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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Trebsen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Trebsen
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 101–102
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Trebsen.


Trebsen, in Urkunden Tribizin, Trybesin, Trebezin, Trebissen und Trebisen genannt, ist seit der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts ein Vasallenstädtchen im Erbamte Grimma, während es vorher nur ein Flecken war. Der Ort liegt anderthalb Stunden von Grimma und zwei Stunden von Wurzen gegen 430 Fuss über der Nordsee in hügeliger Gegend, welche durch die nahen Waldungen, den Colmberg und dichtes Buschwerk viel Abwechselung erhält und namentlich durch die breite, fruchtbare Aue des Muldenstroms, der am südöstlichen Ende des Städtchens den von Selingstädt herankommenden Kranichbach und dem Schlosse Trebsen gegenüber den starken Mutzschener Bach aufnimmt, vorzügliche Annehmlichkeiten gewinnt. Von den Höhen herab bietet diese Aue vortreffliche Aussichten, welche durch das hübsche Städtchen Nerchau, das Dorf Neichen, Schloss und Dorf Nitzschka und andere Ortschaften ungemein gehoben und vervielfältigt werden. Nach Westen hin ragt aus dichter Waldung der kegelförmige mit Laubholz bewachsene Trebsener oder Altenhainer Colmberg hervor, in welchem sich ein trefflicher Steinbruch befindet, der einen kalkhaltigen, splitterigen Mauerstein liefert. Ueber die Mulde führt hier eine zum Rittergute Trebsen gehörige Fähre.

Das Städtchen Trebsen ist ziemlich unregelmässig an den Abhängen zweier Hügel erbaut, von welchen der Schlossberg eine Art Vorgebirge bildet. Es enthält über einhundert fünfzig Häuser mit etwa tausend Einwohnern, unter denen die meisten Handwerker, namentlich Leinweber sind, und etwa der achte Theil sich mit Landwirthschaft beschäftigt. Das schöne im Quadrat erbaute alterthümliche Schloss umschliesst einen grossen Hof und gewährt, obgleich es kein Thurm ziert, einen trefflichen Prospekt.

Bereits im Jahre 991 wird der Burg und des Ortes Trebsen erwähnt, indem es zu jener Zeit der Sitz des Gaugrafen Bucelin war, der von dem Erzbischof Gieseler von Magdeburg das Städtlein Nerichowa (Nerchau) für Pausitz (Busci) eintauschte. Letzterer handelte hier nach aller Wahrscheinlichkeit als Lehnsherr des Grafen Esiko. Am 6. October 995 überliess König Otto Nerci (ebenfalls Nerchau) als ein seinem Vasallen Esiko gehöriges Gut dem Stifte Meissen, sowie am 13. Juni 997 das Burgward Nirechouua, in der Grafschaft des Markgrafen Eginhard von Meissen gelegen, dem Erzstift Magdeburg. Es ist unmöglich, diese urkundlichen Dunkelheiten zu enthüllen. Im zwölften Jahrhundert gehörte Trebsen den Rittern von Trebissen, wahrscheinlich Nachkommen des Gaugrafen Bucelin, die sich nach der Sitte jener Zeit den Namen ihrer Burg beilegten. So befand sich im Jahre 1189 unter den Meissnischen Vasallen, welche auf dem Colmberge bei Oschatz ein Rittergedinge abhielten, auch Ritter Bernhard von Trebissen, und im Laufe der folgenden Jahrhunderte erhielt sich das alte stolze Geschlecht stets im Besitze ihres Stammgutes, bis dieses um 1505 an den Ritter Hans Friedrich von Saalhausen kam, der auch die Schlösser und Rittergüter zu Lauenstein, Schieritz und Püchen[VL 1] besass. Aber nicht lange finden wir die Ritter von Saalhausen als Herren auf Trebsen, denn 1519 herrschte hier Ritter Hans von Minkwitz, der noch 1546 bei Gelegenheit eines Kirchenstreites erwähnt wird. Von dessen Familie ging Trebsen an den Grafen Wolf von Barby über, der noch 1584 auf hiesigem Schlosse wohnte, und 1612 gehörte es einem Herrn von der Schulenberg, welcher in diesem Jahre drei Ritterpferde zum Defensionswerke stellen musste. Später besassen Trebsen mit Nerchau die Herren von Dieskau, von denen der königlich Grossbrittanische und churfürstlich Hannöversche Geheimrath Johann Adolf von Dieskau 1742 mit Tode abging, wodurch, da er ohne männliche Nachkommen starb, dessen Wittwe in das Erbe trat, jedoch an den Kammerherrn und Kreissteuereinnehmer Carl Heinrich von Dieskau auf Knauthain den vierten Theil eines gewissen Lehnsquantums abtreten musste. Nachher wurde Trebsen mit Nerchau Eigenthum des Doctor [102] Vincent Baumann zu Leipzig, nach dessen Tode es in Besitz von dessen Sohne, des Dr. Joachim Moritz Wilhelm Baumann gelangte, von dem es in neuerer Zeit sein Sohn Herr Advokat Adolf Baumann erbte.

Trebsen hält jährlich zwei Märkte und scheint in früher Zeit bedeutend grösser gewesen zu sein als jetzt, wahrscheinlich hat der dreissigjährige Krieg, dessen Geissel in hiesiger Gegend sehr hart empfunden wurde, oder vielleicht auch der Hussitenkrieg nachtheiligen Einfluss auf den vormals wohlhabenden Ort geäussert. Im Jahre 1642 herrschte hier eine furchtbare Pest, so dass selbst der Diakonus, von Todesfurcht erfüllt, aus der heimgesuchten Stadt entfloh. Das Diakonat war 1529 gegründet worden, aber nach dem Wegzuge des eben erwähnten Diakonus, Johann Harras, der sich in Altenhain niederliess, wurde es nicht wieder besetzt, doch wird seit dieser Zeit bei Erledigung des Pastorats der jedesmalige neue Prediger in Trebsen als Pastor und Diakonus zugleich vocirt, so dass das Collaturrecht zum Diakonat dadurch nicht aufgehört hat. – Die Kirche steht dem Schlosse gegenüber auf einem Berge, hat ein sehr gefälliges Aeussere, und im Jahre 1806 eine innerliche und äusserliche Renovation erfahren. Eingepfarrt in dieselbe sind das Wurzner Amtsdorf Bach mit zwanzig Häusern und einhundert sechszehn Bewohnern, Rittersdorf[VL 2] mit zehn Häusern und fünfzig Einwohnern, Pauschwitz mit fünfundzwanzig Häusern und hundertfünfundzwanzig Bewohnern, Walzig mit zwölf Häusern und siebenzig Einwohnern und Wednig mit achtzehn Behausungen und hundertzwanzig Einwohnern. Filial von Trebsen ist das drei Viertelstunden westlich entlegene Dorf Selingstädt.

Nächst Lauenstein ist Trebsen das einzige Rittergut im Lande, welches die Herrschaft über mehrere Städte ausübt, da es, wie schon erwähnt, ausser Trebsen auch Nerchau besitzt. Dieses Städtchen liegt auf dem rechten Ufer der Mulde, eine Stunde nordöstlich von Grimma, und ist von hohem Alter, indem es schon im zehnten Jahrhundert dem Bisthum Meissen überlassen wurde. Der Ort zählt fast achthundert Einwohner in hundertfünfundzwanzig Häusern, darunter acht Pferdnergüter und achtundzwanzig Gärtnergüter. Der Flächenraum beträgt nach der neuesten Vermessung 955 Acker 6 □ Ruthen mit 21600,39 Steuereinheiten. Seit 1833 befindet sich in Nerchau auch eine Apotheke. – Hier wurde noch vor einem halben Jahrhundert das berühmte und sehr leicht berauschende Bier, Pumpernickel genannt, gebraut. – Die Kirche bietet nichts Bemerkenswerthes, als ein hübsches Geläute, aus sehr alten Glocken bestehend und eine neue 1833 von Beyer in Grosszschocher erbaute Orgel; auch besitzt sie einige Legate.

Dem Pfarrer zu Nerchau stand bis in die neueste Zeit die Gerichtsbarkeit über das eingepfarrte Dorf Gornewitz zu, dessen Hausbesitzer, Männer und Weiber, alljährlich einen Tag Erntefrohne thun mussten. Eine alte Matrikel erzählt, dass der Pfarrer den Diakonus zu vociren und dessen Wahl den Rittergutsbesitzern auf Trebsen und Cannewitz anzuzeigen habe; dieses Recht aber ist von den Pfarrern abgekommen und steht schon längst den genannten Rittergutsbesitzern zu. Collator des Pfarramts zu Nerchau ist der Besitzer Trebsens, über das Diaconat aber haben die Collatur wechselsweise die Herren auf Trebsen und Cannewitz. Eingepfarrt nach Nerchau sind Gornewitz mit vier Gütern (dabei eine Mühle) und dreizehn Häusern, hundert Einwohnern, 232 Ackern und 3702 Steuereinheiten, Werschütz mit hundertachtzig Einwohnern, zehn Gütern, fünfzehn Häusern, 289 Aeckern 140 □ Ruthen und 3711 Steuereinheiten, Crottewitz mit sieben Gütern, drei Häusern, neunzig Einwohnern 348 Aeckern und 77 □ Ruthen und 8080 Steuereinheiten und Schmorditz mit zehn Gütern, acht Häusern, hundert Menschen, 283 Aeckern 100 □ Ruthen und 6521 Steuereinheiten.

O. M.     



Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Püchau
  2. handschriftliche Korrektur: Rothersdorf