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BLKÖ:Haidinger, Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 208. (Quelle)
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Haidinger, Wilhelm (Mineralog und Director der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien, geb. zu Wien 5. Februar 1795).[BN 1] Besuchte die Normalschule zu St. Anna, die Grammatikalschulen und erste Humanitätsclasse an dem akademischen Gymnasium zu Wien, ging sodann im Herbste 1812 zu Professor Mohs, der seinen ersten Lehrcurs am Joanneum eröffnete, nach Gratz und mit demselben 1817 nach Freiberg. Im Jahre 1822 machte er eine Reise nach Frankreich und England mit dem nachmaligen k. k. Hofrathe Grafen August Breuner. Zu jener Zeit bereits übersetzte er Mohs’ „Grundriß der Mineralogie“ in das Englische und gab ihn vermehrt und verbessert unter dem Titel: „Treatise on Mineralogy“, 3 Bde. (Edinburgh 1825, 8°.) heraus. In Edinburgh lebte er seit dem Herbste 1823 in dem Hause des Banquiers Thomas Allan; dann begleitete er dessen Sohn Robert 1825 und 1826 auf einer Reise durch Norwegen, Schweden, Dänemark, einen großen Theil von Deutschland, das nördliche Italien und Frankreich. Von 1827 bis 1840 war er mit seinen Brüdern in der Porzellanfabrik zu Elbogen. Im April 1840 als Nachfolger des kurz zuvor in Agordo verstorbenen Mohs als k. k. Bergrath nach Wien berufen, besorgte er die Aufstellung der Mineraliensammlung der k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen, welche später den Namen des k. k. Montanistischen Museums erhielt. Im Jahre 1843 begann er seine Vorlesungen über Mineralogie, gab auch ein „Handbuch der bestimmenden Mineralogie“ (Wien 1845, 8°.) und „Kristallographisch-mineralogische Figurentafeln zu dem Handbuche“ (ebd. 1846, Qu. Fol.) heraus. Unter seiner Leitung entwickelten sich die gesellschaftlichen Bestrebungen der [209] „Freunde der Naturwissenschaften“. Er leitete eine Subscription ein und besorgte die Herausgabe ihrer Schriften, welche unter den Titeln: „Naturwissenschaftliche Abhandlungen“, 4 Bde. (Wien 1847–1850, Braumüller, 4°.) und „Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien“, 7 Bde. (ebd. 1847–1850, 8°.) erschienen sind. H. befand sich auch unter der Zahl der ersten am 14. Mai 1847 ernannten wirklichen Mitglieder der kais. Akademie der Wissenschaften. Unter seiner Leitung war ferner die geognostische Uebersichtskarte der österreichischen Monarchie am k. k. montanistischen Museum und durch das k. k. militärisch-geographische Institut 1847 in Farbendruck vollendet worden. Im November 1849 wurde die k. k. geologische Reichsanstalt gegründet und Haidinger zum ersten Director derselben ernannt. Seit dieser Zeit widmet H. seine ganze Thätigkeit der Förderung und Vervollkommnung dieses Institutes, welches auf Grundlage der Bedeutenheit, die es in der wissenschaftlichen und praktischen Welt errungen, in der denkwürdigen Sitzung des verstärkten Reichsrathes am 14. September 1860 vom Untergange durch die Stimmen der Vertreter des Landes gerettet wurde, nachdem es ein Feind des wahren geistigen Fortschrittes unter dem Vorwande von Ersparung durch angebliche Vereinigung mit der kais. Akademie der Wissenschaften der Zerstörung geweiht hatte [siehe unten die Quellen: II. Zur Geschichte der geologischen Reichsanstalt]. Außer den bereits angeführten Druckwerken sind von H. noch selbstständig erschienen: „Anfangsgründe der Mineralogie“ (Leipzig 1829, Barth, 8°.); – „Bericht über die Mineraliensammlung der k. k. Hofkammer in Münz- und Bergwesen“ (Wien 1843, Gerold, 4°.); – „Uebersicht der Resultate mineralogischer Forschungen im Jahre 1843“ Erlangen 1845, 8°.). Eine große Anzahl krystallographischer, mineralogischer, physikalischer, geologischer und anderer naturwissenschaftlicher Abhandlungen und Berichte H.'s sind in verschiedenen Sammelwerken gelehrter Akademien enthalten. Betreffs derselben wird auf den „Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1851“ und die späteren Register der Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, des Jahrbuches der k. k. geologischen Reichsanstalt und der Mittheilungen der k. k. geographischen Gesellschaft verwiesen, hier aber werden entweder die wichtigsten oder jene aufgeführt, welche auf den Kaiserstaat zunächst sich beziehen und eine genauere Kenntniß seiner geologischen Verhältnisse vermitteln; diese sind in den Memoirs of the Wernerian Society of Edinburgh, 1822–1825: „On Copper-Pyrites“, – „On Drawing Crystals in true Perspective“; – in den Transactions of the Royal Society of Edinburgh, 1823–1827: „On Diallage“, – „On the Parasitic formation of Minerals“, – „On Fergusonite“, – „On Sternbergite“, – „On the Ores of Manganese“; – im Edinburgh Philosophical Journal, 1824: „On Apatite“; – in Brewsters Journal of Science, 1824–1827: „On Epidote and Glaubersalt“, – „On the Regular Composition of Minerals“, fünf Nummern und Anderes; – in den Abhandlungen der k. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1832–1840: „Ueber den Johannit“, – „Vorkommen von Pflanzenresten im nordwestlichen Böhmen“, – „Neue Pseudomorphosen“, – „Andalusit von Brasilien und Diaspor von Schemnitz“, – „Die Pseudomorphosen und ihre anogene und kathogene Bildung“, [210] – „Pleochroismus der Krystalle“, – „Cordierit“, – „Der rothe Glaskopf, eine Pseudomorphose nach braunem“, – „Löweit“; – in Baumgartner’s und v. Ettinghausen’s Zeitschrift für Physik, 1834: „Tetradymit“, – in v. Holger’s Zeitschrift für Physik, 1840: „Pseudomorphosen von Gyps nach Steinsalz“; – in Poggendorff’s Annalen, 1829–1837: „Kalkspath, pseudomorph nach Aragon bei Schlackenwerth“; – 1840–1846: „Ueber das directe Erkennen des polarisirten Lichtes und die Lichtpolarisationsbüschel“ (mehrere Nummern), – „Die Farbe des Axinits“, – „Blitze ohne Donner in Wien am 22. Juli 1845“; – in den naturwissenschaftlichen Abhandlungen u. s. w.: „Pleochroismus des Amethysts“, – „Pseudomorphosen nach Steinsalz“, – „Aspasiolith, Pseudomorphose nach Cordierit“, „Hauerit“, – „Hagelsturm in Gratz am 1. Juli 1840“, – „Schillern von Krystallflächen“; – in den Berichten über die Mittheilungen von Freunden der Wissenschaften in Wien, 1846–1847, I. Band: „Farbenvertheilung am Cyanplatinmagnesium“, – „F. Simony’s naturwissenschaftliche Aufnahmen und Untersuchungen im Salzkammergut“, – „Betrachtungen über den Eisgang der Flüsse“, – „Pleochroismus des Chrysoberylls“, – „Thierfährten im Wiener- und Karpathensandstein“, – „Schreibersit von Arva“, – „Meteoreisen von Braunau“, – „Geologische Beobachtungen in den östlichen Alpen“, – „Steinkohlenkugeln von Fünfkirchen“, – „Metamorphose der Gebirgsarten“; – in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften: „Ueber den Amethyst“, – „Ueber den Dutenkalk“, – „Eisdecke der Donau im Winter und Bruch der Decke im März 1858“; – in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften, mathem. naturw. Classe, I.–XXII. Bd.: „Bericht und Anträge (von W. Haid. und P. Partsch) in Bezug auf die Unternehmung einer geologischen Karte der österreichischen Monarchie u. s. w.“, – „Dichroskopische Loupe“, – „Antigorit“, – „Hypersthen“, – „Antrag auf Reformen in der Akademie“, – „Schwarze und gelbe Parallellinien am Glimmer“, – „Datolith von Toggiana“, – „Hatchettin von Rossitz in Mähren“, – „Andersonit“, – „Dopplerit von Aussee“, – „Zusammenhang des orientirten Flächenschillers mit der Lichtabsorption farbiger Krystalle“, – „Das optische Schachbrettmuster“, – „Richtung der Schwingungen des Lichtäthers in geradlinig polarisirtem Lichte“, – „Ueber den Zusammenhang der Körperfarben oder des farbig durchgelassenen und der Oberflächenfarben oder des farbig zurückgeworfenen Lichtes“, – „Farbenringe durch Anhauchen auf frischen Theilungsflächen des Glimmers“, – „Die Löwe’schen Ringe, eine Beugungserscheinung“, – „Niedrigste Höhen von Gewitterwolken“, – „Herapathit“, – „Oberflächenfarben am Murexid“, – „Paläö-Krystalle, durch Pseudomorphose verändert“, – „Pleochroismus und Krystallstructur des Amethystes“, – „Pleochroismus, 1. von Augiten und Amphibolen, 2. von einaxigen, 3. von zweiaxigen Krystallen“, – „Graphische Methode annähernder Winkelmessungen“, – „Interferenz-Linien am Glimmer. Berührungs- und Plattenringe“, – „Herapathitzungen“, – „Die zwei Hypothesen der Richtung der Schwingungen des Lichtäthers nach ihrer Wahrscheinlichkeit“, – „Structur des Eisens, verglichen mit jener des Meteoreisens“, – „Konische Refraction am Diopsid“, – „Cadmaretit“, – „Vergleichung von Augit und Amphibol[WS 1], nach den Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften“, – „Aufschraube-Goniometer“, – „Die geographische Gesellschaft in Wien“, – „Die hohlen Geschiebe aus dem Leithagebirga“, – „Kenngottit“, – „Verschiedene Mittheilungen von Mitgliedern der Novara-Expedition“, – „Rutilkrystalle von Graves Mountain[WS 2]“, – „Hörnesit“, „Der Meteorit von [211] Rakova“ und mehrere andere Mittheilungen über Meteoriten, die letzte am 14. März 1861 „über die Natur der Meteoriten nach ihrer Erscheinung und Zusammensetzung“; – in dem Jahrbuche der k. k. geolog. Reichsanstalt: „Programm“, – „Aufgabe des Sommers 1850“, – „Wernerfeier am 25. September 1850“, – „Zur Erinnerung an Leopold von Buch“, – „Vorworte“ – „Die Correspondenten seit 1854“, – „Jahres-Ansprachen“. – Achtung der Wissenschaft und den Männern der Wissenschaft erscheint in allen neueren Entwickelungen H.’s Grundsatz, in Dankbarkeit und Anerkennung früheren und gleichzeitigen Forschern, zur Aufmunterung der jüngeren. Er hat mit seinem Vater Karl das unbestrittene Verdienst, der geologischen Wissenschaft in Oesterreich die Pforten geöffnet und sie im ganzen Reiche heimisch gemacht zu haben. Mit der Begründung der geologischen Reichsanstalt beginnt in Oesterreich ein großer Aufschwung der Naturwissenschaften; die geologischen Aufnahmen des Kaiserstaates unter unmittelbarer Leitung H.’s, und von den ausgezeichnetsten Mitgliedern des Instituts, die zum großen Theile aus H.’s Schule hervorgegangen sind, ausgeführt, sind von unberechenbarem Werthe, und verwirklichen den von H. ausgesprochenen Zweck der Anstalt, „Anwendung der Geologie auf das Leben“, in glänzender Weise. Nicht starre Systematik, sondern angewandte Naturwissenschaft ist es, welche H. in diesem Institute selbst pflegt und pflegen läßt, und so die Wissenschaft zu hohen Ehren bringt. Ist nun H.’s Wirken in der wissenschaftlichen Welt längst erkannt und anerkannt worden, wie es die ihm zugeschickten Diplome von mehr denn hundert gelehrten Gesellschaften aus allen Theilen der cultivirten Erde beweisen, so bemühen sich auch die Fürsten, den Abend des unermüdeten Gelehrten, dessen Wirken Hugo Fürst und Altgraf zu Salm-Reifferscheid in der Subscriptionsliste zur „Haidinger-Medaille“, treffend mit dem Wahlspruche: „Hastlos und rastlos“ bezeichnet, durch ihre Gaben zu verschönen und haben ihn Ihre Majestäten der Kaiser von Oesterreich mit dem Franz Joseph-Orden, der König von Preußen mit der Friedensclasse des Ordens pour le mérite (bei der Wahl hatte Haidinger 22 Stimmen unter den 26 abgegebenen erhalten; „nie hat es“, schrieb Humboldt an H., „eine so vollzählige Wahl, wie die Ihrige, gegeben“. Jahrbuch der k. k. G. R. A. 1857, S. 160), der König von Bayern mit dem Maximilian-Orden für Kunst und Wissenschaft, der König von Sachsen mit dem Ritterkreuze des Albrecht-, der König von Schweden mit jenem des Nordstern- und der König von Portugal mit dem Commandeurkreuze des Christus-Ordens ausgezeichnet.[BN 2]

I. Zur Biographie Haidinger’s. Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1856, Nr. 44, S. 681. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, Carl B. Lorck, 4°.) Erste Serie, S. 14. – Libussa. Jahrbuch für 1858. Herausgegeben von Paul Aloys Klar (Prag, F. Ehrlich), XVII. Jahrg. S. 319–347: „Biographische Skizze von Paul Aloys Klar. – Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften für 1851 (I. Jahrg.) (Wien, Staatsdruckerei, kl. 8°.) 39. Titel, S. 182–191: „Verzeichniß von H.’s Schriften“. – Derselbe für 1852, S. 141: Nachtrag zum Verzeichnisse der Schriften; jeder folgende Jahrgang bis zum IX. (1859) gibt die Veränderungen seines Titels an; nach diesen letzteren ist H. Mitglied von mehr denn 100 gelehrten Gesellschaften aller Welttheile, unter denen die meisten des ersten Ranges sich befinden. – Poggendorff (J. C.), Biographisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 996 [mit einem vollständigen Verzeichnisse seiner Schriften]. – Erinnerungen [212] (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1858, Maiheft, S. 155: „Die beiden Haidinger“. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) III. Suppl. Band, S. 1257. – Brockhaus, Conversations-Lexikon (10. Aufl.), Bd. VII, S. 367. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 8°.) Tome XXIII, p. 116.
II. Zur Geschichte der geologischen Reichsanstalt. Ansprache, gehalten am Schlusse des ersten Decenniums der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien am 22. November 1859 (Wien, aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, Jahrbuch, 10. Jahrgang, Verhandlungen S. 137). – Die k. k. geologische Reichsanstalt in der Sitzung des Hohen k. k. verstärkten Reichsrathes am 14. September 1860 (Wien, Druck von Auer, 16 S. 4°.). – Die Geschäfts-Gebarung der k. k. geologischen Reichsanstalt. Pro memoria, vorgelegt dem Director der Anstalt von Franz Foetterle und Franz Ritter von Hauer (Wien, Auer, 4 S. 4°.). – Ansprache, gehalten in der Jahressitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 30. October 1860 von Wilhelm Haidinger (Wien, Druck von Auer, 16 S. 4°.). [Die letztangeführten drei Schriften beziehen sich auf die aus völliger Unkenntniß des Sachverhalts entsprungenen Angriffe auf die Anstalt von Seite des Grafen Gołuchowski , auf welche Haidinger und die dabei zunächst Betheiligten in würdevoller, erschöpfender und berichtigender Weise erwiderten.] – Die Entwickelung der gesellschaftlichen Bestrebungen für Naturwissenschaften in Wien in den Jahren 1840 bis 1850. [Manuscript, welches eine Geschichte der Versuche und Bemühungen Haidinger’s enthält, seine wissenschaftlich praktischen Zwecke zu Nutz, Frommen und zur Ehre Oesterreichs durchzuführen.]
III. Medaille und andere Auszeichnungen. Am 29. April 1856 fand eine Feier in den Räumen der geologischen Reichsanstalt zu Ehren ihres Begründers und Leiters Statt. Zu derselben hatten sich theilnehmende Wissenschaftsfreunde aus den benachbarten Städten und mehrere Deputationen wissenschaftlicher Vereine Oesterreichs eingefunden. Dem Sectionsrath Haidinger wurde an diesem Tage eine goldene Ehrenmedaille (50 Ducaten schwer) und ein prachtvolles Album mit 355 Unterschriften der Festtheilnehmer überreicht. Die Medaille, von welcher auch Bronceabdrücke vorhanden sind, zeigt auf der Kopfseite H.’s wohlgetroffenes Bildniß mit der Unterschrift: Wilhelm Haidinger; die Rückseite zeigt nach einer Zeichnung von van der Nüll in der Mitte die Erdkugel von dem Thierkreise umgeben; als Unterschrift die von Haidinger wiederholt als Motto gebrauchten Worte Schiller’s: „Nie ermüdet stille stehen“. Die Gravirung ist meisterhaft von dem k. k. Münzgraveur K. Lange ausgeführt. Die Widmung des Albums enthält neben dem Titel folgende sprechende Zeilen: „Dem großen Mineralogen und Physiker, dem Führer der Freunde der Naturwissenschaften in Wien, dem Leiter der geologischen Länderaufnahme in Oesterreich, dem Stifter der geographischen Gesellschaft, dem Begründer einer neuen wissenschaftlichen[WS 3] Aera für Oesterreich“. [Vergl.: Die Haidinger-Medaille. Bericht des Subscriptionsausschusses aus dem Jahrbuche der geologischen Reichsanstalt (Wien 1857, M. Auer, schm. 4°.) Separatabdruck aus dem 7. Jahrgange des „Jahrbuches“. – Wiener Zeitung 1856, Nr. 104 (6. Mai).] – Der großen Menge von Diplomen als Ehren-, wirkliches, correspondirendes und auswärtiges Mitglied gelehrter Gesellschaften, welche H. erhielt, ist bereits Erwähnung geschehen. Zu den jüngsten Ehren, die diesem liebenswürdigen Veteran der österreichischen Gelehrten zu Theil geworden, zählen seine Ernennung zum Ehrendoctor der Philosophie von Seite der Universität in Prag, zum Doctor der Medicin von der zu Jena. In der Naturwissenschaft wurde in der fossilen Botanik ein Abietinengeschlecht (Coniferen), wovon bereits vier Species bekannt sind, nach ihm Haidingera, und in der Mineralogie ein Mineral (aus der ersten Ordnung: Haloide zweite Classe: Geogenide) Haidingerit benannt.
IV. Porträte. 1) Unterschrift, Facsimile des Namens: W. Haidinger. Kriehuber 1844, gedr. bei J. Höfelich, Fol.; – 2) Unterschrift wie oben. Rud. Hoffmann 1856 (lithogr.), nach einer Photographie von C. von Jagemann, gedr. bei J. Haller, vormals Höfelich’s Witwe. Aus G. A. Lenoir’s „Gallerie ausgezeichneter Naturforscher“; – 3) Unterschrift wie bei den zwei Vorigen. Kriehuber pinx., Stahlstich von [213] Karl Mayers K. A. in Nürnberg. Beilage zu Klar’s Taschenbuch Libussa 1858 [auch bestehen von diesem Bilde Separatabdrücke in 4°.].

Berichtigungen und Nachträge

  1. Haidinger, Wilhelm [Bd. VII, S. 208; Bd. XIV, S. 465], gestorben zu Wien 19. März 1871.
    Becker (M. A.), Wilhelm Haidinger. Sonder-Abdruck aus den Mittheilungen der geographischen Gesellschaft (Wien 1871, L. W. Seidel u. Sohn, gr. 8°., 8 S.). – Abendstunden. Herausgegeben vom Vereine zur Herausgabe wohlfeiler Druckschriften (Wien, kl. 8°.) 1873, I. Heft, S. 3: „Zur Erinnerung an Wilhelm Ritter von Haidinger“ (Verfasser dieses pietätvollen Nachrufes ist J. Ritter v. Hoffinger]. [Band 28, S. 345]
  2. E Haidinger, Wilhelm Ritter von [s. d. Bd. VII, S. 208]. Nachdem dieser durch seine unermüdliche Thätigkeit, wie seine grenzenlose Liebenswürdigkeit gleich hervorragende Nestor der österreichischen Gelehrten, oder wie ihn Freiherr von Hingenau in seiner ihm zu Ehren gehaltenen Festrede nennt: „Patriarch der Wissenschaft“, im Jahre 1854, wie bereits bemerkt worden, mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens geschmückt und damit sozusagen im Vaterlande der Reigen der ihm gewordenen Ehren und Auszeichnungen war eröffnet worden, folgte im J. 1859 die Verleihung des Titels eines Hofrathes, im J. 1862 die Ernennung zum wirklichen Hofrathe, mit Allerhöchster Entschließung vom 30. Juli 1864 die Verleihung des Ritterkreuzes des Leopold-Ordens und den Statuten dieses Ordens gemäß mit Diplom vom 21. October d. J. die Erhebung in den erbländischen Ritterstand. Am 5. Februar 1865 fand zur Feier seines 70. Geburtstages die Aufstellung seiner aus Carrara-Marmor ausgeführten Büste [466] in einem der Säle der k. k. geologischen Reichsanstalt, in Gegenwart seiner zahlreichen Freunde und Verehrer in festlicher Weise Statt. Die Feier ist in der in den Quellen angeführten Denkschrift ausführlich beschrieben. Was H.’s wissenschaftliche Thätigkeit betrifft, so hat er in neuester Zeit viele und wichtige Aufschlüsse über Meteoriten veröffentlicht und zur Bereicherung der Meteoriten-Sammlung des Hof-Mineraliencabinets wesentlich beigetragen. Seine zahlreichen Arbeiten über Meteore, Meteoriten und ihre an verschiedenen Orten der Erde vorkommenden Falle sind in den gedruckten „Registern zu den Bänden 21–30 und 31–42 der Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der k. Akademie der Wissenschaften, III. u. IV. (Wien 1859 u. 1862, gr. 8°.) S. 35 u. 42 ausführlich aufgezählt, daher auf diese Register hingewiesen wird. Von dem durch Haidinger begründeten „Jahrbuche der geologischen Reichsanstalt“ liegen bis zur Stunde 15 Bände, und von den unter seiner Oberleitung herausgegebenen geologisch-colorirten General- und Specialkarten 155 Sectionen fertig vor. Es ist eine ehrfurchtgebietende Thätigkeit, welche H. in seinen alten Tagen mit der vollen Geistesfrische eines Jünglings entfaltet, und es ist nur eine ihm und der seiner Leitung anvertrauten Anstalt dargebrachte gerechte Huldigung, wenn er im Diplom, durch das ihm die erbländische Ritterwürde verliehen wird, „ein Vorkämpfer der Wissenschaft“ genannt wird.
    Zur Biographie Haidinger’s. Karl Haidinger und Wilhelm Haidinger. Zwei Lebensskizzen von Dr. Constant von Wurzbach. Mit Bewilligung des Verfassers abgedruckt für Wilhelm Haidinger (Wien 1864, Druck und Verlag von Jacob und Holzhausen, 12 S. 8°.). Wiederabdruck der im siebenten Bande meines Lexikons enthaltenen Lebensskizzen.] – Bericht über die Haidinger-Feier am 5. Februar 1865 (Wien 1865, Wilhelm Braumüller, 45 S. Lex. 8°.). – Allen hochgeehrten Gönnern und edlen Freunden zur freundlichen Erinnerung an den 5. Februar 1865. Ritterstands-Diplom für Wilhelm Ritter von Haidinger (Wien 1865, 8 Bl. gr. 8°.). – Zur Enthüllung der Haidinger-Büste. Am 5. Februar 1865. Gedicht von Ludwig August Frankl (Druck von Jacob Schloßberg in Wien, 1 Octavbl.). – „Nie ermüdet stille steh’n!“ Festlied zur Feier des siebenzigsten Geburtsfestes von Wilhelm Haidinger am 5. Februar 1865. Gedicht von Guido Stache (Druck von Jacob und Holzhausen, 4 S. 4°.). – Ritterstands-Diplom vom 7. Jänner 1865. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 158: „Haidinger-Feier“. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, kl. Fol.) II. Band (1863), S. 858. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 37. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 38. – Magazin für die Literatur des Auslandes (Leipzig, 4°.) Jahrg. 1865, S. 112.
    Porträte in Photographien. 1) In der im Jahre 1861 von K. von Jagemann herausgegebenen „Gallerie österreichischer Zeitgenossen“ (Wien, Kunst- u. Industrie-Comptoir, kl. Fol., Blatt 3 fl.); – 2) Photographie in Visitkartenformat von Scholz (aus dem Jahre 1863); – 3) Photographie seiner Büste von Des Grange (in Visitkartenformat).
    Büste. Durch mehrere Freunde H.’s wurde die Ausführung seiner Büste in Carrara-Marmor beschlossen. Die Auslagen wurden durch eine Subscription gedeckt, welche im Ganzen den Betrag von 3322 fl. in österr. Währung einbrachte. Damit wurden außer den für Porto, Drucklegung des Festberichts, und den zur Feier an einzelne Handwerker für geleistete Arbeit bezahlte Auslagen bestritten: das Honorar für den Bildhauer Hans Gasser für die Büste in Carrara-Marmor, sammt Modell und Gypsform mit 1077 fl. österr. Währung (die Büste ist sprechend ähnlich); für das Postament zur Büste, aus Serpentin 200 fl.; für 300 Stück kleine Porzellan-Büsten 99½ fl.; für ein aus einem Briefbeschwerer mit einem künstlichen Goldkrystall von ein Pfund Gold bestehendes Ehrengeschenk 880 fl.; Honorar für die Composition der von dem Capellmeister des Carl-Theaters Klerr verfaßten Festcantate 50 fl. und für [467] 432 Photographien der Büste 173 fl. – Wappen. Gevierteter Schild mit eingepfropfter Spitze. 1: in Blau ein silberner Querbalken; 2: in Gold ein schwarz gekleideter Bergmann auf steinigem Boden, auf sein linkes Knie niedergelassen und vor einem aus dem rechten Seitenrande ausstrahlenden Grubenlichte mit dem Schlegel in der erhobenen Rechten auf das mit der Linken in den Boden eingerannte Eisen schlagend; 3: in Schwarz ein einwärts aufgerichteter goldener Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge, mit beiden Vorderpranken ein Bündel fächerartig ausgebreiteter goldener Stäbe vor sich tragend; 4: in Blau ein silberner mit zwei durch einen schwarzen Querfaden von einander geschiedenen Strahlenkreisen bezeichneter Pfahl, von denen jeder aus zweierlei concentrischen Strahlenbüscheln derart gebildet ist, daß im oberen gelbe, im unteren blaue pfahlweise, dann im ersteren blaue und im letzteren gelbe quer ausstrahlen. In der silbernen Spitze ein überbogener blau geharnischter, mit zwei goldenen und zwei silbernen Münzen abwechselnd belegter Arm mit einem über sich geschwungenen Schwerte. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Aus der Krone des rechten ragt ein silberner roth bezungter Brackenkopf mit blauem goldeingefaßten und beringten Halsbande einwärtsgekehrt hervor; jene zur Linken trägt eine natürliche weiße Taube mit einem Oelzweige im Schnabel. Die Helmdecken sind rechts blau mit Silber, links schwarz mit Gold belegt. Devise. Unter dem Schilde zieht sich ein blaues Band mit der Devise: „Observo et colo“ in silberner Lapidarschrift. [Band 14, S. 465–467]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Anphibol.
  2. Vorlage: Graves Monut.
  3. Vorlage: wissenschaflichen.