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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Colmnitz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Colmnitz
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 105–106
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Colmnitz.


Colmnitz liegt 2 Stunden östlich von Freiberg, längs der Colmnitz an den Strassen von Freiberg nach Höckendorf und Dippoldiswalde.

Es wird eigentlich in Ober-Colmnitz und Nieder-Colmnitz eingetheilt, ersteres liegt südlicher, letzteres zieht sich gegen Norden. Es grenzt mit seinen Fluren nördlich an das Tännigt und den tharander Wald, östlich an den letzteren und an Klingenberg, südlich an Pretzschendorf und westlich an Nieder-Bobritzsch und Sohra.

Die beiden hiesigen Rittergüter, wovon das zu Nieder-Colmnitz blos schriftsässig, das zu Ober-Colmnitz amtssässig war, sind vereinigt.

Colmnitz wie Dorf Chemnitz, welches 1173 zuerst in der Kloster-Zellischen Begrenzungsurkunde vorkommt, war ein Zubehör der Herrschaft Frauenstein. Später kam es an das Geschlecht derer von Hartitzsch, deren Ahnherr Fischer an der Donau gewesen und einen deutschen Kaiser auf der Flucht mit der grössten Lebensgefahr über die hochangeschwollene Donau gesetzt haben soll. Da dieses Wagestück kein anderer Fischer unternehmen wollte, sei derselbe von dem Kaiser, dass er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben worden. In den Wappen der von Hartitzsche deuten 2 Fische allerdings auf eine solche Begebenheit hin. Dieses Geschlecht hat sich sonst von Harticz nach dem Rittergute bei Johnsdorf in Böhmen an der Sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wo sie als Freunde der Reformation flüchten mussten. Es hat auch wichtige Stellen im Rathe zu Freiberg bekleidet.

Ein Asmus von Hartitzsch auf Dorfchemnitz, Mitbesitzer von Colmnitz ist 110 Jahre alt geworden und im Jahre 1579 gestorben. Dieser hatte 4 Söhne gehabt, zwei sind in Schlachten geblieben, der dritte nach zurückgelegten Reisen zu Freiberg im Jahre 1568 meuchelmörderisch erstochen worden und der vierte Reinhardt von Hartitzsch hat Dorfchemnitz, Voigtsdorf und Colmnitz besessen und ist sonach als Stammvater dieser Linie von Hartitzsch anzusehen. Die Nachkommen dieser Familie haben sich zu verschiedenen Zeiten in Ober- und Niederdorfchemnitz, in Ober- und Nieder-Voigtsdorf, in Colmnitz und in Ober- und Nieder-Staucha getheilt und oft wieder die Güter Mancher vereint besessen.

Der Sohn des Georg Adolph von Hartitzsch und der Anna Christine von Schönberg, Ferdinand Wilhelm von Hartitzsch wurde im Jahre 1726 Besitzer von Colmnitz und starb am 1. October 1846 im 49. Lebensjahre. Derselbe hatte ein Fräulein von Meusebach, deren Vater sehr hohe Ehrenstellen in Sachsen und Polen bekleidete, zur Gemahlin. Sein Sohn, Johann Adolph von Hartitzsch ist vor ihm gestorben. Daher wurde Julius Alexander von Hartitzsch auf Ober- und Niederstaucha zugleich auch Erblehngerichtsherr auf Ober- und Niederdorfchemnitz und Colmnitz. Dieser ist das erste Mal mit einem Fräulein von Schönberg vermählt gewesen, nach deren Tode zum zweiten Male mit Fräulein Magdalena Elisabeth, einer geborenen von Zehmen aus Stauchitz; und dieser ist im Jahre 1764 61 Jahre alt in Dorfchemnitz plötzlich gestorben. Dessen Wittwe starb im Jahre 1785 in Dresden und ist als die lezte der Familie in dem Erbbegräbnisse zu Dorfchemnitz in der Kirche beerdigt worden; sie wird als eine sehr mildthätige Frau geschildert.

Letzteren beiden sind deren Söhne als Gerichtsherren von Ober- und Niederdorfchemnitz, Colmnitz und Ober- und Niederstaucha gefolgt, wozu sie im Jahre 1774 von Rudolph Dietrich von Hartitzsch noch Ober- und Nieder-Voigtsdorf, als dieser, aus Gram über den 2 Jahre früher erlittenen Verlust seines einzigen Sohnes, im Jahre 1772 ebenfalls sein Leben endete, als Lehns-Zufall erbten.

Diese beiden Söhne, welche zwei Schwestern Fräuleins von Gersdorf aus dem Hause Pulsnitz, zu Gemahlinnen hatten, theilten sich nun später in die Güter, nämlich der jüngste, George Adolph von Hartitzsch, Domprobst und Amtshauptmann bekam Ober- und Nieder-Staucha, welcher noch Haide mit Knathewitz bei Wurzen sich kaufte.

Der älteste aber, Hans Dietrich Alexander von Hartitzsch erhielt Ober- und Nieder-Dorfchemnitz mit Ober- und Nieder-Voigtsdorf und Colmnitz und kaufte sich noch dazu Röhrsdorf bei Königsbrück. Dieser [106] starb in Röhrsdorf 1820 76 Jahre alt. Der jüngste Georg Adolph hatte 3 Söhne, wovon der älteste George Heinrich von Hartitzsch, Kammerherr und Hof- und Justizrath Staucha bekam, welcher 1825 verstorben ist und eine Wittwe, eine geborene Gräfin von Holzendorf und 3 Töchter Marie Louise, Pauline Agnes und Anna in Staucha hinterlassen hat. Der jüngste Sohn Julius besass Haide und ist 1818 gestorben, der zweite Sohn Hans Adolph von Hartitzsch, vermählt mit der einzigen Tochter des Hans Dietrich Alexander von Hartitzsch seines Oheims, Erdmuthe Friederike Elisabeth, Erb-, Lehn- und Gerichtsfrau auf Röhrsdorf, ist seit 1814 Gerichtsherr von Dorfchemnitz. Alle 5 Kinder haben sie durch den Tod verloren und seitdem ein Fräulein von Bose als Pflegetochter bei sich erzogen.

Von der Familie von Hartitzsch kam Colmnitz an den Ober-Steuereinnehmer und Kammerherrn Max Karl von Carlowiz, welcher im Jahre 1833 verstarb und das Gut seiner Wittwe Frau Maria von Carlowiz hinterlies, von welcher es deren Sohn, der Herzogl. Weimarische[WS 1] Kammerherr Karl Adolph von Corlowiz überkommen hat, welcher seit dem Jahre 1839 damit beliehen ist. Das hier in der Abbildung aufgenommene Schloss liegt in Nieder-Colmniz und hat eine sehr schöne bequeme innere Einrichtung, so wie die Wirthschafsgebäude vortrefflich zu nennen sind.

In Colmnitz sind ausserdem noch 5 Mühlen mit 2 Sägen, 6 Schmieden, 1 Lehn-Gut mit Gasthof. Auf Ritterguts-Grund und Boden stehen 1 Mühle und 8 Häusler. Dann sind hier 86 Hüfner, 55 Grossgärtner, 65 Kleingärtner und 22 Häusler.

Ausserdem leben hier viele Maurer und Zimmerleute, sowie Handwerker aller Art. Die Hauptnahrung der Einwohner sind der Feldbau und die Viehzucht; sie erbauen Sommerkorn, Gerste, Hafer und besonders Flachs.

Der Dorfbach entspringt oberhalb Pretzschendorf, fliesst durch ganz Collmnitz, theilt den Thämigt vom Tharandter Walde und fällt zu Naundorf in die Bobritzsch.

Die Kirche hat ein gefälliges Ansehen und enthält einen gothischen Flügelaltar. Seit dem Brandte vom 12. Septbr. 1812, wo das hiesige Schulgebäude ein Raub der Flammen wurde, ist dasselbe neu und massiv wieder aufgebaut.

Im Westen von Colmnitz liegt der steile bewaldete Culmberg, von welchem Colmnitz den Namen hat und welcher nicht mit dem 1 Stunde von Oschatz gelegenen, geschichtlich merkwürdigen Kolm - oder Kölmberg verwechselt werden darf. Auf letzterem wurden im 12. und 13. Jahrhundert unter den Markgrafen Otto, Dietrich und Heinrich dem Erlauchten 12. Landtage unter freiem Himmel gehalten, wobei die Ritter zu Pferde erschienen.

Wir haben oben schon erwähnt, dass Colmnitz im Westen auch mit Sohra grenzt und finden daher Gelegenheit, über diesen merkwürdigen Ort einiges Wenige hinzuzufügen, da schwerlich in diesem Album wieder die Rede ein Mal darauf kommen dürfte. Sohra, die Sauer-Aue, liegt in einem freundlichen Thale und gehört dem Rathe zu Freiberg als Verwalter des Johannishospitals. Die Burg Sohra, die wahrscheinlich im Hussitten-Kriege zerstört worden ist, lag im Walde nach Pretschendorf hin. Von dieser alten Burg Sohra existiren mancherlei schauerliche Sagen, so dass das verschwundene Ritterthum hier noch nicht so bald in Vergessenheit kommen wird. Für den Fremden ist sie jetzt schwer zu finden, da nur noch Spuren von Wall und Gräben vorhanden sind, die mit dickem Gesträuch überdeckt werden. Noch vor 70 Jahren waren Mauerruinen und Keller vorhanden, welche Ueberreste von den umliegenden Dörfern als Baumaterial benutzt, verschwunden sind. Sonst hiess es das Rittergut Sohra mit Oberbobritzsch. Die Ritter von Sohra stammen von hier. Durch Vermächtniss eines Ritters von Stenzenberg gelangte Sohra mit Oberbobritzsch im Jahre 1280 ans obgedachte Hospital.

Am Colmnitzer Wege besitzt Sohra einen kleinen Kalkofen, von wo aus man eine treffliche Aussicht nach Freiberg, Bieberstein u. s. w. findet.

Colmnitz gehört mit seinen 270 bewohnten Gebäuden, mit seinen 502 Familienhaushaltungen und 1914 Einwohnern zum Gerichtsamt und Bezirksgericht Freiberg, zur Amtshauptmannschaft Freiberg, zum Regierungsbezirk Dresden. –

O. M.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Weimarisehe