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BLKÖ:Petter, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Petter, Franz Xaver
Band: 22 (1870), ab Seite: 135. (Quelle)
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Petter, Anton (Historienmaler, geb. zu Wien am 2., nach Anderen am 12. April 1781, gest. ebenda 14. Mai 1858). Dieser Sproß einer bekannten Künstlerfamilie [vergleiche die Anmerkung[1]] zeigte in früher Jugend Talent für die Kunst und zeichnete mit dem nachmals berühmt gewordenen Custos, der Belvedere-Gallerie, Karl Ruß, nach Kupferstichen der besten Meister, copirte dann mit großer Sorgfalt die Meisterwerke in der Belvedere- und fürstlich Liechtenstein’schen Gallerie. So war er eigentlich niemals ein Schüler irgend eines lebenden Malers. In der Akademie gewann er nacheinander in verschiedenen Fächern sechs Preise, darunter für seinen „todten Aristides“ den zum ersten Male vertheilten großen Reichel’schen Preis. Im Jahre 1808 reiste er nach Rom, im Jahre 1814 wurde er Mitglied der Akademie der bildenden Künste, das Aufnahmsbild war: „Der von seiner Mutter im Schosse seiner Gattin gemordete Meleager“, welches zwei Jahre später bei St. Anna in der Ausstellung zu sehen war. Im Jahre 1820, und nicht, wie es bei Nagler heißt, 1829, wurde P. Professor an der Akademie der bildenden Künste und im Jahre 1828 Director derselben. Viele Jahre wirkte er an diesem Institute, dann trat er in den Ruhestand über und starb im Alter von 77 Jahren. P. war überdieß Ehrenmitglied der k. k. Akademien zu Mailand und Venedig, der großherzoglichen Akademie zu Florenz und Ehrenbürger von Wien. Groß ist die Zahl seiner Arbeiten, sowohl Zeichnungen als Gemälde, denen man weiches, treffliches Colorit, Harmonie in der Farbe, Geschicklichkeit in der [136] Anordnung und effectvolle Beleuchtung nachrühmt. Durch 30 Jahre, von 1816 bis 1846, hat der Künstler fleißig ausgestellt. Hier folgt zunächst eine Uebersicht jener Bilder, welche seit 1816 in den Jahres-Ausstellungen in der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien zu sehen waren, und zwar außer dem bereits erwähnten „Meleagers Tod“ im Jahre 1820: „Bildniss seines Vaters“; – „Alcibiades, von Sokrates überrascht“; – „Phaedra verleumdet Hippolyth bei seinem Vater Theseus“; – „Lais, von Aristipp im Bade überrascht“; – „Madonna mit Jesus und Johannes in einer Landschaft“; – „Die heilige Familie“; – 1822: „Maximilian’s I. Gemalin bringt ihm bei seinem Triumphzuge in Gent den während seiner Abwesenheit gebornen Prinzen Philipp entgegen“ (9 Schuh hoch, 12 Schuh breit), Petter’s Meisterstück; – 1824: „Johanna von Aragonien und ihre Kinder bei der Leiche Philipp’s von Oesterreich“; – „Der Sitz auf dem Ecksteine“, nach einer Ballade von Castelli; – 1826: „Petrus und Saphira“; – „Petrus erweckte Tabitha vom Tode“; – „Sigmund findet seine von ihm zum Tode verurtheilte Gattin Genofeva wieder“; – „Kunz von der Rosen versucht den Kaiser Max aus der Gefangenschaft in Gent zu befreien“; – 1828: „Wenzeslaus, Ottocar’s Sohn, bittet Rudolph von Habsburg um die Leiche seines Vaters“ [Pyrker’s Rudolphiade, XII. Ges.]; – „Rudolph von Habsburg nimmt, unter der grossen Linde in Matzleinsdorf, Abschied von seiner Familie“ (Pyrker’s Rudolphiade, III. Ges.), im Joanneum zu Gratz; – 1832: „Cajus Grachus geht, die Bitte seiner Gemalin nicht beachtend, unbewaffnet seinen Feinden und dem gewissen Tode entgegen“; – „Der h. Anton von Padua“; – 1834: „Erzbischof d’Aphon[WS 1] rettet zwei Kinder aus den Flammen“, nach einem Gedichte von Joh. Langer; – „Ein Alpenjäger rettet Weib und Kind aus seinem von einer Lavine verschüttete Hause“, nach Joh. Gabriel Seidl’s Gedicht: „Der Alpenjäger“; – „Der Schmetterling“, nach einer Sage, gedichtet von Joh. Gabr. Seidl; – 1834: „Prometheus misstraut jedem Geschenke Jupiters“; – 1835: „König Ahasver verurtheilt Haman zum Tode“; – 1836: „Marcus Licinius Crassus glaubt seinen Zufluchtsort durch die Ankunft zweier Mädchen verrathen“; – 1838: „Die Ehebrecherin vor Christus“; – 1842: „König Ahasverus erlässt der vor ihm unangemeldet erscheinenden Esther die hierauf verhängte Todesstrafe“; – 1843: „Junius Brutus schwört, die an Lucretia verübte Schmach zu rächen“; – „Hagar in der Wüste“; – 1844: „König Saul bei der Hexe von Endor“; – „Tod des h. Wenzeslaus. Altarbild für die Olmützer Domkirche“; – 1845: „König Wenzel verurtheilt Johann von Nepomuk zum Tode“„ Altarbild im Auftrage des Erzbischofs von Olmütz; – 1846: „Scene aus Ernst Schulze’s „Bezauberte Rose“ („Nur todter Glanz kann Macht und Reichthum zeigen, das Leben ist allein dem Sänger eigen“, 3. Ges.). Außer diesen Bildern sind noch bekannt: „Oedip auf Kolonos“; – „Phryne vor dem Gerichte der Helyasten“; – „Theseus und Pirithous, um die geraubte Helena losend“; – „Orest, der Muttermörder, von den Erynnien verfolgt“; – „Die von Verzweiflung ergriffene Mutter, welche das anmuthigere Kind der verhassten Nebenbuhlerin nächtlich ermorden will, aber im Dunkel ihr eigenes trifft“, die letztgenannten fünf alle im Privatbesitze (vormals in jenem eines Kaufmanns Malanotti); – „Der sterbende Marc-Aurel, seinen Sohn Commodus den ihn umgebenden Staatsmännern und Heerführern empfehlend“; – „Rudolph von Habsburg in Thränen an der Leiche des besiegten Ottocar“, diese figurenreiche Composition wurde 1823 von Blasius Höfel in [137] Kupfer gestochen; – „Die Grazien finden Amor“; – „Mater dolorosa“ lebensgroß, auf Kupfer gemalt; – „Der h. Joseph mit dem Kinde und einer Glorie von Engeln“; – „Der Abschied der Apostel Peter und Paul“, die letztgenannten sechs in Ungarn befindlich; – „Rudolph’s von Habsburg Begegnung mit dem Priester auf der Jagd“; – „Ferdinand II. , knieend vor dem Crucifix, als Dampierre’s Kürassiere Rettung gegen die böhmischen Rebellen bringen“; – „Maximilian’s Zusammenkunft mit Maria von Burgund“ (7 Schuh hoch, 9 Schuh breit), von Kolb in schwarzer Manier in Kupfer gestochen, von Erzherzog Johann dem Joanneum zum Geschenke gemacht; – „Erzherzog Karl bei Aspern ergreift die Fahne eines wankenden Regiments“, im Auftrage des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen gemalt; – „Die h. Theresia im Kreise ihrer Ordensschwestern von himmlischem Entzücken ergriffen“. Altarblatt; – „Karl V. besucht den kranken König Franz I. von Frankreich“. Außerdem viele Bildnisse, Brustbilder und in ganzen Figuren. Der berühmte Blumenmaler Franz X. Petter wird hie und da als ein Bruder Anton’s P. angeführt, in Wahrheit ist er nur ein Vetter desselben.

Das Geburtsdatum: 2. April 1781, entgegen dem in gedruckten Werken angeführten 12. April 1783, entnehme ich einer berichtigenden handschriftlichen Notiz des Herrn J. Ritter von Hoffinger, welche auch mit dem Partezettel übereinstimmt. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XII. Jahrg. (1821), Nr. 37, S. 146, u. Nr. 53, S. 215; XIII. Jahrg. (1822), Nr. 95, S. 505, u. Nr. 152, S. 814; XV. Jahrg. (1824), Nr. 105 u. 106; S. 579. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 196. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1833, Brockhaus, gr. 8°.) Bd. III, S. 485. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XI, S. 198. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 258. – Oesterreich im Jahre 1840 u. s. w., Bd. II, S. 256. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. III, S. 646. – Schmidl (Adolph), Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1844), S. 184. – Kunst-Blatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1845, S. 219. – Raczynski, Geschichte der neueren Kunst, Bd. II, S. 605. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der Akademie der bildenden Künste bei Anna in Wien, 1816, 1820, 1822, 1824, 1826, 1828, 1832, 1833–1838, 1842–1846. – Porträt. Der Künstler hat sich selbst auf seinem großen, jetzt im Joanneum zu Gratz befindlichen Gemälde: „Maximilian’s Zusammenkunft mit Maria von Burgund“, abkonterfeit, und zwar ist der Knappe, der Maximilian’s Pferd hält, sein Porträt. – Außerdem hat ihn im Jahre 1833 Kaniewsky in Wien gezeichnet, und befand sich dieses Bildniß in der bekannten Sammlung des jüngstverstorbenen sächsischen Hofmalers C. Vogel von Vogelstein in Dresden.

  1. Zu leichterem Verständnisse der Verwandtschaftsgrade der Künstlerfamilie Petter diene folgendes Täfelchen.
    Petter.
    ... Petter,
    Bauzeichner.
    Jacob Petter
    Emailmaler,
    geb. 1758, † 1842.
    Anton [S. 135],
    Historienmaler,
    geb. 12. April 1781,
    † 14. Mai 1858.
      Franz Xaver [S. 137],
    Blumenmaler,
    geb. 22. October 1791,
    † 11. Mai 1866.
      Theodor [S. 142],
    Alpenblumenmaler,
    geb. 29. Mai 1822.
    Gustav [S. 143, im Texte]
    geb. 9. März 1828,
    † zu Görz 25. Februar 1868.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Claude d’Apchon (Wikipedia).