Zum Inhalt springen

Stillvergnügt

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Stillvergnügt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 580
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[580] Stillvergnügt. (Mit Abbildung.) An das hübsche Bildchen, welches uns in der anspruchslosen Gestalt des holländischen Mädchens ein so liebenswürdiges Stück Wirklichkeit schildert, knüpft sich eine kleine Geschichte, die wir den Maler selbst erzählen lassen. „Während ich,“ berichtet er, „in Zandvoort bei Haarlem einen alten Schiffer, der mir seines Kopfes wegen gefiel, in Oel abkonterfeite, sammelte sich viel neugieriges junges Volk um mich herum. Die holländische Jugend hat viel Natursinn, was mir wiederholt aufgefallen ist; man braucht nur einige Striche flüchtig hingeworfen zu haben, so wird sofort laut philosophiert: ‚Aha, das soll unser Dorf, das soll das Meer, das soll der alte Peter sein!‘ und es wird ein kritischer Vergleich zwischen Kunst und Natur angestellt. Ebenso ist die holländische Jugend gleich erbötig, dem Maler Modell zu sitzen, sich „scheldern“ (schildern, malen) zu lassen; man hat es leicht, sich aus einer Reihe fröhlicher Gesichter das passendste zu wählen. Das ‚Zandvoortje meisje‘, ‚das Mädchen aus Zandvoort‘, war auf die Frage, ob sie auch ‚gescheldert‘ sein möchte, sofort bereit.

Am anderen Morgen war sie pünktlich an einer bestimmten Stelle in den Dünen, wo das Dorf im Hintergrund einen willkommenen Abschluß für das Bild geben mußte. So, wie sie sich dort selbst hingestellt hat mit dem großen braunen Strumpf in der Hand, der für den Vater bestimmt war, ist sie von mir gemalt worden. Die Kleine war eine ganz besondere Plaudertasche, auf jede Frage wußte sie lebhaft ihre Antwort zu geben. Hübsch war es, als ich ihr zum Lohn einige Geldstücke in die Hand legte und sie, verstohlen darauf niedersehend, überrascht ausrief: ‚O, soviel Geld!‘ Sie brachte es ihrer Mutter und bat mich nachher, ob ich dieser das Bild nicht auch zeigen möchte. Natürlich ging ich bereitwillig mit dem kleinen Original und seiner Kopie zu der Fischersfrau, welche sich nicht genug verwundern konnte über das Porträt ihres Töchterleins. Ein Bild an der Wand machte mich stutzig: ein Ostade! Leider war es nur eine gute Kopie[.]

Die Kleine zeigte sich von da an während meines ganzen Aufenthalts in Zandvoort außerordentlich anhänglich und aufmerksam, und als ich endlich Abschied nahm, da bedauerte sie lebhaft, daß ich nun fort müsse, und gar so weit – bis München. ‚Ist das noch weiter als Haarlem?‘ hat sie gefragt! – Es war ein echtes Kind der Natur.“

Stillvergnügt.
Nach einem Gemälde von J. Müller-Maßdorf.