Zum Inhalt springen

BLKÖ:Pospíšil, Johann Hostivit

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Poschinger, Franz
Band: 23 (1872), ab Seite: 137. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Jan Hostivít Pospíšil in Wikidata
GND-Eintrag: 1037545028, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Pospíšil, Johann Hostivit|23|137|}}

Pospíšil, Johann Hostivit (čechischer Buchdrucker und Verlags-Buchhändler, geb. zu Kuttenberg in Böhmen 30., n. A. am 3. Mai 1785, gest. ebenda 8. October 1868). Der Sohn armer Eltern, besuchte er die Normalschule in seiner Vaterstadt, trat dann als Lehrling in die Buchdruckerei von Fr. Korcov, diente aber nach seiner Freisprechung als Schreiber bei dem Magistrate daselbst. Als 1804 im Franzosenkriege sich ein böhmisches Freiwilligencorps gebildet hatte, trat P. als Jäger ein und brachte es zum Wachtmeister, da aber bald Friede wurde, verließ er den Kriegsdienst und begab sich zurück nach Kuttenberg, wo er am 19. Juli 1808 mit Katharina Ptačovský, einer Bürgerstochter, sich verheirathete, die ihm einige Mitgift zubrachte. Er kaufte damit die Buchdruckerei zu Königgrätz und betrat nun das Feld seiner eigentlichen Thätigkeit. Anfangs beschäftigte er sich bloß mit kleineren Bestellungen, hauptsächlich amtlichen Inhalts, druckte aber auch Gebetbücher und die Schriften von Kramerius [Bd. XIII, S. 124]. Seine Muttersprache war ihm von jeher theuer und er wollte sich ganz ihrer Pflege widmen. Hierin wurde er von den damaligen Professoren Ziegler, Jos. Chmela und V. Klicpera bestärkt. Seinen Namen Hostivit (Gastfreund) erhielt er von Ziegler wegen seiner Gastfreundlichkeit, selber legte er sich aber den Namen Liboslav (Ruhmlieb) bei; diese Namen gaben später, zur Zeit der Carbonari-Umtriebe in Italien, Anlaß zu strengen amtlichen Untersuchungen. Um 1818 begann er, damals wohl [138] fast der einzige in Böhmen, mit dem Verlage von böhmischen Schriften und da waren es zunächst die Werke der Königgrätzer Schriftsteller Ziegler, Klicpera und Chmela, die er herausgab, denen aber bald auch die Herausgabe der Arbeiten Hanka’s, Čelakovsky’s, Chmelenský’s, Tomsa’s, Pešina’s und der Magdalena Dobromila Rettig folgte. Die Bewegung in der Druckerei zu Königgrätz blieb nicht ohne Einfluß auf die böhmische Literatur, noch mehr aber wurde durch sie der Sinn für die böhmische Sprache gehoben, was ihm jedoch manche Kosten verursachte. Zu einer bedeutenden Auslage nöthigte ihn im Jahre 1823 der Druck des Rorate, denn er mußte theure Notenlettern aus dem Auslande kommen lassen. Ebenso kostete auch viel der Orbis pictus von Komenský, obwohl ein Nutzen zu erwarten war. P. gründete nun in Königgrätz auch eine Buchhandlung, 1826 aber erwarb er sich von der Witwe Šollov das Buchdruckerrecht in Prag. Auch in Prag befaßte er sich hauptsächlich mit dem Verlage von böhmischen Werken, 1830 übernahm er die beliebte Zeitschrift „Jindy a nyní“, d. i. Einst und Jetzt, von 1834 an die „Květy české“, d. i. Böhmische Blüthen, später unter dem bloßen Namen „Květy“ erscheinend, welche bald der Sammelplatz der jüngeren čechischen Schriftsteller wurde. Ende 1842 übergab er die Prager Druckerei seinem ältesten Sohne Jaroslav, setzte aber in Königgrätz seine Thätigkeit fort; 1849 errichtete er eine Druckerei zu Pardubitz, die er später nach Chrudim versetzte. 1856 zog er sich vom Geschäfte zurück, indem er das Königgrätzer und das Chrudimer Haus seinen anderen beiden Söhnen übergab. In seinem Verlage erschienen im Ganzen bei 400 čechische Werke und so war er für neuere čechische Literatur ein besonderer Pfleger. In der Königgrätzer Gesellschaft nahm er eine bevorzugte Stellung ein und galt daselbst als ein Mann von Einfluß; von 1830 bis 1840 versah er das Amt eines Landwirthschafts-Inspectors bei der dortigen wohlhabenden Gemeinde; 1848 war er ein Mitglied der Deputation, welche nach Wien ging, um bei dem Ministerium die Errichtung eines Obergymnasiums in Königgrätz durchzusetzen, wo er durch viele Jahre mit der Schulaufsicht daselbst betraut war. Seiner Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit wegen wurde er allgemein gerühmt. Was seine eigene schriftstellerische Thätigkeit betrifft, so übersetzte er in’s Čechische mehrere Jugendschriften von Christoph Schmid, wie „Hirlande, Herzogin von Bretagne“, „Josaphat, der Sohn des Königs von Indien“, „Der Alte von den Bergen“ u. s. w.; ferner Joseph Müller’s hundert zweiversige Fabeln, und gab ein Handbüchlein zur Erlernung der deutschen Sprache, betitelt: „Krátké cvičení aneb: užiteční začátkové k vyslovování a k učení se nemecki řeči“ (Königgrätz 1845), heraus. Er starb im Alter von 83 Jahren.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 715. – Světozor (Prager illustr. Blatt) 1868, Nr. 44 u. 45. – Svoboda, d. i. die Freiheit (Prag) 1868, Nr. 20. – Vesna, d. i. Der Frühling (Prag) 1868, Nr. 40. – Jungmann (Jos.), Historie literatury české, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 614.