Zum Inhalt springen

BLKÖ:Nostitz-Rieneck, Franz Anton Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 20 (1869), ab Seite: 397. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Anton von Nostitz-Rieneck in der Wikipedia
Franz Anton von Nostitz-Rieneck in Wikidata
GND-Eintrag: 138261202, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nostitz-Rieneck, Franz Anton Graf|20|397|}}

Nostitz-Rieneck, Franz Anton Graf (Staatsmann und Humanist, Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Mieschitz in Böhmen 17. Mai 1725, gest. ebenda 29. September 1794). Der ältere Sohn des Grafen Franz Wenzel aus dessen Ehe mit Katharina Elisabeth Gräfin Schönborn und Bruder des berühmten Feldmarschalls Friedrich Moriz [s. d. S. 398]. Graf Franz Anton erhielt eine vortreffliche Erziehung und beendete seine Studien an den Hochschulen zu Prag und Leipzig. Als Majoratsherr zur Uebernahme eines großen Güterbesitzes berufen, wünschten seine Eltern, daß er in den Civilstaatsdienst trete, aber seine Neigung für den Soldatenstand war so groß, daß sie seinem Wunsche endlich nachgaben und der junge Graf trat in die kaiserliche Armee, in welcher er seit 1743 die Kriege in Spanien, Neapel und Oberitalien als Adjutant der Feldmarschalle Traun und Lobkowitz mit Auszeichnung mitmachte. Nach geschlossenem Frieden betrat er die Civillaufbahn und die Kaiserin Maria Theresia ernannte ihn sofort zum Rathe bei der kön. böhm. Apellationskammer, im Jahre 1758 wurde er Beisitzer des größeren Landrechtes, 1763 Beisitzer des königl. Consesses der obersten Landesofficiere mit der Würde eines wirklichen geheimen Rathes und 1764 Beisitzer des königl. Guberniums. Als die Aufhebung der Jesuiten angeordnet worden, wurde der Graf mit der Ausführung dieser Maßregel beauftragt und führte sie am 5. October 1773 in den beiden Collegien im Prager Profeßhause als kaiserlicher Hofcommissär aus. Als Großgrundbesitzer war er ein Vater seiner Unterthanen und für die Wohlfahrt derselben stets ernstlich bedacht. Um den Beschäftigungslosen und Armen Gelegenheit zum Erwerbe und zu dauernder Thätigkeit zu geben und einen Theil seiner großen Einkünfte in Circulation zu setzen, begann er mit der Abtragung des alten Schlosses zu Mieschitz, an dessen Stelle er nunmehr einen neuen Bau aufführen ließ. In acht Jahren ward derselbe mit großem Kostenaufwande vollendet, noch erbaute er im Jahre 1779 zu Heinrichsgrün im Thiergarten ein niedliches Jagdschloß, 1780 eine Kirche zu Friebes und im Jahre 1788 eine noch schönere zu Libesnitz, ungerechnet die vielen Wirthschaftsgebäude, die er da und dort aufführen ließ. Auch dem Vergnügen der Bewohner von Prag brachte er eine stattliche Opfergabe dar, indem er an Stelle des alten und in keiner Hinsicht mehr entsprechenden Theaters auf seine Kosten im Jahre 1781 das große National-Theater vom Grund aus neu erbauen ließ. Seine Kenntnisse, Rechtlichkeit und energische Thätigkeit setzten ihn in große Gunst ebenso bei der Kaiserin, wie bei ihrem Sohne Joseph, erstere ernannte ihn im Jahre 1774 zum obersten Lehenrichter im Königreiche Böhmen, der letztere im Jahre 1781 zum obersten Landhofmeister, 1782 zum Oberstburggrafen von Böhmen und Präsidenten des königlichen Landesguberniums. Im Jahre 1783 zeichnete ihn der Kaiser mit dem Großkreuze des St. Stephan-Ordens aus. Aber auch in der öffentlichen Meinung [398] stand der Graf in hoher Achtung, er galt als eifriger, gerechtigkeitsliebender und in diesem Anbetrachte strenger Mann, bei dem Schmeichler und Heuchler ihre Absichten verfehlten, aber das wahre Recht stets zu seinem Rechte kam. Allen Uebergriffen, von welcher Seite sie kommen mochten, trat er energisch entgegen. Als ein erzbischöflicher Hirtenbrief den Nachtwächtern anbefahl, jeden Geistlichen, der nächtlicher Weile ohne Mantel und Talar angetroffen würde, anzuhalten und ihnen für jeden derart Angehaltenen ein Gulden Belohnung versprochen wurde, da geschah es, daß im Eifer bei Ausführung dieses Auftrages mancher verdienstvolle tadellose Priester angehalten und von den rohen Vollstreckern dieser unberechtigten Maßregel beleidigt wurde. Graf Nostitz, damals oberster Burggraf, machte dem Skandal sofort ein Ende, er erließ einen die angedeutete Maßregel aufhebenden Gegenbefehl, ertheilte dem unzeitigen Eiferer einen tüchtigen Verweis mit dem Beisatze, „daß nicht der Rock, sondern Gesinnung und Rechtschaffenheit den Geistlichen machen“, und verhalf der gesetzmäßigen Obrigkeit, die immer nur vom Staate bestellt werden kann, zu ihrem Rechte. 44 Jahre hatte der Graf dem Staate seine Dienste geleistet, nun bat er in Anbetracht seines hohen Alters, sich in Ruhe zurückziehen zu dürfen, welche Bitte ihm auch gewährt wurde. Er verlebte den Rest seines Lebens auf seinem Schlösse Mieschitz, wo er kurz vor seinem 70. Lebensjahre starb. Graf Franz Anton, nach Miltner’s Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen auch Ritter des goldenen Vließes, seit 1757 mit Elisabeth Gräfin Kolowrat-Krakowsky vermält, hinterließ aus dieser Ehe fünf Söhne und eine Tochter; von ersteren stifteten zwei: Friedrich Chrysostomus den älteren, Johann Nepomuk den jüngeren Zweig der gräflichen Linie Nostitz-Rieneck.

Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1838, Bd. II, S. 592. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 57. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) Erster (und einziger) Theil, S. 150.