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BLKÖ:Mažuranić, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 199. (Quelle)
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Mažuranić, Johann (croatisch-slavonischer Hofkanzler und croatischer Dichter, geb. zu Novi in Croatien 11. August 1814). Das Gymnasium besuchte er zu Fiume, und dort erlernte [200] er auch die ungarische Sprache und machte in derselben solche Fortschritte, daß er kleinere Dichtungen anderer Sprachen in dieselbe übertrug. Nun schickte ihn sein älterer Bruder Anton [s. d. Vorigen] nach Steinamanger in Ungarn, damit er auf dem dortigen Lyceum die Philosophie höre. Es war dieß so Sitte geworden, daß man junge Croaten auf ungarische Lehranstalten schickte, wie man, so zu sagen in Gegenseitigkeit, junge Ungarn nach Croatien zu senden pflegte. Damals schon erwachte in ihm der dichterische Drang, die südslavischen Ideen, die zu jener Zeit in den ersten Keimen aufschossen, erfüllten auch sein Gemüth, und seine Dichtungen aus jenen Tagen sind im ersten Jahrgange (1835) der „Danica ilirska“, d. i. Illyrischer Morgenstern, abgedruckt. Im Jahre 1836 kehrte M. in seine Heimat zurück, beendete in Agram die juridischen Studien und wurde dann Jurat. Nachdem er die Advocatenprüfung abgelegt, wurde er Fiscal und lebte als solcher größtentheils zu Karlsstadt. Diese Jahre bis 1848 gingen zum Theile in den Geschäften seines Berufes dahin, zum Theile seinem Hange zu schöngeistigen Arbeiten folgend, war er auch literarisch thätig und hat Mehreres veröffentlicht, dessen weiter unten Erwähnung geschehen soll. Aus diesem harmlosen Treiben rissen ihn die Stürme des Jahres 1848, und damals gab er – ohne sich zu nennen – die Flugschrift: „Hrvati Magjaróm. Odgovor na proglase njihove od ožujka mieseca i travnja 1848“, d. i. Die Croaten an die Magyaren. Antwort auf die Kundgebungen der letzteren in den Monaten März und April 1848 (Karlsstadt 1848, J. N. Prettner, 8°.), in croatischer und magyarischer Sprache zugleich heraus, und ist diese Schrift gleichsam als das Programm seines späteren politischen Auftretens und Verhaltens anzusehen. Andere publicistische Arbeiten veröffentlichte er zu jener Zeit in den, „Narodne Novine“ und im „Slovanki Jih“, d. i. Slavischer Süden. In den Jahren 1848 und 1849 fungirte er als Mitglied verschiedener Landtags-Deputationen, darunter auch derjenigen, welche im Sommer 1848 die Pacification mit Ungarn und mit beiden Ministerien in Wien zu verhandeln hatte. Als nach Bewältigung der ungarischen Revolution im Jahre 1849 die Vertrauensmänner aus Croatien und Slavonien nach Wien zu den Berathungen über die neue politische Organisirung dieser Länder und andere wichtige Fragen einberufen wurden, befand sich auch M. unter ihnen, der damals noch Advocat war, und arbeitete in dieser Angelegenheit bis zum Jahre 1850. Im letztgenannten Jahre trat er als General-Procurators-Stellvertreter für Croatien und Slavonien in landesfürstliche Dienste, wurde im Jahre 1854 k. k. Oberstaatsanwalt in Agram, am 27. December 1860 Präsident des croatisch-slavonischen Hofdicasteriums und im December 1861 croatisch-slavonischer Hofkanzler. Vier Jahre, während des Ministeriums Schmerling und der sich immer steigernden Verwicklung des ungarischen Ausgleichs, versah M. diese Würde, bis er, bald darnach, als das Ministerium Belcredi-Larisch an’s Ruder kam, mit Allerh. Handschreiben vom 1. November 1865 vorerst seiner Stelle eines croatisch-slavonischen Hofkanzlers unter Anerkennung seiner treuen eifrigen Dienste in Gnaden enthoben und seine weitere Verwendung vorbehalten, etwa ein Jahr später aber mit Allerh. Entschließung vom 6. October 1866 in [201] den Ruhestand – jedoch nicht in den bleibenden – versetzt wurde. In Rücksicht der vollen Manneskraft – denn M. steht im Alter von 52 Jahren – ist vorauszusetzen, daß er, den übrigens der Ruf, eine tüchtige juridische Capacität zu sein, ferner jener der Unparteilichkeit und Charakterstärke, wie denn auch der einer ausgezeichneten rednerischen und publicistischen Begabung begleitet, seine politische Rolle nicht ausgespielt habe. Im Hinblicke auf seine oberwähnte schöngeistige Thätigkeit folgt hier, mit Uebergehung einiger Gelegenheitsgedichte aus den früheren Jahren, eine Uebersicht der selbstständigen, theils von ihm allein, theils in Gemeinschaft mit Anderen, herausgegebenen Schriften. Mit Jac. Užarević gab er heraus: „Němačko-ilirski slovar“, d. i. Deutsch-illyrisches Wörterbuch (Agram 1842, Ljud. Gaj, gr. 8°.); – „Pjevanie XIV. i XV. Osmana“, d. i. Der 14. u. 15. Jahrgang des Osman; das Heldengedicht „Osman“ des berühmten Ragusaners Gundulić (geb. 1588, gest. 1638) ist nicht vollständig auf unsere Zeit gekommen; es fehlen der 14. und 15. Gesang. Schon Pjerko Sorgo hat diese beiden Gesänge hinzugedichtet und in neuester Zeit hat Mažuranić diesen Versuch wiederholt, und die beiden Gesänge befinden sich bei der im Jahre 1844 von Ljud. Gaj in Agram veranstalteten Ausgabe des „Osman“; – „Smrt Smail-Age Čengica“, d. i. Der Tod des Smail Czengitsch Aga. Episches Gedicht in fünf Gesängen. Zuerst erschien dieses Epos im Unterhaltungsblatte Iskra im Jahre 1846, die zweite Ausgabe in lateinischer und cyrillischer Schrift besorgte Dr. Imb. Ignjatkjević Tkalac (Agram 1857 und 1859, K. Albrecht, 8°.). Von dieser Dichtung sind auch eine čechische und eine deutsche Uebersetzung vorhanden, die erstere von Kolář unter dem Titel: „Smrt Smail-Agy Čengiče z chorvatského přeložil Jos. Kolář“ (Prag 1860, 8°.), die letztere von Hermann Teisler wurde in der „Wiener Chronik“. Sonntags-Abendblatt der Const. österr. Zeitung, 1865, Nr. 44 u. f., mitgetheilt. Durch dieses Gedicht nimmt M. eine ehrenvolle Stelle unter den croatischen Dichtern ein. Abgesehen einige vielleicht für den deutschen Geschmack zu grell gehaltene Stellen und die politische Tendenz der Dichtung, welche ein flammender Protest ist gegen die schmachvolle Unterdrückung der slavischen Raja von Seite der Türken, enthält sie große Schönheiten und athmet eine höhere lyrische Begeisterung.

Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 183: „Herr Mažuranić und das croatische Programm der Politik“; Nr. 198: „Rücktritt Mažuranić“; Nr. 412: „Ein neuer croatischer Hofkanzler“; 1866, Nr. 763: „Correspondenz aus Agram vom 10. October“. – Presse (Wiener polit. Journal) 1861, Nr. 321 Abendblatt: „Mažuranić“; 1865, Nr. 67: „Zum ungarisch-croatisch-slavonischen Programm“. – Wanderer (Wiener politisches Blatt) 1865, Nr. 70. – Fremden-Blatt von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 68. – Constitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol.) 1865, Nr. 215: „Der Hofkanzler Mažuranić“. – Wiener Zeitung 1865, Nr. 56: S. 727: Erklärung [die Angriffe des Croaten Bogović gegen den Hofkanzler Mažuranić betreffend]. – Berliner Revue. Herausgegeben von J. v. Mörner, 41. Band (1865), 3. Heft: „Die Magyaronen und die Schmerling-Mazuranić’sche Partei. – Jordan. Slavische Jahrbücher (Leipzig, gr. 8°.) Jahrgang 1845, S. 51. – Wiener Chronik. Sonntags-Abendblatt der Constit. Oesterreich. Zeitung, 1865, Nr. 44. – Truska (Heliodor), Oesterreichisches Frühlings-Album [in einem der wenigen Exemplare, denen kurze Lebensskizzen der Poeten beigegeben sind]. – Zeitgenossen. Almanach für das Jahr 1863. Enthaltend interessante biographische Skizzen hervorragender, um Staat oder Kirche, Wissenschaft, [202] Kunst, Industrie verdienter oder in anderer Beziehung denkwürdiger Männer der Gegenwart (Gratz, S. Settele, kl. 8°.) S. 218. – Lumír, belletristicky týdenník, d. i. Lumir, belletristisches Wochenblatt. Herausg. von Mikowec (Prag, 8°.) Jahrg. 1861, Nr. 48, S. 1145. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 199, Nr. 2. – Ilirska čitanka za gornje gimnazije. Knjiga druga, d. i. Illyrisches Lesebuch für das Obergymnasium (Wien 1860, gr. 8°.) Theil II, S. 199. – Kukuljević-Sakcinski (Iván), Bibliografia hrvatska. Dio prvi. Tiskane knjige, d. i. Croatische Bibliographie. Erster Theil: gedruckte Bücher (Agram 1860, Albr. Dragutin, 8°.) Nr. 1092 bis 1097 u. 2363–2365. –