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BLKÖ:Lambl, Wilhelm Dusan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lambl, Karl
Band: 14 (1865), ab Seite: 52. (Quelle)
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Lambl, Wilhelm Dusan (Arzt, geb. zu Letina im Jahre 1824). Bruder der beiden Vorigen, Johann Baptist und Karl L. Besuchte das Gymnasium in Pilsen, dann in der Altstadt zu Prag, widmete sich dem Studium der Arzeneikunde, aus welchem er im J. 1849, nach Anderen 1851, an der Prager Hochschule die medicinische Doctorwürde erlangte. Nebenbei betrieb er das Studium der slavischen, vornehmlich der südslavischen Sprachen und übersetzte, während er noch Studiosus war, aus dem Croatischen die Schrift: „Pohled na Bosnu“, d. i. Ein Blick auf Bosnien (Prag 1845). Im Jahre 1848 begab er sich zugleich mit Erben als Abgeordneter des Prager Nationalausschusses zum croatischen Landtage nach Agram. Dort war er für Aufrechthaltung des guten Einverständnisses zwischen den Čechen und Südslaven thätig und gewann auch für den Ban Jellačić ein so lebhaftes Interesse, daß er die von demselben befolgte Politik in der Zeitschrift „Národné noviny“, für welche er damals schrieb, da er mit Havliček [Bd. VIII, S. 98] befreundet war, förderte und hervorhob. Er besuchte nun auch die anderen Länder des slavischen Südens und dehnte seine Reise bis nach Serbien aus. Die Ergebnisse seiner Reise veröffentlichte er in zwangloser Folge in der Zeitschrift „Národné noviny“. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er von der nationalen Partei in den Ausschuß der Prager slavischen Linde (slovanská lípa) gewählt, in welchem er zur Rechten hielt und von seiner Partei für die Redaction des von der slavischen Linde herausgegebenen Wochenblattes vorgeschlagen wurde. Kränklichkeitshalber verließ L. im Jahre 1849 wieder die Heimat und suchte in den Seebädern des adriatischen Meeres Erholung. Da bereiste er das Küstenland, Dalmatien und die Inseln, endlich auch Montenegro, wo er bei dem Vladika der schwarzen Berge, bei Peter Petrovits Njegoš eine sehr gastliche Aufnahme fand. Mit dieser Reise verband L. naturwissenschaftliche und culturhistorische Studien über den slavischen Süden, deren Ergebnisse er im Časopis Musea království českého“ und in dem „Pražské noviny“ niederlegte. Nachdem er in die Heimat zurückgekehrt, trat er in die ärztliche Praxis und erhielt eine Stelle in dem Kinderspitale des Dr. Löschner, welche er bis zum Jahre 1860 versah. Auch hielt er in dieser Zeit Vorlesungen über Anatomie, welche sehr besucht waren und seinen Ruf über die Grenze trugen. Vornehmlich waren es Russen, die sich zu seinen Vorträgen drängten, was ihn veranlaßte, sich nun auf Erlernung der russischen Sprache zu verlegen, in der er es bald so weit brachte, daß er schon im Jahre 1859 von Zeit zu Zeit in russischer Sprache über Anatomie vortrug. In kurzen Zeiträumen erhielt er Anträge nach Würzburg. Turin und Charkow. Für letztere Stadt, wo ein seinem heimischen verwandtes Idiom gesprochen wird, entschied er sich und verließ im Jahre 1860 das Vaterland, um sein Lehramt an der Charkower Hochschule anzutreten. L. hat bereits viele und weite Reisen unternommen. Noch [53] als Student durchwanderte er mit seinem Bruder Johann Baptist die slavischen Länder Oesterreichs, das Karpathengebirge und sein eigenes Vaterland nach allen Richtungen; später als Arzt besuchte er England und Frankreich und hielt in London und in Paris, in letzterer Stadt im Institut de France wissenschaftliche Vorträge. Im Jahre 1855 besuchte er die allgemeine Industrie-Ausstellung zu Paris, im Jahre 1862 jene zu London, und schrieb über erstere Berichte für das kais. Ministerium in Wien, über letztere für die kaiserl. russische Regierung. In welches Ansehen er sich übrigens bei der letzterem in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes in Charkow zu setzen gewußt, beweist die Thatsache, daß man ihm, als er um einen zweimonatlichen Urlaub bat, um die Londoner Industrie-Ausstellung zu wissenschaftlichen Zwecken besuchen zu können, statt des zweimonatlichen Urlaubes einen viermonatlichen und überdieß eine Anweisung auf 1000 Rubel ertheilte. Auf seinen Reisen besuchte er fleißig alle wissenschaftlichen und humanistischen und ärztlichen Institute und knüpfte mit den Koryphäen seiner Wissenschaft Verbindungen an. Nach Rußland zurückgekehrt, begab er sich im Jahre 1862 nach Moskau, wo er den dortigen Doctoren und Professoren anatomische Vorlesungen hielt, im folgenden Jahre aber unternahm er eine Reise nach dem Kaukasus, um die dortigen Mineralquellen zu studiren und dehnte seine Reise bis nach Tiflis aus. Auch auf schriftstellerischem Gebiete war und ist L. noch thätig. Außer der obigen Schrift über Bosnien gab er noch heraus: „Europa v ohledu národopisném“, d. i. Europa vom ethnographischen Gesichtspuncte (Prag 1846, mit einer Karte); – gemeinschaftlich mit dem Dr. Löschner: „Aus dem Franz Joseph-Kinderspitale in Prag. 1. Theil: Beobachtungen und Studien aus dem Gebiete der pathologischen Anatomie and Histologie“ (Prag 1860), die Fortsetzung dieser Studien von Seite L.’s wurde durch dessen Uebersiedlung nach Charkow vereitelt. In der böhmischen Museal-Zeitschrift (Časopis) sind von ihm enthalten: im Jahre 1848: „Ein slovenisches Wörterbuch“; – 1849: „Bilder aus dem slavischen Süden“; – 1850: „Ueber Montenegro und die Montenegriner“; – 1851: „Zustand der ärztlichen Verhältnisse im slavischen Süden“; – 1852: „Uebersicht der dalmatinischen Flora und Verzeichniß der Pflanzen nach ihrer Volksbezeichnung“; – 1853: „Die adriatischen Gewächse. Anhang zur dalmatinischen Flora“; – 1854: „Die Fische der Adria“; – „Von der Naturgeschichte im Allgemeinen und von ihren Werken in der čechischen Literatur“; – 1855: „Vom Sinn, seinen Trugbildern und Täuschungen“. Später verließ er die naturwissenschaftliche Richtung und wendete sich vornehmlich der Anatomie zu, und seine zerstreuten Abhandlungen sind in fachwissenschaftlichen Sammelwerken, insbesondere aber in der zu Prag erscheinenden Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde, in den Bänden 41 bis 60, enthalten. Im Jahre 1863 ist K. in Rußland zum Hofrath ernannt worden.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon, herausgegeben von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1147. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský a konversačni, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850 u. f., Pospíšil, 12°.) Theil II, S. 322. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1860, S. 894; 1862, S. 263. – Doucha (František), Knihopisný slovník česko-slovenský, d. i. Čechisch-slavisches Bücher-Lexikon (Prag 1863, Kober, Lex. 8°.) S. 122.