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BLKÖ:Pollak, Mathias Milota Zdirad

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 78. (Quelle)
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Pollak, Mathias Milota Zdirad (General-Major und böhmischer Dichter, geb. zu Zasmuk in Böhmen 29. Februar 1788, gest. zu Wiener-Neustadt 31. März 1856). Studirte einige Zeit in Prag, beschäftigte sich aber außerdem auch mit Musik und bereitete sich unter dem Normalschul-Director Al. Pařižek für den Lehrstand vor. Noch nicht 20 Jahre alt, ward er Unterlehrer im Prager Waisenhause; der Franzosenkrieg bewog ihn aber, diese Stellung bald wieder aufzugeben und als Cadet bei dem 21. Infanterie-Regimente, damals Victor Prinz Rohan, einzutreten. Bald brachte er es zum Fähnrich und kämpfte bei Aspern und Wagram, 1812 kam er als Lieutenant nach Polen, kämpfte 1813 in den Schlachten von [79] Dresden und Leipzig und war 1814 beim Einzuge in Paris, worauf er zum Oberlieutenant befördert wurde. Schon vorher hatte er sich mit den damaligen Schriftstellern und Patrioten, wie Dobrowsky, Puchmayr, Ziegler, Jungmann, Stepnitschka und Anderen, bekannt gemacht und empfand alsbald das Verlangen, in ihre Fußtapfen zu treten, und der von ihnen angebahnten nationalen Richtung sich anschließend, änderte er auch auf den Vorschlag seiner Freunde seinen Vornamen Mathias in den altslavischen Milota Zdirad um. Inzwischen wurde er Adjutant des Feldmarschall-Lieutenants Baron Koller, mit welchem er einige Zeit auf dem Wiener Congresse und einige Jahre zu Prag und Obřistwj zubrachte. Zu dieser Zeit erschien sein erstes čechisches Gedicht: „Die Erhabenheit der Natur“. 1820 begleitete er den Baron Koller nach Neapel und erhielt daselbst von dem Könige den sicilianischen St. Ferdinands-Orden. Seine Reise dahin beschrieb er ausführlich, und zwar in čechischer Sprache. Auch unterstützte er den Baron Koller viel bei seinen archäologischen Sammlungen, wozu seine Kenntnisse ihn befähigten, und als derselbe starb (1827), wurde P. als Professor der böhmischen Sprache an die Wiener-Neustädter Akademie berufen, kehrte 1830 als Hauptmann zu seinem Regimente zurück, worauf er 1837 als Präfect der italienischen, französischen, böhmischen und ungarischen Sprache wieder nach Wiener-Neustadt kam. Er wurde Major, 1843 Oberstlieutenant, 1848 Oberst und trat 1849 als General-Major in den Ruhestand. Von ihm sind im Drucke erschienen: „Vznešenost přírody“, d. i. Erhabenheit der Natur (Wildenbrunn 1817, Vetterle); – „Cesta do Italie“, d. i. Reise nach Italien, 4 Abthlgn. (1815–1818). Seine gesammelten Schriften gab I. L. Kober in Prag unter dem Titel: „Vznešenost přírody, smíšené básně a životopisný nástin“, d. i. Die Erhabenheit der Natur, vermischte Gedichte und Lebensskizze, ferner Reise nach Italien, in zwei Theilen heraus. Diese Schilderung seiner Reise nach Italien veröffentlichte, zuvor Pollak’s Freund Puchmayr in den Jahren 1820 bis 1822 in der Zeitschrift „Dobroslav“, in welcher auch mehrere seiner Gedichte gedruckt sind. Von diesen letzteren gingen einzelne in den Mund des Volkes über. Eines, das so beliebt gewordene „Sil jsem proso na souvrati“, sang Pischek in London mit glänzendem Erfolge. Wie sein Biograph in der „Bohemia“ berichtet, so genießt P. einen großen Ruf als čechischer Dichter. Mit seinem Lehrgedichte „Die Erhabenheit der Natur“ beginnt eine neue Epoche der böhmischen Dichtung; sie, die bis dahin nichts als gereimte Prosa war, nimmt in diesem Werke P.’s in Form, Gehalt, Schwung und Sprache einen bis dahin fast ungekannten Aufschwung. P. trug sich auch längere Zeit mit dem Gedanken herum, die Lieder Ossian’s in’s Čechische zu übersetzen. Ob er diese Arbeit begonnen und ob sich dieselbe, wie auch, was sich sonst in seinem Nachlasse gefunden, ist nicht bekannt.

Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1856, S. 300 u. 748. – Militär-Zeitung, redig. von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1856, Nr. 48. – Prager Zeitung 1856, Nr. 134. – Oesterreichischer Militär-Kalender für das Jahr 1857. Herausg. von Hirtenfeld (Wien, 8°.) S. 225. – Lumír, belletristický týdenník, d. i. Lumir, belletristisches Wochenblatt. Herausg. von Mikowec (Prag, gr. 8°.) Jahrg. 1856, Nr. 23, 34 u. 35. – Čašnik na 1857, d. i. Kalender auf das Jahr 1857. Herausg. von Daniel Lichard (Wien, 8°.) S. 203. – [80] Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redig. von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1867, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 529.