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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 2

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Tafel 1 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 2
Tafel 3
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TAFEL 2
ELFENBEINPLATTE (HÄLFTE EINES DIPTYCHONS) MIT DEM
SEGNENDEN UND DEM AUFERSTEHENDEN CHRISTUS.
BYZANTINISCH, 10. JAHRHUNDERT
[Ξ]

[44] Die Darstellung ist zweiteilig: oben Christus, in der Linken eine Buchrolle, die Rechte segnend ausgestreckt, während zwei Frauen mit Glorien, Maria Magdalena und Maria Jacobi, vor ihm knien. Zwischen dem Herrn und einer Zypresse eingraviert das Wort: XAIPETE: Freuet euch! – Unten Christus, auf dem Rücken eines gefesselten, bärtigen Mannes stehend, faßt mit der Rechten den Arm eines Greises, der mit einer Heiligen rechts aus einer Gruft emporragt: Adam und Eva. Hinter Christus Johannes der Täufer mit dem Kreuzesstab und zwei diademgekrönte Heilige: David und Salomo. Über den Ureltern: H ANACTACIC: die Auferstehung. – An dem vergoldeten Rand die Auskerbungen der Metallschließen für die Gegenplatte. – Auf der polierten Rückseite ein lateinisches Kreuz mit Rosetten an den Enden und in der Mitte, in den Eckfeldern die Inschrift: IC XC NI KA: Jesus Christus siegt. Das Deutsche Museum in Berlin besitzt ein Triptychon mit der Kreuzigung Christi und je vier Heiligen auf den Flügeln, das der Dresdner Platte stilistisch sehr nahe steht. (W. F. Volbach, Die Elfenbeinbildwerke, in: Die Bildwerke des Deutschen Museums, 1923. J. 1578, Tafel 17. – Kgl. Museen zu Berlin, Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche. Die Elfenbeinbildwerke. Bearbeitet von Wilhelm Vöge. 1911. – 19 (447 A) Tafel 8 und 9. Ebenso der linke Flügel eines Triptychons mit der Figur des Erzengels Michael (Volbach 571, Tafel 15, Vöge 17 (437) Tafel 7), wo die Inschrift der Rückseite wiederkehrt. – Danach und nach dem Vergleich mit ähnlichen Stücken im Louvre (Schlumberger, L’épopée byzantine; Dalton, Byzantine art and arch. Westwood, A descriptive catalogue of the fictile ivories in the South-Kensington Museum, Garrucci, Storia dell’arte cristiana, Graeven, Frühchristl. und mittelalterliche Elfenbeinwerke) ist die Tafel zu Ende des 10. Jahrhunderts entstanden.

Inventar „nach 1732“, Fol. 87. „Ein alt Bildgen in Bein geschnitten, wie von einem Altärichen, darauff Christus in einem Felde mit 2 vor Ihm knieenden Weibleins, und im andern, wie Er Lazarum aufferwecket, ist etwas versprenget und geschrecket. Eingegeben den 24. May 1678.

Inventar 1741, pag. 236. Scheint Griechische Arbeit zu seyn. Am 6ten July 1832 zum Grünen Gewölbe abgegeben. Das Stück ist also unter Johann Georg II. (regierte 1656–1680) erworben worden, während die Berliner Tafeln erst 1889 und 1857 die Sammlung kamen.