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BLKÖ:Prokesch-Osten, Anton Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Prokesch, W.
Band: 23 (1872), ab Seite: 349. (Quelle)
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Prokesch-Osten, Anton Freiherr von (Staatsmann und k. k. Feldzeugmeister, geb. zu Gratz 10. December 1795). Der Sohn des steierischen Gutsbesitzers Maximilian Prokesch und der Anna geb. von Stadler, zeigte P. schon in der Kindheit ganz ungewöhnliche Anlagen, denn schon im Alter von sieben Jahren hatte er mehrere Bücher geschichtlichen [350] und poetischen Inhalts gelesen und kannte genau ihren Inhalt. Er besuchte das Gymnasium, dann die philosophischen Studien in seiner Vaterstadt und widmete sich an der Universität daselbst dem Studium der Rechtswissenschaften. Im Jahre 1811 verlor er seinen Vater und erhielt in dem – später durch Friedrich von Gentz Intriguen aus Oesterreich ausgewiesenen – Professor der Geschichte Julius Schneller einen Stiefvater, welcher den geistig hochbegabten Jüngling für Alles, was schön und edel, höchst empfänglich machte. Die allgemeine Begeisterung, die im Jahre 1813 fast das ganze civilisirte Europa gegen Napoleon mit sich fortriß, blieb auf den muthigen und thatendurstigen P. nicht ohne nachhaltige Wirkung. Er trat als Fähnrich in das Regiment Baron Jordis ein und machte die Feldzüge von 1813–1815 mit. In den Gefechten, die er bestand, zeigte er Muth, Umsicht und Entschlossenheit. So fuhr er in einem kleinen Kahne über den mit Eisschollen bedeckten Rhein und überfiel mit wenigen Leuten einen sechsmal stärkeren französischen Wachposten; ein anderes Mal vertheidigte er die über den Canal Napoleon führende Brücke mit 60 Mann, von denen er die Hälfte verlor, gegen 800 Franzosen so lange, bis sein Regiment sich gesammelt hatte und ihm zu Hilfe eilen konnte. Nach dem Jahre 1815 kam P. nach Mainz in Garnison und in die Kanzlei des Erzherzogs Karl, damaligen Gouverneurs von Mainz. Dieser Umstand ist Ursache, daß P. sich nicht, wie er bei seinem Eintritte in die k. k. Armee entschloßen war, nach beendetem Kriege dem Advocatenstande widmete, sondern in der einmal eingeschlagenen militärischen Laufbahn blieb. 1816 marschirte er mit seinem Regimente nach Linz, wurde aber von dort wegen einer ausführlichen mathematischen Arbeit über Lalande’sche Formeln nach Wien berufen und hierauf als Oberlieutenant und Lehrer der höheren Mathematik an die Cadetenschule nach Olmütz verseht. Daselbst blieb P. zwei Jahre, bis er er 1818 zum Adjutanten des Fürsten Karl Schwarzenberg ernannt wurde, welchen er nach Prag und Leipzig begleitete und bis zum Tode desselben bei ihm blieb. Im Jahre 1821 kam P. als Oberlieutenant in den General-Quartiermeisterstab und erhielt von dem Hofkriegsrathe den Auftrag, Theile von Ober-Ungarn zu messen. 1823 als Hauptmann in das Infanterie-Regiment Prinz Leopold beider Sicilien übersetzt, erhielt er Triest als Garnison. Hier weckte der Anblick des Meeres und die Nähe des Schauplatzes der griechischen Freiheitskämpfe eine unbezähmbare Reiselust in ihm. Er wandte sich an die Regierung um Erlaubniß zu einer längeren Reise nach Griechenland und den Orient, welche er auch erhielt. Anfang 1824 ging er nach Griechenland, Kleinasien und verbrachte den Winter 1824 in Constantinopel. Während seiner Reise durch Kleinasien besuchte er die Gegend von Ilium, von der er später in einem seiner Werke nachweist, daß der Boden von dem alten Ilium genau Troja anpasse und somit einen alten Streit über dieses Thema beilegte. 1825 bereiste er Kreta und stieg daselbst in das Labyrinth nieder, besuchte die anderen Kykladen, wurde durch einen Sturm von Pathmos nach Paros verschlagen, wo er die berühmten Marmorgruben besichtigte. Einige Monate dieses Jahres brachte er auch in Athen und Nauplia zu. Da ihm die österreichische Regierung die Abwicklung eines großen Theils der Geschäfte, die [351] der Handel in der Levante nach sich zog, übergeben hatte, so war P. nicht ein Reisender, sondern eine officielle Persönlichkeit und kam dadurch mit allen Personen von Einfluß in eine mehr oder weniger nahe Berührung, welche sich fast stets in freundschaftliche Beziehungen verwandelte; so mit Maurokordato, mit Trikupis, dem französischen Admiral de Rigny und vielen Anderen, mit denen er später auch im Briefwechsel blieb. Im Spätherbste desselben Jahres ging er nach Lesbos, durchzog nochmals Kleinasien und war 1826 wieder in Constantinopel, von wo aus er an das schwarze Meer ging, das Ida-Gebirge neuerdings durchwandernd. Im Herbste desselben Jahres setzte P. seine Reise nach Egypten fort, gelangte bis zu den großen Katarakten des Nil und schiffte die von Syene herab. Im März 1827 nach Kairo zurückgekehrt, lernte er daselbst den Vicekönig von Egypten Mehmed Ali kennen, welcher ihn mit großer Auszeichnung behandelte. Im Mai desselben Jahres ging er nach Smyrna, wo ihn die Ernennung zum Major und zum Chef des Generalstabes der von dem Grafen Dandolo commandirten österreichischen Flotte im Mittelmeere gegen die Seeräuber antraf. In dieser Stellung entwickelte P. eine energische und höchst fruchtbare Thätigkeit. Er trat mit Strenge gegen die Seeräuber – welche damals auf 400 Schiffen 40.000 Seeleute zählten – auf, leitete 1828 die Auswechslung der christlichen und türkischen Gefangenen, wodurch er sich eine große Anzahl der ersten griechischen Familien auf’s Höchste verpflichtete. Graf Capodistria und Ibrahim Pascha dankten ihm in offenen Briefen, welche seiner Zeit in allen Blättern abgedruckt waren. Im Jahre 1830 begab sich P. nach Palästina und vermochte durch seine Ueberredungsgabe und sein kluges Benehmen den Commandanten von St. Jean d’Acre, Abdallah Pascha, einen heftigen und rohen Gewaltmenschen, zu einem Vergleiche zu Gunsten der Christen in Palästina und Galiläa und pflanzte am Tage des Uebereinkommens eigenhändig die österreichische Flagge, welche er daselbst aufgefunden, auf die Zinnen von St. Jean d’Acre. Im Jahre 1830 kehrte P. nach siebenjähriger Abwesenheit in seine Heimat zurück und begab sich nach Wien, woselbst er von Kaiser Franz I. für seine Verdienste um die österreichische Sache in Griechenland mit dem Ritterkreuze des k. k. österreichischen Leopold-Ordens ausgezeichnet und mit Diplom vom 24. Mai 1830 in den österreichischen Ritterstand mit dem Prädicate von Osten erhoben wurde. In seiner Vaterstadt Gratz lernte P. im Jahre 1831 den Herzog von Reichsstadt kennen, welcher mit ihm ein inniges Freundschaftsbündniß schloß, welches jedoch der Tod des Herzog’s schon nach Jahresfrist trennte. P. veröffentlichte bald darauf ein Schreiben über den Herzog, welches allen Tendenzlügen, die über denselben im Publicum verbreitet waren, wirksam entgegentrat und einen bedeutenden Erfolg hatte. Nun machte er eine kurze Reise nach Deutschland und in die Schweiz, wo er er zu Freiburg im Breisgau seinen Stiefvater Julius Schneller und seine Schwester besuchte. Bei seiner Anwesenheit in dieser Stadt beschenkte er den dortigen historischen Verein mit hundert von ihm selbst copirten griechischen Steininschriften und hielt daselbst einen Vortrag über die Charaktere des Sultan Mahmud II. (1808–1839) und des Vicekönigs von Egypten, Mehmed Ali. Nach seiner Rückkehr nach Wien gab P. [352] mehrere Werke über seine Reisen von 1823 bis 1830 im Oriente heraus, deren volle Titel weiter unten angeführt sind. Zum Schlusse des italienischen Krieges, 1831, ging er als Generalstabschef nach Bologna und begab sich von da aus im folgenden Jahre zur Gesandtschaft nach Rom. Mit diesem Jahre tritt P. in eine neue Sphäre. Er schlug nämlich die diplomatische Laufbahn ein, auf welcher er bis zur Stunde in Wirksamkeit ist. Die österreichische Regierung sandte ihn im Jahre 1833 zu Mehmed Ali – wo er auf der stürmischen Ueberfahrt nur mit Mühe dem Tode entging – um zwischen dem Sultan und dem Vicekönige im Namen Oesterreichs zu vermitteln. Nach dem am 7. Februar 1833 erfolgten Einzuge des neuerwählten Königs Otto von Griechenland bestimmte die österreichische Regierung 1834 den inzwischen zum Oberstlieutenant vorgerückten P. zum bevollmächtigten Minister am griechischen Hofe, in welcher Stellung er als gewiegter Diplomat und genauer Kenner der griechischen Zustände in steter Opposition gegen England, Frankreich und Rußland einen bedeutenden Einfluß auf die Geschicke Griechenlands bis zum Jahre 1848 nahm. Auf diesem Posten rückte P. 1835 zum Obersten, 1845 zum General-Major vor, erhielt im Laufe desselben Jahres das Commandeurkreuz des k. k. österreichischen Leopold-Ordens und wurde mit Diplom vom 1. Februar 1845 in den erbländischen Freiherrnstand erhoben, im Jahre 1848 aber zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Im März 1849 nach Wien zurückgekehrt, sandte ihn Se. Majestät Kaiser Franz Joseph I. auf Vorschlag des Ministers Felix Fürsten Schwarzenberg als außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister nach Berlin. P. hatte daselbst eine höchst schwierige Stellung. Es war zu der Zeit, als dem König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone angetragen wurde. Dem Einflusse P.’s gelang es nun, das zu verhindern, wozu 20 Jahre später (im Jahre 1871) Oesterreich selbst seine Zustimmung gab. Im J. 1850 erfolgte seine Ernennung zum geheimen Rathe und im J. 1853 wurde er Bundes-Präsidialgesandter in Frankfurt a. M., wo es P. als seine Hauptaufgabe betrachtete, die geheime Mißstimmung, die zwischen der österreichischen und preußischen Regierung obwaltete, zu zerstreuen, den fast unvermeidlichen Krieg abzuwenden und den Frieden zu erhalten. 1855 besuchte er Paris, wo ihn der damalige Gesandte Oesterreichs, Baron Hübner [Bd. IX, S. 391], dem Kaiser Napoleon III. vorstellte, welcher sich zu nicht geringem Staunen der übrigen Diplomaten über eine Stunde auf die herzlichste Weise mit P. unterhielt. Seit 20. December 1855 fungirt P. als Internuntius und bevollmächtigter österreichischen Minister bei der hohen Pforte in Constantinopel und bekleidet diesen Posten bis zur Stunde. Während dieser Zeit wurde er am 18. April 1861 zum lebenslänglichen Herrenhausmitgliede und am 26. October 1863 zum k. k. Feldzeugmeister ernannt. P. ist nicht nur ein gewiegter scharfblickender Staatsmann, gewandter Diplomat und ausgezeichneter Militär, sondern er vereinigt außerdem noch den Gelehrten und begabten Poeten in seiner Person. Was seine Dichtungen anbelangt – von denen er als Fähnrich im Jahre 1813 mit einem Gedichte auf Körner’s Tod im Gratzer „Aufmerksamen“ debutirte – so sind nur einige wenige dem Feuertode, zu welchem er selbst die meisten – darunter mehrere [353] Trauerspiele, die er schon mit 14 oder 15 Jahren schrieb – verdammte, entronnen. Unter seinen Poesien ist außer einem Epos: „Die Maccobäer“, besonders ein morgenländisches Gedicht zu beachten, „Das Gebet“ betitelt, welches wegen seiner unvergleichlichen Schönheit schon von drei Meistern in Musik gesetzt wurde. Was P.’s fachschriftstellerische Thätigkeit anbelangt, so bewegt sich dieselbe besonders auf dem Gebiete der Geschichte, Alterthumskunde und Numismatik. Vornehmlich auf diesem letzteren war es ihm vergönnt, Ausgezeichnetes zu leisten. Durch seine weiten Reisen in Griechenland und dem Oriente wurde er in den Stand gesetzt, sich mit geringen Mitteln eine große Sammlung, hauptsächlich griechischer Münzen anzulegen und seine gründliche wissenschaftliche Bildung, wie seine überaus große Belesenheit in numismatischen Schriften halfen im Schlüsse und Folgerungen zu ziehen, welche sowohl die Forschungen eines Eckhel , Mionnet, Borrel und vieler Anderer ergänzten, als auch Irrthümer berichtigten. Von P. erschienen außer einigen selbstständigen Werken auch sehr viele Artikel und Abhandlungen in Fachblättern. Die Titel seiner selbstständigen Werke sind: „Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Feldmarschalls Fürsten Karl von Schwarzenberg“ (Wien 1822); sine neue Ausgabe dieses Werkes wurde von P.’s Sohne mit einer Vorrede von P. selbst veranstaltet, welche mit dem Porträt des Fürsten in Stahlstich und einer Abbildung der von Kaiser Franz I. dem Fürsten gewidmeten Medaille in Silberdruck en relief geschmückt ist (Wien 1861, Braumüller, 8°.); – „Erinnerungen aus Egypten und Kleinasien“, 3 Bände (Wien 1829 bis 1831); – „Das Land zwischen den Katarakten des Nil“ (Wien 1831, mit 1 Karte, in gr. Imp. Fol.); – „Reise in’s h. Land. Im Jahre 1829“ (Wien 1831), dieses Werk wurde zweimal in’s Čechische übersetzt, und zwar zuerst von Martin Hoffmann und später von Johann Thomas Novaček; – „Schreiben an *** über den Herzog von Reichsstadt“ (Freiburg 1833); – „Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient. Aus Julius Schneller’s Nachlass herausgegeben am Ernst Münch“, 3 Bände (Stuttgart 1836 bis 1837, 12°.). dieses Werk enthält P.’s Briefwechsel mit seinem Stiefvater Julius Schneller; – „Meine Schriften“, 7 Bande (Stuttgart 1842–1844. Ed. Hallberger, gr. 8°.); – „Geschichte des Freiheitskampfes der Griechen“ (Wien 1845), dieses auf Kosten der kais. Akademie der Wissenschaften gedruckte Werk wurde – wie die Presse in Nr. 311 vom Jahre 1861 erzählt – im Jahre 1852 verboten und befand sich unter den Schlössern der Polizei, wenn es nicht unter die Stampfen in einer Papiermühle hat wandern müssen; denn Gervinus bedauert im 5. Bande seiner „Geschichte des 19. Jahrhunderts“, der Griechenlands Freiheitskämpfe behandelt, daß er dasselbe nicht benützen konnte. 1867 bis 1868 erschien eine neu umgearbeitete Ausgabe desselben Werkes, in welcher insbesondere P.’s diplomatische Leistungen und Verbindungen Beachtung verdienen. Von P.’s in Zeitschriften und Sammelwerken abgedruckten Arbeiten sind besonders anzuführen in der „Oesterreichischen militärischen Zeitschrift“ vom Jahre 1818 Schilderungen der Schlachten von Ligny, Quatre Bras und Waterloo, durch welche er mit einem Male sich den Ruf eines geistreichen militärischen Schriftstellers errang. In der „Steiermärkischen [354] Zeitschrift“, XII. Heft: „Ueber die Malerei der Alten“: – in Eduard Gerhard’s „Archäologische Zeitung“ (in Berlin) 1843, Nr. 9; „Griechische Münzen aus der Sammlung des Herrn von Prokesch-Osten. Mitgetheilt von demselben“, Fortsetzungen dieser Abhandlung sind ebenda 1844, Nr. 21; 1845, Nr. 32; 1846, Nr. 41, 43; 1847, Nr. 6 und 10; 1848 S. 273; und in der Beilage 1847, S. 50; 1848, S. 84; 1849, S. 28, 89; 1850, S. 197, 251; 1851, S. 382; und 1852, S. 407; – in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, 1850, I. Bd., S. 331 u. f.: „Zwölf Inedita“; – 1851, V. Bd., S. 257: „Die Fortsetzung“; – 1854 V. Bd. S. 231, und Bd. IX (1859): „Inedita meiner Sammlung autonomer altgriechischer Münzen“, mit mehreren Tafeln [vergleiche darüber die „Triester Zeitung“ 1862, Nr. 13]; – in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1851, Heft VI: „Beiträge zur älteren Münzkunde“; – Heft VII: „Ueber Pinder und Friedländers Beiträge zur älteren Münzkunde“; – Heft X: „Ueber das Verhältniß des Phidias zur jonischen Kunst“; – in den Abhandlungen der kais. Akademie der Wissenschaften in Berlin 1845, S. 71: „Nicht bekannte europäisch-griechische Münzen aus der Sammlung des Herrn Prokesch von Osten. Mitgetheilt von demselben“; – 1848 (1850), S. 1–21; „Fortsetzung“; – in der Revue numismatique 1860, p. 266–279: „Description de quelques medailles greques“, mit mehreren Tafeln. Außerdem erschienen noch viele Aufsätze aus P.’s Feder in den „Wiener Jahrbüchern der Literatur“ (1832 bis 1834), im „Corpus inscriptionum“, in den „Europäischen Annalen“, in der „Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur“ (1831–1833), im „Echo“ (1834) u. v. A. Die vielen hervorragenden Verdienste, welche sich P. als Staatsmann, Gelehrter und Militär und als eifriger Förderer gemeinnütziger Institute – wie des Joanneums in Gratz – erworben, blieben auch von Seite der Wissenschaft nicht unbeachtet. Der Auszeichnungen, mit welchen die Monarchen Oesterreichs seine Leistungen belohnten, wurde bereits gedacht. Die kais. Akademie der Wissenschaften in Wien ernannte ihn am 24. Juli 1853 zu ihrem wirklichen Mitgliede, nachdem er schon seit 26. Juni 1848 correspondirendes war. Außerdem ist P. Mitglied der atheniensischen gelehrten Vereine für Archäologie und Naturwissenschaft, der Alterthumskunde in Kairo, der großherzoglich badischen Gesellschaft für Geschichtsforschung zu Freiburg, correspondirendes Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin u. m. a. Griechenland, Rußland, Se. Heiligkeit der Papst, Parma, Schweden haben ihn mit Großkreuzen ihrer Orden geschmückt; und als besondere Auszeichnung, die ihm zu Theil wurde, sei erwähnt, daß er im Jahre 1815, damals erst. Lieutenant, erwählt wurde, der Prinzessin Hermine von Anhalt-Bernburgs-Schaumburg, die mit dem Erzherzog-Palatin von Ungarn verlobt war, von Paris aus das Brautkleid zu überbringen. – In der Zeit während des Satzes und der Correctur dieses und des vorigen Bogens erfolgte die Versetzung des Freiherrn von Prokesch-Osten in den Ruhestand unter gleichzeitiger taxfreier Erhebung in den erblichen Grafenstand. P. hat sich am 25. November 1832 mit Irene gebornen Kiesewetter von Wiesenbrunn (geb. 27. März 1811) vermält. [355] Aus dieser Ehe entstammen vier Kinder, Anton (geb. 19. Februar 1837), Hauptmann in der Armee, vermält mit Friederike Goßmann (geb. 23. März 1839) [Bd. V, S. 277]; – Irene (geb. 22. Juli 1840), vermält am 24. September 1860 mit dem Legationsrathe Franz Freiherrn von Reyer; – Franz Joseph (geb. 2. Juli 1851, †); – Karl (geb. 6. Juni 1840), erlag als Oberlieutenant im k. k. Linien-Infanterie-Regimente König der Belgier Nr. 27 seinen im Gefechte bei Oeversee im schleswig-holsteinischen Feldzuge 1864 erhaltenen Wunden am 6. Februar 1864. Dieser wackere junge Krieger hatte drei Schußwunden, im Unterleibe, in der Brust und im Arme, erhalten; Se. Majestät der Kaiser hatte der in Gratz domilizirenden Gemalin des Botschafters auf telegraphischem Wege durch den Truppencommandanten Feldmarschall-Lieutenant Baron Handel das Beileid über den Tod ihres tapferen Sohnes ausdrücken lassen. Die Leiche des Gefallenen wurde nach Gratz überführt und daselbst am 22. Februar 1864 mit militärischen Ehren auf dem St. Leonhard-Friedhofe beigesetzt. – Freiherr Anton, der einzige, noch lebende Sohn des Botschafters hat aus seiner Ehe mit Fräulein Goßmann zwei Töchter: Irene (geb. 9. November 1861, und Alexandra (geb. 18. Juni 1864).

Ritterstands-Diplom ddo. 24. Mai 1830. – Freiherrnstands-Diplom ddo. 1. Februar 1846. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860 u. f., C. B. Lorck, 4°.) II. Serie. Sp. 1. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1832, F. A. Brockhaus, gr. 8°.) Bd. III, S. 670. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 309. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, O. Wigand, gr. 8°.) Bd. XI, S. 197. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. IV, S. 1100. – Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Bd. II, S. 13. – Hahn (Sigmund), Reichsraths-Almanach für die Session 1867 (Prag 1867, H. Carl J. Satow, 8°.) S. 68. – Mosenthal (S. H.), Museum aus den deutschen Dichtungen österreichischer Lyriker und Epiker der frühesten bis zur neuesten Zeit (Wien 1834, C. Gerold, 8°.) S. 293. – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (Zürich, Stuttgart und Würzburg 1868 u. f., Leop. Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 21. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1870, Teubner, Lex. 8°.) Bd. IV. Sp. 55. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing. Athanasius u. Comp. [Hamburg, Hoffmann u. Campe], 8°.) S. 36 [als Curiosum stehe hier die Schilderung dieses Pamphletisten, die er von Prokesch machte „Groß, schlank, militärische Haltung, von Afrika’s Sonne gebräunte angenehme Züge, Sohn der Fortuna, romantisch wie sein Name, seine Feder, Dichter in Prosa, in neuester Zeit etwas langweilig. gern gesehen in den Salons der Diplomatiker (!will heißen Diplomaten), Envoyé am griechischen Hofe, nicht ohne Talent (!), Stiefsohn des Halbdemagogen (!!) Schneller, lebt in Athen“ (das daselbst angegebene Geburtsjahr 1798 ist falsch).] – Wiener Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) 1838, Bd. IV, S. 1500, im „Rückblick in die Vergangenheit“. – Wiener Stadt- und Vorstadt-Zeitung, herausgegeben von Julius Seidlitz, 1855, Nr. 197. – Jetztzeit (Wiener Blatt, 8°.) 1855, Nr. 44, S. 697. – Rheinische Blätter (1855, Nr. 233, in „Vermischtes“. – Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1861, Nr. 311, in den „Tagesnotizen“. – Militär-Zeitung. Herausgegeben von Dr. Hirtenfeld, 1857, S. 422; M“. S. 363; 1853, S. 957. – Grazer Zeitung 1865, Nr. 82. im Feuilleton: „Anton [356] Freiherr von Prokesch-Osten“. – Literarisches Centralblatt für Deutschland, herausg. von Friedrich Zarncke (Leipzig, Avenarius, 4°.) Jahrgang 1867, Nr. 34, 1868, Nr. 42, Sp. 1124. – The illustrated London News (London, Fol.), vom 13. October 1855: „Baron Prokesch von Osten“, mit einem Porträt in Holzschnitt nach einer Photographie von Miller in Wien. – Porträte. 1) Lithographie von Dauthage (Wien, Jos. Bermann, Halbfolio); – 2) Lithographie von Kriehuber (Wien, Neumann, Halbfolio). – 3) Stahlstich im Gothaischen Hofkalender (32°.). – Außerdem mehrere Holzschnitte in illustrirten Blättern. – Wappen. Ein blauer Schild mit einem sechsmal nach unten zugespitzten Schildeshaupte. In dem letzteren erscheint ein rothes Krückenkreuz, welches in den Winkeln von ähnlichen rothen Kreuzchen begleitet ist. In dem blauen Schildesfelde ist eine goldene, auf goldener Unterlage ruhende egyptische Sphinx zu sehen. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich zwei gekrönte Turnierhelme erheben. Auf der Krone des rechten Helmes sitzt ein antiker, aus röthlichem Granit gehauener, einwärts gekehrter Greif mit silbernen Flügeln und aufwärts gekehrtem Schwanze, der in der linken Kralle die österreichische Flagge hält. Auf der Krone des linken Helmes erscheint in wachsender Form das Bildniß der kriegerischen Minerva. Helmdecken. Rechts roth, links blau, beiderseits mit Gold unterlegt. Schildhalter. Auf einer unter dem Schilde sich verbreitenden goldenen Arabeske, rechts ein altegyptischer Löwe, links ein antiker Greif mit offenen silbernen Flügeln, beide aufrecht und einwärts gekehrt stehend, mit den Vorderpranken den Schild haltend und beide aus röthlichem Granit gehauen. Devise. Unter dem Schilde auf blauem Bande in goldenen Lapidarbuchstaben: „Ex Oriente Lux“.