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BLKÖ:Swoboda, Albin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 58. (Quelle)
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Swoboda, Albin (Schauspieler und Sänger, geb. zu Neustrelitz im Großherzogthume Mecklenburg am 13. November 1836). Sein Vater Johann W., aus Prag gebürtig, war Schauspieler und Sänger, seine Mutter Angelica geborene Peréchon, eine Wienerin, Sängerin am kaiserlichen Hofoperntheater. Albin erblickte das Licht der Welt, als sein Vater an der Hofbühne zu Neustrelitz als Sänger im Engagement stand; seine Knabenzelt brachte er mit den Eltern auch in Frankfurt a. M. zu; 1848 kam er nach Wien, wo sich der Vater, der zunächst im Carl-Theater, später im Hofoperntheater sang, mit dem Plane trug, seinen Sohn zum Techniker heranzubilden, und diesen daher das akademische Gymnasium, später die Technik besuchen ließ. Aber schon im Jahre 1851 gab Albin das Studiren auf und ging gegen den Willen seines Vaters zum Theater. Auf der Josephstädter Bühne, welche damals Frau Megerle dirigirte, betrat er, 16 Jahre alt, als Chorist zum ersten Male die Bretter. Er spielte auch dann und wann kleinere komische Rollen, jedoch sagte ihm der beschränkte Wirkungskreis auf die Dauer nicht zu, er verließ dieses Theater und nahm Engagement in Krakau, dann in Salzburg und Ischl, endlich in Linz, wo er sich als Tenorist in den beliebtesten Opern bald zur Geltung zu singen verstand, aber auch als jugendlicher Liebhaber mit seiner angenehmen äußeren Erscheinung, dann als Naturbursche und Gesangskomiker Beifall und Anerkennung fand. In Ischl lernte ihn Fräulein Weiler, Nestroy’s vieljährige „treue Freundin“, wie dieser selbst in seinem Testamente sie nannte, und praktische Beratherin in Theatersachen, kennen, sie nahm keinen Anstand, das aufkeimende, vielversprechende Talent ihrem Nestroy warm zu empfehlen. Und als auch der beliebte Possendichter Friedrich Kaiser [Bd. X, S. 360] ihn in Ischl spielen sah und das Urtheil der Weiler bestätigte, wurde Swoboda 1857 von Nestroy für das unter dessen Leitung stehende Carl-Theater engagirt. Nach seinem Debut als Loisl in Kaiser’s Volksstück „Verrechnet“ spielte und sang der 21jährige Künstler an der Seite eines Nestroy, Grois, Treumann und Scholz mit täglich sich steigerndem Erfolge. Ende 1859 trat er zu Pokorny an das Theater an der Wien über, wo mit seinem Engagement auch die Pflege der bis dahin wenig gewürdigten Operette begann. Schon mit seinen ersten Rollen in den bald so beliebt gewordenen Singspielen „Liebchen am Dach“, „Mädchen-Pensionat“, „Singspiel am Fenster“ u. a. eroberte der stimm- und talentbegabte junge Künstler sein Publicum, und mit jedem [59] Auftreten steigerten sich seine Erfolge. Später gestaltete er in Volksstücken und Charakterbildern eine Reihe köstlicher Chargen, von denen wir hier nur Blumenkranz im „Goldonkel“, Valentin im „Verschwender“, Isak Stern in „Einer von unsere Leut“ erwähnen wollen; in dem bekannten Schwanke „Die falsche Patti“ und mit der Parodie „Narrziß“, in welcher er den weit überschätzten Schauspieler-Virtuosen Dawison in drastischer Weise parodirte, schuf er aber wahre Cabinetsstücke der Volkskomik. Besonders Ansprechendes leistete er auch als Sänger in den zum Theile durch ihn so beliebt gewordenen Offenbachiaden „Die schöne Helena“, „Blaubart“, „Cascoletto“, „Perichole“, „Paris“, „Piquillo“. Noch aber war die Vielseitigkeit dieses reichen Talents nicht erschöpft, zu seinen Triumphen als Sänger und Gesangskomiker fügte er einen neuen als Charakterdarsteller hinzu, wozu ihm die dramatischen Zugstücke Anzengruber’s Gelegenheit boten. Mit den Rollen des Wurzelsepp im „Pfarrer von Kirchfeld“ und des Steinklopfer Hannes in den „Kreuzelschreibern“ zeigte er eine schauspielerische Begabung, die ihn zur Lösung künstlerischer Aufgaben befähigte. Bald steigerte sich sein Ruf derart, daß er sehr vortheilhafte Anerbieten zu Gastspielen erhielt, und nun gastirte er in seinen besten Rollen zu Berlin, Bremen, Dresden, Hamburg, Leipzig u. a. mit glänzendem Erfolge. Auch an vortheilhaften Anträgen fremder Bühnen, die eine solche Zugkraft für sich zu gewinnen und auszubeuten wünschten, fehlte es nicht. Doch Swoboda lehnte alle ab, wohl in der Hoffnung, einen seinen Talenten völlig entsprechenden Wirkungskreis noch in Wien zu finden. Die Gelegenheit dazu sollte sich bald ergeben. Die Neigung für die Operette, welche eine Zeit lang in der Residenz sich behauptete, fing an, bedeutend sich abzuschwächen, die Spieloper aber, welche daselbst keine Heimstätte besaß, denn das kaiserliche Hofoperntheater hatte mit der Aufführung großer Tonwerke eine ganz andere Aufgabe zu lösen, sollte in einer Weltstadt, wie es Wien seit Niederreißung der Wälle und Schaffung des die Stadt umkreisenden Prachtringes geworden, doch auch vertreten sein, und die Erfüllung dieser Hoffnung ließ nicht lange auf sich warten, als der Wiener Bauverein durch den Architekten Emil Ritter von Förster auf dem Schottenring ein Theater erbauen ließ, das den Titel „Komische Oper“ führte, welchen man nach verschiedenen Schicksalen des Institutes (zuletzt unter Director Strampfer) in den allgemeinen: „Ringtheater“ umwandelte. Bei Eröffnung der Komischen Oper im Winter 1874 war Albin Swoboda als Director mit der künstlerischen Leitung betraut. Aber nicht lange währte sein Regiment. Die Angaben, daß er dabei zu Grunde gegangen, sind falsch. Aus seiner eigenen öffentlich abgegebenen Erklärung erfahren wir den wahren Sachverhalt. Seine Directionsführung erfreute sich neben dem künstlerischen Erfolge (in sieben Wochen wurden acht Opern und ein Ballet neu auf geführt) auch eines durchaus nicht unbedeutenden pecuniären Gewinnes, da er täglich im Durchschnitte etwa 1700 fl., zusammen 85.000 fl., bei einer täglichen Gesammtausgabe von 1230 fl. einnahm, somit ein Nettogewinn von fast 25.000 fl. in dieser kurzen Periode erzielt wurde. Wenn also Director Swoboda dennoch schon nach so kurzer Zeit das Institut freiwillig wieder [60] verließ, so waren es keineswegs Mißerfolge seiner Direction, die ihn hiezu bewogen, sondern einzig und allein Differenzen mit dem Directionsrathe, welcher Swoboda’s artistische Thätigkeit derart zu hindern drohte, daß sich derselbe von seinem Verbleiben bei dem Institute keinen weiteren ersprießlichen Erfolg versprechen konnte und durch seinen rechtzeitigen Austritt einem directoriellen Fiasco, das unter den obwaltenden Umstanden unausbleiblich war und später in der That auch eintrat, für seine Person ausweichen wollte. Er kehrte also wieder zu der unverantwortlichen Thätigkeit als Schauspieler und Sänger zurück und verharrte bei derselben, bis im September 1877 ihm von Seite des Stadterweiterungsfondes, der mittlerweile den Besitz der von mannigfachen Schicksalen heimgesuchten „Komischen Oper“ angetreten hatte, die Leitung derselben übertragen wurde, bei welcher Gelegenheit er die in dieser Zeit aufgetauchten Gerüchte von einem Fiasco seiner ersten Direktion mit den oben angegebenen Thatsachen widerlegte. Doch dieser seiner zweiten Direction leuchtete bei den überhaupt nach dem Krach gesunkenen Theaterverhältnissen Wiens kein günstiger Stern. Schon im folgenden Jahre übernahm Strampfer die „Komische Oper“. Swoboda aber kehrte wieder zur gewöhnlichen schauspielerischen Thätigkeit zurück, in welcher er in ursprünglicher Weise, freilich älter und somit auch minder anziehend geworden, doch immer noch mit seinen besten Kräften wirkte. Im Jahre 1878 befand er sich als artistischer Leiter an dem Pesther deutschen Theater, welches sein Vater J. W. Swoboda dirigirte, dessen Verhältnisse aber sich nichts weniger denn günstig gestaltet haben sollen.

Wiener humoristisches Jahrbuch für das Ausstellungsjahr 1873. Herausgegeben von Isidor Gaiger (Wien, Rosner, 8°.) S. 62. – Die Bombe (Wiener Witz-und Spottblatt) 1874, Beilage Nr. 4: „Die Komische Oper“ [mit Ansicht des Theaters und dem Porträt Swoboda’s]. – Neue illustrirte Zeitung. Redigirt von Johannes Nordmann (Wien, Zamarski, Fol.) 5. Jänner 1873, Nr. 1. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1877, Nr. 247, in den „Theater- und Kunstnachrichten“, und Nr. 356, im Feuilleton: „Die Wiedereröffnung der Komischen Oper“. – Dieselbe, 2. April 1878: „Pamphlete gegen Albin Swoboda“. – Monatschrift für Theater und Musik. Herausgeber Joseph Klemm (eigentlich Fürsten Czartoryski) (Wien, Wallishausser’sche Buchhandlung, 4°.), IV. Jahrg. (1858), S. 381.
Porträte und Costumbilder. 1) Unterschrift: „Albin Swoboda“. Waix (gez.). Im Spottblatt „Kaktus“, 1875, Nr. 1. – 2) Ohne Angabe des Zeichners und Xylographen. In der „Neuen illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski) 1873, Nr. 1. – 3) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen. Im „Illustrirten Wiener Extrablatt“, 1872, Nr. 103. – 4) Als Steinklopfer Hannes im Stücke „Die Kreuzelschreiber“. von Anzengruber. M. Bichler sc. Im „Illustrirten Wiener Extrablatt“, 1872, Nr. 263. – 5) Ueberschrift: „Albin Swoboda“. Unterschrift zehn Verse: „Als weiser Director, als erster Tenor – – – Doch lasse Mercur auch die Course fein steigen“. Klič (gez.), 1874, C. Angerer sc. In den „Humoristischen Blättern“ von K. Klič, 18. Jänner 1874, Nr. 49. – 6) Holzschnitt. F. Grätz (gez.). Im „Kikeriki“, 1874, Nr. 1.
Chargen und Witzbilder. Die Bombe, 21. Juli 1872, Nr. 29. Von Lacy v. F.(recsay). – Der Floh, 24. September 1871, Nr. 39: „Albin Swoboda und Friederike Fischer“. Klič (gez.) 1871, Tomassich sc.Kikeriki, 13. März 1873, Nr. 21: „Entwurf einer Façade für die Komische Oper“. F. Grätz (gez.) [Karyatiden, Wand-Medaillons, Statuen, Randleisten, alles nur S oder Swoboda]. – Derselbe, 1874, Nr. 76: „Swoboda im Carl-Theater“. F. Grätz (gez.). – Derselbe, 1874, Nr. 104: „Zwei Einverstandene“ [Strampfer und Swoboda, mit Bezug auf den Mißerfolg beider mit dem Pesther [61] deutschen Theater]. – Derselbe, 1877, Nr. 74: „In der Kanzlei der Komischen Oper“.