Zum Inhalt springen

Seite:Aristophanes Donner 3Bd.djvu/0100

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Strepsiades.
So reite, fahre, wie du willst! Mir wahrlich thut es besser,
Ein Viergespann zu füttern, als durch Schläge mürb zu werden.

Pheidippides.
Ich komme wieder auf den Saz, wo du mich unterbrachest,
Und frage dich vor Allem: ob du mich als Kind geschlagen?

Strepsiades.

1410
Gewiß, aus reiner Liebe nur und Sorg’ um dich.


Pheidippides.
 So sage,
Ob’s nicht gerecht ist, daß auch ich durch Schläge meine Liebe
Dir zeige, da das Schlagen ja nichts ist als reine Liebe?
Wie sollte denn nur deine Haut frei sein von jedem Streiche,
Die meine nicht? Ich bin doch auch als freier Mann geboren.

1415
„Die Kinder heulen, und der Vater soll es nicht?“

Wohl wirst du sagen, also sei’s einmal bei Kindern üblich;
Doch ich erwied’re, Greise sind zum zweitenmale Kinder.
Und wohl verdienen Alte drum mehr Schläge denn die Jungen,
Je minder ihrer Jahre Zahl, zu fehlen, sie berechtigt.

Strepsiades.

1420
Doch nirgend ist es üblich, daß dem Vater so geschehe.


Pheidippides.
War’s nicht ein Mensch, der dies Gesez uns aufgestellt im Anfang,
Wie du und ich? Gewann er nicht mit Reden erst die Alten?
Wie stünde mir’s denn minder frei, der Folgezeit ein neues
Gesez zu schaffen, daß der Sohn den Vater wieder schlage?

1425
Die Schläge, die wir kriegten, eh man dies Gesez erließe,
Empfohlene Zitierweise:
Aristophanes: Die Wolken übersetzt von Johann Jakob Christian Donner. Leipzig und Heidelberg: C. F. Winter’sche Verlagshandlung, 1861, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aristophanes_Donner_3Bd.djvu/0100&oldid=- (Version vom 31.7.2018)