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BLKÖ:Kozeluch, Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kozenn, Blasius
Band: 13 (1865), ab Seite: 92. (Quelle)
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Kozeluch, Leopold (Tonsetzer, geb. zu Welwarn in Böhmen, im Jahre 1753, gest. zu Wien 8. Februar 1814). Ein Vetter des Johann Anton K. [s. d. Vorigen], von welchem er auch den ersten Unterricht in Musik und Gesang erhielt. Leopold besuchte die Humanitätsclassen in Prag, hörte ebenda die Philosophie und schickte sich bereits zum Studium der Rechte an, welches er aber bald wieder aufgab und sich ganz der Musik widmete, für die er ein ebenso ungewöhnliches Talent besaß, als es von mehreren Seiten nicht an Aufmunterung zu ferneren Arbeiten auf diesem Gebiete fehlte. Zuerst schrieb er Pantomimen und Ballete für das Prager Theater, die allgemeinen Beifall fanden. Aber um sich in seiner Kunst auszubilden und um den Geschmack zu läutern, begab er sich im Jahre 1778 nach Wien, wo er bald ein gesuchter Lehrer ward und seine Compositionen in musikalischen Kreisen mit besonderer Vorliebe gespielt wurden. Sein Ruf vergrößerte sich immer mehr und so wählte Kaiser Joseph II. ihn zum Musiklehrer für die Erzherzogin Elisabeth, erste Gemalin des nachmaligen Kaisers Franz II., welcher, als er nach Leopold’s II. Tode die Regierung 1792 antrat, K. nach Mozart’s Tode an dessen Stelle zum k. k. Hofcapellmeister und Hofcompositeur ernannte. Diese Stelle versah K. bis zu seinem, im Alter von 61 Jahren erfolgten Tode. K. war ein ungemein fruchtbarer Componist, jedoch beeinträchtigte die Menge seiner Arbeiten nicht ihren inneren Gehalt. Schon während seines Aufenthaltes in Prag, als ein für das National-Theater von ihm componirtes Ballet ungewöhnlichen Beifall erhielt, schrieb er in rascher Folge hintereinander 24 Ballete und 3 Pantomimen. Gediegenere Arbeiten lieferte er aber während seines vieljährigen Aufenthaltes in Wien, wo überdieß viele derselben im Stiche erschienen sind. Seine Compositionen sind, insoweit dieselben durch den Druck oder durch Aufführung bekannt geworden, die Opern: „Le Mazet“, eine französische komische Oper; – „Didone abbandonata, italienische Opera seria; – „Judita o la liberazione di Betulia, opera seria“, auf Befehl des Kaisers Leopold II. geschrieben, aber nicht aufgeführt; – „Ottone“, großes heroisches Ballet, auf Allerh. Befehl geschrieben und später im Clavierauszuge gedruckt; – „Mose in Egitto“, großes italienisches Oratorium, im Jahre 1787 und in den folgenden im k. k. National-Theater zum Besten der Tonkünstler-Witwen-Societät aufgeführt; – eine große „Krönungs-Cantate“, auf Ersuchen der böhmischen Stände zur Krönung Leopold’s II. zum Könige von Böhmen geschrieben und am 6. September 1791 von 200 Tonkünstlern im Prager National-Theater aufgeführt; – „Cantate auf das Fräulein Paradies“; – „Joseph der [93] Menschheit Segen, Cantate“, im Clavierauszuge gestochen; – „Pfeffel’s Cantate auf Fräulein von Paradies“, für das Clavier 1784 gestochen; – „Die Begebenheiten Telemach’s auf der Insel der Kalypso“, 1798 für den Grafen Fuchs componirt, für den K. auch sonst noch mehrere Tonstücke geschrieben hat; – „Denis’ Klagen auf den Tod Maria Theresiens“, für das Clavier 1781 gestochen; – „Cantate“, für Sopran mit concertirenden Violinen nebst Clavier, mit Begleitung von 2 Violinen, 2 Oboen, 2 Hörnern, 2 Bratschen und Baß; – Vierzig und mehr Clavier-Concerte, mehrere theils für vier Hände gesetzt, theils für zwei Claviere geschrieben, 16 davon sind im Jahre 1799 im Stiche erschienen; – Je zwei Concerte für Violoncell, Clarinette, englisches Horn; – Drei Concertanten für Violine, Viola und Violoncell; – Dreißig und mehrere Symphonien; – Sechs Quartetten, welche sämmtlich im Stiche erschienen sind; – Sechzig und mehr Sonaten, theils in Wien, theils in Offenbach bei Andrä im Stiche erschienen; – Ein Heft Lieder aus den besten deutschen Dichtern, zum Singen und Spielen am Clavier (Wien 1798); – „Harmonie pour 2 Oboes ou flutes, 2 Clarinettes, 2 Cors, 2 Bassons et Contrebasso“. Außerdem eine große Menge Arien für italienische Opern, Chöre und Arien für deutsche Schauspiele; Serenaden[WS 1] für Blas- und andere Instrumente, Lieder, Symphonien, Cantatinen, Notturno’s, Canzonetten u. dgl. m. Gaßner gedenkt rühmend des Melodienreichthums seiner durchaus gefälligen Arbeiten, seiner geschmacks- und ausdrucksvollen Spielweise und seiner höchst geregelten Lehrmethode. Gerber aber, sein Zeitgenosse, schreibt über ihn: „Den Charakter seiner Werke bezeichnen Munterkeit und Grazie, die edelste Melodie mit der reinsten Verbindung und gefälligsten Ordnung in Absicht der Rhythmik[WS 2] und Modulation“. – Kozeluch’s Tochter Katharina vermälte sich mit dem Advocaten Cibbini und hat unter diesem Namen als vortreffliche Pianistin und sinnige Tonsetzerin sich bekannt gemacht [vergl. dieses Lexikon Bd. II, S. 367].

Außer denselben Quellen, welche bei seinem Vetter Johann Anton angegeben sind, als Dlabacz, Gaßner, Gerber, Schladebach-Bernsdorf, Oesterreichische National-Encyklopädie u. s. w., sind über ihn besonders anzuführen: Meusel (Joh. Georg), Teutsches Künstler-Lexikon (Lemgo 1808 und 1809, 8°.) Zweite umgearb. Auflage, Bd. I, S. 3510 bis 513. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, gr. 8°.) Bd. VII, S. 672. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, herausg von Aug. Schmidt, Jahrg. 1841, Nr. 127–129: „Romantische Skizzen aus dem Leben berühmter Musiker“. Von J. H. Mirani. – Dalibor (Prager musikalisches Blatt in čechischer Sprache), herausgegeben von Emanuel Melis, 1862, Nr. 35, S. 273. – Porträt. W. Ridley sc. 1797 (kl. Fol.). – Fétis in seiner „Biographie universelle des musiciens“ fällt ein minder günstiges Urtheil als Gaßner und Gerber über Kozeluch: „Après la mort de Mozart, schreibt Fétis, „la haute societe mit en vogue la musique de Kozeluch de preference a toute autre. Cette musique ne se fait pas remarquer par un grand mérite de facture, on y trouve même bon nombre d’incorrections, mais la mélodie gracieuse, élégante et facile y abonde. De la vient quelle était recherchée par tous les amateurs.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Serenaten.
  2. Vorlage: Rhytmik.