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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lippersdorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lippersdorf
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 117–118
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Lippersdorf.


liegt lang ausgestreckt und zum Theil in rauher Gegend an der früheren Augustusburger Grenze und der Zöblitz-Oederaner Strasse.

Lippersdorf wurde sonst Löppersdorf geschrieben und soll so viel heissen als Liebhardtsdorf. Die Entstehung des Ortes ist nicht genau zu bestimmen.

Ein Rittersitz war schon im 11. Jahrhundert hier und als die ersten Besitzer werden die Herren von Berbisdorf genannt. Es ist – heisst es in alten Schriften[WS 1] – das Geschlecht von Berbisdorf uralt und führt ein Wappen „gekrönte Arme mit dem leuchtenden Stern.“

Eine alte Urkunde besagt unter andern folgendes: „Anno 1440 hat der Grossmeister Weinrich von Kniproda mit Kunisduda, Fürstin zu Littaw, so eine Hewdin gewesen, eine Schlacht[WS 2] vor Khaen in Littaw gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich gewesen und sein fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen gewesen, im Maule darvon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens willen, er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein Wappen mit den abgehawenen gekrönten schwarz und rothen Armen (welches ohne Zweifel Blut undt Leiden oder schmertzen bedeutet) mit den darüber leuchtenden Stern verbessert und zu führen gegeben worden.“

Dieses Geschlecht von Berbisdorf stammt eigentlich aus Preussen, wie eine alte Nachricht besagt: „Caspar von Berbisdorf ist wegen Kriegsgefahr aussn Land in Preussen mit einem Graffen von Leisnek (Leisnig) in diese Länder kommen u. s. w. Seine Nachkommen besassen die Güter Wegfahrt, Duttendorf und den Hals neben den Pfandshilling aufn Lauterstein. Später brachten sie den Lauterstein erblich an sich und erst 1559 fiel Lauterstein an Churfürst August zurück.

Das Rittergut Lippersdorf blieb im Besitze der Familie von Berbisdorf bis Georg Heinrich von Berbisdorf, welcher 1761 ein neues Schloss hier erbaute, am 5. Sept. 1767 ohne Descendenten starb. Das Rittergut kam an seine Gemahlin Charlotte Wilhelmine geborene von Peistel. Im Jahre 1769 vermählte sie sich wieder, und zwar mit dem Major Carl Erdmann von Globig und überliess ihm das Gut. Nach dem Tode des Königl. Sächs. Conferenz-Ministers, Hans Ernst von Globig, welcher im Jahre 1826 erfolgte, übernahm das Gut der jetzige Besitzer, der Kammerherr, Herr Gustav Alfred von Globig. Ihm und seinem Vorbesitzer haben Lippersdorfs Bewohner viele Wohlthaten zu verdanken.

Der Ort Lippersdorf stand vor der neuen Gerichtsorganisation unter 3 Gerichtsbarkeiten. Die Begüterten gehörten zu den 3 Rittergütern Lippersdorf, Ober-Forchheim und Nieder-Forchheim; die Häusler aber [118] insgesammt nur zu den Rittergütern Lippersdorf und Ober-Forchheim. Der Niederforchheimer Antheil bestand nur aus Begüterten. Solches hat Christoph von Berbisdorf auf Ober- und Niederforchheim in seinem Testamente vom 28. Mai 1649 bestimmt.

Daselbst heisst es: „Das Dorf Lippersdorf soll an Bauergütern neben dem Lehngerichte, wie solches vor der Zeit zu dem Obertheil gebraucht worden, mit allen zubehörigen Bauern und dessen Dienstleistungen verbleiben, die Häusler sollen sämmtlich, wie sie zu allen beiden Theilen gewesen, allzusammt benebst den befindlichen Hausgenossen, bei dem Ober-Theil (d. i. Oberforchheim und Lippersdorf) verbleiben, zu Diensten gebraucht werden, wenn auch noch mehr Häuser in Lippersdorf gebaut werden, sollen sie gleichfalls bei diesem Obertheile verbleiben.“

Das Schloss von Lippersdorf ist geräumig und weit, wie dies schon aus der Abbildung zu entnehmen ist. Von den oberen Zimmern des Schlosses geniesst man eine herrliche Aussicht, welche auf der Höhe von Lippersdorf besonders beim sogenannten Dörr- oder Brechhause noch vermehrt wird.

Die Schicksale Lippersdorf anlangend, so ist nicht unerwähnt zu lassen, dass die Pest im 30jährigen Kriege viele Opfer gefordert hat. Auf den Reifländler Fluren befindet sich noch ein Denkstein zur Bezeichnung des Orts, wo zur Pestzeit die beiden Geistlichen von Lengefeld und Lippersdorf einander das heilige Abendmahl gereicht haben. Hostie und Kelch sind noch zu sehen, obschon der Stein sehr verwittert ist.

Das Dorf Lippersdorf soll zu dieser Zeit ganz öde und leer gestanden haben. Nach der Zeit haben arme Leute, welche der Religion wegen aus Böhmen vertrieben worden waren, sich hier niedergelassen und die durch Krieg und Pest verwüsteten Güter und Häuser angenommen.

Lippersdorf als Rittergut gehörte früher unter das Amt Lauterstein. Die Pfarre und Schule, worüber dem jedesmaligen Besitzer die Collatur zu steht, gehört jetzt noch wie früher zur Inspection Freiberg.

Die Kirche hat schon lange vor der Reformation gestanden. Ums Jahr 1670 ist auf Antrieb des damaligen Collators Christoph von Berbisdorf eine Hauptreparatur damit vorgenommen worden. Das Innere ist dadurch geräumiger und lichtvoller geworden, dass im Jahre 1834 2 neue Fenster angebracht worden sind.

Am Altar ist in der Mitte desselben die Kreuzigung Christi, auf der einen Seite die Geburt Jesu, auf der andern die Taufe Jesu abgebildet.

Unter demselben ist zum Andenken eines von Berbisdorf folgende Aufschrift zu lesen: „Anno 1556 ist der edele, gestrenge undt ehrenveste Casparis von Berbisdorf uff Lipperseorf undt Niederseide, Churf. S. Hauptmann der Empter Wolken-, Lauter- und Welogstein geboren in seinem anbüchlein ampt ufn Schlotz Wolkenstein – den 23. Mai 1613 frue zwischen 8 und 9 Uhr G. a 57 Jh.“

Die Orgel ist sehr alt aber noch gut. Im Jahre 1834 hat der derzeitige Besitzer die Kirche mit einem neuen Altare, Kanzel- und Taufsteinbekleidung von schönem blauen Tuche und 2 neuen schönen Altarleuchtern beschenkt.

Der Thurm musste in früherer Zeit wegen seiner Baufälligkeit kleiner gebaut werden. Zu einem neuen Thurmbau ist bereits ein Legat von August Gottlob Frank mit der Bestimmung hinterlassen, dass später seiner dabei gedacht werden soll.

Das übrige Kirchenvermögen besteht in circa 1800 Thlr.

Ortschaften sind weiter keine in die Kirche eingepfarrt. Rechts von der Kirche steht die Pfarrwohnung, ein altes Gebäude und links das Schulhaus, welches im Jahre 1830 von der Gemeinde sehr schön aufgebaut worden ist. Nennenswerthe Gebäude von Lippersdorf sind noch das Erb- und Lehngericht, sowie die Mühle im Niederdorfe.

Die Ortsbewohner treiben besonders Ackerbau. In früheren Zeiten gab das Kohlenfahren in die Schmelzhütten bei Freiberg für den hiesigen Bauer noch einen Nahrungszweig ab. Die Häusler und Hausgenossen bestehen meistentheils in Leinwebern, Tagelöhnern und Handwerkern.

Bemerkenswerth ist von Lippersdorf, dass hier im Jahre 1772 Gottlieb Fuchs der Sohn eines hiesigen Bauers geboren wurde, der durch Hagendorn zum Naturdichter erhoben wurde und als Pastor in Taubenheim gestorben ist.

Lippersdorf zählt jetzt 153 bewohnte Gebäude mit 210 Familienhaushaltungen und 1821 Einwohner. Der Ort bildet eine Gemeinde und gehört zum Gerichtsamt Lengefeld, zum Bezirksgericht Augustusburg, zur Amtshauptmannschaft Niederforchheim, zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Sschriften
  2. Vorlage: Schlaeht