Zum Inhalt springen

BLKÖ:Mesić, Mathias

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Meschutar, Andreas
Band: 17 (1867), ab Seite: 422. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Matija Mesić in Wikidata
GND-Eintrag: 121489728, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Mesić, Mathias|17|422|}}

Mesić, Mathias (Schulmann und Geschichtsforscher, geb. zu Brood in Slavonien im Jahre 1826). Das Gymnasium besuchte er zum Theile in Požega, zum Theile in Agram, in welch [423] letzterer Stadt er auch die philosophischen Vorlesungen hörte. Der Theologie sich widmend, wurde er als Cleriker der Agramer Diöcese nach Wien geschickt, wo er auch die theologischen Studien, 1842–1848, beendete. Auf der Hochschule wurde er mit slavischen Collegen bekannt und dadurch für die Angelegenheiten seines Stammes nur um so mehr gewonnen. Nachdem er zum Priester geweiht worden, trat er als Caplan zu Bozniakov in die Seelsorge, und wirkte in derselben, bis er im Jahre 1851 als Supplent am Agramer Gymnasium angestellt wurde. Nur ein halbes Jahr blieb er auf diesem Posten, dann kehrte er nach Wien zurück, um sich für die Lehramtsprüfung aus der Geschichte und Geographie vorzubereiten. Im Winter-Semester 1851/52 hörte er die Vorlesungen der Professoren Grauert, Jäger und Miklosich , und nachdem Grauert gestorben war, begab er sich nach Prag und legte dort die Prüfung ab. Während seines Aufenthaltes in der Moldaustadt beschränkte er sich nicht auf die Vorträge seiner Lehrer, unter denen Tomek, Höfler, Čelakowský sich befanden, sondern suchte auch Männer auf, die ihn in slavischen Studien und Ideen förderten, wie Šafařík. Schon während seiner Vorbereitung zum Lehramte trat er in einen Verein croatischer Schriftsteller, welche es sich ernstlich zur Aufgabe machten, dem Mangel nationaler Unterrichtsbücher nach Kräften abzuhelfen. Denn nicht bloß an den croatischen Lehranstalten, sondern auch an den übrigen der österreichischen Monarchie machte sich dieser Mangel um so fühlbarer, als in eben dieser Zeit die Reformen im Unterrichte, namentlich der Gymnasien, in’s Leben traten. So begann M. denn Unterrichtsbücher zu schreiben, die er zum Theile allein, zum Theile im Vereine mit Anderen vollendete. Im Jahre 1853 erhielt er ein Lehramt am Gymnasium zu Agram, und versah dasselbe bis zum Jahre 1856, in welchem er als Professor der österreichischen Geschichte und des canonischen Rechtes an der Agramer Rechtsakademie angestellt wurde, in welcher Stellung er noch gegenwärtig thätig ist. M. wirkt in mannigfacher Weise, vornehmlich im Schulfache, da er nicht nur zum königlichen Commissär der Schulen, sondern in den Jahren 1861 bis 1863 auch zum Inspector der Gymnasien bestellt worden. Ueberhaupt erwarb er sich alsbald als Pädagog und Schulmann einen so geachteten Namen, daß er, als im Jahre 1864 der Unterrichtsrath in’s Leben trat, bei der ersten Zusammenstellung als Mitglied in denselben berufen wurde. Aber auch auf wissenschaftlichem Gebiete, insbesondere auf jenem der geschichtlichen Forschung, entfaltet M. große Rührigkeit. Hier bietet ihm das eigene Vaterland, das nach dieser Seite hin seit Jahren verwahrlost geblieben, ein ergiebiges Feld. Die alten Quellen des Rechts und der Geschichte, in Sammlungen und Privatbesitze zerstreut, ist M. aufzusuchen bemüht und veröffentlicht sie dann entweder selbstständig oder in fachwissenschaftlichen- Sammelwerken. So z. B. gab er denn im 5. Bande des Arkiv za pověstnicu jugoslavensku und dann auch im Sonderabdrucke (Agram 1859) das Statut von Polejow heraus, wobei er auf Grundlage der Handschriften, welche sich in der reichhaltigen Sammlung von J. Kukuljević [Bd. XIII, S. 349] vorfanden, einen streng kritischen Text zusammenstellte. Als im Jahre 1864 die wissenschaftliche Zeitschrift Knjizevnik gegründet [424] wurde, betheiligte sich M. als einer der ersten Mitarbeiter an derselben, und veröffentlichte die größere, aus Quellen geschöpfte Abhandlung: „Die Croaten zu Ende des 15. und zu Anbeginn des 16. Jahrhunderts“ (Chorváti na konci XV. i na počátku XVI. stol.). Um die Förderung der illyrischen Matice, deren Vicepräsident er ist – denn ihr Präsident ist der vormalige croatische Hofkanzler Joh. Mažuranić [s. d. S. 199] – besitzt M. nicht geringe Verdienste, nebstbei verwaltet er die Fonds der südslavischen Akademie. Im Jahre 1861 war er auch Mitglied des croatischen Landtages. Außer den oberwähnten wissenschaftlichen Arbeiten hat er noch Folgendes durch den Druck veröffentlicht: „Obris zemljiopisa i povjestnice za c. k. niže gimnazije iz njemačkoga“, d. i. Grundriß der Erdbeschreibung und Geschichte für Untergymnasien. Aus dem Deutschen bearbeitet, 2 Theile (Wien 1854, Pichler); – „Početnica zemljopisna za I. razred, niže gimn. i niže realke“ (s česko prev.), d. i. Anfangsgründe der Geographie für die erste Classe des Untergymnasiums und der Unterrealschule. Aus dem Böhmischen übersetzt (Wien 1854, Mechitaristen, 8°.); – in Gemeinschaft mit Ant. Mažuranić [s. d. S. 198 d. Bds.] und Adolph Weber: „Ilirska čitanka za gornje gimnazije“, d. i. Illyrisches Lesebuch für Obergymnasien, 2 Theile (Wien 1856 und 1860, Schulbücher-Verlag, gr. 8°.); – „Pověstnica austryske deržave za porabu gimnazijah napisao V. Vladwoj Tomek“, d. i. Geschichte des österreichischen Staates, zum Gebrauche aus Gymnasien. Nach dem Čechischen des Wladisl. Tomek (Wien 1856, Schulbücher-Verlag, 8°.); im 4. Programme des Agramer Gymnasiums (1854) ist seine Lebensbeschreibung der slavischen Apostel Cyrill und Method erschienen. In letzterer Zeit beschäftigte er sich mit Bearbeitung eines Lesebuches für Volksschulen und mit der Uebersetzung der Kirchengeschichte von Feßler.

Ilirska čitanka za gornje gimnazije, d. i. Illyrisches Lesebuch für die Obergymnasien (Wien 1856, Schulbücher-Verlag, gr. 8°.) Bd. II, S. 405. – Křížek (Vacslav), Anthologie jihoslovanská, d. i. Südslavische Anthologie (Prag 1863, A. Storch, 8°.) S. 296. – Slovník naučný. Redakt. Dr. Fr. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladislaus Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 258.