Zum Inhalt springen

Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Sachsenburg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Otto Moser
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Sachsenburg
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 31–32
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
[31]
Sachsenburg.


Die Sage erzählt: „Im Kriege Carls des Grossen mit den heidnischen Slaven habe das Fränkische und das mit ihm verbündete Sächsiche Heer in hiesiger Gegend ein Lager aufgeschlagen und dadurch Veranlassung zur Entstehung der Ortschaften Frankenberg und Sachsenburg gegeben. Eine alte Chemnitzer Chronik versichert, Kaiser Karl habe befohlen, auf einem Berge die Sachsenburg zu erbauen; es ist jedoch wahrscheinlicher, dass dieses Schloss erst unter Heinrich dem Vogelsteller entstand und unter dem Befehle eines kaiserlichen Vogtes eine Besatzung beherbergte, welche die umliegende Gegend vor den Einfällen der bezwungenen Sorben zu schützen hatte. Eine uralte Tradition behauptet, ein Deutscher Kaiser habe Kolonisten aus den im Lande Hessen gelegenen Städtchen Frankenberg und Sachsenberg hierher verpflanzt und auf dem Schlosse Sachsenberg eine Zeitlang selbst residirt“ – aber alle diese Angaben entbehren der historischen Beweise.

Urkundlich erscheint die Sachsenburg zuerst im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, wo sie von den Rittern von Mildenstein bewohnt war, die indessen vielleicht blos als Burgmannen darauf sassen. Bald nachher, 1254, hauste auf der Sachsenburg ein Ritter Heinrich von Schönberg, wahrscheinlich in gleicher Eigenschaft; durch alte Lehnsbriefe und Schenkungsurkunden ist aber nachzuweisen, dass bereits 1369 die Güter Schönberg und Sachsenburg erbliches Eigenthum der Herren von Schönberg waren. Kaspar von Schönberg, welcher durch die bedeutende Ausbeute, die er von dem Schneeberger Bergbau zog, grosse Reichthümer erlangte, liess das alte Schloss niederreissen und erbaute das noch jetzt stehende, welcher Bau im Jahre 1488 zu Ende geführt wurde. In der Schlosskapelle befindet sich darüber eine in Stein gehauene Inschrift folgenden Inhalts: „Dies Clos und Capelle hat der gestr. und ehrenveste Ritter Er Caspar von Schönberg bauen und machen lassen, der eine aus dem Geschlechte Maltitz, Barbara genandt zum Ehelichen Weibe gehabt und ist vollbracht nach Christi geburth 1488. Hannss Reinhardt sein Werkmeister.“

Die Familie von Schönberg blieb im Besitze von Sachsenburg bis zum Jahre 1609, wo Churfürst Johann Georg I. die Güter Sachsenburg und Frankenberg, ersteres von Heinrich und letzteres von Hans von Schönberg an sich kaufte. Aus beiden Besitzungen entstand nunmehr das Amt Sachsenburg, wozu die Dörfer Altenhain, Dittersbach, Gunersdorf, Hausdorf, Kokisch, Lauenhain, Mühlbach, Neudörfchen, Rösschen, Sachsenburg und Seifersbach gehören. Ueberdiess hat das Amt noch die Obergerichtsbarkeit über die Stadt Mittweida und die Gerichtsherrschaft Neusorge. – Nach Churfürst Johann Georg I. Tode hielt sich bisweilen dessen Wittwe, Magdalene Sibylle, auf dem Sachsenburger Schlosse auf, und da sie eine sehr wohlthätige und liebreiche Dame war, so tauften die umwohnenden Landleute ihre Töchter grösstentheils „Sibylle“, ein Name, den man noch jetzt sehr häufig bei alten Frauen der Umgegend antrifft.

Das Schloss Sachsenburg liegt einige tausend Schritte vom Dorfe gleichen Namens auf einem steilen Berge an dem Zschopauflusse. Man geniesst von hier auf das Zschopauthal hinab und über die Stadt Frankenberg, das Schloss Lichtewalde und Augustusburg hin eine entzückende Aussicht. Rechts im Thale zeigt sich das Fischerhaus, eine sehr besuchte Restauration, und eine grosse Mühle; links aber erheben sich dunkle Waldungen, begrenzt von fruchtbaren Wiesen. Vor Zeiten war das Schloss mit starken Mauern und Gräben eingefasst, die jedoch verschwunden sind, und von den drei Abtheilungen, aus welchen die Veste einst bestand, wurden eine Anzahl Gebäude [32] durch plündernde Soldaten im Jahre 1632 niedergebrannt. Von den beiden noch vorhandenen Theilen bildet der hintere das eigentliche Schloss, und dient dem Justizamtmann, dem Rentamtsverwalter und dem Sporteleinnehmer zur Wohnung. Ausser der Amtstube enthält das Schloss eine Kapelle mit Kanzel und Altar, in welcher jedoch seit vielen Jahren kein Gottesdienst stattfindet. Das Schloss besitzt ausserdem einen hohen, starken Thurm mit einer Uhr und zwei Glocken, der nebst einem daranstossenden Gebäude als Amtsgefängniss benutzt wird. Zum Kammergute gehören gegen 450 Acker Wiesen und Feld. Die aus dem Thale zum Schlosse führenden, mit Geländer versehenen 302 steinernen Stufen liess auf eigene Kosten Gabriel Gau, welcher 1729 hier Amtmann war, anlegen.

Aus einigen Urkunden und Traditionen geht hervor, dass einst in dieser Gegend eine alte Burgwarte mit Namen „Gozne“ stand, wer sie aber erbaute und wann sie zerstört wurde, ist nicht zu ermitteln. Man glaubt, Gozne habe auf dem sogenannten Treppenhauer, einem westlich vom Schlosse liegenden Berge gestanden, welcher die Höhe des Schlossberges zwiefach überragt, und wirklich sind hier noch Spuren von Gräben und wallartigen Aufwürfen wahrzunehmen, die indessen auch Verschanzungen aus späterer Zeit angehört haben können. Der Treppenhauer ist zum Theil mit herrlichen Eichen und Buchen bewachsen und eine grosse Anzahl Bingen sind als Zeugen des ergiebigen Bergbaues zurückgeblieben, welcher hier bis zur Zeit des 30jährigen Krieges stattfand. Die Schlossschenke oberhalb des Schlosses wird aus der Umgegend fleissig besucht, auch ist der Gasthof zum Fischerhause mit trefflichen Zimmern und einem schönen Saale ein sehr besuchter Vergnügungsort der benachbarten Stadtbewohner, denn er hat eine herrliche Lage und ist durch einen trefflichen Sandweg mit dem Städtchen Frankenberg verbunden. Mit der an der Zschopau gelegenen Schlossmühle ist eine Baumwollenspinnerei vereinigt, welche in den Jahren 1836 und 1837 entstand. Das Zschopauwehr unter der Sachsenburg darf in Folge eines Vertrags vom Jahre 1533 von den Besitzern zum Nachtheile der Flossherren nicht erhöht werden, dagegen müssen aber auch diese, wenn sie mit einem Floss daran hängen bleiben, ersteren eine beträchtliche Strafe zahlen.

Das Dorf Sachsenburg liegt an der Strasse, die von Frankenberg nach Mittweida führt, zum Theil in einem sehr angenehmen Thale, und besteht aus elf Bauergütern, zwölf Gärtnerhäusern, vierunddreissig Häusern, einer Schenke, Schmiede und einem Gemeindehause. Die Zahl der Einwohner beträgt 450 Personen und das zum Dorfe gehörige Areal 646 Acker 108 Ruthen. Zum Gemeindeverband ist in neuerer Zeit das Schloss Sachsenburg mit der Schlossmühle, der Fabrik, dem Gasthofe zur Schlossschenke und dem Fischerhause gezogen worden. Für die Bewohner Sachsenburgs und Frankenbergs besteht ein Legat der Wittwe Christophs von Schönburg, Margarethe, einer geborenen Pflugk, welche 1575 auf Sachsenburg starb. Sie bestimmte nämlich die Zinsen von 2409 Gulden zu Stipendien für Studirende aus Sachsenburg und Frankenberg auf drei Jahre. Im Laufe der Zeit ist nun das Capital der Stipendiatenkasse auf 15839 Thaler angewachsen, so dass die Studenten 30 Thaler Stipendium empfangen; ausserdem werden aber von den Zinsen noch eine Anzahl armer Kinder der Stadt und der Amtsdörfer mit Schulgeld, Büchern und Kleidungsstücken beschenkt und den Schullehrern Gehaltszulagen verabreicht.

Die Kirche zu Sachsenburg ist unbedingt eine der ältesten in hiesiger Gegend und entstand aller Wahrscheinlichkeit nach bald nach Erbauung des Schlosses. Sie führt jetzt den Namen einer Tochterkirche von Frankenberg, ist jedoch eigentlich deren Schwesterkirche, indem der Archidiakonus in Frankenberg nicht als solcher, sondern als Sachsenburger Pfarrer in dieser Kirche das geistliche Amt zu verrichten hat. Alte Nachrichten behaupten, dass die Sachsenburger Kirche weit eher vorhanden gewesen sei als die zu Frankenberg, aus welchem Grunde erstere als Mutterkirche betrachtet werden müsse. Uebrigens ist erwiesen, dass die Kirche zu Sachsenburg einige Jahrhunderte vor der Reformation eine den heiligen drei Königen gewidmete Wallfahrtskapelle war. Sie ist ein massives, starkes Gebäude, an dem verschiedene Reparaturen und Veränderungen bemerkbar sind, überragt von einem starken, spitzen, mit Schiefer gedeckten Thurme.

Das Innere der Kirche ist durch neuere Reparaturen hell und freundlich geworden, durch dieselben hat man aber auch alle alterthümlichen Gegenstände vernichtet, mit Ausnahme des reich geschnitzten und stark mit Golde überzogenen Flügelaltars, auf welchem hübsch gearbeitete biblische Personen dargestellt sind. Von den alten Leichensteinen, welche einst in der Kirche über den Grüften der Ritter und Edelfrauen standen, hat sich blos einer erhalten, welcher dem Andenken Magdalenens von Schönberg, geborenen von Ende, der Gemahlin Heinrichs von Schönberg, gilt, die am 18. Januar 1605 auf dem Schlosse Sachsenburg starb.

Nach Sachsenburg sind eingepfarrt die beiden Dörfer Irbersdorf und Schönborn, von denen letzteres eine eigene Schule mit etwa 60 Schulkindern hat. Das schöne grosse Schulhaus in Sachsenburg wurde 1736 neu erbaut und 1830 mit Schiefer gedeckt; die Zahl der dahin gehörigen Schulkinder beträgt etwa 110. Der Gottesacker ist mit einer uralten Steinmauer umgeben, die wohl zugleich mit der ersten Kirche entstanden sein mag.

Otto Moser, Redact.