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BLKÖ:Kober, Ignaz Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kobe, Georg
Band: 12 (1864), ab Seite: 173. (Quelle)
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Kober, Ignaz Leopold (Buchhändler, geb. zu Prag 6. Jänner 1825). Der Sohn eines armen Webers aus dem Riesengebirge; die Mutter, eine emsige Leserin čechischer Bücher, brachte den achtjährigen Knaben zu dem Buchhändler Neureuter, bei dem sich damals die Freunde und Förderer der čechischen Literatur versammelten. K. besuchte unterdessen auch die lateinische Schule, aber die Armuth der Eltern versagte ihm jede Unterstützung, und so trat er denn aus der Schule und begab sich, mittellos, sich selbst überlassen, zu Anfang des Jahres 1838 nach Wien. Dort lernte er anfänglich die Drechslerei, später die Schlosserei und arbeitete längere Zeit als Gesell. Damals bereits zur geistigen Beschäftigung hingezogen, begann er kleinere Arbeiten čechischer Schriftsteller in’s Deutsche zu übertragen und mehrere derselben, wie die „Harfenistin“ von Rubeš, „Der Todtengräber“ von Sabina, „Rosine Rudhart“, „Dichterliebe“, „Der Alchymist“ von Tyl, erschienen von ihm übersetzt in Witthauer’s „Wiener Zeitschrift“ (1842–1845) und in anderen schöngeistigen Blättern, als in den „Rosen und Dornen“, im „Erzählenden Hausfreund“ u. dgl. m. Diese Arbeiten führten ihn bald auf ein anderes Gebiet, auf jenes des Buchhandels, dem er sich bereits im Jahre 1843 zugewendet, worauf er im Jahre 1846, freilich mit nur sehr beschränkten Mitteln, in Tabor ein eigenes Verlagsgeschäft begründete. Sein erstes Unternehmen war das „Album, Bibliothek deutscher Original-Romane“, von welchem jährlich 24 Bändchen mit Arbeiten der besten und beliebtesten deutschen Schriftsteller erschienen. In einer Zeit, in welcher in der erzählenden und Romanliteratur des Kaiserstaates eine Anarchie ohne Gleichen herrschte, der Geschmack, der durch schöngeistige Arbeiten geläutert und gehoben werden soll, auszuarten und an dem Ungeheuerlichsten und Blödesten Gefallen zu finden begann, in einer solchen Zeit strahlte Kober’s Album wie eine freundliche Leuchte hinweg über das Chaos der Scharfrichter-, Mord- und Galgendiebsromane der seit 1848 wie Pilze aus der Erde geschossenen Wiener Romantiker. Die deutsche Kritik begrüßte das Unternehmen, das mit jedem Tage festeren Boden gewann, auf das Freundlichste und K. führte dasselbe bis zum Jahre 1861 fort, in welchem Jahre diese Sammlung, in der wir den besten Original-Erzählern des deutschen Volkes begegnen, zu 315 Bändchen angewachsen war. Zu Ende des Jahres 1853, da an dem kleinen Orte, wo K. bis dahin eine so rege Thätigkeit entfaltet hatte, die Verhältnisse einen wenig förderlichen Charakter annahmen, verließ K. Tabor, übersiedelte nach Prag, wo er sich freier bewegen konnte und nun auch mit dem Verlage čechischer Schriften begann. Im Jahre 1858 verband sich K., um seinem Geschäfte eine größere Ausdehnung zu geben und auch in der Absicht in Wien eine Filiale zu gründen, mit dem Buchhändler Marggraf. Diese Verbindung löste sich aber bald. Als nach dem italienischen Feldzuge des Jahres 1859 in der österreichischen Politik im Innern des Reiches wesentliche Reformen eintraten und die Gleichberechtigung der Nationen eine Thatsache wurde, nahm auch Kober’s Verlag eine neue [174] Wendung. Den deutschen Verlag aufgebend, widmete er seine ganze Thätigkeit der Hebung des Čechischen, und in der That hat K. in der kurzen Frist von kaum sieben Jahren, wenngleich von den Führern der čechischen Partei wesentlich unterstützt, Außerordentliches geleistet. Die Lieblingsschriftsteller der Nation, Kličpera, Langer, Macha, Polak, Rubeš ließ er in netter handsamer Ausgabe mit geschmackvoller Ausstattung erscheinen. Große Verlagswerke unternahm er und setzt sie rüstig fort, darunter die čechische Bibel von Bezdek, den großen Bilder-Atlas, die von Dr. Franz Rieger redigirte Real-Encyklopädie (Slovník naučný), das durch seine schöne Ausstattung hervorragende archäologische, von Mikowec redigirte Werk Starožitnosti, d. i. Alterthümer. Endlich im Jahre 1862 eröffnete K. seine National-Druckerei (národní knihotiskárna), in welcher bereits drei Schnellpressen fast ausschließlich mit seinem Verlage beschäftigt sind. Kober, mit Herloßsohn befreundet, hat dem Verstorbenen, den er in seinen letzten Leidensjahren werkthätig unterstützt [Bd. VIII, S. 371], ein schönes Freundesdenkmal gesetzt, indem er eine čechische Uebersetzung der Werke Herloßsohn’s veranstaltete und dieselben in einer geschmackvollen Ausstattung herausgibt. So ist K. der eigentliche Begründer des čechischen Bücherverlags, und hat auf diesen den Geschmack und die Eleganz des deutschen, die ihm bis dahin fast gänzlich mangelten, übertragen.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladislaus Rieger (Prag 1859, I. L. Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 726. – Wurzbach von Tannenberg (Constantin Dr.), Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1854), S. 443. Marg. 14.164 bis 14.179, S. 469, Marg. 14.904 u. f.; – III. Bericht (1855), S. 1094, Marg. 35.725 bis 35.780. –