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BLKÖ:Wranitzky, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wranitzky, Karoline
Band: 58 (1889), ab Seite: 141. (Quelle)
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Sein jüngerer Bruder Anton (geb. zu Neureisch in Mähren 1761, gest. in Wien 1819) bildete sich durch eigenen Fleiß zu einem ausgezeichneten Violinspieler. Bei den Prämonstratensern in Neureisch besuchte er die unteren lateinischen Schulen, dann ging er nach Brünn, wo er [142] Philosophie, später auch die Rechte hörte, dabei aber im Violinspiele sich so vervollkommnete, daß er bereits damals einen Ruf als Virtuos auf seinem Instrumente besaß. Auch begann er schon um diese Zeit manches für sein Instrument zu schreiben. Von Brünn begab er sich nach Wien, wo er bei Mozart, Jos. Haydn und Albrechtsberger Unterricht im Generalbaß und in der Compositionslehre nahm. Da er als Lehrer sehr gesucht war, gab er alle anderen Pläne auf und widmete sich ausschließlich der Musik. Sein Gönner Joseph Fürst Lobkowitz, ein großer Kenner und Freund der Musik, berief ihn 1794 als Director seiner Capelle nach Prag, und als der Fürst später Mittheilnehmer an der Leitung der Wiener Hofbühne wurde und seine Capelle nach Wien übersiedelte, behielt Wranitzky die Leitung derselben bis zu seinem Tode. Unser Künstler hat einige größere Kirchenstücke, dann große Symphonien, Concerte, mehrere Trios und Quatuors, Quintette und Sextette componirt. Eine solenne Messe schrieb er im Auftrage des Fürsten Lobkowitz 1796 für die Lorettokirche in Prag und eine andere mit großem Orchester für die Augustinerkirche daselbst. Von seinen zahlreichen Compositionen ist nur ein kleiner Theil gedruckt, und zwar: „XII Variazioni sopra la canzonetta „Ich bin liederlich, du bist liederlich“ per il violineo solo con accompag. d’un violino o flauto traverso“ (Speyer 1792, auch Wien 1801, Artaria); – „III quartetti per 2 violini, viola et violoncello“ (Wien, Kozeluch); – drei gleiche Folgen für dieselben Instrumente, eine Wien bei Kozeluch, die zweite und dritte Offenbach 1800; – „Due sonate per violino e basso“ (ebd.); – „XX variat. p. viol. av. 2 viol.“ (ebd.); – „Grand quinquor p. viol., 2 alt., 2 violclles. concertant“ (ebd. 1803); – „Concerto per violino“ (ebd. 1803); – „Musique exécutée à l’occasion du Caroussel tenu par la noblesse, arrang. p. le pf.“ (Wien 1803). Im bekannten „Verzeichniß alter und neuer sowohl geschriebener als gedruckter Musicalien“ von Jos. Träg [Bd. XLVI, S. 260, Qu. 2] findet sich auch noch nachstehendes Kirchenstück Wranitzky’s verzeichnet: „Benedictus a 4 voci, v. e. vc. solo, 2 viol., 2 clar., timp. con organo“. Von seinen Schülern sind mehrere zu bedeutendem Rufe gelangt, so Schuppanzigh und Tür[ck]. Sein Musiktalent ging auf seine Kinder über. Seine beiden Söhne Anton und Friedrich[WS 1] wurden ausgezeichnete Künstler auf der Violine und dem Violoncello; seine beiden Töchter aber, Anna und Karoline, erlangten unter dem Namen ihrer Gatten, Erstere als verehelichte Kraus (Kraus-Wranitzky), Letztere als verehelichte Seidler, einen glänzenden Ruf als Sängerinen. Ueber Anna vergleiche dieses Lexikon Band XIII, S. 157, Nr. 1, über Karoline siehe den folgenden Artikel. Wohin Wranitzky’s ansehnlicher musicalischer Nachlaß, der vornehmlich viele Kirchensachen enthielt, gekommen, ist nicht bekannt. Gaßner in seinem „Universal-Lexikon der Tonkunst. Handausgabe in einem Bande“, berichtet über Anton Wranitzky auf S. 60, daß Fürst Lobkowitz demselben auch die Oberleitung des Wiener Hofopernorchesters anvertraut habe. Weder Gerber noch Dlabacz, Beide ältere Quellen als Gaßner, erwähnen dieses Umstandes, und da Antons Bruder, Paul, seit 1784 bis zu seinem 1808 erfolgten Tode Director des k. k. Wiener Hofopernorchesters war, so dürfte wohl eine Verwechslung der Brüder [143] anzunehmen sein; es wäre denn, daß Anton nach dem Tode Pauls 1808 an dessen Stelle die Oberleitung des Hofopernorchesters übernommen hätte, was immerhin möglich.

Dlabacz (Gottfried Johann). Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. III, Sp. 413. – Gerber (Ernst Ludwig). Neues historisch biographisches Lexikon der Tonkünstler u. s. w. (Leipzig 1814, Kühnel, gr. 8°.) Bd. IV, Sp. 611.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Friedrich Wranitzky (Wikipedia).