Zum Inhalt springen

Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lössnig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: O. M.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lössnig
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 99–100
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
[99]
Lössnig.


Lössnig, in Urkunden auch Lösnigk geschrieben, liegt eine Stunde südlich von Leipzig an der Pleisse und besteht aus einem am 14. December 1702 zur Schriftsässigkeit erhobenen Rittergute, einer Kirche, Schule, herrschaftlicher Mühle und dreissig Häusern mit ziemlich dreihundert Einwohnern, welche, da sie keinen Grundbesitz an Feldern haben, zum Theil Handwerker zum Theil Tagelöhner sind und grossentheils in dem nahen Leipzig lohnende Beschäftigung finden. Die hiesige Schule wird von etwa sechszig Kindern besucht.

Das Rittergut Lössnig gehörte noch im vierzehnten Jahrhundert einer adeligen Familie von Lössnig, doch schon im funfzehnten Jahrhundert finden wir dasselbe im Besitze des alten reichen Geschlechts der Herren von Pflugk, die in Leipzigs Nähe bedeutende Güter innehatten. Heinrich von Pflugk, ein Sohn oder Enkel Damians von Pflugk auf Grosszschocher und Zöbigker, ist der älteste bekannte Besitzer Lössnigs aus der Pflugkschen Familie und von ihm oder wohl richtiger von seinem Sohne Heinrich kam das Gut um 1460 an den Junker Wolf von Blasebalgk der mit Regina von Wiedemann vermählt war. Dessen Sohn, Balthasar von Blasebalgk, verheirathete sich mit Christinen von Goldhahn und starb um 1526, worauf das Gut an seinen Sohn Wolf von Blasebalgk gelangte, der es noch 1582 mit seinem Vetter Balthasar von Blasebalgk gemeinschaftlich besass, wenigstens nennt eine Inschrift an dem von ihnen der Kirche geschenkten Taufsteine Beider Namen. Hans von Blasebalgk, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Lössnig und Wachau, starb 1615 und Paul Christoph von Blasebalgk, vermählt mit Gertrud Müller, 1658. Dessen Sohn, Johann Heinrich von Blasebalgk, war geboren zu Lössnig am 22. April 1626 und übernahm nach dem Tode seiner Mutter, der 1669 erfolgte, [100] das Gut Lössnig. Im Jahre 1681 wurde er von einer Krankheit befallen, die ihn bis zu seinem, am 8. December 1704 stattgefundenen, Ableben nicht verliess, so dass man ihn überall hin tragen und fahren musste. Dieser Johann Heinrich von Blasebalgk war der letzte seines Stammes und fand in der Kirche zu Lössnig seine letzte Ruhestätte. Im Jahre 1705 erwarb Lössnig der königlich Polnische und churfürstlich Sächsische Commerzienrath und Oberpostmeister zu Leipzig Johann Jacob Keese auf Zöbigker, welcher jedoch bereits am 20. September 1705 in einem Alter von sechszig Jahren starb und die Güter seinem Sohne Johann Jacob Keesen, Oberpostmeister, Hof- und Justizrath sowie Rathsbaumeister und Senator zu Leipzig, hinterliess, der 1726 im neunundvierzigsten Jahre mit Tode abging. Dieser Herr wird von den Chronisten als ein durch Studien und Reisen mit ausserordentlicher Bildung ausgerüsteter Mann geschildert, der namentlich grosses Vergnügen an Herstellung schöner und geschmackvoller Bauwerke gefunden habe. Er hinterliess als Erbin des Rittergutes Lössnig eine Wittwe, Johanne Christiane geborene Rappolt, nach deren Tode dasselbe an ihren Sohn, den Kammerrath Jacob Friedrich Keese, auf Zöbigker kam. Der Oberhofgerichtsrath Jacob Friedrich Kees, sein Nachfolger, starb 1821 zu Leipzig und dessen Erbe Carl Jacob Kees, Senator im Rathsstuhle zu Leipzig, ging 1831 mit Tode ab, worauf Zöbigker und Lössnig an Dr. Carl Jacob Kees gelangten, der bei dem Tode seines Vaters noch minorenn war. Seit dem Jahre 1850 gehört Lössnig Herrn Amtmann F. A. Graichen.

Der Besitzer des Rittergutes Lössnig hat das Collaturrecht über die hiesige Schule und stellt auch dem Pfarrer zu Markkleeberg eine besondere Vokation zum Pfarramte Lössnig aus. In früherer Zeit hatte nämlich Lössnig einen eigenen Pfarrherrn – der erste 1554 gestorbene war Stephan Göritz und der letzte, 1636 abgegangene, Johann Apfelbach – da aber die Einkünfte desselben höchst unbedeutend gewesen sein mögen, vereinigte man das Pfarramt mit dem zu Güldengosse und später mit dem zu Markkleeberg, so dass Lössnig des letztern Filial bildet.

Interessant ist die zwar kleine aber uralte Kirche. Sie liegt mitten im Dorfe, ist von dem Friedhofe umgeben und hat an der Abendseite einen Thurm, der von dem Kirchdache aus in einem Achteck mit Schiefer gedeckt bis zur Spitze ausläuft, welche einen Knopf trägt. Das Kirchdach ist ein steiles Satteldach, mit Dachziegeln verwahrt, auf dessen östlicher Spitze sich eine weibliche Figur von schwarzem Blech erhebt, den Blasebalg emporhaltend. Diese Erinnerung an die Familie von Blasebalgk ist ein Werk Junker Hansens von Blasebalgk. Der Thurm hat ausser einer Uhr drei Glocken, von denen die grosse 1442, die zweite 1526 und die dritte 1653 gegossen sind. Das Innere des Gotteshauses ist ziemlich gefällig und hell und verdankt seine freundliche Gestalt hauptsächlich der Frömmigkeit und Milde der 1826 verstorbenen Frau Christiane Therese Kees, geborene Schlipalius, die zweihundert Thaler zur Reparatur der Kirche testamentarisch verordnete. In dem Fussboden, der mit Mauersteinen belegt ist, sind noch drei Leichensteine vorhanden, welche die Asche längst verstorbener Mitglieder der Familie von Blasebalgk decken, deren Wappen sich noch deutlich wahrnehmen lässt, während die Inschriften im Laufe der Jahrhunderte bedeutend gelitten haben, so dass sie kaum noch mit Bestimmtheit zu entziffern sind. Auf einem dieser Steine ist noch zu lesen: „Ehrsame Frawen Carolina Hans Blasebalg“, auf dem andern lassen sich kaum noch einzelne Buchstaben erkennen und der dritte enthält ausser einigen lateinischen Versen die Worte: „Anno Christi CIϽIϽXCVII den VII. August vmb II Uhr Nachmittags“. Auf dem über der Kanzel angebrachten Baldachin liest man: „Zum Gedechtniss had der edle gestrenge vnd ehrenveste Hans Blasebalg of Lösnigk dieses verehret anno 1611“. – Vorzüglich bemerkenswerth ist in dem Fenster des herrschaftlichen Kirchenstuhles ein treffliches, altes Glasgemälde mit dem Blasebalgischen Wappen, der aufwachsenden Figur im rothen Felde mit goldener Krone auf dem Haupte und langem weissem Mantel, den Blasebalg in der rechten Hand haltend, und der Unterschrift: „Balthasar Blasebalgk“. An der Eingangsthür zum herrschaftlichen Stuhle stehen die Worte: „A Johann Heinrich von Blasebalgk haec janua templi jure patronatus aedificata fuit die XVI. Juli Anno MDCLXIX. Ein altes schönes ausdrucksvolles Gemälde, die Geisselung Christi darstellend, schenkte hiesiger Kirche 1667 der Maler Christian Simon in Leipzig, und den mit vier Wappen geschmückten Taufstein haben die Vettern Wolf und Balthasar von Blasebalgk 1582 der Kirche verehrt. Am hölzernen Aufsatze des Taufsteins liest man: „Anno 1612 hat der edle vnd ehrenveste Hans Blasebalgk dieses renoviren lassen. – Die Legate der Kirche bestehen in 1000 Thalern, welche Gertrud von Blasebalg am 26. August 1699 zum Besten des Pfarrers und Schullehrers legirte und in 500 Thalern, von Jungfrau Rahel Caroline Friederike Kees zu Leipzig vom 31. Juni 1803, zur Verbesserung des Lehrergehaltes.

Schwere Tage trafen Lössnig im Jahre 1813, wo die Leipziger Völkerschlacht namentlich auf diesem Punkte am entsetzlichsten wüthete. Dabei wurde von den Oestreichern ausser einigen Häusern des Dorfes auch das Rittergut sammt einem Theile der Wirthschaftsgebäude niedergebrannt (13. October 1813). Dieses Herrenhaus war im Jahre 1738 von der Wittwe des Hofraths Keese, Johanne Christiane geborene Rappolt, ziemlich auf derselben Stelle neu aufgebaut worden, wo früher das kleine feste wahrscheinlich von den Pflugken oder den ersten Besitzern Lössnigs aus der Familie Blasebalgk errichtete Schlösschen gestanden hatte. Lange Zeit lag das eingeäscherte Herrenhaus in Ruinen, bis es endlich in seiner jetzigen Gestalt aus dem Schutte aufstieg. Nach der Schlacht bei Leipzig erhielt Lössnig von dem Unterstützungsvereine achthundert und vierzig Thaler.

O. M.