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BLKÖ:Langer, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 113. (Quelle)
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Langer, Johann (Schriftsteller, geb. zu Wien 7. April 1793, gest. ebenda 29. Jänner 1858). Der Sohn eines Wiener Bürgers; nachdem er eine dürftige Schulbildung genossen, und nur das Nöthigste gelernt hatte, bemächtigte sich seiner ein unstillbarer Wissensdrang und ohne Meister, ohne Lehrer – obgleich sein Vater ein sehr wohlhabender, ja reicher Mann war – bildete er sich mit rastlosem Eifer selbst. Bei diesem Drange nach Kenntnissen und bei seinen angebornen Talenten war es Schade, daß, wie einer seiner Biographen berichtet, „in jener Zeit nicht ein erfahrener Freund an seiner Seite gestanden, der seinen Hang zu zügeln und den aufstrebenden Geist durch eine zweckmäßig gewählte Lectüre zu befriedigen wußte, aber leider spielte der Zufall gewöhnlich die mittelmäßigsten Producte in seine Hände, die ganz natürlich dem, seine jungen Schwingen versuchenden Genius zum verderblichen Vorbilde wurden“. Diese nicht immer an den besten Mustern bewerkstelligte Selbstbildung macht sich bei Langer’s Arbeiten immer mehr oder minder fühlbar. L. entwickelte, seit er in Zeitschriften und Taschenbüchern mit seinen Arbeiten auftrat, eine große Fruchtbarkeit. Die Bäuerle’sche Theater-Zeitung zählte ihn seit 1816 zu ihren Mitarbeitern, und die österreichischen Taschenbücher Iduna, Huldigung der Frauen, das Veilchen, [114] der Freund des schönen Geschlechts, Frauenlob, Aurora, die gelesensten belletristischen Blätter des In- und Auslandes, wie: die Carinthia, Pannonia, der Spiegel, der Berliner Gesellschafter, die Hell’sche Abendzeitung, der Sammler, der Planet, die Feierstunden u. v. a., enthielten zahlreiche Aufsätze seiner Feder in Prosa und in gebundener Rede. Mehrere dieser zerstreut gedruckten Gedichte und Erzählungen hat er später gesammelt, und so sind von ihm folgende Schriften erschienen: „Kränze für die Jugend“ (Wien 1830, Mausberger, 8°.), eine Sammlung von Gelegenheitsgedichten, welche L. für Schul- und Gemeindefeste in der Leopoldstadt schrieb; – „Gedichte“, 2 Bde. (ebd. 1830, 8°.); – „Erzählungen, Märchen und Skizzen“, 2 Bde. (ebd. 1835 u. 1836, 8°.); – „Neue Erzählungen und Humoresken“, 4 Bde. (ebd. 1838–1841, Tendler und Schäfer, 8°.); – „Gedichte. Neue Folge“, 2 Bde. (ebd. 1841, 8°.). Ungleich Ersprießlicheres aber hat L. als Bürger seiner Vaterstadt geleistet. Nicht bloß Ehrenämter, sondern mehrere zeitraubende, wichtige und verantwortliche Gemeindeämter hat er viele Jahre unentgeltlich, zum Nutzen der Gemeinde und in den Tagen der Gefahr mit Umsicht, Muth und Geistesgegenwart verwaltet. Hier sei nur der wichtigsten gedacht: Von 1821 bis 1845 war er Wiener Armen-Instituts-Rechnungsführer der Pfarre St. Joseph; seit März 1822 Armenvater; seit 1825 bis November 1849 Ortsschulen-Aufseher der Leopoldstadt und Jägerzeile; seit 1825 bis 1849 Gerichtsbeisitzer; seit 1825 Mitglied des äußeren Rathes; seit 1827 Armen-Bezirks-Director zu St. Joseph; seit 1843 Mitglied und Rechnungsführer des Filial-Vereins zur Beschäftigung brotloser Menschen; seit 1847 Ausschußmann des Wiener Schutzvereins; seit 1848 Mitglied des Wiener Gemeinderathes; seit 1820 Mitglied der Sparcasse; seit 1823 Vorsteher; seit 1831 Curator; seit 1845 Präsidenten-Stellvertreter; seit 1846 Präsident und seit 1849 Obercurators-Stellvertreter derselben. Namentlich auf diesem letzteren Posten entfaltete er in verhängnißvoller Periode nicht gewöhnliche, den Bestand des wichtigen Institutes erprobende Umsicht. Nach den Märztagen des Jahres 1848 hatte der Adel die Residenz verlassen und auch Graf Colloredo, Obercurator der Sparcasse, war abwesend, dessen Stellvertreter Anton Ritter von Schmerling weilte in jenen Tagen zu Frankfurt a. M. als Reichsminister an des Erzherzogs und Reichs-Verwesers Johann Seite. L. wurde in Folge dessen zum Oberleiter der Anstalt ernannt. Es gelang seinen Maßnahmen, das Institut in den bedrängtesten Zeiten aufrecht zu erhalten. Es läßt sich hier leider nicht darstellen, welche Anstalten L. zur Vertheidigung des Hauses getroffen, als das Proletariat, von der Revolution gehätschelt und förmlich groß gezogen, anfing schwürig zu werden. Als bei der immer mehr zunehmenden Verdüsterung des politischen Horizonts, Alles in Besitz von Baargeld sich zu setzen suchte und seine Ersparnisse aus der Sparcasse holte, verlor Langer keinen Augenblick den Kopf, hielt mit den Auszahlungen nicht inne und verstand es, das Vertrauen zu der Anstalt so zu steigern, daß endlich die Leute nicht nur die Gelder in der Casse liegen ließen, sondern sogar große Summen wieder zurück brachten. Dieß Alles, wie es dem Herausgeber dieses Lexikons Langer selbst mit den interessantesten Einzelnheiten mitgetheilt, hier zu berichten, liegt außer Zweck und Bereich dieses Werkes [115] und kann also hier nur flüchtig angedeutet werden. Die vielfachen Verdienste Langer’s fanden aber auch bei verschiedenen Gelegenheiten gerechte Würdigung. So wurde ihm eben in Anerkennung seiner Verdienste als Oberleiter der Sparcasse mit Allerh. Entschließung vom 12. Juli 1850 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen und ihm dasselbe in feierlicher Weise übergeben. Früher schon, im Jahre 1838, wurde ihm in Anbetracht seiner fast dreißigjährigen Dienstleistung als Aufseher sämmtlicher Schulen der Leopoldstadt und für seine Verdienste um das Armenwesen Wiens die mittlere goldene Civil-Verdienstmedaille zuerkannt; die Gemeinde selbst aber ehrte ihren vielverdienten Bürger bei Gelegenheit, als er altershalber mehrere beschwerliche Gemeindeämter niederlegte, mit der Verleihung der großen goldenen Salvatormedaille. L., der durch weise Sparsamkeit und Thätigkeit sich vom reichen Manne zum Millionär emporgeschwungen, starb im Alter von 65 Jahren. Seine in ihrer Jugend als Schönheit gefeierte Witwe hat ein paar Jahre nach seinem Tode den Sohn des Redacteurs Adolph Bäuerle geheirathet.

Oesterreichischer Zuschauer, heraus. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1837, S. 420 u. 1339. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 359, und Bd. VI, S. 531. – Die Feierstunden (Wien, 8°.) 1833, S. 573. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing, bei Athanasius u. Comp. [Hamburg, bei Hoffmann u. Campe], 8°.) S. 27. – Oesterreichischer Bürger-Kalender (Wien, A. Pichler, gr. 8°.) Jahrgang 1847, S. 32. – Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 51. Jahrg. (1858), Nr. 17, S. 66: Nekrolog. – Der Wanderer (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.) XXV. Jahrgang (1838), Nr. 283, S. 1129: „Oesterreichs Ehrenspiegel“. – Iris (Gratzer Mode- und Musterblatt), im März 1851. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. I, S. [Bemerkt unter anderem über Langer: „Langer ist so ein Stückchen Castelli, nur unliebenswürdiger, breitgeschlagener. Was bei Castelli so natürlich, ja beinahe leichtfertig hervortritt, dem stehen bei Langer die großen Schweißtropfen auf der Stirne. Man merkt überall das Gemachte, Herausgerungene, und das erregt Unbehagen in der Poesie. Langer steht zwischen der alten und neuen Zeit, ihrer Poesie und ihren Bestrebungen – Verzeihung für den Vergleich, er ist nicht böse gemeint – wie ein Hund, der sich den Schweif eingeklemmt, nicht heraus und nicht hinein kann, und will er sich ja losreißen, so lacht man den Hund aus, der nun einen kahlen Schweif trägt.“ – Witziger zeichnet Cajetan Cerri Langer’s Umriß in der „Iris“ 1851: „Eine lebendige Makame – zeigt uns dieser Name – an Geist und Gestalt – so ausgedehnt und alt – nicht groß und nicht klein – wenig Fleisch und viel Bein – allein gar artig und fein; – schön ist er nicht – doch sein Gesicht – von Gemüthlichkeit spricht; – als Schriftsteller – werth einen Heller – hat er als Mann – sich hervorgethan – denn er ist reich – und zugleich wohlthätig und hilfreich; – einst schrieb er viel – mit erträglichem Styl – an Recensionen, Novellen, Gedichten – und sonstigen traurigen Geschichten – nun ist er verschollen – und es sollen – ganz andere Sachen – ihm Freude machen“ u. s. w. Da der Schluß dieser Makame Cerri’s unwahr ist, so bleibt er hier weg.] – Porträte. 1) Mit Facsimile seiner Unterschrift: Joh. Langer. Kriehuber 1839. Gedr. bei Joh. Höfelich, 8°. u. 4°.; – 2) Stadler gem. 1849.