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BLKÖ:Kübeck Freiherr von Kübau, Karl Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 13 (1865), ab Seite: 308. (Quelle)
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Kübeck Freiherr von Kübau, Karl Friedrich (Staatsmann, geb. zu Iglau in Mähren 27., nach Anderen 28. October 1780, gest. zu Hadersdorf bei Wien 11. September 1855). In sehr bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, besuchte er das Gymnasium zu Znaim und hörte die philosophisch-juridisch-politischen Studien theils an der Wiener, theils an der Prager Hochschule. Am 13. October 1800, damals 20 Jahre alt, trat er beim Olmützer Kreisamt in den Staatsdienst, kam seiner besonderen Geschicklichkeit wegen 1803 in’s Präsidialbureau des mährisch-schlesischen Landesguberniums, wurde 1804 Concipist bei der niederösterreichischen Regierung mit der Dienstleistung eines Präsidial-Secretärs; als aber im Jahre 1805 Wien von den Franzosen besetzt und die niederösterreichische Regierung aufgelöst wurde, wurde K. dem bevollmächtigten Hofcommissär Rudolph Grafen Wrbna zugetheilt. Im Jahre 1806 zum Hofconcipisten bei der allgemeinen Hofkanzlei ernannt, wurde er 1807 geheimer Staatsraths-Official, ging aber noch im nämlichen Jahre, als ihn Joseph Graf Wallis, Oberstburggraf in Böhmen, an seiner Seite zu haben wünschte, nach Prag, wo er als Präsidial-Secretär eine allgemein anerkannte Thätigkeit entwickelte. Schon in wenigen Monaten, 1809, erfolgte seine Ernennung zum Hofsecretär bei der vereinigten Hofkanzlei und wurde er dem mittlerweile zum Armee-Minister ernannten Karl Grafen Zichy zugetheilt; den ganzen Feldzug hindurch blieb K. in dieser Verwendung. Nach dem Friedensschlusse, im December desselben Jahres, wurde K. zum Regierungsrath und Referenten für Ober- und Niederösterreich bei der Hofkanzlei ernannt. Im September 1814 als Referent in den Staatsrath berufen, kam er in die Finanzsection, und mit diesem Jahre, nicht 1811, wie es hie und da gedruckt stand. beginnt K.’s finanzielle Thätigkeit. Er blieb aber auf des Grafen Lazanzky Ersuchen noch einige Zeit einer Hofcommission zugetheilt, welche die Aufgabe hatte: die durch den Pariser Frieden dem Kaiserstaate neu oder wieder einverleibten Provinzen zu verwalten und den künftigen Verwaltungs-Organismus auszuarbeiten. Nachdem diese Hofcommission ihre Arbeiten beendet hatte, erhielt er im Mai 1815 seine Zutheilung bei dem Grafen Franz Stadion, welcher zu jener Zeit Hofkammer-Präsident war. Hier mit den Arbeiten zur Regelung der österreichischen Finanzen betraut, schrieb er seine Staatsschrift zur Regelung des österreichischen Creditwesens, unter deren Vorschlägen sich auch die Errichtung der k. k. privilegirten Nationalbank befand, welche im Jahre 1818 in’s Leben trat. Zugleich neben seiner Dienstleistung bei der Hofkammer war er damit betraut, Sr. Majestät dem Kaiser regelmäßig staatsräthliche und Cabinetsverhandlungen zu referiren. Im Jahre 1821 arbeitete K. an der Seite des Monarchen beim Congresse in Laibach und wurde noch im nämlichen Jahre Staats- und Conferenzrath, nahm aber auf des Grafen Stadion Wunsch auch an den ferneren Berathungen in der Hofkammer Theil. Während des Congresses zu Verona, 1822, arbeitete K. neuerdings unmittelbar an der Seite des Kaisers. Auch bei der vom Kaiser Franz im Jahre 1825 vorgenommenen [309] Reise nach Venedig und Mailand blieb K. an seiner Seite und arbeitete in allen wichtigen Fragen, welche aus diesem Anlässe zur Sprache kamen. Im Jahre 1839 wurde K. als Präsident an die Spitze des General-Rechnungsdirectoriums gestellt und organisirte in dieser Eigenschaft diese Centralbehörde; aber kaum war er mit diesen Reformen zu Ende, als ihn der Kaiser im Jahre 1840 zum Hofkammer-Präsidenten ernannte und ihm im nächsten Jahre zugleich das Präsidium des Münz- und Bergwesens übertrug. Auf diesem Posten war nun K. mit segensreicher Energie thätig, die sämmtlichen Staatsgefälle, das Handels- und Gewerbewesen standen unter seiner unmittelbaren Leitung. Im J. 1841 legte er seinen Plan vor, welchem zufolge der Kaiserstaat sich für das Princip der Staatsbahnen erklärte, indem er darin eine Quelle der Macht und der Unabhängigkeit für die Regierung wie des Reichthums für den Staat erkannte. Zugleich aber wurde über seinen Antrag die Regie dieser wichtigen Verkehrsmittel der Verpachtung übergeben. Im Jahre 1846 legte K. den ersten Grund zu jenem Telegraphennetze, welches nun den ganzen Kaiserstaat überzieht; denn auf Grund seiner Anträge kamen die Strecken nach Böhmen und Steiermark sofort zur Ausführung. Bis zum Jahre 1848 blieb K. an der Spitze der Finanzverwaltung Oesterreichs; im genannten Jahre resignirte er selbst auf das ihm mit Allerh. Entschließung vom 17. März übertragene neu geschaffene Finanzministerium und zog sich, ohnehin seit längerer Zeit körperlich leidend, zur Erholung auf ein Landgut in Mähren zurück. Aber nicht lange gönnte man ihm diese Ruhe. Schon im Herbste 1849 stellte ihn Se. Ma]. Kaiser Franz Joseph an die Spitze der provisorischen Central-Commission in Frankfurt, in welcher Stellung er mit würdevoller Haltung ebenso die Interessen Oesterreichs zu wahren als jene Deutschlands zu berücksichtigen verstand. Als in einiger Zeit der Reichsrath geschaffen wurde, ernannte ihn der Kaiser im Herbste 1850 zum Präsidenten desselben. Das organische Statut dieses Körpers wurde von K. unter Mitwirkung einer Commission ausgearbeitet und im April 1851 genehmigt. Sobald der Reichsrath in’s Leben getreten war, so stellte der Kaiser Kübeck an die Spitze einer Revisionscommission, um die unhaltbaren Bestimmungen der Verfassung vom 4. März 1849 durch andere, den Verhältnissen und Bedürfnissen der Völker Oesterreichs angemessenere Verfassungs- und Verwaltungsnormen zu ersetzen. Eine zu diesem Zwecke zusammengestellte Organisirungs-Commission führte die Arbeiten unter Kübeck’s unmittelbarer Leitung durch. Bis wenige Stunden vor seinem Tode war K. im Dienste seines Kaisers thätig. Und wie jener Feldherr, der mit dem Schwerte in der Hand den neidenswerthen Tod fand, so starb K. so zu sagen mit der Feder in der Hand. Am 10. September – 75jährig, im 55. Jahre seines Staatsdienstes – arbeitete er noch rüstig, wie er es seit Jahren gewohnt; wenige Stunden später war er ein Opfer jener entsetzlichen Seuche, welche im Herbste 1855 in Wien so viele Menschenleben dahingerafft. In dieser ruhmvollen Laufbahn erfuhr K. von seinem Monarchen, von fremden Fürsten und angesehenen Körperschaften mannigfache Anerkennungen und Auszeichnungen. Die Stände von Tirol waren die Ersten, welche nach ihrer Wiedereinsetzung im Jahre 1816 K. zu ihrem Mitgliede ernannten. Um aber diese Ernennung möglich zu machen, verlieh ihm Kaiser Franz [310] den erbländischen Ritterstand. Im Jahre 1822 erhielt er das Ritterkreuz des St. Stephan-Ordens; die ihm in Folge dessen statutenmäßig gebührende Freiherrnwürde wurde durch die Gnade des Kaisers in Rücksicht auf seine Verdienste im Jahre 1825 auch auf seinen Bruder ausgedehnt. Im Jahre 1828 erhielt K. die Landstandschaft von Böhmen, Mähren und Schlesien, und im Jahre 1836 verlieh ihm Kaiser Ferdinand die geheime Rathswürde. 1845 wurde er durch das Großkreuz des Leopold- und 1852 durch jenes des St. Stephan-Ordens ausgezeichnet. Außerdem schmückten ihn Rußland mit dem Alexander Newsky-, später noch mit dem Andreas-Orden, ebenso Bayern und Belgien mit ihren Decorationen. Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften hat ihn in der Sitzung vom 26. Jänner 1848 zu ihrem Ehrenmitgliede gewählt. Durch und durch Oesterreicher, hatte Kübeck jenes weltbürgerliche Wohlwollen, das sich in echt humaner Weise unparteiisch auf alle Stämme und alle Glaubensbekenntnisse des ganzen Reiches erstreckte. die er in ihren Eigenthümlichkeiten ehrte und schonte. In seinen Augen waren diese Stämme, diese Länder, unter dem kaiserlichen Szepter zu einem Ganzen vereint, zu einem Weltreich berufen: als Vermittler deutscher Bildung und Gesittung, diese auch nach dem Osten zu verbreiten und zu befestigen. Obgleich Bureaukrat, war er es doch in der edlen Bedeutung dieses Wortes. Voll unermüdlichem Geschäftseifer, voll Humanität gegen die Untergebenen, gesellten sich zu dem fleckenlosen Rufe des öffentlichen Charakters die schönsten Tugenden des Privatlebens. Seine große Erfahrung, sein vorurtheilsfreier Blick, seine reiche Bildung, seine volle Klarheit und Sicherheit, sein tiefes Freiheitsbewußtsein, verbunden mit der edelsten sittlichen Weihe, seine selbst von Oesterreichs Feinden anerkannte Uneigennützigkeit und Redlichkeit und sein Glaube an menschliche Tugend, der der herrschenden Generation ganz abhanden gekommen zu sein scheint, machten sein Wirken auf dem hohen und schwierigen Posten segensreich, sowohl in den Tagen als Oesterreichs Sonne im Zenith stand, wie in jenen, als es an den Wunden schwerer innerer Kämpfe blutend darniederliegend, neuer Kräftigung nach innen und außen entgegensah. K. ist zu Maria-Brunn bei Wien bestattet. Wenn ihm ein Denkmal gesetzt wird – und K. zählt zu den Staatsmännern, denen von Staatswegen ein solches gebührt – so könnte dasselbe keine einfachere und treffendere, sein mächtiges Wirken als Finanzmann besser bezeichnende Inschrift schmücken, als die Anführung der Thatsache: „Während seiner Finanzverwaltung gingen die österreichischen Banknoten mit Agio in’s Ausland“. Ueber den Familienstand siehe das Nähere in den Quellen.

Oesterreich und seine Staatsmänner (Leipzig 1844, Reclam jun., 8°.) Bd. II, S. 71 u. f.: „Freiherr von Kübeck“ [nach diesem geboren 28. October 1780]. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) Jahrg. 1855, Beilage Nr. 336 [nach dieser geb. 28. October 1780]. – Die feierliche Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 30. Mai 1856 (Wien, 8°.) S. 53 u. f. – Wiener Zeitung 1855, Nr. 221 [nach dieser geb. 28. October 1780]. – Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-Lexikon (Leipzig, Brockhaus, gr. 8°.) Bd. I, S. 479. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1855, Nr. 76 u. 77: Nekrolog [nach diesem geb. 27. October 1780]. – Oesterreichische illustrirte Zeitung (Wien, 4°.) Jahrg. 1852, Nr. 37, S. 289 [mit Porträt im Holzschnitt] – Grenzboten (Leipzig, Herbig, 8°.) Jahrgang 1847 Bd. III, S. 531; Bd. IV, S. 45 [über das von Kübeck verfügte Aufhören der Creditcasse]. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon [311] (Ergänzungsblätter) (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Bd. XI, S. 381 [nach diesem geb. 28. October 1780]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 308; Bd. VI, S. 514 [nach dieser geboren 28. October 1780]. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann und Campe, 8°.) Bd. X, S. 66 u. 217 [nennt ihn an beiden Stellen „Einen der Redlichen“ am Wiener Hofe]. – BrockhausConversations-Lexikon, 10. Aufl. Bd. IX, S. 248. – Ritterstands-Diplom vom 20. October 1816. – Freiherrnstands-Diplom vom 29. März 1825. – Porträt. J. Kriehuber pinx., I. Krepp sc. (Fol.). – Heutiger Stand der Familie. Der Freiherr Karl K. war zweimal vermält. In erster Ehe (seit 28. December 1808) mit Franziska gebornen Bager (geb. 1. August 1785, gest. zu Venedig 11. April 1825); in zweiter Ehe (seit 5. Mai 1827) mit Julie geb. Lang (geb. 7. Mai 1805), Witwe seit 11. September 1855. Aus erster Ehe stammen: Franziska (geb. 5. November 1810), vermält (seit 5. Mai 1830) mit Lothar Grafen von Terlago, ehemaligen Vice-Präsidenten bei der Statthalterei für Tirol; Karolina (geb. 11. December 1813), vermält (seit 15. August 1837) mit Joseph Ritter von Derchich, k. k. Gubernialrathe und Landes-Protomedicus in den venetianischen Provinzen; Adolph Karl (geb. 27. Februar 1817, gestorben), Major im Infanterie-Regimente Erzherzog Ernst Nr. 48; aus zweiter Ehe: Julie (geb. 25. Juli 1828), vermält (seit 2. October 1858) mit Joseph Freiherrn Ceschi di Santa Croce, k. k. pens. Oberst; Julius (geb. 2. April 1830, gest. 1852), k. k. Fregatten-Fähnrich, befand sich auf dem am 4. März 1852 bei Venedig untergegangenen Schiffe Marianne; Maximilian (geb. 15. Jänner 1835), Herr und Landstand in Steiermark, Tirol, Böhmen, Mähren und Schlesien, Indigena von Siebenbürgen und Ungarn, k. k. Statthalterei-Secretär in Venedig, und derzeit Chef der Familie. – Wie in der Biographie oben bemerkt, wurde mit Karl Freiherrn von K. auch dessen Bruder Alois (geb. 19. Juni 1787, gest. 14. Juni 1850)[BN 1], k. k. Hofrath bei der vereinigten Hofkanzlei, in den Freiherrnstand erhoben. Freiherr Alois war vermält mit Luise gebornen Edlen von Montag (geb. 3. Jänner 1794). Aus dieser Ehe sind entsprossen: Clara (geb. 7. November 1817), vermält (seit 8. Februar 1842) mit Johann Putzer Edlen von Reibegg, königl. bayer. Consul zu Botzen und Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes; Alois Karl (geb. 29. December 1819), k. k. wirkl. Gubernialrath und Präsidial-Gesandter am deutschen Bundestage; Wilhelm (geb. 28. September 1825), k. k. Rittmeister in der Armee; Guido (geb. 13. Jänner 1829), k. k. Rath bei der Landesregierung in Krain; Wilhelmine (geb. 26. Mai 1833), vermält (seit 21. August 1854) mit Paul Putzer Edlen von Reibegg. Freiherr Alois Karl ist (seit 29. Juni 1857) vermält mit Fidele geb. Gräfin Salignac-Fénélon (geb. 24. Jänner 1838), aus welcher Ehe folgende Kinder stammen: Karl (geb. 18. April 1859), Alfred (geb. 22. Mai 1861) und Pia (geb. 8. Mai 1862). – Wappen der Freiherren von Kübeck. Blauer Schild mit einer silbernen gestürzten Spitze, in welcher ein doppelter schwarzer gekrönter Adler mit offenem Schnabel, ausgeschlagener Zunge, ausgespannten Flügeln und gestreckten Krallen schwebt. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone, auf welcher drei gekrönte Turnierhelme ruhen. Die Krone des mittleren Helms trägt den Adler der silbernen Spitze des Schildes; die beiden Kronen der äußeren Helme tragen jeder drei wallende Straußenfedern, und zwar eine silberne zwischen zwei blauen. Die Helmdecken sämmtlicher drei Helme sind blau mit Silber belegt. Die Schildhalter sind zwei aufrechte goldene Greife mit offenem Rachen, rothausgeschlagenen Zungen, welche mit beiden vorderen Klauen den Schild anfassen. Das frühere ritterliche Wappen war identisch mit dem eben beschriebenen freiherrlichen, nur fehlte die freiherrliche Krone und der oben beschriebene mittlere Helm mit dem Adler.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Kübeck, Alois Freiherr [Bd. XIII, S. 311, in den Quellen]. Der letzte Präsidial-Gesandte bei dem deutschen Bunde.
    Historisch-politische Blätter. Von Görres und Philipps (8°.) 1873, 72. Band, S. 873 u. f. [Band 28, S. 361]