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BLKÖ:Kuffner, Christoph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Küzmič, Stephan
Band: 13 (1865), ab Seite: 336. (Quelle)
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Kuffner, Christoph (Schriftsteller, geb. zu Wien 28. Juni 1780, gest. ebenda 7. November 1846). Der Sohn eines Advocaten oder, wie es in Gräffer’s „Encyklopädie“ komisch genug heißt, eines „k. k. Hofparteien-Vertreters“ [1], erhielt K. im Vaterhause eine sorgfältige Erziehung. Im gastlichen Hause seines Vaters versammelten sich oft Künstler und Schriftsteller, welche nicht ohne Einfluß auf das empfängliche Gemüth des Jünglings blieben. Abbé Hofstäter, sein Oheim [Bd. IX, S. 181], las mit ihm die lateinischen Classiker; Anton Wranitzky unterrichtete ihn im Gesange und Violinspiele; Mozart und Haydn, insbesondere letzterer, förderten den geistig strebenden Jüngling nach anderer Seite und unter solchen Eindrücken schwanden die Jugendjahre und wurden die philosophischen Studien beendet. K. sollte nun die juridische Laufbahn beginnen; es kam aber davon ab und er trat 1803 beim k. k. Hofkriegsrathe in den Staatsdienst. In diesem erlangte er zuletzt die Stelle eines k. k. Hofsecretärs und Concipisten [337] im geheimen Staats- und Conferenzrathe, in welcher Bedienstung er auch im Alter von 66 Jahren starb. Nebenbei bekleidete er auch das Censoramt. – Frühzeitig begann K. mit literarischen Arbeiten und seine ersten poetischen Versuche datiren aus seinem 13. Lebensjahre. Mit einer selbstständigen Arbeit trat er jedoch erst im Jahre 1801 vor die Oeffentlichkeit. Es waren die Romane: „Der Geliebte im Sarge oder die Stimme aus dem Grabe“ und „Der Bund der Fetten und Magern“; diese Erstlingsarbeiten, so unreif sie waren, fanden doch nachsichtige Leser, denen sie gefielen. Die nächste Arbeit, welche folgte, war eine Uebersetzung des Plautus, welche unter dem Titel: „Sämmtliche Lustspiele des Plautus; aus dem Lateinischen metrisch übersetzt“, 5 Theile (Wien 1806, Anton Doll, gr. 8°.), erschien. Dieser tüchtigen, von Kennern und Kritikern der classischen Literatur im In- und Auslande ehrenvoll gewürdigten Arbeit schickte K. eine Abhandlung über das Lustspiel der Römer voran. Nun folgten in längeren und kürzeren Pausen: „Perikles der Olimpier. Eine biographische Darstellung“, 2 Theile (ebd. 1809); – „Gedichte“ (Pesth 1818, Hartleben); – „Erzählungen mit Zwischenspielen“, 2 Bände (Brünn 1820, 8°.); – „Cervantes in Algier. Schauspiel in 5 Aufz.“ (Brünn 1820); – „Schilderschau. Eine Geschichte meines nachmittägigen Spazierganges durch die Stadt“. 2 Bände (ebd. 1821); – „Artemidor im Reiche der Römer“, 4 Bände (Brünn 1822–1827, gr. 8°., mit K. K.); – „Lebensbilder“ (Wien 1824, Tendler, 8°.); – „Spaziergang im Labyrinth der Geschichte, in Briefen an Demoustiers Emilie“, 4 Theile (ebd. 1824–1826); – „Sämmtliche Erzählungen“, 4 Theile (ebd. 1826–1828, gr. 12°.); – „Minutenspiele“, 2 Bändchen (ebd. 1837–1840, gr. 12°.); – „Die Reise des letzten Menschen. Ein Fiebernachtstraum“, 3 Bändchen (ebd. 1837–1840, gr. 12°.); – „Phantasmen. Neuere Erzählungen, Novellen, Sagen, Märchen und Bilder“ (ebd. 1839, gr. 12°.); – „Neuere Gedichte“ (ebd. 1840, gr. 8°.); – „Die Malteser. Historisches Schauspiel in 3 Aufl.“ (ebd. 1840, gr. 8°.); – „Ulrich, Herzog von Württemberg. Historisches Schauspiel in 5 Acten“ (ebd. 1840); – „Saul’s Tod. Dramatisches Oratorium. In Musik gesetzt von Ig. Assmayr“ (ebd. 1841, 8°.); und die Wiener Jahrbücher der Literatur enthalten im 57., 61. und 65. Bande die größere literarhistorische Abhandlung: „Geist und Leben der britischen Dichter des 19. Jahrhunderts“. Außerdem hat K. die Herausgabe mehrerer Sammelwerke redigirt und besorgt, u. z. „Der Hesperidenhain der Romantik, eine Auswahl von Balladen, Sagen und Legenden“, 5 Bände (Wien 1820, Ant. Doll, gr. 12°.); – „Die Bibliothek der Humanitätswissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter“, 19 Bände (ebd. 1821 bis 1825, gr. 8°.), ein höchst schätzbares und im Hinblicke auf den damals täglich zunehmenden Censurdruck für die Culturentwickelung der Jugend Oesterreichs einflußreiches Sammelwerk; – im Vereine mit F. L. K. v. Biedenfeld: „Die Feierstunden“, eine Schrift für edle Unterhaltung in zwanglosen Bänden (Brünn 1821 und 1822, gr. 8°., mit K. K.), wovon 2 Bände erschienen; und allein wieder: „Das Taschenbuch für Frohsinn und Liebe“, wovon 1826 und 1827 zwei Jahrgänge (Wien, 16°.) mit Kupfern, Steindrucken und Musikbeilagen herauskamen. Auch gab er die nachgelassenen Gedichte seines Freundes Alois Zettler, denen er ein Vorwort vorausschickte (Wien 1836), heraus. Wenige Jahre vor seinem Tode erschien unter seiner eigenen Redaction eine Gesammtausgabe seiner Schriften [338] unter dem Titel: Erzählende Schriften, dramatische und lyrische Dichtungen. Ausgabe letzter Hand“, 10 Bände (Wien 1843, 16°.), welcher dann noch ein 11.–20. Band oder als „Neue Sammlung“ 1.–10. Band (ebd. 1845–1847, 16°.) folgten und in welchen alle vorhin aufgeführten einzeln erschienenen Schriften, überdieß aber vieles in Journalen Zerstreutes und sonst bisher Ungedrucktes enthalten sind. Kuffner war ein fleißiger Autor, dem es weder an Geschmack noch an Vielseitigkeit, aber vornehmlich an Glück fehlte. Mit reicheren Geistesgaben ausgestattet als die Unzahl der Halb- und Drittelstalente der Gegenwart, hatte er bei einer fruchtbaren literarischen Thätigkeit im Ganzen doch nur wenig Erfolg; nicht weil er einen solchen in seiner Zeit nicht verdiente, sondern weil er es nicht verstand, sich zur Geltung zu bringen, was heut zu Tage, freilich für höchst ephemere Dauer, der talentloseste Scribent nur zu gut versteht; überdieß würde K. in einer Zeit des Aufschwunges ganz andere Stoffe zur ästhetischen Behandlung gewählt haben, als in jener des damals herrschenden Druckes, in welchem man nur mit Räthseln, Minutenspielen und dergleichen Allotrien auftreten durfte. Kaum schloß sich der Deckel über seinen Sarg, so war er auch schon verschollen und vergessen, und so vergessen, daß bei einer Productivität von 20 Bänden „Gesammtwerke“ Gottschall’s „Literaturgeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, welche doch Castelli’s gedenkt, den Kuffner ästhetisch und geistig weit überragt, auch nicht seinen Namen nennt. Von seinen zahlreichen dramatischen Arbeiten, in denen er ebenso antike Stoffe, wie Andromache. Tarpeja, Belisar, Catilina, wie der neueren Zeit angehörende historische: Lorenz von Medici, Cervantes in Algier, Ulrich Herzog von Württemberg u. A. behandelt, sind mehrere zur Aufführung gelangt, wie „Andromache“, in welcher die berühmte Roose Triumphe feierte; Cervantes in Algier, die blonde Locke. Lustspiel, und die Minnesänger auf der Wartburg, alle drei gegeben im Theater an der Wien; die Tragödie Tarpeja und Ulrich Herzog von Württemberg, beide, letzteres unter dem Titel Guido von Ostenthal im Burgtheater aufgeführt. Dennoch vermochten sich seine Arbeiten nicht für die Dauer auf der Bühne zu erhalten. Auf dem Gebiete der Erzählung und des Romans war K. ungemein fruchtbar; nicht weniger denn dreiundsiebzig Novellen, Erzählungen, Sagen und Märchen sind vorhanden, außerdem hundertsechsundfünfzig vermischte Aufsätze. Auch schrieb er außer dem schon erwähnten Oratorium: „Saul’s Tod“, das eigentlich für Beethoven bestimmt war, den jedoch der Tod früher ereilte, ehe er an die Composition ging, ein anderes: „Die vier letzten Dinge“, für Haydn, der auch nicht mehr dazu kam, es in Musik zu setzen, und endlich die „Rose von Viterbo“, für welches Professor Joseph Drechsler [Bd. III, S. 380] die Musik schrieb. Jedenfalls das Trefflichste, was K. geschrieben, ist seine Uebersetzung des Plautus, und in seinem „Artemidor in Rom“ gibt sich eine Kenntniß des Alterthums von seltener Gründlichkeit kund.

Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 835 u. 1171; IV. Jahrg. (1845), S. 781; V. Jahrg. (1846), S. 1100: Nekrolog von Stralen. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, 4°.) 37. Jahrg. (1844), Nr. 265: „Kuffner’s Werke in New Quaterly Review beurtheilt“; – 39. Jahrg. (1846), [339] Nr. 270, S. 1078: Nekrolog. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien 8°.) Jahrg. 1837, Bd. II, S. 784. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 305. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Freysing 1842, bei Athanasius u. Comp. [Hamburg, Hoffmann u. Campe] 8°.) S. 26. [Entwirft nachstehende Silhouette von Kuffner: „Große gebogene Haltung, blatternarbiges, ziemlich geistreiches Gesicht, starke Züge, ausgesprochene österreichische Gutmüthigkeit, classische Bildung, gemüthlich; – lyrischer, epischer und dramatischer Dichter ohne Glück, spricht österreichisch, aber schreibt correct, Hofsecretär und Censor, also Patriot ex officio“.] – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. I, S. 113 [wegwerfendes Urtheil in der bekannten Weise dieses literarischen Parasiten]. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) Jahrg. 1846, S. 739.[BN 1]

  1. Zur Zeit, als Gräffer’s „Encyklopädie“ den Artikel Kuffner brachte (1835), lebte Kuffner noch. In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts waren es eben die Advocaten in Deutschland und Frankreich, welche das constitutionelle Leben anbahnten und die neue Zeit durch ihren Geist, ihr Wissen und ihren Muth zur Geltung brachten, Der schüchterne Kuffner mochte, als er sich in der „Encyklopädie“ Gräffer’s plötzlich als Sohn eines Advocaten denuncirt sah, nicht wenig darüber erschrocken sein; denn in der Sedlnitzky’schen Periode war es ein Capital-Verbrechen, Sohn eines Advocaten zu sein, daher obige komische Umschreibung: k. k. Hofparteien-Vertreter!!

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Kuffner, Christoph [Bd. XIII, S. 336].
    Goedeke, Grundriß u. s. w., wie bei Castelli, Bd. III, S. 575, Nr. 53 [nach diesem geb. 28. Juni 1777]. [Band 28, S. 361]