wie sie, seine Personen graben sich nicht so unauslöschlich in unser Gedächtniß, seine Männer sind nicht so geistreich, seine Frauen nicht so süß und holdselig wie die jener goldenen Zeit der Kunst. Darüber nun, daß seine Werke überall zum Vergleiche mit dem Besten herausfordern, was überhaupt geleistet worden ist, ohne es doch jemals ganz zu erreichen, wird man leicht ungerechter gegen ihn gestimmt, als selbst gegen die, bei deren Werken Einem weder Titian noch Paul Veronese, überhaupt classische Meister nicht im entferntesten einfallen. Man vergißt dann vielleicht, daß er ihnen doch oft nahe kommt, daß nicht wenig vom Geiste jener herrlichen Periode allerdings in ihm ist, daß er eine Fülle der üppigsten Lebenskraft in seinen Gestalten auszugießen weiß, daß sie neben so vielem Schwächlichen, Sentimentalen und Magern wahrhaft wohlthuend durch ihre selbst oft brutale Gesundheit wirken. – Allerdings ist hinter dieser Gluth der Farbe, hinter dieser strotzenden Fülle und gewaltigen Leidenschaft des animalischen Lebens doch oft eine gewisse innere Kälte fühlbar, die uns zeigt, daß Verstand und Phantasie beim Künstler sehr viel mächtiger sind, als Empfindung und Gemüth; indeß finden wir diese Art von Naturell auch bei vielen alten Meistern, vorab bei Rubens, wie es denn unleugbar ist, daß viel von der Unbändigkeit, der sinnlichen Lebensfülle desselben in Rahl sich findet, und wenn er nicht so reizend, so individuell als jener ist, wenn er nicht seine Frische und Gluth besitzt, so hat er dafür mehr Bildung und Stylgefühl. Als monumentale[WS 6] Decoration aus der Ferne betrachtet, wirkt fast Alles gut, was ich von ihm gesehen habe, und hierin dürfte ihn schwerlich ein anderer deutscher Künstler erreichen. Sind Rahl’s Werke nicht eigentlich national zu nennen, so spricht doch ein echter Wiener aus ihnen. – In bedeutenden Menschen spiegelt sich allemal die ganze Generation, und so ist denn auch viel von der sinnlichen Genußlust, dem Mutterwitz und der unverwüstlichen Frische, von der nicht eben sehr tiefen, aber um so leichter erregbaren Empfindung, von jener Abwesenheit jeder Sentimentalität, die den Wiener kennzeichnen, vermischt mit der durchdringendsten Intelligenz, ungewöhnlicher Kraft in derselben zu finden, bisweilen ein wenig roh, noch öfters aber auch großartig und imponirend in nicht geringem Maße.“

  1. Diese kleinen Linien waren Narben von Wunden, welche von einem Räuberüberfalle in Ungarn herrührten, wo Rahl auf den Boden geworfen ward und die Strolche auf ihm wie auf einer Tenne mit den Füßen herumtrampelten und ihm mit den Sporen den Kopf zerhackten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Justinus Körner.
  2. Vorlage: Unbittlich.
  3. Vorlage: Nierenepitels.
  4. Vorlage: Waldstein’s.
  5. Vorlage: ananderer.
  6. Vorlage: monutale.