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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 3

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Tafel 2 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 3
Tafel 4
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TAFEL 3
SCHNITZEREIEN IN ELFENBEIN, BUCHSBAUM,
PERLMUTTER, KIRSCHKERN. 9.–16. JAHRHUNDERT
[Ξ]

[45] a) Gebetnuß, Buchsbaum. – In den Höhlungen links die Kreuzigung, rechts die eherne Schlange, je im Halbrund frei geschnitzt und eingefügt. Die Inschriften, auf der Leiste umlaufend, lauten links: Christus passus est propter iniquitates nostras Isaie LIII capittolo, rechts: Sicut serp(e)ns exaltatus est pher Mo (=per Moysem) ita oportet exaltari. Außen links: levemus corda nostra cu(m) manib(us) ad dum (=dominum); rechts: atte(n)dite et videte si est dolor sic(ut) dolor ms(=meus).

Die Schalen sind durchbrochen, mit gotischem Fischblasenmaßwerk. Die Stifte bzw. Ringe und der Stift der Schließe fehlen.

Sehr ähnlich zwei Exemplare der Sammlung Spitzer (2137, mit dem Hl. Christophorus, hinsichtlich der Schale, und 2128, mit der Kreuzigung, hinsichtlich der einen Darstellung), Text, Bd. III: Arthur Pabst, Les sculptures en buis et en pierre de Munich, Tafel III, 5 und 12). Diese „grains de chapelet“ oder „noix de prières“, sind meist flämische Arbeiten aus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. So auch unser Exemplar.

Das Stück erscheint im Nachtrag des Inventars des Pretiosensaales von 1819, S. 515 c, LI, und ist aus der Kunstkammer 1832 dorthin abgegeben worden. Inventar der Königl. Kunst-Cammer zu Dreßden 1741, Cap. XXXVIII, 14, S. 656; Inventar 1640, Fol. 453 : Eine hölzerngedrehete kleine Kugel, als ein Uhr Gehäusse, so in der mitten von einander genommen werden kann, auswendig altväterlich als Münchs-Arbeit durchbrochen und ausgeschnitten, in einer Helffte die Creuzigung Christi, in der andern die Erhöhung der Ehernen Schlangen subtil in Holtz geschnitten. Stellet das alte und neue Testament vor.


b) Perlmuttermedaillon, durchbrochen, in silbervergoldeter Fassung, mit Öse und Ring. – St. Georg zu Pferde, den Drachen mit dem Schwert bekämpfend, dahinter die Prinzessin mit dem Lamm. – Vgl. Vöge a. a. O. 934, Tafel XXXI und 935, Tafel XXX. Das Dresdner Exemplar ist an Kraft der Bewegung beiden überlegen. Niederländisch, Anfang 16. Jahrhundert. – Abgebildet bei Seidlitz, Die Kunst in Dresden, Tafel 6 b. Inventar der Kunstkammer 1640, S. 113: 1 Perlenmutter rund durchbrochene Rose, darauf der Ritter St. Georgius zu Roß mit dem Lindwurm streiten.


c) Elfenbeinkamm. Die zwei Reihen Zinken, derbe und feine, sind durch einen durchbrochenen Steg und ebensolche seitliche Leisten verbunden. In ersterem zwei Satyr (Männer)-büsten, von Putten mit grotesken Ranken umgeben, in letzteren Voluten mit Delphinköpfen. Im Stil des Georg Penz (B. VIII, 315, 44; Nagler, Monogr. III., 1962). Mitte 16. Jahrhundert.


d) Perlmuttermedaillon, flach geschnitten, silberne Fassung mit Öse und Ring. Bildnisse von Kurfürst August, mit Umschrift: /Augustus D. G. Dux Saxoniae et Elector / und (Rückseite) Kurfürst Christian I., im Profil, gleichfalls mit Harnisch und Halskrause. Umschrift: / D. G. Christian. Dux Saxoniae. / – Dahinter die Signatur: (Georg Conrad?). Vgl. Vöge a. a. O. 944, 945, Tafel. XXXII. Dresdner Arbeit um 1590.

Inventar der Kunstkammer 1640, S. 114: 1 Rund Stück Berllmutter, wie ein Thaler darauff Churfürst Augusti und Churfürst Christiani Primi zu Sachßen bildnüsse geschmiedten.


e) Kirschkern, geschnitzt, in goldemaillierter Fassung, mit einer angehängten Perle. – Zahlreiche Köpfe, männliche und weibliche, mit verschiedenen Kopfbedeckungen, in verschiedenem nach unten wachsendem Format. – Geschenk des Herrn Christoph von Loß auf Pillnitz an Kurfürst Christian I. 1589. Geschnitten von Melchior Baier, Dresden.

Inventar der Kunstkammer 1595, S. 165: 1 Kirschkern in goldt eingefast, darauf 185 allerley angesichte hat Churfürst Christian zu Sachßen von Christof von Loß uf Pilintz vorehret ao 89. Das Stück war, mit zwei anderen, ähnlich geschnitzten Kirschkernen, die gleichfalls Geschenke des Christoph von Loß waren, eine Berühmtheit der Kunstkammer. (Anton Weck, Die … Dreßden, 1680, S. 38; Tobias Beutel, Der stets grünende … Cedernwald. 1683, S. 65.) [46] f) Elfenbeinreliefs; Besatzstücke eines Kastens. Links: Jugendlicher Krieger, den Speer in der Linken, die Rechte auf einem Postament (Altar), auf dem ein Putto ihm den Kranz reicht. Mitte: Krieger, mit der Rechten das Schwert schwingend, an der Linken den Rundschild. Rechts: Ähnliche Figur, stehend, der Putto mit dem Kranz auf einem Felsvorsprung l. – Die antike Formgebung bestimmt Umriß und Haltung der Gestalten. Eine zylindrische Büchse, mit der Darstellung des Verkaufs Josephs an die Ismaeliter, in Berlin (Volbach I. 366, Tafel 3, syro-ägyptisch, alexandrinisch, Vöge 4 (430), T. 3, italienisch (?) wird gleichfalls ins 6. Jahrhundert gesetzt. Der bei Pelka, Elfenbein, 1920, S. 45 abgebildete Bacchus des Kaiser-Friedrich-Museums, bei Volbach nicht erwähnt, wird dort als alexandrinisch, 4. bis 5. Jahrhundert, angesprochen. Die Dresdner Jünglinge (Herkules?) stehen dieser, deutlich von der Antike beeinflußten Tafel sehr nahe. Im Führer (Sponsel, 2. Aufl., 1921) nicht erwähnt. – Die Löcher für die Nieten jeweils in den Ecken.


g) Elfenbeinrelief. Allegorische Szene. Eine nackte Frau, auf dem Aste eines Apfelbaumes sitzend, weist mit der Rechten auf einen Fruchtkorb, eine bekleidete Frau mit Kopftuch deutet mit der Rechten auf ihre Brust. Voluptas und Caritas, Irdische und himmlische Liebe? Das sehr dünn gearbeitete Stück gehört als Besatz (Kapsel) auf einen Spiegelrahmen. Wohl deutsch, 15. Jahrhundert.


h) Elfenbeinrelief. Trapezförmiges Besatzstück eines Kastens, wohl von der Schräge eines dachförmigen Deckels. – Links auf einem Stuhl ein bärtiger Alter, die Rechte segnend erhoben; rechts ein Jüngling, der sich im Kuß zu einem Knaben niederbeugt: Josefs Abschied von seinem Vater Jakob und seinem Bruder Benjamin. Nach der Wiener Genesis. Alexandrinisch, 6. Jahrhundert.

Inventar Elfenbeinzimmer 269 ddd: „Ein kleines Relief, Christus mit zwei Kindern (Theilstück).“ Die Kriegerfiguren auf der Seitenwand eines byzantinischen Kästchens der Sammlung Carrand, Florenz, Nationalmuseum (Bargello), (Pelka, Abb. 41, S. 75) und eines ähnlichen im Musée Cluny, Paris, weisen verwandte Bildung auf. – Hans Graeven, Ein Reliquienkästchen aus Pirano, Jahrbuch der KH. Sammlungen des AH.-Kaiserhauses, 1899, XX. Bd., S. 5, weist 38 Elfenbeinkästchen nach, die zwischen Rosettenbändern Reliefs mit ähnlichen antiken Typen enthalten. Der Typus soll nach ihm aus Konstantinopel stammen und sich jahrhundertelang erhalten haben.


i) Elfenbeinrelief, achteckige Deckelplatte. Figürliche Szenen: oben ein stehender Jüngling und zwei, wohl knieende Gestalten, hinter einer Mauer vor einem Turm – unten ein König auf dem Thron, von Kriegern umgeben, setzt einem Knaben einen Reif (Krone) auf das Haupt.

II. 446. Byzantinisch, Ende 10. bis Anfang 11. Jahrhundert.

Goldschmidt, Ad. und Weitzmann, Kurt. Die byzantinischen Elfenbeinskulpturen des X.–XIII. Jahrhunderts I, Tafel VII, Nr. 13, S. 28 f. – Gehört als Deckelplatte zu einem achteckigen Kasten, zu dem das Grüne Gewölbe noch vier Stücke besitzt. Vorbild der Darstellungen ist eine Miniatur der Wiener Genesis. Darnach handelt es sich um Szenen aus der Josephslegende 1. Mos. 41,6 und 41,40: Besuch des Bäckermeisters und des Mundschenks Pharaos im Gefängnis, und Erhöhung (Krönung) Josephs. – Eine weitere Platte in London Brit. Museum (Dalton 17). Ein ähnlicher Kasten im Schatz der Kathedrale von Senlis (Goldschmidt 124).


k) Perlmuttermedaillon, durchbrochen, in silbervergoldeter Fassung mit Öse und Ring. – Christus am Ölberg, ein Engel bringt ihm den Kelch, die drei Jünger schlafen. Vgl. das Medaillon und Vöge, a. a. O. 521, Tafel XXXI. Deutsch oder niederländisch. Ende 15. Jahrhundert.

Inventar der Kunstkammer 164 a, Fol. 115 b: 1 Rundte Muschel von Berlenmutter, woran der Herr Christus am Ölberge mit seinen Jüngern abgebildet zubefinden.


l) Perlmuttermedaillon, durchbrochen auf vergoldeter Messingplatte. Christus am Kreuz, die Marien und Krieger. Vöge a. a. O. 537, Tafel XXXII: Niederrheinisch, Anfang 16. Jahrhundert.