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BLKÖ:Grassi, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Grassi, Joseph
Band: 5 (1859), ab Seite: 312. (Quelle)
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Grassi, Anton (Bildhauer, geb. in Wien 1755, gest. ebenda 31. Dec. 1807). Der Vater dieses Künstlers war ein talentvoller Galanterie-Arbeiter zu Wien. [313] Schon im zarten Alter wurde Anton als Zeichnenschüler auf die k. k. Akademie der bildenden Künste geschickt, wo der berühmte Messerschmidt, damals Professor der Bildhauerei, so viel Gefallen an dem talentvollen Knaben fand, daß er ihn im Alter von 13 Jahren in sein Haus nahm, und in seinem Fache ausbildete. Dadurch hatte er sich eine solche Kunstfertigkeit angeeignet, daß ihn der Hofstatuar Bayer zur Vollendung der Statuen, welche den Garten von Schönbrunn zu schmücken bestimmt waren, auswählte. Zu diesem Ende machten sie eine Reise nach Tyrol und entwarfen die Modelle in den Steinbrüchen, welche späterhin zu Wien ausgeführt wurden. Der kunstsinnige regierende Fürst von Dietrichstein-Proskau lernte, nach G.’s Heimkehr aus Tyrol, diesen bei dem Director Hagenauer kennen, und empfahl den jungen Künstler dem Director der k. k. Manufacturen, dem Hofrathe von Keßler, welcher ihn nun bei der Porzellanfabrik als Modellier anstellte. Sechs Jahre später wurde G. Modellenmeister und hatte in beiden Eigenschaften Treffliches in der k. k. Manufactur geleistet. 1790 wurde er von der Akademie der bildenden Künste zu ihrem Mitgliede erwählt. Erst 1792 ging sein Lieblingswunsch, in Italien sich für seine Kunst auszubilden, in Erfüllung. Schon als er 17 Jahre alt war, beschäftigte diese Idee ihn unaufhörlich und er machte einen ganz originellen Plan. Er wollte nämlich durch eine kühne Leistung so große Aufmerksamkeit erregen, daß man ihn unter die Zahl der Pensionärs aufnähme, welche auf Kosten des Staates nach Rom zur weiteren Ausbildung gesendet wurden. Durch unablässiges Bitten wußte er die Fürstin von Dietrichstein, seine besondere Gönnerin zu bewegen, daß er durch sie den Kaiser Joseph II. sehen, und wo möglich, in Wachs bossiren könne. Die Fürstin konnte dies um so leichter versprechen, da der Kaiser in ihrem Palais häufig die Abende in ihrem traulichen auserlesenen Kreise zubrachte. Die erwünschte Gelegenheit fand sich. Der Monarch kam, und schnell hatte der junge Künstler, welcher sich ängstlich in einen Winkel des Salons drückte, seine Zuge aufgefaßt, und im Wachs, das er in seinem Hute dazu bereit hielt, heimlich nachgebildet. Aber dem scharfen Blicke des Kaisers war das Treiben des Jünglings nicht entgangen, und mit gewohnter Leutseligkeit erkundigte er sich bei dem Fürsten nach seinem verlegenen Gaste. Der Fürst nahm nun den rohen Entwurf aus G.’s zitternder Hand und wies ihn dem Kaiser vor. Dieser war nicht wenig erstaunt über das Seltsame der Scene, und über die auffallende Anlage des jungen Mannes, welche auch von der glänzenden. Gesellschaft dadurch anerkannt wurde, daß man allgemein die Aehnlichkeit schon in den einzelnen Umrissen als sprechend erklärte. Joseph II. knüpfte hierauf ein freundliches Gespräch mit dem jungen Künstler an, und versprach ihm, ein paar Stunden zum Behufe seiner Arbeit zu sitzen. Als das Bild vollendet war, brachte es der Kaiser seiner Mutter, der großen Maria Theresia, welche es so unverkennbar getroffen fand, daß sie G. aufforderte, sich eine Gnade auszubitten. Entzückt stammelte er den Wunsch, mit den Zöglingen der Akademie nach Rom gesandt zu werden, aber leider war die Zahl schon voll, und die Monarchin mußte den betrübten Jüngling auf eine spätere Gelegenheit vertrösten. Wohl erhielt G. reiche Geschenke von Maria Theresia und Joseph II., aber erst zwanzig Jahre darnach ging sein Wunsch in Erfüllung. Er wurde nämlich auf Rechnung der Porzellan-Manufactur nach Rom gesandt, wo er aber wegen tumultuarischer Volksexcesse nur neun [314] Monate verweilte, diese Frist aber auf das Beste zu benützen verstand. Die Ausbeute seines Aufenthaltes in der Siebenhügelstadt waren eine treffliche Copie der berühmten Gruppe der Niobe, eine große Anzahl Reliefs, Büsten, Antiken und Statuen, dann eine reiche Sammlung von Zeichnungen. 1792 wurde G. Director der höheren Kunstclassen, und durch physische Leiden selbst zu arbeiten verhindert, widmete er seine ganze Sorgfalt der Ausbildung talentvoller Zöglinge, namentlich in der Landschaft- und Historienmalerei. Seine besten Arbeiten stammen aus der Zeit nach seiner Rückkehr aus Italien; vorzugsweise meißelte er Büsten und sind unter diesen besonders zu nennen: „Kaiser Franz I.“; – „Erzherzog Karl“; – „Bildhauer Canova“; – „Tonsetzer Haydn“. Dieses Letzteren innigster Freund war G., der selbst die Musik leidenschaftlich liebte, und ein Meister auf der Violine war. G. starb zu früh für die Kunst im Alter von 52 Jahren.

Erscheint hie und da als Grassy. – Annalen der Literatur des österr. Kaiserthums. 1804. Intelligenzblatt Nr. 1, Sp. 3. – Vaterländische Blätter, redigirt von J. M. Armbruster (Wien) 1808, Nr. 103. – Neue Annalen der Literatur des österr. Kaiserthums (Wien, Doll, 4°.) II. Jahrg. (1808) Intelligenzblatt August, Sp. 66. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) II. Bd. S. 116. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann, (Wien 1835) II. Bd. S. 416. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1835, 8°.) V. Bd. S. 340.