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BLKÖ:Pettenkofer, August

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Petter, Anton
Band: 22 (1870), ab Seite: 133. (Quelle)
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Pettenkofer, August (Maler, geb. 1821). Er erscheint auch hie und da in den Katalogen als Pettenkofen, doch dürfte Pettenkofer sein richtiger Name, wenigstens erscheint er mit demselben in der kaiserlichen Entschließung vom 1. Mai 1866, mit welcher die inländischen Mitglieder der k. k. Akademie der bildenden Künste (Wiener Zeitung vom 9. Mai 1866) ernannt wurden. Ueber Lebens- und Bildungsgang dieses Künstlers, der gleich bei seinem Auftreten die Aufmerksamkeit der Kenner und Kunstfreunde erregte, ist nichts bekannt. Ja nach dem Ausstellungsverzeichniß Nr. 196 (Juli 1868), des österreichischen Kunstvereins wäre er sogar bereits gestorben, was aber nicht der Fall ist. Zuerst arbeitete er als Zeichner und Lithograph, und außer ein paar Suiten: „Zwölf Szenen aus der Ehrenhalle des k. k. Militär-Fuhrwesenscorps“, und fünf Blättern: „Erinnerung an den ungarischen Feldzug“, welche beide in Lithographien bei Neumann in Wien erschienen sind, sind auch noch einige einzelne Blätter seines Griffels, meist Soldatenscenen, bekannt, wie z. B.: „Russisches Lager“; – „Die brave Marketenderin“; – „Der mitleidige Soldat“; – „Die Todtennacht“; – „Die Amnestirten, ihre Heimat begrüssend“, die genannten fünf sämmtlich im Verlage bei Neumann, und „Soldatentod“; – „Pirquet’s Tod“, beide im Verlage bei Paterno erschienen. Schon in diesen Blättern zeigte sich neben einem richtigen Zeichnungstalent ein ungemein frisches Leben, tiefes, von aller falschen Sentimentalität freies Gemüth und eine liebenswürdige Keckheit in Auffassung und Ausführung. Jedoch waren diese Proben, so vielversprechend an sich, kaum Vorboten dessen, was der Künstler, der im Jahre 1851 mit ein paar Aquarellen: „Russisches Bivouak bei [134] Igmand. 1849“, Eigenthum des Feldzeugmeisters Freiherrn von Welden, und „Transport von Verwundeten“, in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins debutirte, in seinen Oelbildern leisten würde. In der That wurde dieß auch bald erkannt und gewürdigt, und P. erhielt viele Aufträge aus den höchsten Kreisen. Er arbeitete längere Zeit in Ungarn, wo seine Studien das beste sind, was nach dieser Richtung bisher geleistet worden. Ganz treffend bemerkt bei diesem Anlasse ein Kritiker: „Das durch P. erfundene Genre mag streng künstlerisch nicht sehr hoch anzuschlagen sein, es hat mehr von einem geistreichen Aperçu, denn von einem Kunststyl an sich und verliert sich endlich in charakterisirende Spielerei. Aber es ist in seiner Art so virtuos vollendet und sicher durchgeführt, so geistreich pointirt und erhielt so viel Interesse, indem es sich einer bisher völlig fremden Natur und Nationalität zuwandte, daß man eben mit Recht ganz entzückt über dieses Genre sein kann.“ Bemerkt muß werden, daß alle eingebornen ungarischen Maler und die geschicktesten zusammengenommen nicht eine Idee des charakteristisch Malerischen ihrer Heimat in Bezug auf Land und Leute auch nur annähernd auffanden, als dieß J. N. Geiger durch seine Skizzen zur ungarischen Geschichte und Pettenkofer durch seine Auffassung der Pußta, der Pferde, der Bauern und Zigeuner, der Dorfschaftstypen; u. s. w. gelang. Später begab sich P. nach Paris und dort ging eine nicht geringe Umwandlung mit dem Künstler vor sich. Er malt, bemerkt ein Kunstkritiker anläßlich eines in der September-Ausstellung 1866 befindlichen Bildes, jetzt ganz anders, er hat seinen österreichischen Wiener Rock mit hohem Kragen aus- und einen französischen angezogen. Er trägt den fremden modernen Rock mit hohen Ehren, denn er verstand es, sich ihn an den Leib zu formen und wohl anzupassen, ja so, als wäre er mit ihm geboren worden. Pettenkofer soll, wie man uns mehrfach erzählte, seine früheren Bilder mit dem alten Rock ganz und gar unterschätzen, doch mit Unrecht; uns scheint, als wären sie durchaus nicht weniger gediegen als die seiner zweiten Periode, wo er sich mit der fast gänzlichen Umwandlung der Technik von seinem eigentlichen, dem Soldatengenre, abwendete und rein auf den Boden der ungarischen Charakterstaffage begab. Daß dem ungewöhnlich feinen Farben- und delicaten Formensinn des Künstlers dieser Umschwung nahe lag oder dieser ihn mindestens beförderte, bedarf keiner Erörterung, und was er darin bisher zu leisten verstand, braucht eben hier nicht mehr anerkannt zu werden, die Welt hat es gethan. Dennoch nehme man es uns nicht übel, wenn wir den hochbegabten Künstler schon sehr hoch schätzten, als er noch nicht Renegat war. Nur ein verhältnißmäßig sehr kleiner Theil der Arbeiten P.’s kam vor die Oeffentlichkeit, die meisten derselben wanderten nach ihrer Vollendung sofort in die Sammlungen der reichen oder hohen Besteller, die nach dem Besitze dieser Kunstwerke geizten. In den Ausstellungen, welche der österreichische Kunstverein seit 1849 monatlich veranstaltet, waren von P.’s Gemälden zu sehen im Jahre 1853: „Ein Hofraum“ (250 fl.); – „Mönche in einem Klostergange“; – 1854: „Ungarische Puszta“; – „Ungarischer Bauernhof“; – „Ungarischer Markt“, – 1856: „Pferde vor einer Csarda in Ungarn“; – „Vor einem ungarischen Bauernhause. Naturstudie“ (500 fl.); – „Wandernde Zigeuner“; – „Zigeunerhütte auf einer Puszta“, dieses und [135] das vorige Aquarelle und Eigenthum der Gräfin Nakó; – „Strasse eines ungarischen Dorfes“; – 1866: „Ein Soldat theilt sein Brod mit seinen Kindern“; – „Eine Zigeunerin“; – „Interieur eines Hauses in Klosterneuburg“, in der Gallerie Saint Genois. Ein älteres Bild des Künstlers ist sein „Zweikampf aus der Zeit Ludwig’s XIV.“, ein kleines, aber vortreffliches Werk; und an seinen im Jahre 1860 in Paris ausgestellten „Ungarischen Freiwilligen“ rühmte man geistreiche Ausführung, heiteres und reizendes Colorit, feine und correcte Zeichnung und feurige Composition.

Deutsches Kunstblatt 1853, S. 458; 1854, S. 318. – Le Moniteur universelle 1860, 23. Febr.[im Feuilleton]. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 258. – Monatsverzeichnisse des österreichischen Kunstvereins, 1851, 1853, März und September; 1854, Mai, Juni, Juli, September; 1856, April, Mai; 1862, Mai, Juni; 1865, Mai; 1866, September; 1868, Juni.