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BLKÖ:Hocheder, Johann Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hildebrandt, Hermann
Band: 14 (1865), ab Seite: 476. (Quelle)
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Hocheder, Johann Karl (Geolog, geb. zu Zell am Ziller in Tirol im [477] Jahre 1800, gest. zu Wien 15. März 1864). Hocheder’s Vater Martin war Pochwerks-Hutmann in Zell am Ziller in Tirol, eben wie sein Großvater. Schon der Vater hatte sich dort durch Verbesserungen in der Einführung neuer Einrichtungen in der Aufbereitung und Amalgamirung der goldhaltigen Gesteine verdient gemacht. Der Sohn war bis zum Jänner 1820 Goldwäscher, eine Beschäftigung, die ihm selbst eine reiche Quelle der Erfahrung wurde. Ueberdieß wurde seine Erziehung durch seinen Vater sehr sorgsam geleitet und erwies er sich sehr geschickt im Zeichnen, Rechnen, Modelliren von Maschinen und Bauwerken, im Entwerfen von praktischen Bauprojecten und Ueberschlägen, in praktisch-geometrischen Aufnahmen, und war auch mit den nöthigen theoretischen Kenntnissen versehen. Er wurde nun am 4. August 1821 wirklicher k. k. Berg- und Salinendirections-Praktikant in Hall, kam noch im nämlichen Jahre zum Besuch der Bergcollegien nach Schemnitz und bildete sich durch praktische Verwendung in Böckstein, Brixlegg, Sterzing, Fügen nur noch mehr in seinem Dienste aus. Ein weiteres Feld von Thätigkeit wurde ihm im Jahre 1830 durch eine Einladung nach Brasilien, für eine Bergwerksgesellschaft geboten, deren Director Mornay selbst zur Anwerbung nach Innsbruck und Hall gekommen war. Nach einem zehnjährigen Aufenthalte in Brasilien, und zwar in Rio Janeiro und in den Bergwerken in der Provinz Minas Geraes, innerhalb welcher Zeit er Europa zweimal besucht und bei seiner ersten Rückkehr seine Braut abgeholt hatte, verließ er am 1. Juli 1840 Brasilien für immer, wo er in den letzten Jahren als „Superintendent“ der englischen Bergwerksgesellschaft thätig gewesen. Spätere Anträge für Ostindien, oder für die englischen außereuropäischen Bergwerke in London Dienst zu nehmen, lehnte er ab, entschlossen in mäßiger Unabhängigkeit sein Leben dem Vaterlande zu weihen. Er erhielt vorläufig die Stelle eines unentgeltlichen Honorär-Bergamts-Assessors; als dann Freiherr von Kübeck der montanistischen Abtheilung die Form einer Central-Bergbaudirection gab, wurde in derselben auch Hocheder als Secretär am 5. August 1843 eingereiht. In diese Zeit fallen Hocheder’s wiederholte zuletzt erfolgreiche Bestrebungen, für Helmreichen [Bd. VIII, S. 294], den Hocheder selbst für die Dienste der brasilianischen Bergwerksgesellschaft angeworben hatte, eine Staatsunterstützung zu einer Reise in das Innere von Brasilien und Süd-Amerika überhaupt zu erwirken, die am 1. April 1843 mit der Summe von 6000 fl. C. M. bewilligt wurde [vergl. die Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften 1850, Bd. IV, S. 412]. In der Zwischenzeit hatte Hocheder auch an den Arbeiten des von Haidinger begründeten Vereines der „Freunde der Naturwissenschaften“ Theil genommen, und verdankt vornehmlich ihm der Verein mehrere Aufsätze von Helmreichen und die Mittheilungen über dessen Reisen, welche in dessen Berichten veröffentlicht wurden. Treffend bemerkt nun Haidinger in Bezug auf Hocheder: „Die frühere Lage, als Bevollmächtigter von Gesellschafts-Unternehmungen, wo es gewissermaßen auf ein „Theilen“ während der Arbeitsfortschritte ankommt, und so viel von raschem Entschluß und kräftigster Ausführung abhängt, bot ihm der Natur der Sache nach Gelegenheit, reichere Vortheile in kurzer Zeit zu erwerben. In dem vielfach [478] gegliederten Körper, dem er später angehörte, in dem gleichmäßigeren Fortgange der Ereignisse fielen auch die vortheilhaftesten Ergebnisse dem Allgemeinen zu.“ Hocheder selbst hat es versucht, die Ergebnisse seiner eigenen Wirksamkeit, so wenig im Ganzen der Ereignisse hervortretend, doch auch ziffermäßig darzustellen und aus dieser Zusammenstellung entsprang die folgende Uebersicht, welche als Werthschätzung einer geistigen Kraft immerhin von Bedeutung bleibt. Unter seinem Einflusse verließen sechs Bergbeamte und 35 Bergarbeiter die österreichischen Staaten, und brachten aus ihrem Verdienste nahe an 300.000 fl. an Ersparnissen wieder zurück. Im Bergbaue auf Braun- und Steinkohlen veranlaßte eben er wichtige Ersparungen, da er erst seinen eigenen Ansichten durch Ueberzeugung einflußreichster Persönlichkeiten von ihrer Vorzüglichkeit Erfolg gewinnen mußte. So kamen auf Brennberg durch günstigere Pachtverträge und Verhinderung unzweckmäßiger beantragter Arbeiten 432.166 fl.; auf Vasas, dessen Kohlen- und Eisensteinablagerungen zur rechten Zeit acquirirt und später veräußert wurden, 200.000 fl.; die Veräußerung des Bohrlochrechtes in Leoben anstatt eines vorgeschlagenen Schachteneinbaues 1,040.000 fl.; Realisirung eines zweckdienlichen Betriebsplanes in Fohnsdorf 80.000 fl.; auf den verbesserten Betriebsplan für Steierdorf 1,983.000 fl. ohne Berechnung des Zinsenverlustes, und mit denselben 3,600.000 fl., was freilich später mehr dem Privatbesitz, in welchen die Werke kamen, zu Gutem ausschlägt. Hier spricht sich der Werth einer menschlichen Thätigkeit in einer mächtigen Summe ersparter Beträge aus, welche, da deren Verschleuderung gehindert worden, dem Nationalvermögen zu Gute kommen. Wohl auch ein – und kein geringes – Verdienst und bleibender Erinnerung werth.

Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt (Wien, 4°.) Bd. XIV, S. 253: „Erinnerung an J. K. Hocheder“, von Haidinger.